WieMkner
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Berliner
Dienstag. 15. Zebruar 1916
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Nr. 76. . 64. Jahrgang.
Kbend-Kusgabe.
Sie deutsche ll-Boot-Denlschrist und die nordamerikanische Union.
Neue Hede der englisch-amerikanischen Preise. — Die voraussichtlichen Maßnahmen Amerikas: Behandlung bewaffneter Handelsschiffe als Hilfskreuzer. Warnung an Amerikaner vor Mitfahrt. Nur noch ein kurzer Schritt zum Munitions- ausfuhrverbot?
W. T.-B. New York, 15. Febr. (Nichtamtlich. Durch Funkspruch von dem Vertreter res W. In Erwägung
der wahrscheinlichen Haltung der amerikanischen Regierung gegenüber der deutschen Erklärung, betreffend bewaffnte Handelsschiffe, greift die enAaltdfrou,ü>Hche Presse die deutsch Ankündigung heftig an und versucht, das anierilanrsche Volk aus jede Weise gegen Deutschland au'fzuhetzen. Der ..New York Herold" erklärt leidenschaftlich. Amerika könne das neue teutonische S-eräuberprogramm nicht annehmen. — Die »New Dork Triburr-e" nennt die deutsche Anküiidigung einen Vor- loand für weitere Slhreckenstatcn. — Einige Blätter bemerken im Hinblick auf die Versicherullg der englischen Presse, das; nicht Wilson, sondern die englische Flotte die Einitelluiig der Unterseeboot?«,,griffe bewirkten, mit Ironie, warum man sich denn über die deutschen UntersKÄootScmgri-ffe n n ch dem 1. März Sorge machen solle. — Eine Washingtoner Depesche der „New York Mnies" sagt: Amtliche Kreiie des Staatsdepartements wollen keine Bemerkungen über d,e brutsche Ankündigung machen, sondern lieber warten, bis ne deren amtlichen Text vor Augen haben. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Weigerung der Alliierten, d'e An regung der Vereinigten Staaten wegen der Entwaffnung der Handelsschiffe anzunehmen, und die deutsche Anki.n- digung folgende Politik nach sich z>,-ehen würden:
1. Den Erlaß einer' Bekanntmachung, daß oir Ver einigten Staaten beabsichff-gten, bewaffnete Handels schiffe als Schiffe zu behandeln, die die Eigenschaft als N-cht kombattanteu verwirkten und sie als Hilfskreuzer ansehen und auf dieser Grundlage behaudeln werden auf Grund der Veränderung «in den Verhältnissen des Se.'kueges, welche aus dem Auftreten der Unterseeboote und ihre: Per- teiüigungsunsähigkeit herrühre.
2. den Erlas; einer Warnung an Amerikaner,
sie würden, wenn sie auf bewaffneten Handelsschiffen reisten, auf eigene Gefahr handeln. . .
3. Die Ankündigung des Entschlusses der Bereinigten Staaten, bewaffnete Handelsschiffe als Hilfskreuzer zu behandeln, wenn sie amerikanische H ä fe n anlwrcn, das heißt ihren Aufenthalt nur so lange zu gestatten, »-aß >,e Ausb"fferungen vornehmen und genügend Feuerung und Lebensmittel einnehmen könnten, um den nächste,,^ ..lasen ihres Heimatlandes zu erreichen, ferner ihnen 24 stunden Frist zur Slbreffe zu geben und einem jeden solchen^ ««>ifw den nächsten Besuch eines amerikanischen Hafens erst nach drei Monaten zu gestatten.
Eine Depesche der „Cvening Sun" aus Wchyrngton fügt. Alle Anzeichen sprechen heute dafür, daß Lansing wenigstens einräumem wird, daß dir Begründung Deutschlands und Ssterr eich-U n g ar »S für ihre Behauptung, die Betvaffnung der Hauldelssch-ff- mache^ ihre Anhaltung und Durchsuchung durch Unter,re.bovre unmöglich, zutreffend ist. -Diese Anzeichen erreichten einen hohen Grad von Gewißheit, seit Lansing seine ersten Vorschriften hinsichtlich alliierter Handelsschiffe, welche mit Kanonen an Bord amerikanische .Häfen anlrefen, erließ und >tets forderte daß sie ihre Kanonen entfernten oder erklärten, daß sie iüur zu V erleid,igungszwecken benutzt werden würden. Bei jeder Gelegenheit erklärte er öffentlich, Saß jeder Fall einzeln behandelt werden solle. Als ein Anzeichen für die Haltung der Regierung gilt es, daß ein hoher Beamter freimütig zu gegeben bat, -er habe die Möglichkeit eines Boykotts amerikanischer Güter, welche nach anderen als Hafen der Allwerten bestimmt wären, durch sie SchfffahrtS linken der alliierten Länder in Betracht gezogen. Man erfährt positiv, daß eine Austmnmmg zu den DeweiSgruiiS.m in den deutschen und österreichisch-ungarischen Boten unmittelbar eine Warnung des Staatsdepartements an die a m e r k arischen Bürger zur Folge hüben werde, sie möchten sich von bewaffneten Schiffen -er flll-'.errcn fern halten. Unter den Diplomaten, welch: die Alliierten vertreten, wächst das Gefühl, daß, tvenn die V-reinig-.en Staaten sich entschlössen, in eine klbänderung der !it-e.gelii, betreffend bewaffnete Handelsschiffe, noch während »es Krieges eingu willigen, es von da nur ein kurzer Schr'tt sei» wer»: bis zu einem Ausfuhrverbot auf Wasseu und alle Sriegsmunition.
