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Nr. 34. / Donnerstag, 10 . Februar. 1916.

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(Sdjlufe.) ©IC tjoHlQQVÖjUt, (Nachdruck verboten.1

Roman von Albert Peterfen.

Ms Fräulein Bangett am Scunstag dem Großknecht begegnete, konnte er sich nicht v er lagen zu fragen: „Na, Fräulein, hatte ich nicht recht?"

Und in ihrem Ärger ließ sie sich zu der unvernünfti­gen Äußerung -Hinreißen „Ach, -das kommt von Ihrem törichten Unken. Sonst wäre das Wetter vielleicht schön geblieben."

Und sie rannte an chm vorbei. Er sah chr mit ver- ständnislos-ein Kopfschütwln nach.

Die Gräfin blickte finster in das Unwetter hinaus. Sollte sie -daran gehindert werden, an der Hochzeit te-il- zunehlmen? Nein, nein, mochte das Wetter toben. Ge­rade dann könnte sie zeigen, -daß sie sich nicht abhalten ließ, ihr Versprechen zu halten.

Schon -am Samstagoormittag hatte sie ein Fesbge- wand ausgesucht, um es nach dem ..Tanzenden See­hund" Vor-auszuschicken. Dort würde sie sich umkleiden und ins Feschaus fahren.

Sie rodete -sich vor, es wäre ja ganz gleichgültig, wie sie ans der Hochzeit erschiene, sie nannte sich kleinlich eitel, weil sie den Wunsch in sich fühlte, sie möchte auf dem Fest besonders -gefallen. Aber dock' prüfte sie lange in ihram Kleiderschrauk, bis sie schließlich ein schlichtes, weißes Tuchikleid mit reicher Seidenstickerei tvählte. Dazu packte sie ein unausdringllck>es Diadem in den Koffer.

Gegen Mittag fragte sie den Großknecht: „Wir

haben in einer Stunde Hochebbe: kann ich einen Knecht -mit Gespann nach dein „Tanzenden Seehund" schicken?"

„Mit dem -hochrädrigen Wagen und zwei Pferden ift's zu machen."

„Dann soll er meinen Koffer bei Meggers abgeben und bestellen, ich würde -morgen nachmittag dort sein."

Die Glocken, welche am nächsten Morgen das Oster­fest einläuteten, -verwehten im Westwind. Petrea sollte ihren Wunsch, bei Westküstenwetter getraut zu werden, allem Anschein nach erfüll! sehen.

Gegen Mittag hörte es aus zu regnen, -aber der Wind hielt an.

Zu Fräulein Bangetts Entsetzen ließ die Gräfin den Schimmel satteln. Und auch der Großknecht schüttelte «mißbilligend den Kopf und meinte, warum der hoch­rädrige Wagen denn nicht bespannt wenden sollte.

„Ist es denn etwa gefährlich zu reiten?" fragte die Gräfin. Sie «hatte eine schlaflose_ Nacht hinter sich, und während des Vormittags wuchs ihre innere Erregung. Heute nimmt er eine andere zum Weibe!

„Gefährlich? Nee, das gerade nicht. Aber be- guemer —"

„Danach habe ich nicht gefragt."

Sie ging dem Pflugjungen, der das gesattelte Pferd borführte, entgegen und stieg auf.

Ein Zügelruck, und der Schimmel sprengte dm Wavftwog hinunter aufä Vorland.

AIS die Gräfin <m «den Rand der Watten kann, lieh sie «das Pferd langsamer -schreiten. In tiefes «Sinnen versunken, ritt sie dahin.

Wie oft lvar sie mit ihm hier gewesen,, hatte ge- träumt und — gehofft. Und jetzt? Heute nimmt er Lue andere zum Weibe.

Ein heißes Schluchzen rang sich von ihren Lippen.

„Vorwärts!"

Unwillig trabte der Schimmel durch den anfspritzen- den ««schlick. Dann und wann drehte die Reiterin sich im Sattel um;. es tat so gut, wenn der Wind gegen -die heißen Wangen fegte.

Wie ein bleiflllssiges Band zog sich da§ Tief hin. Der Schimmel bäumte au«, aber die Gräfin zwang ihn, und fast bis zum Barsch im Wasser durchsckMtt der Schimmel das Tief.

In der Luft schrien die Stiirmlschtvalben, mit schwerem Flüg-els-chla-g schossen die Möven dahin.

„Heute nimmt er die andere ziun Weibe", murmelte die Gräfin irnbcwußt immer wieder vor sich hin. Immer trauriger wurde ihr ums Herz. Es war, als gähnte ihrem weiteren Loben eine unendliche Leere entgegen. Heute — heule.

Drüben lag die langgestreckte Küste, hinter denn Deiche reckte Meggers' Wirtschaft seinen Giebel empor. In der Ferne der Brodbroer Kirchturm.

Jetzt hatte die Gräfin daS Vorland erreicht. Deut- lich sah sie die Köge vor sich liegen. Dort — zur Rech­ten — auf der Warft der Hof des Koogs-inspoktors. Mommes Geburtshaus.

Plötzlich glaubte sie auf dem Woge ein Gefährt LU erkennen.

Die fahren ins Fosthous, durchfuhr es sie, fröhlich werden sie feiern, und du -—du wirst unter ihnen sitzm und tun, als «wärest auch du froh mit den Fröhlichen, Du, die Fremde, als einzige Heuchlerin unter -den auf­richtigen Menschen.

An Mommes Hochzeitstag wirst du zeigen, daß du — doch anders bist als die Menschen -hier, willst du heucheln, lügen! An seinem Ehrentage!

Sie riß den Ga>nl zurück, hielt einen Augerrblick. Nein, nein! Und -ahne itberlegung ritz sie das Pferd herum, trieb es durch einen heftigen Schlag -in Galopp und jagte halb besinnungslos auf die Watten zurück.

Erst als der Schinrmcl inrmer unruhiger wurde, stutzte, unrkohren wollt«, fand sie die Überlegung wieder.

Herrgott, das Wasser stieg.

Uber die Watten rann schon rings «das Wasser. Da mußte das Tief fein.

„Dorrvärts, vovlvärtsl"

Mit Mühe zwang sie das widerstrebende Pferd zum Gähorsam. Im Tief schäumten die Wellen. Der Wind warf Schauuifehon und einen zischenden Sprühregen hoch.

„Vorwärts, vorwärts!"

Weder stutzte der Schimmel. Ein saufender Gerten- schlag. Einen Augenblick IckAvaukte die Reiterin im Sattel, saß wieder fest. Das Wasser spritzte auf, das Pferd tat einen Spruirg mS Tief. Prustend und

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