Verlag Langgaffe 21
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Montag, 14. $etmiar 1916.
Reichskanzler und Abgeordnetenhaus.
Noch che die „Lusitania"-Angelegenheit endgültig be sorgt und aufgchchen ift,_ hat es trt der Unterseebvots frage einen innerpolitffchen Konflikt gegchcn. Aber nicht Partei Hader gefährdete wieder einmal den Burgfrieden, sondern eine parlamentariffche Bchorde setzte sich in Gegensatz zu unseren staatsrechtlichen Einrichtungen und holte sich eine Zurechtweisung durch die Reichsregierimg. Ja, der Reichskanzler. läßt es sich nicht nchmen, die Zurechrweisung persönlich zu erteilen. Er wird, wie hochamtlich verlautet, dem P r a sidenten des preußischen Abgeordnetenhauses selbst die Antwort erteilen, daß, er das Vorgehen der Staatshaushaltskommission als eine oerfa sfu n g s r ecyts- widrige Einlvirkung auf Fragen der auswärtigen Politik und auf die Anwcndilng bestimmter Kriegs- mittel ansohe. — Auch im Zciäxn der .Kriegszen,ur können wir hier frei von der Leber. weg reden, Tenn einmal sind wir selbst durchaus derselben Überzeugung, wie sie in der amtlichen Kundgebung vertreten wird, und dann ist das Ungehörige des Vorfalls, so sonnenklar erwiesen, daß cs sich erübrigt, in die partcipolittiche Ecke hineinzuleuchten, aus der der Vorstoß erfolgte. Es genügt, festzustellen, daß es die Gruppe der Abgeordneten v. Heydebrand und v. Zedlitz war, von der die „Anregung" ausging. Ob cs sich dabei nur um den Ausdruck patriotischer Sorgen handelte, oder ob, wie von parteigegnerischer Seite bereits angedeutet wurde, die Aktion'seit langem, etwa mit dem Lage, wo die preußische Thronrede von der kommenden Wahlreform sprach, geplant und vorbereitet war, dos wollen wir nicht imtersuchen. Eine Erörterung solcher Dinge wäre kleinlich und angesichts des gewaltigen tag liche'n Geschchens im Kriege belanglos.
Von Wichtigkeit ist jetzt nur, was in bezug auf den K r i e g zu geschehen oder nicht zu geschehen hat. Nicht zu geschehen hat der Vorstoß, einer preußlsthen Parla- mentskommission gegen die schwer genug rrn gende Rcichsdiplomatic, am wenigsten m einem Augenblick, da die letzte Entscheidung crnes schwierigen Problems dadurch nur ungünstig beeinflußt werden kann. Denn die Warnung der Abgeordneten- Hauskommission — fast sch es ja wie eine Drohung aus — ergab für das feindliche und n e ii t r a l e Ausland nur das falsche Bild, als befinde sich der Kanzler des Deutschen Reiches in den Händen der, Leisetreter und Duckmäuser und müsse nun durch eine stramme Kriegspartei gegen Amerika scharf gemocht werden. Die Warnung der Kommission war um so — sagen wir ganz mild — unverständlicher, als den Herren bereits die Denkschrift der Reichsrogicrung über die Verschärfung des Handelskrieges kein Geheimnis mehr, aber auch die Unterredung des Herrn v. Beth- mann-Hollweg mit Herrn v. Wiegand bekannt war, worin der Kanzler ausdrücklich versicherte, er werde sich die 17-Bootswaffe niemals aus der Hand reißen lassen. Das war doch lvahrlich deutlich genug. Dazu kommt noch, daß ein Vertreter der preußischen Staatsregierung gegen die Absichten der Abgeordneten- hauskommnssion ausdrücklich Einspruch erhob und das politisch Bedenkliche und rechtlich Widersinnige der Aktion aufwies. Die „Warner" waren gewarnt. Sie haben trotzdem beschlossen, ihren Beschluß zu veröffentlichen. Es gibt keine Entschuldigung für ihr Verhalten und sie haben die im Montaa-Morgenblati mitgeteilte scharfe Zurechtweisung aus der Wilhelmstraße mehr als verdient.
