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Mittwoch. 16. Februar 1916.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 77.

Der Tagesbericht vom IS. Februar.

Bei Ypern 800 Meter englischer Stellungen genommen. — Fortgesetzte Beschießung von "env. — Abgewiesener Angriff bei Tahure. Artilleriekämpfe an der Front der Armee von Bothmer.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 15. Februar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Südöstlich von Ypern nahmen unsere Truppen nach aus- g-ebiger Vorbereitung durch Artillerie- und Minenwerferfeuer etwa 800 Meter der englischen Stellungen. Ein großer Teil der feindlichen Grabe,rbcsatzung fiel, 1 Offizier und einige Dutzend Leute wurden gefangen genommen.

An der Straße Lens-Bethune besetzten wir nach erfolgreicher Sprengung den Trichterrand. Der Gegner setzt die Beschießnng von Lens und seiner Bororte fort.

Südlich der S o m m e schlossen sich an vergebliche franzö- st,che Handgranatenkämpfe heftige bis in die Nacht an­dauernde Artilleriekämpfe an.

Nordwestlich von Reims blieb ein französischer Gas augriffsversuch wirkungslos.

In der Champagne erfolgte nach starker Feuervor­bereitung ein schwächlicher Angriff gegen unsere neue Stellung nordwestlich von T a h u r e. Er wurde leicht abgewiesen.

Oestlich der Maas lebhaftes Feuer gegen unsere Front zwischen Flabas und Ornes.

Ein nächtlicher Gegenangriff der Franzosen ist vor der ihnen entrissenen Stellung bei Obersept gescheitert.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist im allgemeinen u n ve r ä n d e r t Au der Front der Armee des Generals Graf v. Bothmer fanden lebhafte Artillerickämpfe statt. — Bei G r o b l a (am Scrcth, nordwestlich von Tarnopol) schoß ein deutscher Kampf­flieger eine russisches Flugzeug ab. Führer und Beobachter lind tot.

Balkankriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung

Österreichisch-ungarische Flieger über Mailand.

Ein weiterer Angriff auf Chio. — Wieder auflebende Artillerietätigkeit der Italiener an der Kärntner Front. — Vergeblicher Wredergewinnungsversuch im Rombongebiet

Vsterreichisch-ungavischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 15. Febr. (Nichtamtlich.) verlautet vom 15. Februar, mittags:

Amtlich

Russischer Kriegsschauplatz.

erhöhte Kampftätiqkeit feind- ucher Flieger ohne Erfolg. Nordwestlich von Tarno- »oi wurde em russisches Flugzeug durch einen dcut- -h e« Kampfflieger zum Absturz gebracht. Dir Jn- lasse« sind tot.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der Kärntner Front beschoß die feindliche Artillerie gestern unsere Stellungen beiderseits des -elsera und Seebach-Tales (westlich Raibcl). Um .^."crnacht erofsnete sie heftiges Feuer gegen die Front rwlschen dem rxella-Tal und dem Wisch-Berg. — Be» Kitsch griffen die Italiener abends unsere neue n^ung im Rombongebict an. Sie wurden unter ürohen Verlusten abgewiesen. Die heftigen Ge- f, t ampse an der k u st e n I ä n di s ch c n Front dauern

».Astern früh belegte eines unserer Flugzeug- ^stehend aus 11 Flugzeugen, den Bahnhof Fabrikanlagen in Mailand mit Bomben. Mäch­te Rauchentwicklungen wurden beobachtet. Ungehin­dert durch Geschützfeuer und Abwchrflugzcuge des »emdes bewirkten die Beobachtungsoffizicre plan-

,,wie wir im Kriege leben."

Professor Penck (Berlin) an Professor Smirh iPrinceton).

^ Professor der Erdkunde an der Berliner Uni- Dr. Albrocht Penck, auch bekannt als Direktor -des Museums fiir Meereskunde, hat an den amieri- r a urschen Professor 3 in t t h in Princcion, der sruher m Berlin Austauschprofessor gewesen war, einen ausführlichen Brief geschrieben, den er jetzt tau Verlag öon_ Engelhorns Nachfolger-Stuttgart unter dem Titel ..Wie wir im Kriege leben" zur Veröffentlichung bringt, flotter und anschaulicher Weise, fern von dein, »vas inan „Professorium" zu nennen pflegt, be- nandelt^ Penck das Lebeir des deutschen Volkes während des Krieges, in den St-Dten, auf den: Lande, in den Universitäten, im Konzert, in der Sommerfrische. Es sind scharfe und fleißige Beobachtungen, die rings im deutschen Lande gemacht worden sind und denr amerika- Nischen Kollegen wivdererzähit werden. Auch hier, wo em Gelehrter an einen Gelehrten schreibt, ist die Grund- stinmrung die, idaß jeder Deutsche seine Pflicht tut, da­heim oder an der Front, daß das deutsche LÄ>en güsnnd weiter geht und der Wille zuin Durchhalten und znni Siegen einmütig ist.

