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Freitag, 18. Februar 1916. flfeCll6 s BU$9ClbC. Nr. 82. ♦ 64. Jahrgang.
Der Krieg.
Erneute Gegenvorstöße der Engländer bei Ypern blutig abgewiescn. — Erfolgreiche Minensprengungen bei Lens und Arras. Ein neuer erfolgloser Angriff der Franzosen südlich der Somme.
> Der Tagesbericht vom 18. Februar.
W.T.-B'. Großes Hauptquartier. 18. Februar. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Die Engländer habe« nochmals versucht, ihre Stellungen südöstlich von Dpern zurückzugewinnel». Sic wurden blutig abgewiesen. Nordwestlich von Lens und nördlich von Arras haben unsere Truppen mit Erfolg Minen gesprengt.
Eine kleine deutsche Abteilung brachte von einer nächtlichen Unternehmung gegen die englische Stellung bei Fonc- quevillers (nördlich von Albert) einige Gefangene und ein Maschinengewehr ein.
Hart südlich der Somme brach ein Angriff frisch angesetzter französischer Truppen in unserem Feuer zusammen.
Auf der übrigen Front zeitlveise lebhafte Artillerie- kämpfe; keine besonderen Ereignisse.
Nächtliche feindliche Flieger-Angriffe in Flandern wurden von unseren Fliegern sofort mit Bombenabwurf auf Poperinghe beantwortet.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Balkankriegsschauplatz.
Feindliche Flieger griffen den Bahnhof von H u d o v a (im Morawatale. südwestlich von Strumitza) an.
Oberste Heeresleitung.
*
Oie Lage.
(Won unserer Berliner Abteilung.)
I-. Berlin. 18. Febr. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Bei
Npern fühlten sich die Engländer bedrungen. auf die kleine Schlappe, die wir ihnen am 15. Februar zugefügt hatten, mit einem Gegenschlag zu antworten. Sie setzten sehr starke Kräfte ein, die auch mit Schneid vorgingen; es half ihnen nichts. Sie wurden abgewiesen, ohne den geringsten Erfolg erzielt zu haben. Nördlich von Reims gedachten uns die Franzosen mit ihren Stickgasen Unannehmlichkeiten zu bereiten, aber der Wind spielte den Streich, daß sie die üblen Gase s e l b st auszuriechcn bekamen. In den Vogesen verhinderte Schneefall jede Aktion.
Im O st e n gestatteten Kälte und klares Wetter wenigstens am nördlichsten Teil der Front lebhafte Artilleriebetätigung; sie stockte am südlichen Teil »vegen Tau- und Regenwetter. Alle von der Entente verbreiteten Nachrichten über russischen Geländegewinn bei T s ch e r n o w i tz sind unwahr. Die Österreicher halten dort fest ihre Stellungen.
B-m italienischen Kriegsschauplatz liegt nichts Besonderes vor. Ein italienisches Luftschiff überflog T r i e st, ohne Bomben abzuwerfen. Jedoch fiel ein italienisches Flugzeug unversehrt in die Hände der Österreicher.
Auf dem Balkan geht die Säuberung Albaniens vorwärts. Unsere Verbündeten pürschen sich immer dichter an Durazzo heran. Franzosen und Engländer griffen an der Strumitza erneut an. mit dem einzigen Ergebnis, daß auf beiden Seiten eine Anzahl Leute getötet wurden.
Der Fall von Erzerum wird amtlich bestätigt. Die Angaben, die von russischer Seite über den Umfang der Beute gemacht werden, sind sowohl, was die Zahl der Gefangenen wie der erbeuteten Kanonen anbetrifft, mit Vorsicht aufzunehmen. Zwar kann man zugeben, daß der V c r- lust dieser Festung s ch m e r z l i ch ist, aber die Bedeutung des feindlichen Erfolges braucht nicht übertrieben zu werden. Jedenfalls sind die Meldungen der Entente, daß der Fall von Erzerum sowohl im I r a k g e b i e t wie in Mesopotamien eine sofortige Rückwirkung haben werden, ganz unzutreffend. Auf einer Landkarte kleinen Maßstabs mag die Entfernung gering aussehen, in der Tat aber würden die russischen Truppen, selbst wenn sie genug Stoßkraft besäßen, um sofort weiter vorzurücken, was nach den opferreichen Stürmen auf die Front der Festung bezweifelt werden darf, sehr unwegsames und gebirgiges Terrain zu überwinden haben. Man darf die Lage im Kaukasus, wo sich der Großfürst Nikolai Nikolaje- witsch rehabilitieren sollte, ohne großen Pessimismus beurteilen.