Die Verschärfung des Unterseebootkrieges.
Eine zustimmende schweizerische Stimme.
IV. 1.-8. Bern, 15. Febr. (Nichtamtlich.) Der „Bund" schreibt in einer Besprechung der deutschen und österreichisch- ungarischen Noten zum Tauchbootkricg u. a.: Diese durch die britische Kricgsführung bervorgerufenen Maßnahmen bedeuten eine abermalige Berschärfnng des Seekrieges, die aber von den Neutralen kaum wird beanstandet werden können. Den Neutralen wird übrigens durch Verschiebung des Inkrafttretens Rechnung getragen, damit sic ihre Ange- hörigen warnen können. — In einer Besprechung der deutsch- amerikanischen Streitfragen sagt der „Bund": Deutschland braucht wohl kaum zu befürchten, daß es wegen dieser Verschärfung aufs neue mit Amerika in Zwistigkeiten gerät.
denn der Befehl an die deutschen Seestreitkräfte bewegt sich auf der von der amerikanischen Regierung selbst vorgezerch- neten Bahn.
*
Zur wiederausgerührten „Lusilania"- srage.
Die nunmehr bestimmt zu erwartende Verständigung.
Verständnis und Entgcgenlvmmeu in Washington. W.T.-B. Köln, 14. Febr. (Nichtamtlich.) Die „Kölnische Zeitung" läßt sich aus Berlin unter dem 14. Februar melden: Zahlreiche, immer wieder be
stimmter auftretende Nachrichten aus den amerrkain- schen Blättern ließen schon seit einiger Zeit erkennen, daß die seinerzeit ausgesprochene Hoffnung aus ern günstiges Ergebnis der neuen Verharrdlungen m der „Lusitania"-Frage ihre Berechtigung haben. Man kann nunmehr mit Sicherheit behaupten, daß eine solche Einigung im Gange ist und daß btc b e- gründete Auffassung, btc von deutscher Seite in dieser Sache vertretcil worden fft, m Washington Verständnis und Entgegenkommen ge- fnndcn hat.
Der nachbaltige Eindruck der Äußerungen des Reichskanzlers und NnterstaatssekretärS Zimmermanu drüben.
W. T.-B. Köln, 15. Febr. (Nichtamtlich.) Die „Köln. Ztg." meldet in einem Funksprnch auS Waslsington vom 13 . Febr. u. a.: Der Rücktritt drS KricgSsekretärS Garrison schlug hier wie eine Bombe ein. Die Unterredungen amerikanischer Zeitungsmänner mit dem Nnterstaatssekrctär Zimmermann und dem Reichskanzler v. B e t h m a n n - Hollwcg haben hier ungeheures Aufsehen hervorgerufen, indem sie dem Lande die Augen öffneten. Die gesamten amtlichen Kreise beeilen sich mit Ausdrücken des Bedauerns darüber, daß ein falscher Eindruck herrschen könnte. Niemand beabsichtigte eine D e m ü - t i g u n g Deutschlands, keine amerikanische Regierung hätte dies versuchen können. Die Unterredungen erfülle», offensichtlich den guten Zweck, dem Publikum die Auge» zu öffnen über die Gefahr, die in der Haltung der Regierung gegen Deutschland lauerte.
Reichskanzler und Abgeordnetenhaus.