.. PMck war rm Anfang des Krieges in England zu- rilckgehalten worden und konnte dort natürlich keine richtige Vorstellung über die Verhältnisse gewinnen, u ^ I( Ö l>en deutschen Boden wieder betrat", so schreibt er, „da sielen mir die Schuppen von den Augen. Es genügte ein Blick aus das Land mit den pflügenden Bauern, aus die rauchenden Fabrikschornsteine, aus das ^,ebcn in den Straßen der Slädtc, um mich zu über­zeugen, daß in Deutschland trotz des ungeheuren Krieges, den wir zu führen haben, das Leben im ge­wohnten Geleise fortgeht." Wer Penck begnügte sich nicht mit dem, was er rm Vvrbeifahren sah, sondern er i eiste herum, um mehr kennen zu lernen. Er unterhielt sich rn den verschiedensten Teilen Deutschlands mit gut unterrichteten Männern über die Lage des Vaterlandes und konnte so einen Einblick erlangen in das Fühlen und Empfinden weitester Kreise.

Nach seinen Erfahrungen herrscht allenbhalben die Zuversicht auf das siegreiche Zick des Krieges; diese Zu- verstcht drängt sich aber nicht laut auf, sondern sie äußer:

swIbMiußtem .Handeln, in einem allgemeinen Gefühl der Pflicht. Im Vergleich zu dein, was unsere Landsleute durch Russen und Franzosen im Nordosten und Südwester, unmittelbar zu leiden hatten, sind nach Penck die Beschränkungen, die uns .der Krieg in: übri- .chland anferlegt hot, erstaunlich gering; und er fchrliuert tn zum Teil drastischer Zbnn, wie wenig es 'ur die Volksernähvung rm ganzen mit der Beschrän rilng deo Brot- und des Birtterkonsmns ans sich hat, tok gut es geht in.it den fleischlosen Tagen, wie die Gemüse wieder zu Ehren komnien und die Vegetarier triumphieren. Das Brot ist uns wieder etwas Heiliges geworden, und dies hält der Verfasser für einen großen Gewinn. „Heute gewöhnen wir uns daran, nicht mehr zu essen als notig, und wir befinden uns alle sehr wohl dabei.

Penck erinnert auch daran, daß noch sehr viele Gäste aus denr nou.ralen Auslande nach Deutschland komnien und hier eme tadellose Verpflegung finden. Nirgends fehlt es am notigen Verdienst, wenn auch der Krieg manche Erwe^szwerge zum Stillstand gebracht hat. Niemand hat daran gedacht, die Hochschiklen zu schließen, weil sich die Horerzahl vermindert hat. Me wissen- schafrlichen Zeitschriften bestehen weiter, die Theater spielen, die an sie geknüpften Existenzen sind nicht brot­los geworden. In einer kleinerl Stadt Thüringens, die von der Fabrikation von Pnppel: lebt, sah Penck, daß man trotz des Krieges nicht aufgehört bat, Kinderspiel­zeug zu nmchen. Er- fragte den Fabrikanten, ob -ihn denn der Krieg nicht störe, und dieser antwortete, daß er idas Material für die Pupperchaare früher aus Eng­land bezogen habe, seitdein die Einfuhr von dort ae- 'perrt sei, müsse man die Puppenhaare anders Herstel­len, imd c» ^ gehe mit dem neuen Material schon recht gut So wurden viele Tausende von Puppen herge- stellt, und viele Arbeiter hoben ihren Verdienst.

. Neue Industrien sind entstanden. Die Errichtung eines eigenen Munitionsministeriuins war in Deutsch

land nicht notig; die Socke lief noi, <rw

fange das Verdienst, baß jetzt in Kriegszeiten unser Leben so regelmäßig fortgsht und daß im Betriebe keine Stockungen entstchen." Aber es wird auch viel Neues geschaffen: Die Berliner Untergrundbahn lldord-Süd,

die Erweiterung des Bahnhofs Frankfurt a. M. und die Vollendung des größten Bahnyoss Europas, Leipzig, einige hundert Kilometer neue Eisenbahnen insw.

Unser Volk ist nicht eine uniforme Masse geworden: es gibt nach wie vor Mutige und Ängstliche, Enchnsiosten und Kritiker, keiner gibt bas gute Recht seiner Über­zeugung auf; aber jeder einzelne zügelt sich. Dian be­zeichnet bies im Ausland als bas Werk einer gewissen Organisation: „Der Kernpunkt ber deutschen Organi­sation ist bie strenge Pflichterfülltmg bei eineui jeden, bei reich und arm, bei hoch und niedrig. Hierin spiegelt sich eine mehr als hundertjährige Erziehung. Unter Staat ist nicht aufgebaut bloß auf den Rechten der ein­zelnen, sondern auch auf 'fren Pflichten, welche die ein­zelnen gegenüber der Gesamtheit 'haben."

bÄ ben Bombenabwurf. Der Luftkampf wurde lick. unseren Girnsten entschieden. Die feind­

lichen^.^ «Nieren Wnn,ren entschieden. Die feind- »lieger räumten das Feld. Außerdem belegten

IiL \ , ö ' a6r £ b ^. Kf > io n«t sicht-

Ä Erfolge mit Bomben. Alle Flieger kehrten wohl- ^>«ltcn zuruck.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: tu Höfer, Feldmarschalleutnaut.

