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Mittwoch. 9. Februar 1916. Nr. 6S. . 64. Jahrgang.

Erstürmung der feindlichen Linie bei vimy.

in kleines Grabenstück südlich der Somme von Franzosen besetzt. — Abschuß eines feindlichen Flugzeugs im Priesterwalde. Abgewiesene russische Angriffe.

Der Tagesbericht vom 9. Zebruar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier. 9. Februar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Westlich von Bi mp stürmten unsere Truppen die erste französische Linie auf 800 Meter Ausdehnung, mach­ten über 100 Gefangene und erbeuteten 5 Maschinengewehre.

Südlich der Somme sind die Franzosen abends wieder in ein kleines deutsches Grabenstück eingedrungen.

Im P r i e st e r w a l d wurde von unserer Infanterie ein feindliches Flugzeug abgcschrsscn; es stürzte brennend ab. Beide Insassen sind tot.

östlicher Kriegsschauplatz.

Kleinere russische Angriffe rn der Gegend von Jlluxt (nordwestlich von Dünaburg) s»wie gegen die am 6. Februar von uns genommene Feldwachstellung an der Dahn Barano- witschi-Ljachowitschi wurden abgewiescn.

Ba! kan kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

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Oie Kriegslage.

I» Berlin. 9. Febr. (©iß. Meldung. Jens. Bln.) Den Kämpfen südlich der Somme, von denen schon im gestrigen Heeresbericht gesprochen wurde, ging ein heftiges Artilleriefeucr voraus, bei dem es den Franzosen gelang, hundert Meter in unsere Front cinzudringen. Nachdem fetztr die feindliche Artillerictöiigkcit mit noch größerer Heftigkeit ein. worauf ein zweiter französischer Angriff kam. der mit besonderer Kraft vorgetragen wurde, aber vollkommen scheiterte. Am Abend nahmen daun tapfere schlesische Truppen das verlorene Grabenstück aus der bekanntlich vor einigen Tagen den Franzosen entrissenen Stellung restlos zurück. Das klare helle Wetter hatte überall auf der Front, wie stets, eine neue Belebung der Artillerie- tätigkeit zur Folge, besonders in der Champagne. Nur in den Bo g e s c n herrschte Nebel und Regen und darum auch Kuhc. — Im Osten erfolgte ein russischer Angriff bei Zcbow, der aber von den östcrrcicksischen Truppen glatt abge­schlagen wurde. Die Nachrichten, daß am Doiransee Scharmiikel mit englisch-französischen Truppen stati- fandcn, stnd unrichtig und wohl als tendenziöse Erfindung zu bezeichnen.

König Ferdinand von Bulgarien km Großen Hauptquartier.

W. T.-B. Berlin. 9. Fcör. (SlmtlidE). Drahtbericht.) Der König der Bulgaren ist zu einem mehrtägige« Nufcnthalt im Großen Hauptquartier eiugctrofscn. In seiner Begleitung befinden sich Ministerpräsident liadoslawow und der Oberbefehlshaber der bul­garischen Armee Genera! I e k o w. Zu den Besprechun­gen haben sich auch der Reichskanzler irnd der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes in das kaiserliche Hauptquartier begeben.

Die „Lufttania"-§rage vor der Entscheidung.

Selbst die „Times" wagt nicht mehr aus den Bruch zu hoffen.

W. T.-B. London, 9. Febr. (Nichtamtlich.) Me „Tirues" meldet aus New Aovk. mau könne noch nicht sagen, ob der O p t i m i s m u s der ameri-kanffchm Presse Wer die bevorstehende Lösung der „Lufitania"- 8rage berechtigt sei. Sebst der Präsident habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Man könne über darauf rechnen, daß selbst, wenn Wilson sich außer­stande sehen sollte, die deutschen Zugeständnisse a nzu­nehmen, seine Weigerung in solcher Form geschehen twürde. daß eine Möglichkeit für weitere Verhand­lungen offen bleibe.

In Berlin noch keine Bestätigung über die Erledigung der „Lusitania"-Angelegcnhcit.