O?e Ereignisse nuf dem Balkan.
Elbasari von den Bulgaren besetzt.
Die amtliche bulgarische Meldung.
w. T.-B. Sofia, 14. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Das Hauptquartier gibt bekannt: Die bul
garischen Truppen besetzten gestern Elbasan. Die Bevölkerung bereitete ihnen einen sehr w a r m e n Empfang. Die Stadt ist beflaggt.
Die Räumung Durazzos beschlossen.
Br. Budapest, 14. Febr. (Gig. DrnhtLericht. Zews. Bln.) Die bulgarische „Kambana" meldet aus Korfu: Die italienische Heeresleitung beschloß die Räumung Durazzos. Die Truppen wurden anS Durazzo vormittags nach Valona verschifft.
Der Vormarsch gegen Durazzo.
Sr. Berlin, 14. Febr. (Gig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Dem „B. T." wird aus -dem k. k. Kricgspressequartier unter dem 13. Februar gemeldet: Unsere Truppen dringen in
Albanien vor. Unsere Artillerie bewegt sich ans den elenden, von dem BorfrüPing aufgeweichten beiden Straßen, däe von Preza nnd Tirana ans durch das Hügelland in die
Nr. 74. . 64. Jahrgang.
Ebene von Durazzo führen. Diese stark sumpfige Gbene, die die Arses durchfließt, ist 8 Kilometer vor Durazzo an beiden Stochen durch fekdmäßige B ef est i gmn g e^n ^geschützt. Dahiniier liegt noch die sumpfige Küste des Sce^ schützend vor Durazzo. Zwischen See und Meer verlaus, die Dammstraße südwärts nach Kawaija. Da diese Rückzugsstraße im Notfall ganz unzureichend wäre, ist der wichtigste Ruckh-.u. der Gegner die italienische Transportflotte. Aber auch ihm Mionsfröiheit erscheint durck die Wachsamkeit der k. l. Torpedobootsflottillen und Unterseeboote stark beeinträchtigt. Dazu kommt die ' SCuffläcimg mit Marinefliegern. Mies es heißt, fürchtet Essad-Pwicha auf albanischem Boden die Blutrache jener 100 moham- medanischen Notabeln, die er hänggn ließ, weil sie chm die Gefolgschaft verweigerten.
Sr. Wien, 14. Febr. (Gig. DrahtüMicht. Zens. Bln.) DaS „Deutsche Volksblatt" berichtet aus Athen: Bulgarische und österreichisch-ungarische Truppen haben nach einer Meldung der „Patris" die bei Durazzo stchenden seÄMchcn, montenegrinischul und iialienischeniTruppen angegriffen. Die Verteidigung wird von der Meeresküste ans von der Flotte unterstützt und im Hafen liegen itcckiengchc Danipfer, um in« Falle der Aufgab e Durazzos loährend der Kämpfe der Nachhuten die sich zurückzichendcn Trupv.'n und Munition ciiizuschisfen.
Effad-Pascha „überträgt" die Verwaltung Albaniens dem italienischen Oberbefehlshaber.
Sr. Wien, 14. Febr. (Gig. Trcchtbericht. Zens. Bln.) Das „Neue Wiener Journal" berichtet aus Lugano: Mai- länder Mätterin zufolge übertrug Gsscd-Pascha laut einem Dekret Re Verwalwng Mbaniens cm den italienischen Oberbefehlshaber.
Eine Offensive der feindlichen Balkan- tr nppen?
Neue Unstimmigkeiten.
Sr. Athen, 14. Febr. (Gig. Trahibericht. Jens. Bln.) „GmbroS" meldet aus Saloniki: General Sarrail will an der griechischen Grenze eine Aktion gegen die Zcutralmächte beginnen. Die Franzosen sind mit den Engländern, die unter Offiziersmangel leiden, u n z n f r i e d e n. General Sarrail erklärte, die Engländer in französische Truppenformationcu cintcilcn 3 » müssen, wenn England keine Offiziere nach dem Balkankriegsschanvlab entsende. Dre Unstimmigkeiten zwischen de» verbündeten Salonikicr Truppen nchmen nach einer Ruhepause wieder zu. Die Engländer versehen nur den Etappenvicnst, was die Franzosen und Serben ungern sehen.