land nicht notig; die Sache sich von selbst: „Das Geld, das die Kriegführung fettet, geht vom Staate zum Fabrikanten, von diesem an seine Arbeiter, von diesen Produzenten von Lebensmitteln. Bei jedem bleGt etwas als Gewinn sitzen, und dieser Gewinn kebrt schließlich als Zeichnung einer neuen Kriegs­anleihe zum Staate zurück." Penck schildert sehr hübsch, wie opferwillig die Hausfrauen dem Riife auf Preis­gabe ihrer Lupferllen Geschirre zngunsteu des Staates

'MQN foic leeren Nauplälze in Gärten verwandelt hat und was die deutschm Frauen rm Kriege für tüchtige .Leistungen allenthaLen voll­bringen: „Der deutschen Frau gebührt in weitem Um-

Oie Lage im Westen.

Die Schädigung der Belgier und Franzosen durch die Beschießungen ihrer eigenen Truppen.

35 Personen allein getötet.

W. T.-B. Berlin, 15. Fsbr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Auch im Januar ist die Einwohnerschaft der von uns besetzten ü e l g i s ch e n und f r a i: z ö s i s ch e n Gebiete durch das G e - schützfeuer der eigenen Landsleute und der Engländer wieder schwer betroffen worden. Eine sorgfältige Ausammen- stellung der Verluste gibt folgende Ziffern: Tot:

IC Männer, 13 Frauen, 12 Kinder. Verwundet: 28 Männer, 23 Frauen, 27 Kinder. Insgesamt wurden im Januar in den besetzten Gebieten also 133 Personen von ihren eigenen LandÄeuten oder den Engländern getötet oder verwundet.

Die letzten Zivilinternierten aus Frankreich zurürkgekehrt.

W. T.-B. Singen, 15. Febr. (Nichtamtlich.) Der letzte Zug mit deutschen Zivilinternierten ist gestern aus Frank­reich eingetroffen. Die Angekommencn wurden in der üb­lichen Weise empfangen und verpflegt. Im ganzen sind vier Züge mit 863 Personen eingetrofsen, die der Heimat wieder zugesührt worden sind.

Ein französischer Militärflieger über die deutsche Lusttaktik.

Rotterdam, 15. Febr. (Zeus. Mn.) In Paris erregt die Meinung eines der besten französischen Militärflieger Aufsehen, dessen Zdame aber, wie die aller Flieger, welche an der Verfolgung der deutschen Luftschiffe teilgenommen haben, selbstverständlich verschwiegen wird. Der erwähnte Flieger lieh sich in den Blättern folgendermaßen aus: In Anbetracht des Umstandes, daß die Entfernung von Paris zur deutschen Frcnt nur ganz klein ist und die deutschen Luftschiffe eine rteitge Geschwindigkeit entwickeln können — sie legen mehr <rls 100 Kilometer per Stunde zurück — rnuh mit dem Umstand gerechnet werden, daß ein Zeppelin in weniger als einer Stunde Paris erreichen kann. Nehmen wir an, daß die französischen Vorposten an der Front seine Ankunft 6 0 Minuten vorher signalisieren, bevor er über Paris er­scheint^ Die Austeilung der Befehle nimmt mindestens 10 Minuten tu Anspruch. Dann muß man rechnen, daß wieder 25 Minuten verstreichen, bis die zur Verteidigung der Hauptstadt bestimmten Flieger aufsteigen können. Sie müssen sich nämlich vorher ausrüstem, bewaffuen irud rasch noch einmal ihren Apparat kontrollieren. Um sich jetzt dem Feind enigegenwerfen zu können, verbleiben ihnen kaum noch 2 5 Minuten. Unsere Apparate brauchen aber mehr al?- 25 Minuten, bevor sie eine gewisse Höhe erklommen haben. Wenn aber der Zeppelin sich fortwährend in einer großen Höhe hält, so hat er hinlänglich Zeit, sich aller seine: Bomben zu entledigen und wwver den Rückweg anzutreten. Gibt es nun tat Mittel, diese Luftricscn aufzuhalten? Die deut- sche Lufttaktik zci.si, wie besorgt die Deutschen sind, ihre Bomben nicht unnötig zu verlieren. Für den Angriff wählen sie nebeliges Wetter. Während der Fahrt halten sie sich stets in einer Hohe, von wo aus jede Aussicht unmöglich ist. An dem vorr ih::en berechneten Punkte angenommen, werfen sic :hre Geschosse ans und verschwinden dann wieder. Das beste Mittel gegen die Zeppeline scheint daher das zu sein, daß nian ie während ihr« Rückfahrt nach »hrem Stützpunkt attackiert.

Kriegsgefangene deutsche Flieger.

^Paris, 15. Febr. (Nichtamtlich.) Zwei ^ c «*1“) c Militärflieger, ein Hauptmcmn und ~ r f irmsrer ides Flugzeuges, die bei einem Flug über Laloutki in Kriegsgefangenschaft geraten waren, sind auf erneut fremzösischen Dampfer nach MarsMe ge­bracht und dort im Fort St. Ntac^as ff xßm tzfrt