Br. Berlin, 9. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der „L.-A." schreibt an leitender Stelle: Von ewigen Seiten werden Meldungen aus Washington verbreitet, -wonach die Verhandlungen des Grafen Bernstorff mit der amerikanischen Regierung in dem ->Lusitanio"°Fall bereits zu einem g ü n st i g c n Ab­schluß gekommen wären oder doch rm Begriff stän­den, in beffredigender Weise geregelt zu werden. Auch ans lagen gestern nachmittag solche Nachrichten aus Rotterdam vor. Wir haben von ihrer Wiedergabe aber

Abstand genommen, da an hiesigen Stellen, die über diese Dinge unterrichtet sein müßten, bis gestern abend keinerlei amtliche Bestätigung über eine Erledi­gung der „Lutttania"-Verhandlnngen vorlag.

Französisches Mißbehagen über die wahr­scheinliche deutsch-amerikanische Verständigung.

Br. Genf, 9. Febr. (Erg. Drahtbericht. Zens. Bln.) „Temps", „Figaro" und andere von dem Briand- Pressebureau beeinffußte Blätter kommenffcrcn gries­grämig die Washingtoner Depesche van einer nrög- lichen Verständigung mit Berlin.

Leutnant Bergs Verdienst.

D. Berlin, 9. Febr. (Erg. Drahtbericht. Zens. An.) Irrtümlicherweise ist gemeldet worden, unter Leutnant Berg wären im Atlantischem Ozean 7 Schiffe versenkt worden. Leurnan! Bergs Verdienst, das immerhin groß ist, beschränkt sich daoauf, daß er der Weisung seines Vorgesetzten foW» und die ihm unterstellte „A p p a m" mit Beute nach denr neu­tralen Hafen brachte. Die Versenkung der 7 Schiffe ist -das Verdienst des unbekannten deuffchen Schiffes, Grafen Dohna der der Vorgesetzte des Leutnants Berg war.

Was hat Leutnant Berg vor?

Br. Amsterdam, 9. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Leutnant Berg hat außer um Lieferung von 2900 Tonnen Kchlc>- auch um Lieferung großer Lcbensmittel- vorrä t e ersucht, aber allgemein wird es als kaum wahr­scheinlich angesehen, daß Berg mit seinem Schiff sich ins Meer wagen werde. Die englischen Matrosen, die an Bord der „Wöbe" waren, behaupten, das Schiff sei auch zum Minenlegen ausgerüstet gewesen. Die gesamte eng­lische Post des „Appam" ist dem englischen Konsul ungeöff­net überrercht worden.

Der Krieg gegen England.

Die Behandlung der Amerikaner durch die Engländer.

Der ehemalige Generalkonsul Gaffncy erzählt weitere Einzelheiten.

Berlin, 9. Febr. (Zens. Bin.) Die „Continental Times" berichtet über eine weitere Unterredung mit dem früheren Generalkonsul der Vereinigten Staaten in München, G a f f n e h: „Die Behandlung von Anrerikanern -durch die Briten im Kanal", führt? der Konffrl ans, „ist eine Belei­digung und widerrechtliche Gewalttat, ©in Amerikaner hat keine Rechte, die Britannien beachtet. Ein amerikanischer Paß wird als ungenügender Identitätsbeweis von britischen Agenten verächtlich mißachtet. Es ist eine Infamie, daß unsere Regierung gestattet, daß ihre Bürger interniert, erniedrigt und mit überhobung behandelt werden, wie es während der letzten 16 Monate geschehen ist. ©s ist eine Schande -und ein Skandal, daß auf neutralen Schiffen nach neutralen Ländern reisende Amerikaner gM-ungen werden, ihre private und Gsschästskorrefpondenz zur Information britischen Beamten­tums und zur Befriedigung seiner interessierten Neugier oorzuzeigen Wenn wir in England an Land gehen würden, so würde man gegen solch Vorgehen nicht protestieren, aber eS nt ein Vorwurf für unsere große Regierung, daß «ine Fort­dauer solcher Zustände länger geduldet werden sollte. Ich appelliere an den Kongreß, um dieser Erniedrigung anrerikantscher Bürger Einhalt zu tun. Ich habe die Ber­einigten Staaten über zehn Jcchre im Ausland in hohen Stellungen vertreten, und Sie werden begreifen, wie sehr ich über dieses illeg.rle und beleidigend gewalttätige Vorgehen crbsttert bin, das eine grobe Verletzung der Rechte und Pri­vilegien amerikanischer Bürger darstellt." — Die „New Amsterdam" wurde einen Tag und eine Nacht auch vor den Downs ungehalten rmd eine zweite Untersuchung vorge­nommen. Mehrere Amerikaner wurden entkleidet, auch eine Mrs. Viereck, eine geborene Amerikanerin und Mutter des Herausgebers des „Fatherland". Die Dame wurde vor Fal- month und den Downs entkleidet und brach fast zusammen -unter der erniedrigenden Behandlung. Mr. Gaffncy ist über­zeugt, daß England beim Versuch, den deutschen Handel zu vernichten, den Grundstein für die Zerstörung des ameri­kanischen legt.

