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42. _Samstag, 19. Februar. 1916.

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Noman von Jlse-Dore Tauner.

Fürstin Meta hatte sich auf einem dem Platz der jungen Fürstin gegemiberstohenden Sticht niederge­lassen, richtete ihre kalten, stahlblauen Augen auf das Antlitz her Schwiegertochter, dann hielt sie einen Augen­blick tune, um Christine zu einer Frage Zeit zu lassen. Aber Christine blieb stumm.

„Also — Mist Bethley will ihre Stellung hier auf- gcben, »nenn,du ihr in der Erziehung von Lorenz nicht mehr freie Hand lassest und wenn Frau Kathi nicht aus heineiu Dienst geht, was sagst du dazu?"

„Dann werden wir eine andere Bonne nehmen, es gibt deren so viele."

„Das geht rricht, Bethley must bleiben. Ich werde ihr sagen, daß sie wenigstens noch so lange bleibt, bis Exzellenz Dovmersbach emen Erzieher und Lehrer für Lorenz gefunden hat — und -dann wollte ich dir doch noch diese Notiz zu lesen geben —" sie schob die Zeitung in Christines Hände — „was sagst du dazu?"

Christines Angen irrten nur über die Zeilen, sie las die Worte, ohne ihren Sinn zu fassen, erst als sie zum zweitenmal las, kam die ganze Bedeutung dieser Nach­richt ihr zum Bewußtsein.

„Ich wußte es ja gleich", bemerkte die Fürstin, „Anne-Marie ist krank, geisteskrank gewesen, als sie die­sen wahnsinnigen Schritt tat.. Nun, hoffentlich ist >die Zeit nicht mehr fern, da der unglückliche Vater wirklich die kranke Tochter in geeignete Behandlung führen kann

— aber dem größten Skandal ist wenigstens klug vor­gebeugt."

Während dieser Worte hatte Fürstin Meta, wie in Gedanken, mit den bunten Garnrollen gespielt, die in dom Arbeitskörbchen lagen —• und da flatterte mit einem Male ein schlichtes, einfaches Kuvert auf, ein Kuvert, das die Adresse an die Fürstin Raupach trug — und das war Anne-Maries Handschrift, Fürstin Meta kannte die großen, klaren, steilen, energischen Buch­staben.

Christine -ergriff das Kuvert und steckte cs in ihre Tasche — schnell, ohne sichtbare Erregung mit der Miene eines Menschen, der sein Eigentum verwahrt, und Fürstin Mieta unterdrückte die Frage, die ihr schon mif den Lippen schwebte, ob und woher sie Nachricht von Anne-Marie habe. Ihr genügte, um zun» Ziel zu kom- men, vorläufig die Tatsache, daß Anne-Marie an Christine geschrieben hatte, das lvürde sie dem Fürsten JWurg berichten, er sollte sahen, wie sehr sie bestrebt war, ihm in dieser schwierigen Angelegenheit zu helfen

— oder ob sie sich an den Erbprinzen wandte? Zwar

sie wußte, daß er Christine einen Besuch gemacht hatte,

und wenn auch Christine darüber schwieg, dieser Besuch hatte Anne-Marie gegolten, aber sie war sich nicht iim klaren darüber, wie der Erbprinz zu der Sache stand.

Ilnd dann galt es, aufpassen, besonders auf der Schwiegertochter Korrespondenz. Christine erhielt im allgenreinen wenig Briefe — es würde ein leichtes sein, jhen Haushofmeister darüber zu verständigen, ihr zu be­

richten, wie oft und namentlich aus welchem Ort Brief» der Prinzessin ankamen.

Sie lobte die Stickerei, die Christine wieder zu» Hand genommen hatte, erklärte nochmals wortreich, mit Miß Bethley alles zu besprechen, nrachte sogar di» freundliche Bemerkung, daß sie sich wohl denken könne, daß Christine an der treuen Frau Kathi hinge, und ver­ließ nach liebenswürdiger Verabschiedung die Schwie­gertochter in dem befriedigenden Bewußtsein, daß sie die Angelegenheit, Anne-Maries Aufenthaltsort zu er- nritteln, mit aller Geduld und allem Fleiß einfädeln Würde. '

Christine blieb in schwerer» Gedanken zurück.

Ob sie dom Erbprinzen schrieb in der Erinnerung an das Schutz. und Trutzbündnis, da? sie beide für Anne-Mgries Sicherheit geschlossen hatten? War da? »»»»werblich, unwürdig vorr ihr, ihm zu schreiben, ihn um eine Unterredung zu bitten? Denn mündlich nur konnte sie ihm -das alles sagen, was Anne-Marie geschrieben »hatte, konnten sie beide erraten, was zwischen den Zeilen stand — sie fand es zu gefährlich, irgendwelche Ver­mutungen oder Nachrichten dem Prinzen Karl-Friedrich schriftlich zn geben.

Sie stieß die Fensterflügel ans und sah hinaus in den Park -und darüber hinweg in die schweigende Land­schaft, und noch niemals liatte sich das Gefühl der Un- freiheit und Gebundenheit so lähmend auf ihre Seelt gelegt. Sie nahrn den Brief der heimatlosen Freundin und drückte ihre schmalen Lippen ans die Zeilen: dir einzige, die sie liebte — und die ihr nun so fern lvar — und auch so einsam.

Da raschelte es leise im Nebenzinmrer, ihrem An­kleidegenrach, Kathi räumte auf. Kathi! Die würde den Brief besorgen, selbst, ohne einen» Menschen ein Wort zu sa-gen —• sie brauchte gar nicht die treue Person in eine unpassende Vertraulichkeit zu verwickeln. „Frau Kathi — es gilt, für den Frieden der Prinzessin Anne- Marie JWurg — ich muß diesen Brief an den Erb- pririzon fortsenden, ohne daß ihn hier jemand sieht —" und Kathi schwieg wie das Grab.

*

Karl-Friedrich von JWurg blickte sinnend in die Mammen des Kcmrinfeuers, die leicht emporzüngelnd den Brief Christines verzehrten. Aber er hatte die wenigen Zeilen so oft gelesen, das; er sic vollkommen in» Gedächtnis behielt. Christine hatte eine wichtige Nach­richt, der Name feiner Schwester war nicht genannt, aber für ihn stand er Avischen den Zeilen, und sie hielt es für wünschenswert, ihn zn sprechen, ebenso aber hielt sie es für unvorsichtig, wenn er wieder ihr seinen Besuch »»rachen würde. Ob er sich wohl entschließen könnte, wenn er zu "den Jagden nach Wiesanheim käme, bei ihrer Schwiegermutter sich melden zu lassen, die es übel ver­merken würde, »venu der Sohn ihres „alten Freundes JWurg" sie wieder überginge.

Karl-Friedrich -Haie alles wohl erwägen, er mußte Christine recht geben, und während er den kurzen Brief