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Freitag, 18. Februar 1916. XTIOVQ^Tt - Ril$(JCtbC. Nr. 81. . 64. Jahrgang.

Der Tagesbericht vom 17. Februar.

Noch 8 Minenwerfer bei Oberfept erbeutet. — Lebhafte Artilterietätigkeit auf der Nord­ostfront.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 17. Fsbr. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.

Bei Aufräumungsarbciten in der neuen Stellung bei O b e r s e p t wurden noch 8 französische Minenwerfcr gesunden.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Auf dem nördliche» Teile der Front lebhafte Artillcrietätigkeit.

Unsere Flieger griffen Dünaburg und die Bahnanlagen bei W i l e j k a an.

Balkankriegsfchauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Der angedrohte Handelskrieg.

Die schamlose Offenheit, mit -der im Lager unserer Feinde fortgesetzt die Frage unserer wirtschaft­lichen Vernichtung nach demr Friod-ensschluß er- örtert wird, gehört siir uns zu den Beweisen -des Massenwahnsinns, der dem Viewevbande einst­weilen noch ssine gefährliche nachtwandlerische Sicher­heit gibt.. Am Tage des unvermeidlichen Erwachens wird der Zusammenbruch um so heftiger sein, und mit dem militärischen und dem politischen Zusammenbruch wird der des wirtschastspolitischen Hochmuts einher- gehen. Zwar die Absicht, uns vom Weltmarkt dauernd cchzuschneiden, trauen wir den Feinden schon zu, aber da sie einstweilen selber noch nicht wissen, wie sie das anstellen sollen, so brauchen wir uns nicht vor -der Zeit Sorgen zu machen, zumal wir bei der künftigen Ord­nung und Wiederherstellung dieses Gebiets der Welt- interessen doch nicht gerade ausgeschaltet werden können. Die Feinde sollten sich sagen, datz ein gut Stück Han­delspolitik im Friedensschluß, der ja einmal kommen mutz, festzulegen sein wird. Ihre Gier, die auf unsere Zertrümmerung ab zielt, stellt sich das nun aber io vor, datz der Vierverband als der selbstverständliche Sieger im Weltkriege in der Tat den Friedensoertrag oder die Summe von Friedens-Verträgen d-azu wird be­nutzen können und müssen, uns jeden Atem und jede Bewegungsfreiheit zu rauben. Solange im anderen Lager der Traum von unserer militärischen Bezwin­gung noch gehegt wird, solange mag dieser Irrtum so nebenher mitlaufen. Wir. die wir es besser wißen und die wir gelassen aus den Tag warten, wo die ernüch­ternde Wahrheit über die Kriegslage -die Jll u si o n s neb e l der Gegner zerstreuen wird, wir dürfen sogar mit einer gewissen Heiterkeit auf die sich vorbereitenden Versuche zu unserer Erdrosselu-ng blicken. Wenn englische und französische Blätter fordern, datz in den Handelsbeziehungen zukünftig zwischen Freund und Feind unterschieden werde, so wollen wir die Möglichkeit einer solchen Wirtschafts-Politik nicht be­streiten, und wir werden jo auch für uns und unsere Ver­bündeten dos Recht beanspruchen, in gl e i ch e r Weise zu verfahren, wenn mm uns von drüben her dazu nöti­gen sollte. Der Unterschied aber zwischen dem Vier- verbande und unlk"-em Bierbunde ist der, >datz die G e- -n ein samt eit, die besonders in London gepredigt wird, tatsächlich bis dahin weder besteht noch in Zu- kunst bestehen kann, während sie für Mitte l- e u r o p a und feine nach dem S ü d o st e n sich er­streckenden übereinstimmenden Interessen durch die geographischen Grundlagen derartig ver­bürgt ist, datz dieser Wirtschaftsblock „von Berlin bis Bagdad" nur nach seiner Organisation, nicht aber erst seiner -mühsamen Erschaffung bedarf. Bei unseren Feinden steht es nicht so. Den Engländern könnte cs freilich gut gefallen, wenn besonders Ruß­land seine Wirtschaftsbeziehungen zu uns abbräche und sie durch engere Ankünpfung mit Grotzbritannien ersetzte. Das läßt sich sa träumen, aber wird es auch geschahen? Es wird ganz bestimmt niemals ge- schoben. Rußland und Deutschland sind ans wirschaft- liche Ergänzung durch die Natur angewiesen, und wer dies Verhältnis in seiner Notwendigkeit er­faßt hat, der kann auch mit größerer Ziwersicht, als sie durch den Anblick des gegenwärtigen wilden Ringens gewährt wird, auf die Möglichkeit einer späteren Der- ständigung gerade nach dieser Seite hin blicken. W i r sind die besten Abnehmer Rußlands, und R -u ß- land ist unser bester Abnehmer. Das ist doch nicht die Wirkung freundschaftlicher Gefühle, sondern es hat sich so herausgäbildet, weil es im beiderseitigen Vorteil nicht anders sein konnte. Die Russen werden sich höflichst dafür bedanken, an .den Wagen des briti- jchen LrtjchajtL--Jm!perialisM«s gespannt zu wenden.

