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Verlag Langgafs« 21

„Tagblntt-Haus".

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„Tagblatt.Harrs" Nr. 6650-53.

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Dienstag, 8. Zebruar 1916.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 63. ♦ 64. Jahrgang.

Der Krieg.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 7. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 7. Februar, mittags:

Die Lage ist überall unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Deutschlands Kriegsbeute.

Mehr als 1429 971 Gefangene und mehr als 9790 Geschütze.

Lr.( Berlin, 7. Febr. (Eig. D-rahtdericht. Zeus. Bin.) Die deutsche Heeresverwaltung hat eine Jnventur- aufuahme des innerhalb Deutschlands befindlichen G e- f a n g e n c n- und Waffcnmaterials vorgenom­men. Die Gefangenenzisfer beträgt jetzt: 14 29 9 71 Mann, die der Geschütze 9 7 99, die der Munitions­und sonstigen Trainwagen 7 7 99, die der Gewehre 1399 9 99, die der Maschinengewehre 39 99.

*

Bon Zeit zu Zeit, int letzten Jcchre sogar regelmäßig bei Quartalsschlutz, gibt die deutsche Heeresleitung der' Öffentlichkeit statistische Angaben ö-ekannt, die einem zu- sammenfasseuden Überblick über unsere Eroberungen und Kriegsbeute gewähren. Wir wissen, «daß wir in Belgien, in Frankreich, in Rußland (zuscmmren mit Österreich) zusammeugenommen etwa 276 000 Quadrat­kilometer Land beseht haben, gegen vielleicht 8350 Quadratkilometer, das der Bierverband festhält. Die Zahl der Gefangenen bezifferte sich bereits Ende Juni vorigen Jahres aus mchr als l 100 000, die allein in Deutschland untevgebrächt waren. Seitdem ist wie­der so mancher Strauß in Ost nnd West und im Süden ausgefochten worden, ein ganz neuer Kriegsfchanplatz hatte sich im Oktober v. I. für uns geöffnet, so daß es unsere Heeresleitung an der Zeit erachtete, der Öffentlichkeit wieder einmal einen Bericht zu unter­breiten, der überall vollste Genugtuung erwecken wird. Beweist er uns doch aufs neue, daß wenn auch in letzter -Zeit keine großen und entscheidenden Schlachten ge­schlagen wurden, die Tagesberichte auch nichts von Ge- fangenenZählcn meldeten, die in die Zchntaufende gingen, wie groß der Gewinn trotzdem' gewesen ist. Denn es unterliegt wohl keinem Zweifel, «daß diese Zff- fern, trotz ihrer gewaltigen Höhe, doch beträchtlich hinter unserer Gesamtbeute Zurückbleiben. Wissen wir doch, daß viele Gefangene, die von deutschen Heeres­teilen eingebracht wurden, vor allem aus den galizischen Schlachtfeldern, in österreichischen Gefangenen­lagern iintergeb rächt worden sind, und niassenweise un­brauchbare Waffen, namentlich im Osten auf den Schlachtfeldern liegen blieben, gute brauchbare Waffen aber sofort >von den Truppen gegen den Feind selbst verwendet wurden. Auch aus dein serbischen . Kriegsschauplatz ist in den Erfolgen der deutschen Trup­pen so manches Beutestück in unsere Hände gefallen, das heute als Trophäe ein österreichisches oder bulgari­sches Arsenal ziert, so mancher Gefangene von uns hin­ter die Front gebracht, der heute seine Zeit in einem Gefangenenlager unserer Verbündeten verbringt. Und doch sind es Riesensmnmsn, die in uns die Ereignisse des verflossenen Jahres wieder voll und ganz aufleben lassen, die uns an den Fall der russischen Navewsestun- gen, an die Tage von .Kowno, Grodno. und Nowo- georgijewsk erinnern, wo allein die erbeuteten Geschütze nach Hunderten und Taufenden zählten.

