Einzelbild herunterladen
 

Wiksbs-kmr T

Verlag Langgaffe S1

„Tagblatt-Haus".

Kchalter-Halle geöffnet von 8 lltzr morgens bis 7 Uhr abends.

wöchentlich

BezugS-TreiS skr beide Ausgaben: 7S Big. monatlich, M. 2.85 vierteljährlich dnrch den Verlag Langaaffe 2t, ohne Bringerlohn. M- 3.30 vierteljShrlich durch alle deutschen Postanstaiten, auSschliehlich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen auherdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle BiS- marllrrng 19. sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Landortcn und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

12 Ausgaben.

Fernruf:

„Tagblatt- Haus" Nr. 6650-53.

Don 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.

» en-Vreis für die Zeile: 15 Pfg. für örtliche Anzeigen im „ArbeitSmarkt" und „Kleiner Anzeiger" etlicher Satzform; 20 Pfg. in davon abweichender Satzausführung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 30 Pfg. für olle auswärtigen Anzeigen; l Ml. für örtliche Reklamen: 2 Ml. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen ^sprechender Nachlaß.

Berliner Schriftleitung des WiesbadenerTagblatts: Berlin Vst, Potsdamer Str.121L. Fernspr.: Amt Lützow62L>2u. 6203. T°g°n nnd^'Pisd°nwu?^!?Gew-h^M^mme7

Samstag, 12. §sbruar 1916.

Morgen - Kusgabe.

Nr. 71. * 64. Iahrgang.

Der Krieg.

Die Besetzung von Tirana.

Auch die Eroberung der Höhen von Preza und Bazar Sjak wird bestätigt.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 11. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vorn 11. Februar, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die Tätigkeit feindlicher Erkundungs- truppe^n gegen die Front der Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand dauert an. Unsere Sich:rungs- abteilungen wiesen die Russen überall zurück. Die Vorposten des ungarischen Jnsanteriereginicnts Nr. 82 zersprengten einige russische Kompagnie«.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die in Albanien vorrückenden österreichisch­ungarischen Strcitkräfte haben am 9. dieses Monats Tirana und die Höhen zwischen Preza und Bazar Sjak beseht.

Der Stellvertreter des Chess des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschallentnaut.

Die Bedeutung der deutschen venlschrist für die Neutralen.

I-. Berlin, 11. Febr. (Eig, Meldung. Jens. Bln.) Es wird sich heute in Deutschland und auch im Ausland mancher den Kopf darüber zerbrechen, welche Auslegung die deutsche Denkschrift über den II-Bootkriog in ihren wesentlichen Punk­ten finden soll. Wie wird man feststellen können, ob feindliche Handelsschiffe, zumal wenn sie unter neutraler Flagge fahren, bewaffnet sind, werden sich hieraus nicht erneute Z w i s ch c n f ä l l e mit den Neutralen ergeben können? Auf diese Frage ist zu antworten, daß wir den Kommandanten unserer Secstreitkräftc schon überlassen dürfen, entsprechend den Weisungen, dir sie nach der kurzen, gerade im Interesse der Neutralen bewilligten Frist durchzuführen haben, von Fall zu Fall über chr Vorgehen zu entscheiden. Es liegt auch in der Mach! der Neutralen, zumal in der der Bereinigten Staaten, die ja die Führung in den Verhandlungen mit England und seinen Verbündeten übernommen haben, einer etwa fortbe- siehenden Gefahr der Verwechslung vorzubeu­gen, indem sie jetzt mit Nachdruck gegen den Mißbrauch ihrer Flaggen einschreitcn und vor allem ihren Unter­tanen untersagen, auf Schiffen der kriegführenden Staaten zu reisen. Man darf auch darauf Hinweisen, daß von deutschen Unterseebooten bisher neutrale Schiffe nie­mals ohne Warnung angegriffen wurden, und daß neutrale Untertanen immer nur auf feindlichen Schiffen, die unter neutraler Flagge fuhren und die sich zu verteidigen oder zu entkommen suchten, in Gefahr gerieten. Das neu­trale Ausland hat für seine Schiffahrt, wenn es die richtigen Konsequenzen aus der Denkschrift zieht, also von der Ver­schärfung unseres Seekriegs nichts zu fürchten. Es wird im Gegenteil keine Verluste mehr haben, wenn es die Warnung befolgt und seine Angchörigen sowie deren Vermögen den uns feir-dlichen bewaffneten Kauffahrteischiffen fern hält.