Die richtige Antwort auf englische „Fragen".

W. T.-B. Berlin, 9. Febr. (Nichtamtlich.) Sir Edward Holden hat kürzlich in der Generalverstrmml-ung der London City and Midland Bank an R-eichSfchatzsekretär Dr. Helfferich zehn Fragen gerichtet. Die „Nordd. Allg. Ztg." pariert einige dieser Fragen mit Antworten und Gegenfragen, -die ein scharfes Schlaglicht auf die eng­lischen Finanzen werfen. Auf -die Frage, ob die bei Beginn des Krieges vorhandenen Auslandsguthaben Deutschlarids nicht nahezu erschöpft seien, wird auf -die Milliarden deutscher Guthaben verwiesen, die in England widerrechtlich unter Zwangsverwaltung gestellt worben sind; ferner wird die Gegenfrage gestellt, wie es mit den englischen Aus­landsguthaben aussehe angesichts der Tatsache, daß nur die von Holden selbst in Amerika abgeschlossene Anleihe den Sterlingkürs vor völligem Zusammenbruch einstweilen be­wahrt habe. Auf die Frage nach dem Nachlassen der deutschen Exporte wird auf die trotz offener See er- jolgie Verkrüppelung der englischen Ausfuhr

ans etwa die Hälfte ihres normalen Umfanges und di enorme Steigeüumg der Einfuhr vertmesen sowie schließlich auf die Steigerung des Pasirvsaldos der englischen Handels­bilanz (sinsthliießlich Regierunqsgüter) von etwa ISO auf mehr als SOO Millionen Pfund Sterling. Die weitere Frage, oV Deu-tschland seinen Bestand an Auslandswerten wicht beoeits völlig erschöpft habe, wird mit dem Hinweis darauf beant­wortet, daß die englische Pofträuberei ans neutralen Schiffen, bei der es namentlich auf die aus Deutschland versandte»

