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Samstag, 12. Februar 1916.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 72. . 64. Jahrgang.
Cin französischer Linienschiff versenkt!
Lin neuer Erfolg unserer Tl-Voole an der syrischen Wie.
Da; Ende der „Snffren".
W. T.-B. Berlin, 12. Fobr. (Amtlich. Drahtbericht.) Ein deutsches Unterseeboot hat am 8. Februar an der syrischen Küste, südlich von Beirut, das französische Linienschiff „Snffren" versenkt. Das Schiff sank innerhalb zwei Minute».
Ter Chef des Admiralstabs der Marine.
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Am Tage nach dem Zeppelmangriff aus Len industrie- reichen Bezirk Mittelenglands, wo dreihundert deutsche Bomben in Liverpool und Birkenhead, in Manchester' und Nottingham ihr Zerstörnngs- und Vergeltungs- werk vollbrachten, ward auch ein kaum in den Dienst gestellter englischer Kreuzer „Caroline" nebst den zwei Torpedobootszerstörern „Eden" und „Nith". durch Zeppelinbomden vernichtet. Gestern erst brachte der Draht die weitere Meldung, daß in der Nacht zu Freitag englische Kremser, „die Herren der See", beim Anblick nahender deutscher Torpedoboote schleunigst das Weite gesucht hätten, was aber doch nicht verhindern konnte, >datz der eben erst fertig gestellte Kreuzer „Arabis" vernichtet irnd ein anderer englischer Kreuzer beschädigt wurde. Heute nun kommt eine Kunde ans anderen Breiten. In den Gewässern des Orients, wo sich seit Beginn des so kläglich verlaufenen Dardanellen- Abenteuers schon so manches englische und französische Kriegsschiff Beulen und Löcher geholt hat oder den Tornados von Unterseebooten zum Opfer fiel, wo Albions stolze „Majestic", „Triumph", „Jrrösistible", „Goliath" und „Ocean" sowie Frankreichs „Bouvet", „Gaulois" und „Leon Gwmbetta" nebst so manchem Unterseeboot auf dem Meeresgrund ruhen, hat ein deutsches Unterseeboot abermals eine Tat vollbracht, deren wir ems herzlich freuen werden. An -der syrischen Küste wird der französische Panzerkreuzer „Suffren" durch einen wohlgezielten Dorpedoschuß hinab zu den Fischen geschickt. _ Bei diesem Kreuzer handelt es sich um dasselbe Schiff, das bereits im August v. I. einmal durch die türkischen Batterien auf Eallipoli hart mitgenommen worden war. Im Jahve 1899 vom Stapel gelaufen, gehörte der Panzerkrerizer also nicht mehr gerade zu den wertvollsten Schiffen der französischen Flotte, seine Armierung mit 4 Geschützen von 30,5-Zentimeter-, 10 Geschützen von 16,4-Zentimeter-, 8 von 10-Zentimeter- und 22 von 4,7-Zentimeter-Kaliber machten ihn aber immer noch zu einem im Kampfe wohl in Betracht kommenden Gegner. Bei einer Länge von 125,6 und einer Breite von 21,4 Meter sowie einem Tiefgang von 8,4 Meter betrug seine Wasserverdrängung 12 730 Tonnen. Die Besatzung zählte 655 Mann. Aus der Schnelligkeit, mit welcher der Panzer 'ank, dürfte es nur wenigen Mann der Besatzung gelungen sein, sich zu retten. Bor- erst unsere Kreuzer, dann aber seit vorigem, Jahre sind unsere Unterieckboote immer der Schrecken der Feinde gewesen. Sie werden es jetzt nach der neuen deutschen Denkschrift nur noch mehr sein. Im Mittelländischen Meer entfalten sie ihre Tätigkeit ebenso wie aus den anderen Ozeanen, während von den „meerbcherrschen- den" Flotten unserer Gegner nur selten etwas zu spüren ist, dann aber meist auch nicht ohne den Beigeschmack gröbster Dölkerrechtswidri gkeit!
Die Verschärfung
öe§ Anterseebootskrieges.
O Berlin, 13. Februar.