Englands Besorgnis wegen der deutschen Note.

W. T.-B. Washington, 11. Febr. (Nichtamtlich. Draht- bericht, Reuter.) Man erwartet, daß die amerikanische Regierung infolge der deutschen Note über bewaff­nete Handelsschiffe die amerikanischen Bürger davor warnt, auf solchen Schiffen zu reffen, und damit ihre frühere Haltung aufgibt.

Das Festhalten der Engländer an der Bewaffnung der Handelsschiffe.

Kennzeichnendes aus der „Times".

W. T.-B. London, 11. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Marinemitarbeiter der „Times" wendet sich gegen die amerikanischen Vorschläge über das Seekriegsrecht. Die Annahme der Bestimmung, daß bewaffneten Handels- sihiffen der Besuch amerikanischer Häfen nur unter denselben Bedingungen erlaubt werden ,'olltq. wie den Kriegsschiffen Ware selbstmörderisch und würde tatsächlich zur Entwaffnung vor Handelsschiffe führen. Ferner sei die Bestimmung ganz ^»gerechtfertigt, daß ein Handelsschiff einer kriegführenden wcacht einem Befehle zum Anhalten Folge geben müsse. Das wnn-: rechtmäßig nur von neutralen Schiffen gefordert wer- °en. Die Verbündeten würden bei dieser Bestimmung nur Nachteile, die Dciutschen mir Vorteile haben.

Die „Lusitania"-Zrage.

Io. Berlin, 11. Febr. (Eigene Meldung. Zens. Bln.) Der amerikanische Entscheid aus die letzte deut­sche „Lusitanfa"-Note ist zur Stunde in Befflin immer noch nicht amtlich bekannt. Da aber New Iorker/ Nach­richten, welchen Wag sie auch nahmen, dahin zusammen- lanfen, daß die Frage eine günstige Lösung findet, so hat man sich auch an den hiesigen verantwortlichen Stellen gern der Vermutung angeschlossen, daß der kri­tische Punkt _ der Verhandlungen überwunden ist. Jedenfalls wird Lanfing auf die beiden für Deutschland unannshmibaren Forderungen verzichtet halben und es scheint, als haibe er mit Bernstorsf eine vermittelnde Formel gefunden, die beide für Deutschland als an­nehmbar betrachten. Zunächst wird aber der Botschafter die Verantwortung dafür nicht auf sich genommen ihalben, ganz allein darüber zu verfügen. Der neue Wort­laut wird wohl in einer abermaligen Note an Deutsch­land gelangen, so daß nochmals 8 bis 14 Tage ver- gshen können, ehe man sagest kann, daß der „Lusitania"- Fall für Deutschland und Amerika erledigt ist.

Washington erwartet das Eintreffen der veränderten deutschen Note.

»r. Rotterdam, 11. Febr. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Von allen Meldungen über die „2usiitania"-Berhandlnngen scheint vorläufig nur das eine sicher zu sein, daß sie, so iveit sie in ganz bestimmter Form gegeben werden, verfrüht sinld. Nachdem Präsident Wilson und Staatssekretär Lcmstng Dionstagmovgen eine Konferenz hatten — so wird unter dem 8. d. M. aus New Dork telegraphiert —, hat der Minister des Äußern rm Weißen Hause erklärt, die „2uisitania"-Lagc scheine hoffnungsvoll. Es wurde vorläufig keine weiiere Mitteilung herausgegeben, aber Nichtamtlich zu verstehen gegeben, daß die letzte deutsche Note die Möglichkeit zu weiteren BerhandLumgen vielten werde und ein Überein- kommen erzielt werden dürfte, und zwar in einer Konferenz, die nachmittags zwischen Lanfing und Bernstorff stattfinden würde. Diese Konferenz fänd tatlsächlich statt und nach ihrer Beendigung erklärte die Associated Preß, daß sie zu der Mit­teilung ermächtigt fei, daß ein Übereinkommen er­zielt sei. Später kam jedoch die Meldung hinzu, es sollten noch einige Änderungen im Wortlaut der Formel vor­genommen werden, mit der die Bereinigten Staaten sich ein­verstanden erklären würden. Nach einer weiteren Meldung aus New Dork herrscht die allgemeine Meinung, daß man die Formel gefunden hat.

