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Dienstag, 8. Februar 1916. *RU$(JClÖ£. Nr. 64. » 64. Jahrgang.

Der Krieg.

Lebhafte Kampftätigkeit südlich der Somme. Ein deutscher Flugzeugangriff in Flandern.

Der Tagesbericht vom 8. Februar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. Febr. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Südlich der Somme herrschte lebhafte Kampf­tätigkeit. In der Nacht vom 6. zum 7. Februar war ein kleines Grabenstück unserer neuen Stellung verloren ge­gangen. Ein gestern mittag durch starkes Feuer vorbereiteter französischer Angriff wurde ab gewiesen; am Abend brachte uns ein Gegenangriff wieder in den vollen Besitz unserer Stellung.

Ein deutsches Flugzeuggeschwader griff die Bahnanlagen Poperinghc und englische Truppenlager zwischen Poperinghe und Dixmnidcn an. Es kehrte nach mehrfachen Kümpfen mit dem zur Abwehr aufgestiegcncn Gegner ohne Verluste zurück.

Östlicher und Balkankriegsschauplatz.

Keine Ereignisse von Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

Deutschland und die Anion.

Voraussichtliche Beilegung des „Lusitania"- Streitfalles.

Br. Berlin, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zcns. Bin.) Dem „B. T." wird aus Rotterdam gedrahtet: Die Mel- düng, daß durch die jüngste Mitteilung des Grafen Bernstorff an Staatssekretär Lansiug die deutsch- amerikanischen Verhandlungen über die „L u s i ta n i a" - A n g e l e g c u h c it sich nicht zur .Krise zugespitzt habe, wird von mehreren Seiten be­stätigt — Die „Morning Post" erfährt nach dem Ber­liner Blatt aus Washington vom Sonntag: Anläßlich der nervösen Nachrichten über die Krise, die angeblich die Einleitung zum Abbruch der diplomatischen Be­ziehungen mit Deutschland bilden soll, daß die Lage augenblicklich nicht weniger ernst, aber auch nicht ernster ist, als in jedem beliebigen Augenblick seit der Torpedierung der „Lusitania" und seit der Zeit, da der Präsident die Reihe seiner Noten angefangcn hat. Im gleichen Sinne berichtet der Washingtoner „Times"- Bcrichterstatter. P e s s i in i m u s — so telegraphiert er — ist nicht am Platze.

Aus dem Weg zur Verständigung?

Rotterdam, 8, Febr. (Zeus. Bla.) Die englischen Blätter vom Montagmorgen waren schon auf eine Entspannung in dem Verhältnis zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten mehr oder weniger gefaßt. Ter „Times" wurde un­tern: 5 auL Washington gemeldet, daß die amerikanischen Blätter die Streitfrage ruhig auffahten and in Erwartung einer Veröffentlichung des Briefwechsels Schwarzsehevei nicht angezeigt hielten. Dann meldete die „Associated Preß" an demselben Tage: Obwohl der Ausdruck „rechtswidrig", gegen den sich Deutschland wendet, in der Mitteilung nicht ge­braucht wird, die Graf Bernstorff gestern dem Staatssekretär Lansina überreicht hat und die gegenwärtig dem Präsidenten Wilson unterbreitet ist, sollen in dieser Mitteilung Wendun­gen Vorkommen, wonach die Tötung von Amerikanern auf der „Lusitania" von seiten Deutschlands nicht beabsichtigt gewesen sei, weil die Zerstörung des Dampfers eine Handlung der Vergeltung gewesen sei. Deutschland gebe zu, daß die Vergeltung nicht aus die Neutralen ausgedehnt wer­den solle; eZ bedauere daher, daß auf der „Lusitania" Amerikaner getötet worden sind, und bietet eine Ent­schädigung in Gestalt einer Vergütung cm. Eine Be­sprechung zwischen dein Staatssekretär und dem Botschafter fand am Sainstagnachmittag statt. Unterdes wurde auch in England der Bericht über die Unterredung eines Vertreters der „Associaled Preß" mit dem Unterstaatssäretär Zimmer­mann verbreitet. Reuter meldet nun aus New Dort unterni 7 Februar Sämtliche Blätter schreiben über die jüngste deut­sche Note, obwohl deren Inhalt noch nicht bekannt ist. Man glaubt allgemein, daß die Fassung dieser neuen Note nicht ganz befriedigend sei, und.daß eine Regelung lediglich von der Frage abyänge, ob die Torpedierung der „Lusitania" rechtmäßig gewesen sei. Es ist eben dasjenige, was Deutschland zur Rechtfertigung seiner Unterseebootangriffe anführt. Wahrscheinlich wird cs nicht vor Mitte dieser Woche »u einer Entscheidung kommen.