Es besteht kein UN m lttc lb ar e r Zusamm en- bang zwischen den Verhandlungen über die „Lusi- t a n i «"-Frage und der Verschärfung unseres U n t e rs e e b o o t s k r i e q e s. Soweit sich aus den bisherigen, freilich ziemlich unvollständigen Mitteilungen erkennen läßt, betrifft die gegenwärtig zwischen Be r n st o f f und L a n s: n g stattfindende Verhandlung lediglich den von Herrn Wilson plötzlich wieder ans der Versenkung hervorgeholtcn „Lusitania"-Fall. vwdem aber Wilson fordert, daß wir die Vernichtung dieses Schiffs als Verletzung des Völkerrechts an- erkennen sollen, wäre es die unvermeidliche Folge unserer Nachgiebigkeit, daß wir ans den Untevsccboots- krieg überhaupt verzichten müßten. Nachgiebigkeit ist ja ausgeichlosscn, die Erklärungen
des Reichskanzlers gegenüber Herrn Wiegand haben das mit jeder nur wünschenswerten Bestimmtheit vor aller Welt festgestellt, und weil es somit für unsere Regierung eine Selbstverständlichkeit ist und bleibt, daß uns in den Unterseebootskrieg von niemand hineingerodet werden darf, darum kann man keinen Zusammenhang zwischen den in Washington schwebenden Auseinandersetzungen und der augekündigten Verischävfung des Seekrieges Herstellen. Sollte freilich das Staatsdepartement der Union finden, daß ein solcher Zusammenhang doch vorhanden ist, dann würden wir diese Auslegung M ertragen wissen; in den uns aufgezwungenen Ver- hältnissen und an der gebotenen zweckdienlichsten Form ihrer Überwindung durch jedes uns zur Verfügung stehende Machtmittel wäre dadurch nichts geändert. Wir halben wiederholt davor g e w a r n t, den Mitteilungen über eine baldige befriedigende Verlegung des Zwistes über die „Qnsitania" verfrühten Glauben bciznmeffen. Unser Zweifel an der Riüstigkeit dieser Angaben wird jetzt von verschiedenen Seiten bestätigt. Damit ist ja nicht gesagt, daß Herr Wilson nicht doch vernünftigerweise cinlenken sollte, wir möchten sogar annehmen, daß cs, entsprechend der bewiesenen d e u t s ch e n F e st i g k c i t, geschehen w i r d, aber bisher ist es noch nicht geschehen. Jedenfalls wird man gerade nach der w u ch t i g e ii Ankündigung einer rücksichtsloseren Behandlung bewaffneter feindlicher Handelsschiffe in Washington die Überzeugung gewonnen haben, daß Versuche, uns einzuschüchtern, nur Zeitv erst c u d u n g sind. Auch die letzten möglichen Erschwerungen der Kriegslage durch den etwaigen Hinzutritt der Vereinigten Staaten zur bunten Schaar unserer Feinde sind offenbar nach allen Richtungen hin mit der er- forderlichen Sorgfalt und mit der Berechnung aller daraus vielleicht entspringenden Folgen erwogen worden, und das Ergebnis ist: wir werden es darauf ankommen lassen. Das steckte in den Äußerungen des Reichskanzlers, das steckt in den Zwangsverhältnissen, durch die uns unser Verhalten v o r g e sch r i e b e n wird. Die Engländer werden bald sehen, wohin sie niit ihrer hochmütigen, gewissenlosen, verlogenen und im letzten Gründe äußerst törichten Maßregel der Bewaffnung von Handelsschiffen geraten sind. Tie Veröffentlichung unserer Regierung sagt nichts darüber ans, was es im einzelnen bedeutet, wenn unsere Seestreitkräfte nunmehr den Befühl erhalten, die mit Geschützen versehenen feindlichen Kauffahrteischiffe „als K r ie g f ü h r e n d e zu behandeln". Der Unterschied zwischen der bisherigen und der künftigen Behandlung ergibt sich aber ganz von selbst. Wir werden anzunehuren haben, daß beispielsweise jetzt die Warnungen und die Untersuchungen der feindlichen Handelsschiffe fortfallen werden, es wird kurzer Prozeß gemacht werden, jedes vor die Kanonen und Torpedos kommende feindliche, Kauffahrteischiff wird die Vermutung, mit Angriffswaffen ausgerüstet zu sein, für sich oder, richtiger, gegen sich haben. Das steht ja nicht in unserer Ankündigung, aber unausgesprochen sieht es doch darin. Mit Fug und Recht ist bereits gesagt worden, daß sich die P r a x i s des Seekrieges gar nicht auf eine Unterscheidung der feindlichen Handelsschiffe in der Richtung einlassen kann, ob sie irgendwo Kanonen versteckt halten oder unbewaffnet sind. Würde darnach erst in lang- w i e r i g e m und gefahrvollem Unter f u ch o n geforscht werden, so wäre die angedrohte Verschärfung des Unterseebootskrieges eigentlich wieder hinfällig. Nach den britischen Geheimbefehlen an die Führer der Handelsschiffe muß es für uns als Regel gelten, daß unbewaffnete Handelsschiffe überhaupt nicht mehr vorhanden sind. Danach also wird denn auch verfahren werden und wir machen gerade auf diesen Punkt als den en! scheid end en unserer Ankündigung nachdrücklich aufmerksam. Wenn die Hemmungen, mit denen unsere TanckHoote bisher infolge der Rücksichtnahme auf vermeintlich friedliche .Kauffahrteischiffe zu rechnen batten, künftig fort fallen, wenn ferner, wie es der englische Flaggen mißbrauch schlechtweg gebietet, eine Unterscheidung zwischen feindlichen und neutralen Schiffen nur von Fall zu Fall vorgenymmen werden kann, wenn jedes gesichtete Schiff in.den von uns als KricgsgeLiet erklärten Gewässern verdächtig ist, dann wird wohl mit einiger Zuversicht erwartet werden können, daß namentlich unser Ha u p t f e i n d die Wirk u n g c n seiner
Herausforderung zu verspüren bekommen wind. Die Neutralen aber sind nunmehr erneut gewarnt. Vermutlich werden die meisten von ihnen sich diese Warnung zu Herzen nehmen. Ob auch Amerika, das wird sich zu zeigen haben. Wenn nicht, so sind wir denn also erklärtermaßen bereit, die Folgen .arff rms zu nehmen, iin kraftvollen Bewußtsein der Gewißheit, daß unsere Schultern auch diese Last werden tragen können.