Br. Amsterdam, 11. Febr. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Router meldet aus New Dork: In der „Lusitaui-a"-Frage ist die Lage unverändert. Man erwartet das Eintreffen einer revidierten deutschen Note, wie sie von Washington angenommen werden soll. Die regierungsfreund­lichen Blätter verhalten sich beobachtend und stillschweigend. Die republikanischen Organe aber drücken entschieden ihre Abneigung gegen die vorge'chlagene Beilegung des Konflikts aus. Sie erinnern an Wilsons Hinweis auf „strikte Rechen­schaftslegung" und an seine Erklärung, das; die Verteidigung eines unbestreitbaren Grundsatzes auf dem Spiele stehe. Wilson wird sogar beschuldigt, er habe versucht, dem Lande das Prinzip aufzuzwrngen, daß die imtionale Ehre keine Verteidigung bedinge, daß der Frieden um jedem Preis das höchste Ziel sei.

England bereitet sich auf Wilsons Anklagen vor.

Expriisident Tafft gegen die englischen Völkerrechts- Verletzungen.

W. T.-B. London, 11. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Morning Post" meldet aus Washington vom 8. Februar: Nachdem die Gefahr eines Bruchs mit Deutschland vor­über :st, wird Präsident Wilson, was derzeit schr wichtig ist, die Freiheit haben, energisch mit England abzurech­nen. Es ist gut. sich dies bei Zeiten klar zu machen, bevor es zu spät ist. Das britische Publikum darf nicht so überrascht und empört sein wie damals, als Präsident Cleveland seine Venezuelabotschaft an den Kongreß sandte. Die Londoner Berichterstatter drücken ihr Erstaunen darüber aus, daß in Amerika eine solche intensive Stimmung gegen England wegen seiner Eingriffe in 'den amerikanischen Handel herrscht. Niemand wird den früheren Präsidenten Tafft als Deut- schenfreund hinstellen, denn Tafft ist gewohnt, sich vorsichftg auszndvücken. Es ist daher entmutigend, zu lesen, was Tafft gestern abend in einer Rede in New Dork sagte: Die Rechte der Neutralen gelten wenig. England verletzt das Völkerrecht und verfolgt eine Politik, wie es sic uns nicht verfolgen lassen wollte, als wir im Bürgerkrieg eine Blockade gegen dm Süden errichteten. Ferner wird der Präsident be­schuldigt englaudsceuudlich und deutschfeindlich zu sein. Es wird sich jetzt zeigen, daß diese Beschuldigung falsch ist. und daß er gegenüber Englands Rcchiswidrigkeiten ebensoviel Mut beweisen kann, als gegenüber den Deutschen.

Die englische Bestätigung des Angriffs auf Ramsgate.

Abermals Klagen über mangelhafte Organisation.

IV. T.-B. London, 11. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht) Die „Daily Mail" meldet aus Ramsgate: Zwei deutsche

Wasserflugzeuge näherten sich in sehr hohem Fluge der Küste

und warfen an der Stadtgrenze zwischen Ramsgate und Bvoadstairs sieben Bomben ab. Alle Bomben sielen in das Feld und richteten keinen Schäden an, außer daß die Fenster eines Hauses, das 200 Davds entfernt liegt, sprangen. Die Deutschen blieben nur wenige Minuten über der Küste und verschwanden sehr schnell seewärts. Die Leute, die in der Trambahn fuhren, konnten die Flieger sehr gut sehen. Zuerst flogen die beiden nebeneinander uind dann hintereinander. Sie hatten eine schr Helle Farbe und waren gegen die Wolken kaum zu sehen. Man merkte Nicht, daß cs feindliche Flugzeuge waren, bis sie Bomben abwarfen. Die Stadt erhielt keine Warnung In Broädstairs fiel in der Nähe der Mädchen­schule eine Bombe nieder, die nicht explodierte. Eine fiel in den Garten eines Privathmtses.

"'Die „Daily Marl" schreibt in einem Leitartikel: Erkennt die Regierung jetzt den vollen Ernst des Flug­problems? Nach ihren Presseorganen zu urteilen, tut sie es uicht. Aber keine kühnen Worte können die Tatsachen ver­dunkeln, daß feindliche Flugzeuge mehrmals am Hellen Tage unsere Küste besucht haben und uinvenschrt wieder entkamen. Die britische Flotte will die See beherrschen, weshalb können die feindlichen Flugzeuge nicht in dem Augenblick angegriffen werden, wo sie die feindliche Küste verlassen? Weshalb werden keine Nachrichten über ihre Bewegungen auf drahtlosem Wege zu uns gesandt?- Weshalb wird unsere Küstenver­teidigung nicht rechtzeitig gewarnt? Weshalb sieht unser Flug­dienst die Flieger am Hellen Tage kommen und weshalb er­öffnen die Luiftbabterren nickst das Feuer? Kurz, !vas ist mit unserem Luftdienst in Unordnung?