-denn sie würden sich damit nur empfindlich schädigen. Wir nehmen mit kühler Sicherheit an, daß auch in Italien, sogar in Frankreich, kaum anders -gedacht und gehandelt werden wird. Die lärmenden Vernichter unserer Wirtschaftskraft, Vernichter mit Worten, vergessen eigentümlicherweise, daß wir nicht bloß Verkäufer, sondern -auch Käufer sind, sehr -begehrte Erzeuger der besten Waren, deren Vorenthaltung im jetzigen Kriege vom Auslände noch stärker als von uns >e!Lst empfunden wird, einfach weil die erzeugten Waren ohnehin bei uns Unterkunft finden, -vom Aus­lande aber entbehrt werden müssen. Manche Vorschläge rm feindlichen Lager grenzen an Verrücktheit und be­weisen so zur Genüge ihre Undurchfü-Hvbarkeit. Wenn beispielsweise -gefordert wird, und -das ist geschehen, -daß die Dierverbandsmächie die bestehenden Gesetze für die Handelsschiffahrt abändern sollen, -um die deutsche Handelsschiffahrt von jedem Verkehr zwischen den Häfen dieser Mächte und ihren Kolonien -mszuschließen, so werden die feindlichen Regierungen gewiß von der Unmöglichkeit eines solchen Vorgehens überzeugt sein. Es ist aber ganz gut, daß wir der­artige Wahnsinnsausbrüche vernehmen, denn s-o -wird im künftigen Friedensschluß dafür gesorgt werden können, -daß der Unsinn unterbleibt. Über die Gesinnungen der Amerikaner gegen uns wissen wir ja Bescheid, und wir erwidern sie mit gleicher Gefühlsftärke. Aber so töricht werden wir niemals sein, uns vom amerikanischen Markt selber ausschl-ießen zu wollen, und so hirnverbrannt wird keiner unserer amerikanischen „Freunde" sein, uni zu fordern, daß die Union keine Waren mehr nach Deutschland sendet. Im Gegenteil, wir sind überzeugt davon, daß nach -dem Kriege der Handel zwischen uns und den Vereinigten Staaten gewaltig auf-bl-ühen wird. Sollten unsere Feinde etwa gar darauf rechnen, daß sie zu un- serer wirtschaftlichen Vernichtung auch -die Amerika­ner werden heranziehen -können? Da die Narrheit einmal Trumps sein soll, so ist auch das möglich, aber solche Hoffnungen werden ganz gewiß wie Schäume vor der Wirklichkeit zerrinnen. Nein, wir fürchten nichts und wir haben auch nichts zu fürchten.

Oie Lage im westen.

Die enormen französischen Kriegs­aufwendungen.