Verstärkung der Befestigungen der englischfranzösischen Stellungen vor Saloniki.
Br. Genf, 14. Febr. (Gig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Atheir cküngütroffenen Meldungen zufolge werden die Befestigungsarbeiten des Lagers der Verbündeten in Saloniki eifrig fortgesetzt. 3 0 0 0 serbische FI iidj 11 i u g e arbeiten ohne Unterbrechung Tag und Nacht an der Herstellung neuer Schützemgräbenlmien. Dazu hat der Generalstab der Verbündeten sogar Bewohner Salonikis (!) herangezogen. Tausende griechischer Bauern arbeiten für hohen Lohn an der Seite der Serben. Große Mengen von Kciegs- mäter.iäl nnd zahlreiche Batterien französischer schwerer Artillerie werden Kit acht Tagen gelandet. Immer neue französische Truppen treffen ein. Das französisch- englische Oberckominando läßt neue Gisenbahnlinien Herstellen, deren wichtigste die von Orpocin zu dem äußersten Schützengräben an der Front und Verdoppelung der großen Waidarlinie ist.
Die Saloniker Spionageaffäre.
Sr. Athen, 14. Febr. (Gig. Drahtbericht. Zens. Bln.) In der bekannten Spionageaffäre ist ein e n gl i sch e r G e ne - ralstabshanptmann in Saloniki kompromittiert. Es wurde Mich der früher: v e n i z e l i st i s ch e Abgeordnete
v. Drama verhaftet, weil er dabei ertappt worden ist, als er einem Angehörigen des griechischen Generalstabs eine Summe einhändigte mit dem Auftrag, ihm dafür Nachrichten über die Bewegungen der griechischen und verbündeten Gruppen zu verschiffen.
Das bulgarisch-österreichische Zollregime in Serbien.
\V. T.-B. Sofia, 14. Febr. (Nichtamtlich. Bulgarische Telegraphen-Agentur.) Die gemischte bulgarisch-österreichischungarische Kommission, die mit der Festsetzung eines in den gemeinsam besetzten Gebieten Serbiens anznwendenden Zollregimes betraut wurde, trat am 12. d. M. im Ministcrium des Äußern zusammen.
Die heldenmütigen Phrasen des monte negrinischen Ministerpräsidenten.
Eine österreichische Richtigstellung.
\V. T.-B. Wien, 14. Febr. (Nichtamtlich.) Gegenüber den weitschweifigen Erklärungen und heldenmütigen Phrasen, welche der montenegrinische Ministerpräsident Muschkowitsch unter dem 11. d. M. durch die „Agcnce Havas" kolportieren ließ, nnl die Öffentlichkeit über das montenegrinische Fvicdensansucheil nnd die Kapitulation der montenegrinischen
Armee hinwcgzutäuschen, genügt es wähl, neuerlich festM- stellen, daß am 14. Januar d. I. König Nikolaus^an Kaiser Franz Joseph und namens der montenegrinischen Regierung der Ministerpräsident Muschkowrtsch an die K. u. K. Regierung Telegramme gerichtet haben, in welchen um Frieden gebeten wird. Am 16. Januar hat dann die monteneqvinische Regierung in einer ebenfalls von Herrn Muschkowitsch Unterzeichneten Note die ihr als Vorbedingung der Einleitung von Fried.ensverhamdlungen be- zeichnete bedingungslose Waffen st reckung an - genommen. Aus dem Gesagten erhellt, daß der moarte- negrinischen Regierung irgend welche Friedensve- dingungen überhaupt nicht bekanntgegsben wurden, so daß aiich von einer Ablehnung derselben logischeaverse brÄher nicht die Rede sein konnte. Die Abreise des Kömgs Nikolaus ist ,.ach Ang.tbe des Herrn Muschkowitsch erst am 2V. Januar eifolgt. Ob der König nach diesem Datum von seinem Exn aus an feine in Montenegro zurückgebliebenen Generale und Minister nock; Befehle erlassen hat, gegebenenfalls, was deren Inhalt war, »st hier natürlich incht bekannt. Sollten sie ,0 gelautet haben, wie Herr Muschkowitsch es sagte, dann rst ihr Efselt seüenfalls ein sehr geringer gewesen, denn beLarmtUch haben die Verhandlungen über die Art der Durchführung der montenegrinischen Waffenstreckung am 22. Januar d. I. m Cett-nje begonnen und am 25. Januar durcy Unterzeichnung des betreffenden Protokolls seitens unserer nnd der montenegrinischen Unterhändler ihren Abschluß gefunden.