Dsv Krieg gegen England.

Die Verteidigungsfrage Londons gegen Luftangriffe dem Kriegsamt anvertraut.

W. T.-B. London, 8. Febr. (Nichtamtlich.) Die „Times" meldet, daß Admiral Sir Perch Scott Ende dieser Woche seinen Befehl über tue Artillerie zur Verteidigung von London gegen Luftangriffe Niederlagen wird. Vermutlich ist er jetzt mit seiner Organisation so weit, daß der Stab der Armee in England, deren Oberbefehlshaber French ist, nach der An­sicht der Regierung dem Oberkommando übertragen werden kann. Dadurch wird die Leitung teilweise von der Admiralität «uf das KriegSawt übertra^n.

Diese Nachricht klingt an sich ganz schön. Wenn man sie aber verstehen will, muß man sie anders lesen. Sie lautet dann: Admiral Sir Perch Scott wurde angewiesen, sein Amt als Befehlshaber der Verteidigungskräfte Londons gegen feindliche Luftangriffe niederzulegen .weil diese Verteidigung bei den letzten Angriffen der deutschen Lufttrsuzer völlig versagt hatte .

Die englische Industriestadt Birmingham ■ beim letzten Zeppelinangriff am meisten betroffen.

Br. Amsterdam, 8. F-br. (Ei.g. Drahtbericht. Zenf. Mn.) Aus zuverlässiger Quelle erfährt „Nieuwes van den Dag", daß bei dem letzten Zeppelinangriff auf Mittelenglartd der größte Schaden in der industrie- reichen Stadt Birmingham ungerichtet wurde und daß im Hinblick auf eine mögliche Wiederholung des An­griffes alle Urlaub sbewilligimgen an Soldaten zurück­gezogen wurden.

Das Verlangen der „nicht beunruhigten" Engländer nach wirksamem Schutz gegen die Luftschiffsangriffe.

Ein klarer Beweis für den bedeutenden moralischen Erfolg unseres letzten Angriffs.

W. T.-B. London, 8. FÄ>r. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Lob nt Fraser schreibt in der „Daily Mail": Wenn in der nächsten Woche die neue Parlamentssestion beginnt, wird der Regierung die Notwendigkeit einer neuen Luftpolitik dringend irahe gelegt werden. Der letzte große Zeppelinangriff bildet noch immer den Hau p t g esp rach ssto sf. Tie Nation ist nicht be­unruhigt, aber sehr empört, weil,Zeppeline in das bisher unverletzte England eindringen dursten, ohne daß anscheinend auch nur der Versuch eines Wider st andes gemacht worden ist. Das Land ist empört über die schwächlichc, unklare und u n g e- n ü g c n d e Vorbereitung für den Luftkrieg und ver­langt eine Politik, die nicht länger auf einer schlecht ge­leiteten Defensive beruht, sondern die große Be­deutung des Luftkrieges erkennt und die Schläge energisch erwidert. Kein Flugzeug soll von der Front weagcnommen werden; die Front muß zuerst versorgt werden, aber es muß mehr ge­schehen. Die Regierung hat überhaupt keine Politik, weil sie glaubt, daß sic damit Zeit bis nach dem Kriege hat und weil cs eine verhängnisvolle und lahme Tradi­tion der englischen Flotte und Armee ist, auf neue Er­findungen zu warten, bis andere Nationen sie ent­wickelten. Aber in diesem Kriege können wir nicht warten. Die Nation muß ein träges Ministerium zur Tat zwingen und muß ihm sagen, daß diese alte mächtige Nation die Schande nicht ertragen wird, harte Schläge ausznhalten, ohne zu versuchen, sie zu erwidern.