W. T.-B. Paris, 17. Fobr. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Die Erbö-hun-g der französischen Staatsa-usgaben erfolgt fast ausschl'-etzlich a-uf Kosten des Kriegsministeriums. Dem „T-smps" zufolge beträgt die Erhöhung gegenüber dem eilten Dierreljah-r allein 450 Millionen für das Artilleriewesen; von den anderen Mehrausgaben ent­fallen -unter anderem fast 83 Millionen auf Material für Flugwesen, fast 73 Millionen für Militäreisen- bahnen, fast 67 Millionen Kosten für Truppenver» sch i c b u n g e n und Transporte, und liy 2 Millionen für Unterbringung der Kolonialtruppen ln Lagern. Die Teuerung der Lebensmittel mochte eine unvermeidliche Mehrausgabe notwendig; für Futtermittel annähernd 21 Millionen und -über 35 Millionen für die Unterhaltung des Heeres. Die Löhnung beanspruchte eine Mehrforderung von 7 Millionen. Insgesamt belaufen sich die Kre-ditforderungen vom 1. August 1914 bis 30. Juni 1916 einschließlich des vor Ausbruch d-es Kriegs bewilligte i Budg-etzwölftels siir die letz­ten fünf Monate 1914 auf 46^ Milliarden.

Der „Temps" versucht die Hoffnung neu zu beleben.

W. T.-B. Paris, 17. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Ter „Temps" schreibt unter der Überschrift „Eintracht und kaltes Mut" u. a.; Die bevorstehende Pariser Konfe­renz der diplomatischen und militärischen Vertreter der Alliierten, wo gemeinsame Beschlüsse gefaßt werden, ist die passendste Antwort gegenüber Deutschland, das seine Kräfte auf-braucht, um uns zu veruneinig en und mis die Kaltvtut'gkeil verlieren zu machen. Deutschland entnervt sich, weil es seine noch beträchtliche Macht nicht gebrauchen kann, um gegen die Alliierten einen entscheidenden Schlag zu füh­ren, bevor sie ibre Überlegenheit aus allen Gebieten gesichert haben. Der gesunde Menschenverstand erheischt von uns AuSharren in unserer Haltung, bis wir alles bereit haben, um den Umschwung zu bewirken.

Oer Krieg gegen England.

Won der Zeppelinangst.

Über die Vorgänge in einer großen Stadt von Osteng­land, deren Name leider nicht genannt wird, -berichten die Londoner Blätter folgendes: Wegen der anscheinend noch immer sehr stark drohenden Zeppelingef-a-hr hat der Bürgermeister der Stadt drakonische Maßregeln für die öffentlich: Beleuchtung ergreifen lassen. Außer daß bei ein­tretender Dunkelheit alle Fenster dicht geschlossen sein müffen und kein Lichtstrahl aus einer Behausung nach außen dringen

darf, ist es sogar verboten, auf d-er Straße -eine Pfeife oder -- Zigarre -anInzünden. Die Benutzung einer Taschenlamp « wird mit hoher Geildstvafe geahndet. Nur Kinderwagen dürfen mit einer Laterne versehen sein. Diese Ansnshme- stellung der Fahrze-ug-e für SäuAiinge führte über bald 31* einem Mißbrauch. Kaum hüllte sich nämlich -die StiM in die vcrgeschriebene Finsternis, als überall mit Laternen ver­sehene Kinderwagen nuftauchten. Die Polizei mußte entdecken, daß sie in der Regel start ser Säuglinge nur Pakete ent­hielten, weil man sich eben nur der für Kinderwagen erlaubten Laternen bedienen wollte. Jetzt hat die Polizei Ausschau ge­holten, um Führer von beleuchteten Kinderwagen zur An­zeige zu bringen und eine neue Verfügung sagt auch, datz nach 9 Uhr abends Säuglinge nicht mehr auf die Straße gebracht werden dürfen.

Oie Ereignisse auf dem Balkan.

Französische Lastautomobile für die Wer- , Pflegling der abgeschnittenen griechischen Truppen bei Seres.

W. T.-B. Paris, 17. Febr. (Nichtamtlich.) Der französi­sche Generalstab hat dem „Journal" zufolge der griechischen Intendantur Lastautomobile zur Verfügung gestellt^ nm die Verpflegung der Truppen im Gebiet von Seres zu sichern.