Die Opfer des Angriffs.

Wiederum Frauen und Kinder vorgeschützt.

W. T.-B. London, 11. Febr. (Nichtamtlich Drahtbericht. Reuter.) Das PressebMeau veröffentlicht ein weiteres Kommunique über den Angriff feindlicher WasserfluMvuge auf die Küste von Kent vom 9. Febr., aus hem die Art des Angriffs hervovgcht. Der erste Flieger hat Irls Angriffsziel die Trambahn gewählt, weil die Trambahn voller Frauen und Kinder war. Die «rste Bornbe fiel auf die Straße knapp hinter dein Wagen nieder. Sie explodierte und richtete glück­licherweise keinen Schaden an. Es entstand keine Panik, ob­wohl der Flieger deutlich sichtbar war, wie er in großer Höhe Kreise zog. Drei weitere Boirkbem fielen in rin benachbartes Feld. Der zweite Flieger unternährn einen Angriff aus eine große M ä d ch e n schul e. Die Bombe drang durch das Dach und explodierte in dem oberen Stockwerk, so daß die Decke eiustürzte und in einen Raum fiel, wo kleine Kinder unter­richtet wurden,. Zwei kleine Mädchen wurden verletzt. Britische Aeroplane, die sich zur Verfolgung anfmachten, vermochten die Angreifer infolge des überstürzten Rückzuges nicht ein» zuholen.

Die „Appanr".

Br. Haag. 11. Febr. (Eig. Drahtbericht. Jens. Mn.) Der „Daily Telegraph" meldet aus New Dork, das Staats­departement neige zu der Meinung, daß die „Appam" nicht als Prise (?!) angesehen werden könne. Ihre Offi­ziere und Mannschaften dürften daher nicht, wie geplant, an Bord der Baltic" nach Europa Heimreisen.

(Diese Meldung widerspricht der vor einigen Tagen ge­äußerten Ansicht Lansings, der doch zuerst als Beurteiler in Frage kommt. Daß er plötzlich fein Urteil geändert 'hätte, ist wohl nicht anzunchmen, obwohl es ganz gleichgültig für den späteren Besitz deö Dampfers wäre. Aber wir glauben hinter der englischen Meldung überhaupt nur die Absicht zu erkennen, der Öffentlichkeit vorzurcden, als ob die englische Forderung nach Erklärung der „Appam" als Kriegsschiff letzten Endes gesiegt hübe. Schiriftl.)

Wieder 7 Schiffe als vermißt gemeldet.

W. T.-B. London, 11. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Lloyds meldet als vermißt die britischen Dampfer „SaÜrap", „Tynemouth", „Glenariff", „Hum­mersen" und die britische Bark „I n v c r m a r k" sowie die italienischen Dampfer „I n i z i a t i v a" und „M. B e n i - liurc".

*

Eine weitere amerikanische Note an die Donaumonarchie.

Lanfing fordert Bestrafung des lck-Bootkommandanten. — Das Bedauern der Wiener Regierung und eine Entschädigung.

W.. T.-B. New Dork, 11. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbe­richt. Reuter.) • Der Washingtoner Berichterstatter der „New Dork World" sagt, das? Lanfing eine Note an Öfter- r e i ch - U n g a r n gerichtet hat, in der er verlangt, daß Österreich-Ungarn wegen des lü-Bootangriffs auf den Dampfer „Petrolite" sein Bedauern ausspreche, den Kommandanten bestrafe und eine En tsch ädi- gung zahle. Die Note sagt, das II-Boot habe gefeuert,, ohneDborher zu warnen. Es fetzte das Feuer fort, nach­dem der Dampfer gefloppt hatte und verwundete einen Mann. Das 17-Boot kam längsseits und wollte Vorräte kaufen. „Petrolite" weigerte sich, zu verkaufen. Daraufhin antwortete der österreichische Kommandant, er werde, wenn möglich, mit Gewalt nehmen, was er hrauchc. Er habe die amerika­nischen Matrosen auf das E-Boot bringen lassen und als Geißeln festgchlllten, während die Österreicher an Bori» der „Petrolite" gestiegen seien und die Vorräte holte».