Das Bemühen, schul« sickere Abwehrmatz- nahmen zu finden.

Br. Amsterdam, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht. Jens, Bln.) Im englischen Kriegsamt finden augenblicklich Beratungen über allgemeine Schutzmaßnahmen gegen Zeppelinangriffc statt. Vertreter des Kriegsamts, der Admiralität und der großen englischen Städte ucfjnten daran teil. Aus vielen Gegenden des Lanldes sind dem Kricgsamt und der Regierung Gesuche rnn Schutz gegen die Zeppelingefahr zuaegcmgen. Die Furcht der Bevölke­rung ist in einigen Gegenden sehr groß. Die Regierung sucht nach Vergeltungsmaßnahmen, kann aber keine entdecken, durch die Deutschland, in gleicher Weife getroffen werden tönni* wie England durch die Zeppeline. Zunächst sind die göeicyen Vorsichtsmaßregeln wie in London auif ganz Eng­land ausgedehnt worden. Eisenbahn- und Straßenbahnver- kehr sollen sofort beim ersten Warnungssignal eingestellt wer­den. Die Fabriken müssen alle Lichter löschen; weitere Ein­schränkungen sollen noch verfügt werden.

Die Beobachtung der ZePPelrnfahrten.

Br. Christiania, 8. Febr. (Eig. Drähtbericht. Jens. Blnh „Aftonposten" melden aus Stavanger vom 7. Febr.: Der Dampfer „Atle Jarl", der gnf der Fahrt nach Newcastle be­griffen war, traf am 4. Febr., 8 Uhr abends, also drei Tage nach dem jüngsten Zevpelinangriff auf England, 142 Viertel- mvilen von der englischen Küste vier große Zeppeline, die in voller Fahrt westwärts segelten. Drei fuhren weiter, während der vierte anhielt und zweimal über dem Dampfer „Atle Jarl" kreiste, und zwar so tief, daß man fürchtete, die Gondel des Zepvelin werde die Takelage des Schiffes sort- veißen. Als der Zeppelin nch überzeugt hatte, daß „Atle Jarl" ein friedliches n e ut r al e 8 Schiff war, fuhr er mit großer Geschwindigkeit westwärts. De Luftschiffe hatten abgeblendete Laternen, man sah jedoch Lichtschein in den Gondeln.

Die englische Admiralität bestreitet den Ver­lust eines Kriegsschiffs beim kotzten deutschen Luftschrffangriff.

W. T.-B. London, 8. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Dre Admiralität veröffentlicht folgendes: Nach dem heutigen

deutschen drahtlosen Bericht meldet die ,„Kölu. Ztg.", daß fis von der holländischen Grenze die Nachricht erhielt, es sei bet dem letzten Luftangriff auf Humberi das britische Kriegsschiff Carolina" von einer Bombe getroffen worden und mit großen Verlusten an Menschenleben gesunken. Weder die „Karolina" noch irgend ein anderes britisches Kriegsschiff oder Handelsschiff, ob groß oder klein, ist auf dem Humbert oder in irgend einem arideren Hafen getvaffen worden.

Die steigenden Preise in England.

W. T.-B. London, 8. Febr. (Nichtcrmllich. Drähtbericht.) Die Blätter melden, daß Frauen- und Krnderkleider um 20 bis 30 Prozent im Preis steigen und wahrscheinlich noch weiter steigen. Ferner wird der Bezug von Petroleum für Privatautomobile künftig sehr eingeschräkt werden.

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3um Meisterstück der „slppam".

Vom Leutnant Berg.

Berlin, 8. Febr. (Zeus. Bln.) Leutnant Berg, der Führer der „Appam", ist, wie der „Voss. Ztg." aus Apenrads gemeldet wird, jetzt 89 Jahre alt. Seiner Militärpflicht ge­nügte er als Einjähriger bei der Marine. Er ging als Ober­matrose ab, wurde als solcher bald nach Kriegsausbruch ein- benufen, nahm dann an einem Offizrerskurs teil und wurde vor etwa einem halben Jahre zum Leutnant befördert. Tet seinem Urlaub im vorigen Jahre sagte er zu seiner Frau, sie solle, wenn sie längere Zeit nichts von ihm höre, ruhig an- nehmen, daß es ihm gut gehe. Lange Zeit hat seine Frau nichts von ihm gehört und nicht an ihn schreiben können, drr sein Aufenthalt unbekannt war, bis jetzt die erfreuliche Nach­richt von seinem Wohlbefinden einlief.