Das Schicksal der Serben ans Korfu.

Konstantinopel, j6. Febr. (Franks. Ztg.) Ziwer-, lässigen Telegrammen zufolge betrügt die Zahl -der in Korfu gelandeten serbischen Truppen nicht 100000, sondern nur 23 000 Mann. Ihr Zustand spottet jeder Beschreibung: halb verhungert, nur auf -das n 0 t- üürftigste bekleidet, ohne Waffen und ab­solut mutlos, können diese Flüchtlinge in abseh­barer Zeit überhaupt keine Verwend-ung evhatten. Die Wut der Serben gegen ihre Verbündeten ist nnisagbar; besonders zeigte sie sich, als sich herausstellte, daß Frankreich, welches die Sorge für -das flüchtende serbische Heer übernahm, es auf K-orfu an den notwendigsten -Vorbereitungen erman­geln ließ. Dom 5. bis 12 Februar st a r b e n auf Korsir täglich etwa 200 serbische Soldaten.

Aus dem rumänischen Parlament.

W. T.-B Bukarest, 17. Febr. (Nichtamtlich. Dwahtbe- richt.) In der Kammer der Abgeordneten interpellierte K u z a, Professor an der Universität Jassy, und Greceanu wegen der Schlieh-u-ng der Universität Jassy. Unterrichts- min-ister D u c a stellte fest, daß tie Frage eine reine Schul- angelegenheit sei, die von dem Senat der Universität ah- hänge. Der Minister könne sich nicht einmischen u-nd be­dauere die Interpellation, die nur die Geister gegeneinander treibe. In einer solchen Atm-csphäre könne man nicht ver­nünftige Lösungen finden.

Im Senat fva-gie Enasescu den Ackerbaumin-ister, ob die Fabrik Letea eine^ Ausfuhrbewilligung über 2 000 Schweine eoha-lten habe. Ackerba-u-mtnister Constantinescu. erwiderte, daß Letea gegen eine -Entschädigung di-e Aus- fuhr-bewilliMng -erhalten habe. Doch gehe nichts hinaus, bevor nicht K 0 m p e n s a t i 0 n s w a r e im Lande sei. Dir festgestellt wurde, datz sich das Hornvieh in Rumänien rat 200 000 Stück vermindert habe, ordnete die Regierung; an, -daß nur 6000 Stück geschlichtetes Hornvieh hina-usgehenr dürfte. Die Verminderung sei dem Schmuggel zuzuschi^i- ben. gegen welchen die Regierung strengste Maßregeln er, griffen habe. » ,j

Der Krieg der Türket.

Der amtliche türkische Bericht.

IV. T.-B Konstantinopel, 17. Febr. (Richtamüich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront wurde ein feindlicher Monitor, der sich der Küste vo« A l a n D c r e nähern wollte, u:rd ein K r e u z e r, der auf die Höhe von Kara Tepe kam, durch das Feuer unserer Artillerie gezwungen, sich zu entfernen. Von den übrige» Kriegsschauplätzen ist nichts zu melden.

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Aus den verbündeten Staaten.

General Graf Bothmer beim Kaiser Franz Joseph.

IV. T.-B. Wien, 17. Febr. (Nichtamtlich. Drcchtbertchp) Der Kmfer hat vormittags in Schönbrunn im General dev Infanterie Grafen v. Bothmer i-n besonderer Audienz e-mp- fangen. Der General war von seinem -Adjutanten Majqn Alfred S ch u st e r begleitet.

Die deutsche Sprache in den Mittelschulen Ungarns.

W. T.-B. Budapest, 17. Febr. (Nichtamltlich.) Im 8lb- geordne-tenhawse eogrifs Dcinisterpräsident Graf Trsza das Wort, nm eine BemerSung des oMofWonellen AbgemÄdoetzen Saghy richtig zn stellen, der göfagt hatte, der Un-verricht-:

«rimjtsteL habe sich dah« gaÄchcah. die LemtLKv L-tzr r.