König Nikita reist nach Amerika?
Sr. Bukarest. 14. Febr. (Gig. Drnhtbericht. Zims. BUn) Die „Drmineata" schreibt: König Nik-ita bat die ftmr- zösische Regierung, sich zu überlegen, ob ste ihm erneu Aufenthalt in einem neutralen Lande gestä.tem könne. Frankreich würde die üb-riiedÄung wach Ameraka genehmigen. (Nikita sieht sich anscheinend schon inert vor, er will kmcs- falls das Kriegsende in Frankreich abwar tan. Schrrstl.)
Venizelos als Bewerber des Kammer- mandats für Mytilcne.
ZV. T.-B. Bern, 14. Febr., (Nichtamtlich.) Nach erncb Meldung des Pariser „Journal" aus Saloniki will Venizelos sich um den in M y t i l e n e frsigewordencn Sitz in der Kcmuner dÄverben. Seine Wcchl in dneseni seiner Politik.ergebenen Bezirk sei gesichert.
Eine französische Verhaftungsabteilung auf Kreta.
Amsterdam, 14. Febr. (Zens. Bln.) Ein hiesiges Blatt meldet: Nach einem Delogvamni MlS Hanea auf Kreta landete ein französisches Kriegsschiff bei Hora Petra eine Abteilung, die einen moi,ammcöa- nifchen Advokaten verhaftete und wieder abzog.
Keine rumänische Anleihe im Ausland.
W. T.-B. Bukarest, 14. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbevicht.) Der „Universuil" wird von mMicher Seite ermächtigt, die Nack,richt, daß Rumänien eine Anleihe von 0 Millmwen Pfund ausgenourmen habe, zu dementieren. Dieje Nach- rickt bedürfe um so mehr der Widerlegung, als mit rhr auch die Mitteilrtng verbünden wird, daß als Pfand für drei« An- lsihe numänffcheS Getreide gegeben worden fer. ^
Oer Ikrieg der Türkei«
Der amtliche türkische Bericht.
VT. T.-B. Konstantiuopel, 14. Fcbr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Das Hauptquartier teilt mit: Em
feindlicher T o rp e d o b o o ts z c r stv r e r, der sich dem Eingang zu den Dardanellen zu nähern versuchte, wurde durch das Feuer unserer Batterien vertrieben. An den andere« Fronten keine Ver- äuderung.
Besorgnis über das Schicksal des französischen Panzerkreuzers „Admiral Charner .
Der Untergang des „Suffren'' durch „Havas abgcleugnet.
IV. T.-B. Paris, 14. Fcbr. (Nichtamtlich. Ageuce Havas.) Ein deutscher Funks-ruch meldet, ein deutsches Unterseeboot habe anr 8. Februar das französische Panzerschiff „Suffren" an der syrischen Küste versenkt. Wie der „Temps" meldet, befindet sich „Suffren" äugen- blicklich in Tonion.
W.T.-B. Paris, 14. Febr. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Amtlich wird gemeldet: Das Marmemrniste- rium ist beunruhigt über das Schicksal des Panzerkreuzers „Admiral Charner", der an der Küste Syriens kreuzt und seit dem 8. Februar keine Nachricht gegeben hat, einem Datum, an dem nach einem deutschen Telegramm ein Unterseeboot einen französischen Kreuzer versenkt haben soll.
„Admiral Charner" ist eiiies der ältesten französischen Kriegsschiffe, das bereits 1893 vom Stapel lief und ebenso wie seine Schlvesterschiffe „Bruix" und „Latonche Treville" 4809 Tmenen Wasferveudrängung besaß. Seine Bestückung besteht aus zwei Geschützen