Oer Fall von Erzerum.
W. T.-B. London, 17. Febr. (Nichtamtlich.) Das Reutcr- sche Bureau meldet aus Petersburg vom 18. Februar: E r z e r u m ist eingenommen.
Frankfurt, 18. Febr. (Jens. Bln.) Zu dem Fall der Festung E r z e r u m erhält die „Franks. Ztg." noch folgende Meldungen aus Petersburg und Paris: Die Petersburger Telsgraphen-Agentur veröffentlicht folgendes Telegramm des Bizekönigs deS Kaukasus. Großfürsten Nikolai
Nikolajewitsch, vom 16. Februar, nachmittags: „Gott hat unseren tapferen Truppen der Kankasusarmee einen so großen Beistand geliehen.daß Erzerum nach fünftägigem beispiellosen Sturmangriff eingenommen wurde. Ich bin unsagbar glücklich, Ew. Kaiserlichen Majestät diesen Sieg mitteilen zu können. Gez. Nikolai." — Präsident Poircare sandttk dem Zaren und dem Großfürsten Nikolai anläßlich des Falls von Erzerum Glückwunschtelegramme. — Der Petersburger Berichterstatter des „Temps" telegraphiert: Die russischen Truppen unter General Judemtsch hätten sich von Südosten her der Stadt Kop bemächtigt, seien dann ins Tal des Murad Tschai hinabgestiegen, hätten Khnis genommen und wären vor den Forts von Erzerum von einer Seite erschienen, wo die Türken sie am -wenigsten erwartet hätten.
*
Der Fall der türkischen Festung E r z e r u m kommt nicht unerwartet, da der russische Bericht bereits die Eroberung von neun Festungswerken zu melden wußte und die türkische Heeresleitung diese Nachricht unwidersprochen gelassen hat. Ohne den militärischen Erfolg der Russen verkleinern zu wollen, muß man doch sagen, daß der Fall der Festung nur örtliche Bedeutung hat, zumal der Kaukasus-Kriegsschauplatz weit entfernt von den Schlachtfeldern ist, auf denen einmal die Entscheidung fallen wird. Erzerum liegt weit von den lleinasiatischen Eisenbahnen entfernt, etwa 606 bis 700 Kilometer, die Zufuhren und Transporte sind schwierig zu bewältigen, aber andererseits beherrscht Erzerum doch die Lage der vom Schwarzen Meer und von Armenien kommenden Straßen. Wer die bisherige Geschichte der Festung Erzerum mit ihren 40 000 Einwohnern überblickt, wird schnell erkennen, dütz auch diesmal das Schicksal nicht abzuwenden
eine systematische Belagerung durchzuführen. Die Besatzung von 25 000 Mann leistete zwar tapferen Widerstand, konnte aber nicht verhindern, daß die Russen eine wichtige Zugangs- stratze nach der arideren besetzten und damit der Festung die Proviant- und Munitionszufuhr abschnitten. Auch diesmal hätte die Festung auf die Tauer dem russischen Ansturm nicht widerstehen können, wenn nicht der Frieden schnell über das Schicksal der Festung entschieden hätte. Durch den Wassen- stillstand vom 29. Januar 1878 wurde die Stadt den Russen ausgeliesert, im Frieden von San Stefano aber ihren alten Eigentümern zurückgegeben. In neuerer Zeit entschlossen sich die Türken, mehr für die Festung zu tun als bisher, und vor allem die Bewaffnung der einzelnen Werke zu vollenden. Ältere und neuere Kruppsche Geschütze wurden jetzt in den Forts ausgestellt. Aber auch die weiteren Befestigungsarbeiten konnten, wie der jetzige Fall der Festung wieder beweist, nicht nachholen, was man früher versäumte.