Iu Berlin, 15. Febr. (Eig. Meldung. Jens. Bln.) Die Einladung, der »gestern abend die Führer der Parteien des preußischen Landtags zum Ministerpräsidenten folgten, entsprach einem sehr dringend gewordenen Bedürfnis. Überragt doch der auch an dieser Stelle bereits genügend gekennzeichnete Zwischenfall schon bei weitem die Bedeutung eines preußischen Regierungs- und Parteimißverständnipes. Er betrifft die ganze Frage unserer Verhandlungen mit Amerika, des Unterseebootskriegs und der manchen allzu nachgiebigen Auslandspolitik der Wil- helwstraße. ES wird geflüstert, daß im Landtag die Pläne des Herrn v. Tirpitz gegen d-ie des Herrn v. Bethmcm>n°-Hollweg gestützt werden sollen. Der Kanzler wünschte darum wohl, den Herren seinen Standpunkt klarzulegen. Die Zeituligs- besprechungen über die Deröffeiitlichung in der „Nordd. Allg. Ztg." batten einen recht bitteren Nachgeschmack gelassen,' zumal der vielschreibende Freiherr v. Zedlitz in der „Post ‘ eine Darstellung des Falles gab, die deutlich bestätigte, daß Vorgänge in.der Berliner Pressekonferenz den Landtags- ausschuß beranlaßten, bei der Reichsregierung vorstellig zu werden. In der Pressekonferenz wäre am 4. Februar die Denkschrift über die Verschärfung des Handelskriegs mitge- teilt worden. Aus der verzögerten Veröffentlichung in der „Nordd. Allg. Ztg.' schloß der Ausschuß auf erneutes Zurückweichen vor Amerika und erachtete es „im Interesse des Landet fi'ir schädlich", wrnn sich aus der Stellungnahme der Reichsl-eitung gegenüber Amerika die Konsequenz einer Ein schränkring des Unterseebootkriegs ergab. Die Regierung hatte um Nichtveröffr.rtlichung dieses Beschlusses gebeten, der aber bekanntlich dennoch vom Ausschuß den Zeitungen mit- gdeilt wurde, worauf des Kanzlers kalter Wasserstrahl in der „Novdd. Allg. Ztg." wegen Einmischung eines bundesstaatlichen Parlaments in die Reichsangelegenheiten erfolgte.
Die „Deutsche Taaesztg." billigt heute beu Schlußpassus des y. Zedlitzschen Artikels, der lautet: „Die Behauptung demokratischer Blätter, Herr v. Heydebrand habe mit seinem Antrag den Kanzler stürzen wollen, ist wirklich zu dumm. d. h. doch, zu glauben, daß Herr v. Heydebrand zur Erreichung dieses ihn: unterstellten Ziels ausgerechnet das Mittel gewählt hätte, mit dem unfehlbar gerade der entgegengesetzte Erfolg erzielt werden müßte." Für Quertreibereien solcher Art wär- die Zeit wirklich zu ernst. Um darzutnn, daß auch das- Zentrum mit der koiisecvativen Partei die Verantwortung für diesen Beschluß übernimmt, sagt heute die „Germama": Was
WaS aber die unschuldigen Absichten der Konservativen bei dem Vorgang und auch dem Erfolg der gestrigen Aus- spräche mit dem Reichskanzler anbeirifft, so gewinnt man ein recht merkwürdiges Bild aus dem heutigen Artikel der „Kreuzzeitung", überschrieben „Worauf cS ankommt . Darin beißt es: „Di: fortschrittliche Presse, so einmutig, als folge sie einer ansge-zebenen Parole, habe dem Regierungs- crgan und dem Kanzler dadurch bcispringen zu sollen geglaubt, daß sie denjenigen, die jenen Beschluß beantragt und gefaßt haben, frivol die Absicht unterstellt, sie hätten damit nur den, Kanzler wegen der Thronrede mit dem Versprechen einer Wahlreform Schwierigkeiten bereiten wollen." Die „Kreuz- zeitiing" protestiert gegen den unerhörten Bruch des Buvg- sriedenS, der in jener durch nichts begründeten Unterstellung liege Sie bittet, die Erörterung nicht auf ein Nebengeleye zu schieben. „Sollte sich a»ls den Verh-andlungen mrt Amerika die Konsequenz einer Einschränkung in unserer FreiheU ergeben, sollte uneingeschränkt und dadurch die volle Wrrffam- keit des Unterseebootkriegs im geeigneten Zeitpunkt gegem über England aufzuhsbeu sein, das ist die Frage, um dre es sich handelt. Sie ist vom Haushaltsausschuß des AbgeoÄineten- bauses entschieden anerkannt worden. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen und ta rn Äußerungen