,■ Wertpapiere abgesehen ist, dem- Beweis für das Gegenteil er­bracht haben dürfte; ferner wird Halben an die Tatsache er­innert, daß England unter Mitwirkung der Regieruny sich des besten Teiles seiner Aaslandswerte, nämlich die ameri­kanischen, systematisch zu entäußern gezwungen sei. Sodann wird Sir Edward Holden nachgewiesen, daß er ohne jede tat, sächliche Unterlage einer Anzahl von deutschen Bank- i n st i tuten, wie KriegSkreditbanken, Hypothekenbanken, Bersicherungsgeifellschaften, die Ausgabe von Noten zuschreibt, tvährend solche Noten in Wirklichkeit niemals existiert haben. Wenn Sir Edward Holden eine kategorische Antwort auf di« Frage verlangt, oft der in den Ikeichsbankausweisen nachge- wiesene Goldschatz auch tatsächlich in der Reichsbank und nicht etwa zum Teil in einem Institut außerhalb Deutsch­larids liege, so wird ihm diese kateyorische Antwort zuteil: Die Reichsbank weist keine Unze Gold aus, die nicht in schreit eigenen Tresors liegt. Dagegen muß Sir' Holden die Frage hinnehmen, ob ihm nicht bekannt ist, daß seit Kriegsausbruch die Bank von England gewisse Goldbestände, die in überseeischen Plätzen liegen, z -B. in Ottawa, ihrem GolÄbe- ftcmd znrcchnet. Die törichte und gänzlich erlogene Behaup­tung von Aufständen in Deutschland und dem Nieder» schießen hiongernder Frauen, die sich Sir Hokren in seiner Frage Al eigen macht, wird gebührend zurückgewiescn. Die Fraae Holdens nach der kommenden Steuerlast wird mit der ^Feststellung beantwortet, daß die täglichen KrreyskosteN in England 2 Schilling, in Deutschland 1 Schilling pro Kopf der Bevölkerung betragen. Die „Nordd. Allg. Ztg." schließt^ mit dem Hinweis darauf, daß nach Holdens eigenem Zeugnis die Stellung Englands als finanzielleK Wsltzentrnnr auf seiner Fähigkeit, unbeschränkt Geld an die übrigen Länder auszubeiben, beruhte, während jetzt England in Amerika borgen muß und während — gleichfalls nach Holdens Zeug­nis — England künftighin den Abfluß von Kapital nach dem Anslarcd wird verhiwden, öder wenigstens srfchiwsren müssen^ um feinen eigenen Geldbedürfnissen genügein Kn können.

Die Not am Schiffsraum.

(V. T.-B. London, 9. Febr. (Nichtamtlich. Reuter.) Dös Z-ucrerkommistion teilt mit, daß infolge großen Mangels an Schiffsraum die .ZuckevSinfuhr während der nächsten Monate eingeschränkt werde. In einer mrderen Meldung wird jedoch mitgeteilt, -daß dliese Maßncchnce nur vorübergehend sein wrrd und sogleich zur Aufhebung gelangt, wenn bestimmte, in Aus­sicht genommene Transporte zur Durchführung gelangt sind.

Der englische Unterstaatssekretär für das Flugwesen zurückgetreten.

W. T.-B. Paris, 9. Febr. (Nichtamtlich. Droht- bericht.) Der Unterstaatssekretär des englischen Flugwesens T e n n a n t ist zuruckgetretcn.

Ribots Besuch in London.

XV. T.-B. Haag» 9. Febr. (Nichtamtlich) Der „Niewwe Courant" meldet aus London: McKenna hatte eine Unter­redung mit dem französischen FincmzMinifter R i b o t, dar nach London gekommen ist.

Parlamentserössnung ohne den König.

V/. T.-B. London, 9. Febr. (Nichtamtlich. Reuter.) De« König wird das am 15. Februar zusammentretende Parla. ment nicht persönlich eröffnen, umr seine Wiederherstellung nicht zu -gefährden.

Oberst House in London.

IV. T.-B. Paris, 9. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Oberst Houfe ist am Dienstag von Paris abgereist. Er hatte emt Montag -eine neue Uniderredumg Mit Briand .und dem Genera-lfekvetär im Ministerium für auswärtige Angelegen­heiten Jules Cambon. Heute morgen ist er bereits in> London eingetroffen.

Keine Möglichkeit, das in holländischen Gewässern gesunkene englische Unterseeboot „8 6" zu retten.

Sr. Haag, 9. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der „Ni-euwe Rotterdamsche Courant" meldet: Alle Versuche, das engltsche Unterseeboot „kl 6" zu retten, sind mißglückt.

Bei „H 6" handelt es sich bekanntlich um jenes englische Unterseeboot, das am 19. Januar in den Territorialgewässern der holländischen Küste auf Strand lief. Die Mannschaft wurde von Holland interniert.

Älnknnft verwundeter Deutscher aus Eng­land in Vlissingen.

W. T.-B. Vlissingen. 9. Febr. (Nichtamtlich.) Der Post, dampser „Oranie-Nassau" ist gestern nachmittag mit 61 vev- wuiideten de urschen Kriegsgefangenen, darmmter eine» Offizier, hier angekonnnen. Nmnens des deu-tschen Gesandten begrüßte Dr. Alberri die Berwuudeten bei der LandrmA und bealeitetc den Lazarettzug bis zur Grenze, ' v