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Die einmütige Aufnahme der Äußerungen des Kanzlers.
Die „Liberale Korrespondenz" trifft sich das Rickff tige, wenn sie über den Eindruck, . den die deutliche Sprache des Reichskanzlers und die neue Il-Boots- Denkschrift bei uns hervorgeruifen hat, das Folgende sagt: „Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß ich das Empfinden >des gesamten deutschen Volkes zum Ausdruck bringe" — so äußerte sich der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg in seiner Aufsehen erregenden Unterredung mit front Vertreter des Blattes „New Uork World" v. Wiegand. Er hat damit ein wahres Wort gesprochen: und ebenso einmütig zeigt sich jetzt die Stimmung des deutschen Volkes angesichts der Denkschrift, die die Frage der bewaffneten Kauffahrteischiffe behandelt. Aufs neue wird offenbar, daß das deutsche Volk, möge es in kleineren Fragen noch so sehr in der Auffassung auseinander gehen, in Fra gm von entschei-' d end er Bedeutung stets wieder einmütig zufarmnen- stcht und genau dieselbe Empfindung dafür hat, was Ehre und Würde unseres Landes verlangen. Der Staatsmann, der das Feingefühl und die psychologische Einsicht dafür hat, wo der Treffpunkt der vollen erhebenden Einmütigkeit der Volkssttmmung ist, wird die schwere Verantwortung, die ans ihm lastet, leichter zu tragen vermögen. Er trägt sie dann zusammen mit der Nation. Ter Regierung dankt jetzt das deutsche Volk für die offenen Kanzlerworte .und für die Klarheit, die durch die Denkschrift gegeben wird. Unsere Politik kann aufrichtig sein, weil sie von den stärksten Faktoren getragen ist, dem sittlichen Bewußtsein und der Verpflichtung für das Dasein der eigenen Nation.
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Der Haushaltsairsschuß des PrL»»ßrßchen Abgeordnetenhauses für den Unterseeboots^ krieg.
W. T.-B. Berlin, 12. Fobr. (Nichtamtlich.) Nachdem^ die Deukjchrift de: Reichsrsgieruug über den lll-Wootkrieg und' die Äußerung des Reichskanzlers, daß er die Empfindung des ganzen deutschen Volkes ausfpreche, wem, er erkläre, daß er einer Demütigung Deutschlands nicht zu- stimnien und sich die Waffe des Untersoeboots nicht aul der Hand reißen lassen könne, deroffentlicht worden ist, hat die StaatÄhaushaltskommission des Abgeordnetenhauses mit überwiegender Mehrheit beschlossen, den an« b. Februar von ihr gefaßten Beschluß der Öffentlichkeit zu übergeben. Der Beschluß lautet: Den Präsidenten des M- geordnetsnhauseS zu ersuchen, dem Ministerpräsidenten be« folgender ?luffessung der Kommiffion Mitteilung zu machen: Die Kommission würde cs im Interesse des Landes für schädlich erachten, wenn sich ans der Stellungnahme der NeichS- loitung gegenüber Amerika die Konsequenz einer Einschränkung in unserer Freiheit, einen uneingeschränkten und dadurch voll wirksamen Unterseebootkrieg zum geeigneten Zeitpunkt gegenüber England aus-, zunehmen, ergebe.
Die englische Presse schlveigt «och.
Br. Amsterdam, 13. Febr. (Lüg. Drcchtbericht. Zeus. Bln.) Die emglilsche Presse wartet augenscheinlich Anweisungen der Regierung ab, bevor sie sich zu der Denkschrift über die bewaffneten Handelsschiffe äußert. Jedenjsalls beschränken sich die heutigen Blätter aus die Wiedergabe des Wortlauts.
Holländische Urteile.
Br. Amsterdam, 12. Febr. (Eig. Drahtdericht. Zens. Mn.) Das hollänidische „Hondelsblackd" drückt die volle Zu- st i m in u n g zu allen wesentlichen Pirirkten .der dvutschen Denkschrift an Ire neutralen Staaten über die Behanldlung der bewaffneten Kauffartesschrfse au«. Es schreibt: Mit dem Inhalt der letzten deutschen Note kann wohl j t de neutrale Macht stch einverstanden erklären. Dewaffneie Handelsschiffe, die Kriegstaten vollbringen wollen oder zu verrichten wünschen, haben kein Anrecht darauf, vom Feinde afiders wie ÄS