des ReichSkuirzlers rioch nicht vorliegen, wml die anUlichc Ant-. wort Amerikas auf tue letzte Mtteilung n-nseres Beschlusses noch aussteht. Was aus der amerikanischen Presse stammt, und über die Fassung unserer Note verbreitet wurde, rnußie, wenn cS wahr wäre, die ernstesten Bedenken erregen. Dü« Denkschrift erledigt die zur Erörterung st-hwü« «rage Melch- salls nicht lückenlos und erschöpfend. Die schroffe A b leh- nung des Ausschuhbeschlusses durch die „NoüdÄ. Allg. Ztg. aber mutz, weil sie eigentlich von niemand als in sich selbst vollkommen begründet anerkannt werden kann, :n sehr weiten Kreisen den Eindruck Hervorrufen, als li:<^ ihr doch auch °rn sachlicher Gegensatz zu dem ausgesprochenen Wunsche des Ausschusses zugrunde. Man wird nach alledem kaum sagen können, welche Etell.iug di- Reichsleitung zu der aufgewor^ nen Frage im einzelnen einnimmt und in Zukunst einhalimr wird, daß Won'ein ganz klares Bstd vorliegt. Die fortschrittlichen Blätter glaii-ben die Schlußfolgerung zichen zu sollen, öS der Beschluß einen Angriff gegen den Kanzler bcdW- tel Es iit das ein ähnlicher Standpunkt, wie wir chnbe' denjenigen Stellen des 2buswärstgen Amts, welche die Zerffur und die offiziöse Presse bearbeiten, oster begegneten. Die Be- iürchtuna daß aus jeder Befürwortung einer starken und energischen Politik ein Vorwurf der SAMäche des Kauzlms -usaelöst werden müsse, fft uns gcniz unverständlich. Selbst, wenn der Leiter der auswärtigen Politik anderer Meinung ist, soll er nicht aus Scheu vor einem Krieg im Innern d^or zurückschrecken, Kundgebungen anzuhoren, d°zu beitragm. daß die wahre Volksitimmung klar zutage tritt souderii oll die auf hohe nationale Ziele uiid auf eine kräftige Politik eingestellte öffentliche Meinung rn den Verlfandlungen mit dem Ausland als MachtinittÄ ausnützen. Der Altestenaus- schuß des Abgeordnetenhauses rärd sich heute mit der Veröffentlichung in der „Nordd. Allg Ztg." befassen, und -darüber entscheiden,^ in der Plenardebakte darüber gesprochen werden soll. ^
Berlin, 15. Febr. (Zeus. Bln.) Die Führer der Preußinen LandtagSsraktioneii folgten gestern abend einer Ein- lrdüna des R e i ch s k ° n z l e r s und M i n i sie r P r a s i - d enU:n. Ihre Unterredung mit dem leitenden Staatsrmnrn l«°a stet- wie das „B. T." 'neidet, auf den Beschluß des £ Shaltsa u S f ch u s s e s über den Il-B°otkricg. Es sei »war noch nicht sich-r, sagt das M«tt,^er d«ß w^ffcheinlich, daß die Angelegenheit von ihren Uryetßern nicht weiter for^ u etzt werde,: würde. Wie verlautet, soll heute vormittag auch eine Besprechung zwischen d-m Km^lerund den rimhrem x Reichstagsfraktionen stattstnden. - Im -B. L.-A. lüffit es zu derselben Sache: Herr v. Bethmann-Hollweg hatte mff den naßg-benden Persönlichkeiten des Land- sp re ch e n, wie sie durch die „Lusit-ania"- Fraae Ammika gegenüber und durch den in der Denkschrift ÄiiEen Standpunkt in der II-Bootfrage ge-
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dem Erscheinen der Denkschrift stattfinden. Es - kam sedofff Nick- dazu, da Herr v. B-thmann inzwischen zum Kaiser berufen wurde. Seinen Wunsch, den parlameiitarischen Führern die politische Lage anseinanderzusetzen, hielt der Kanzlrr jedoch aufrecht.
die Kompete»izfrage anbelange, so habe sic,das sachlich Zutreffende darüber in der „Kreuzzcitung" gelesen. Fm übrigen stellt sich das Zentrumsorgan so, als ob die Regierung gar nicht so energisch gegen den Beschluß protestierte, „als daß man annchmen konnte, seine Vcröffcntlichun-g wäre ihr sehr unangenehm".
Oie Ereignisse nus dem Balkan,
Der Vormarsch gegen Albanien. >
Teilweise starke feindliche Abwehrversuchc.
Bv Berlin, 15. Febr. (Eig. Drahbbericht Zens. Bin.) Die Boss. Ztq." meldet aus dem österreichisch-ung-arr- schen "Kriegspresscguartier: Nach der Ernnahme von
Tirana haben die österreichrsch-nngarischen Gruppen den Vormarsch lveiter fortgesetzt Gestern gowamn namentlich der rechte Flügel in der Richtimg ans D urazzo Terrain. Westlich von Prcha. -der Küste folg-end, über- wand er nördlich des Arzerrflusses fsrndlrchen Wrdm- stand, erreichte diesen Fluß und kam ber Ju^a Misetwa 10 Kilometer an Lurazzo heran. Die AtbLvehrvLvsnche