Die wertere Schilderung eines Passagiers.

Berlin, 8. Febr. (Jens. Bln.) Nach dem „B. T." bringt der „Daily Telegraph" auf Grund von Berichten der „Appam"-Passagi«rie eine ausführliche Schilderung der Er­lebnisse des deutschen Kaperschiffes. Es handle sich um einen deutschen Hilfskreuzer, der am Neujahrstag Kiel verließ und uni die Nordspitze Schottlands in den Atlantischen Ozean ge­langte. Der Hilfskreuzer enthielt 8000 Tonnen, wäre mit zehn Kanonen armiert und hätte eine Besatzung von 356 Mann. Unterwegs begegnete er vielen englischen Kreuzern. Der Prisenkommandant der „Appam", Leutnant Berg, der mit fernen 20 Mann die Hunderte von Passagieren beauf­sichtigen mußte, die auf der „Appam" zufammengebracht waren, sei außerordentlich höflich und korrekt gewesen, habe aber auch bekanntgegehen, daß im Maschinenraum und unter der Kommandobrücke für den Fall von Unruhen Bomben gelegt seien.

Die Ereignisse auf öem Valkan.

Eine neue völkerrechtswideige Maßnahme in Saloniki. >

Versteigerung des Privateigentums der Konsuln.

Wien, 8. Febr. (Zens. Bln.) Die Südslawische Korre­spondenz meldet ans Athen unter dem 6. Febr.: Nach einer authentischen Mitteilung wurde in Saloniki das Privat­eigentum der Konsuln Österveich-Ungarns, Deutschlands, Bulgariens und der Türkei au>f Befehl des Kommandos dev Ententetruppen öffentlich versteigert. Gleichzeitig wurden auch die Effekten des Personals der vier Konsulate versteigert. Der Erlös aus diesen Versteigerungen wurde als Kriogsbeuite den an den fcinerKeitigen Berhaftu-ngen her­vorragend Beteiligten zugetviesen.

Folgen des Zeppelinangrrffes auf Saloniki.

IV. T.-B. Athen, 8. Febr. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Aus Mt unterrichteter Quelle verlautet: Bei dem letzten Zeppelinangriff auf Saloniki wurden Waren im! Werte von 3 Millionen Franken vernichtet, wovon nur für 100 000 Franken durch Verficherurrg gedeckt sind. Mehrer« englische Versichernngsgesellschaften haben ihren Vertretern in Saloniki telegraphisch die Anweisung gegeben, Waren gegen! jedes Kriegsrisiko zu versichern. Darauf sind innerhalb zwei Tagen für über 5 Millionen Franken versichert worden.

Griechenland beruft weitere Jahrgänge ein-

W. T.-B. Athen, 8. Febr. (Nichtanrtlich. Agence Havas.) Der König hat einen Erlaß unterzeichnet, durch den alle: Griechen der Jahrgänge 1802 bis 1914, die sich im Ausland aufhalten und sich der Militärpflicht entzogen, unter die Fahnen gerufen werden, ausgenommen die in Ruß­land, der Türkei, Bulgarien oder Rumänien ihren Wohnsitz haben.

Ein Scharmützel an der griechischen Grenze.

W. T.-B. Bern» 8. Febr. (Nichtamtlich.) Der „Corriere della Sem" meldet aus Saloniki: Englisch-französische

Kolonnen gingen am 4. Februar gegen die g r i c ch i s ch s Grenze vor, wo Scharmützel statffanden.

Br. Lugano, 8. Febr. (Eig. Drahtbericht. Z«ns. An.) Wie der „Corrrere della Sera" aus Saloniki meldet, hat das gemeldete Scharmützel zwischen einer bulgarischen KavallericpatrouilbL rmltz