Oer Unterseebootskrieg.
O Berlin, 17. Februar.
So sehr wir überzeugt sind, daß die neuen Bestimmungen über die Führung des Unterseebootskrieges keine bloße And roh u n g bleiben, sondern binnen kurzem in Kraft treten werben, so dürfen wir uns nicht oerhöhlen, baß Möglichkeiten vorhanden sind, mit denen uns diplomatische Fallen gestellt werben können. Es wird die keineswegs leichte Aufgabe sein, dieser Gefahr zu begegnen. Nach der Ankündigung vom 8. Februar sollen bewaffnete feindliche Handelsschiffe ohne War-
HitteHMeer-
JCirmwvk
Korrei
Indischer-
Der asiatisch -afrikan. Kriegsschauplatz.
war. So oft Erzerum bis jetzt belagert wurde, ist es jede s- mal zur Übergabe gezwungen oder im Sturm erobert worden. In neuerer Zeit spielte Erzerum zweimal eilte größere Rolle. Zum erstenmal im russisch-türkischen Krieg von 1828/29, als General Pastjewitsch Ende Juni 1829 die Belagerung der Festung begann und sie am 9. Juli eroberte. Allerdings blieb Rußland nicht lange im Besitz der Stadt, da sie im Frieden von Adrianopel an die Türkei zurückfiel. Auch damals schon entsprach Erzcrum nicht den Anforderungen, die jene Zeit an eine moderne Festung stellte. Bei der Gleichgültigkeit aber, die die Türken im vergangenen Jahrhundert oft genug schwer schädigte, blieb auch in Erzerum lange Jahre hindurch alles beim alten. Erft 1864 begann man mit dem Bau von 14 neuen Festungswerken, die schließlich die alte Mauer, mit der die Zitadelle umgeben war, überflüssig machten. Wie wenig aber auch diese neuen Besesti- gungswerke modern genannt werden tonnten, zeigte der neue russisch-türkische Krieg 1877/78. Nach der Niederlage der türkischen Armee östlich von Erzcrum flohen die geschlagenen Truppen in die Festung, wo sie sich mit Mühe und Not wieder sammeln konnten. Ein kühner Handstreich, der die Russen in den Besitz einer Anzahl von Festungswerken brachte, schien ihnen die ganze Stadt in die Hand zu geben. Aber kurz daraus wurden sie von starken türkischen Abteilungen wieder aus den Forts vertrieben. So wurden die Russen gezwungen,
nung und Untersuchung versenkt werden. Wenn nun- mehr aus Washington gemeldet wird, Herr Wilson werde an uns die Frage stellen, wie wir die Unke r° scheiüung zwischen bewaffneten und unbewaffneten Handelsschiffen sichern wollen, so laßt es sich begreifen, daß diese Neugier besonders in L o n ü o n eine starke und sehr freudige Anteilnahme erweckt. Leicht möglich sogar, daß das Washingtoner Staatsdepartmnent zu seiner vielleicht schon nach Berlin gerichteten, jedenfalls aber zu erwartenden Anträge die Anregung gerade aus London erhalten hat. Sind wir nun aber wirklich verpflichtet, eine Unterscheidung im Sinne der offenbar in Washington geltend gemachten Forderungen vorznnehmen? Ließen wir uns darauf ein, so könnte es in der Tat dahin kommen, daß die Ankündigung vom 8. Februar stark cutwcrtet wird. Würden wir uns B e d i n g u n g e n für die Un t e rs ch ei d u n g von bewaffneten und unbewaffneten Handelsschiffen niachcu lassen, so wäre den Unterscebootskomimandanten eine einfach nicht zu tragende Verantwortlichkeit aufge- bürdet, und jeder Irrtum, der ihnen begegnete, müßte unsere Regierung den Vereinigten Staaten gegenüber in bedenklicher Weise haftbar machen. Daß davon keine Rede sein kann, ist wohl klar. Der Untevsecbootskrieg soll in dem Mjaße verschärft werden, in welchem!