1429 971 Gefangene, 9700 Geschütze, 1300 000 Ge­wehre, 7700 Munitions- und Trainwogen und 3000 Maschinengewehre erbeutet. Welche Nnsumme von nesvenanspanncnder Arbeit, von heldenmütigster Tapfer­keit, zähesterAuNdauer und vor alleul überlegencrÄriegs- .kunst spiegelt sich in Liesen Zahlen wider, welcher un­vergleichliche Gewinn aber auch, denn es ist dasselbe Menschen- und Kriegsmaterial der Feinde. :nit dem sie einst gegen unsere eigenen Reihen Tod und Verderben sandten. An solchen Ziffern wird uns zu allererst klar, Laß die Gegner wohl schon lange vor dieser Zeit hätten erliegen müssen, wenn nicht seit fast Jahresfrist die mit Hochdruck betriebene Waffen- -und Munitionslieferun­gen der Amerikaner und letzthin der Japaner gewesen wären! . . . ____

Der Krieg gegen England.

Der $qII „klppam".

Leutnant Berg.

Bt. Hamburg, 7. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Tie Persönlichkeit des Leutnants B e r g , der die „Appam" nach Amerika brachte, ist nunmehr festgestellt. ES ist der Kapitän der deutschen .Handelsmarine Franz Berg nuS Apenräde, sties-rrttle:rtnam der deutschen Marin«:,

Die Erregung über bas Meisterstück Bergs in England.

Sr. Amsterdam, 7. Febr. (Eig. Drahibericht. Jens. Bin.) Bei Lloyds Londoner Schiffsversicher'.rngs-Zentrcrle hat die Kmcde von den Taten der „Appam" nicht geringe Aufregung hervorgerufen, um so mehr, als man Befürchtungen hegt wegen des Ausbleibens von vier weiteren Dampfern, die -ebenfalls die gefährliche Zone der Kanarischen Inseln zu passieren haben. Ein hervorragercher Schiffseigentümer äußert sich „Daily News" zufolge: So lange wir nicht Ge­wißheit haben, daß nicht noch mehr Schiffe dieser Art draußen herumschwürmen, mutz die Sorge für die Sicherheit unserer Schiffe nnd unsere Ladungen ständig zunehmen. „Daily Telegraph" sagt: Wir wissen nicht, ob die „Möve" ihr Werk nicht noch weiter fortsetzen will, ob sie nicht nach dem Rühme der „Emden" strebt. Im Anschluß daran stellt „Daily Tele­graph" die Frage: Wo waren unsere Kriegsschiffe?

England bricht das Briefgeheimnis.

Br. Amsterdam, 7. Febr. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der Londoner Gewährsmann der „B. Z." berichtet: Auf An­weisung des englischen Handelsministeriums sollen von ;eht an alle neutralen Postdampfer, die dre englischen Gewässer berühren, untersucht werden, ob die Post feindlicher Staaten zum Versand von Bannware in Briefen be­nutzt wird. Damit bricht England grundsätzlich und amtlich das von allem Ländern der Welt anerkannte Brief­geheimnis.

Auch der Bischof von London „rechtfertigt" !

W. T.-B. London, 7. Febr. (Nichtamtlich. Dvahtbericht.) Reuter meldet: Der Bischof von London rechtfertigt in einer Ansprache das Verhalten des Kapitäns vom „King Step-Hain", denn ioenn er die Deutschen an Bord genommen hätte, würden sie die Besatzung des Schiffes überwältigt und die ganze deutsche Presse dies als einen Akt ge­schickter Strategie bejubelt haben. Die Deutschen hätten die Ritterlichkeit in di^em Kriege vernichtet.

Aus England heimkehrende Deutschen.

IV. T.-B. Amsterdam, 7. Febr. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Die Blätter melden aus Vlissingen: Gestern abend sind 118 interniert geivesene deutsche Zivilisten aus England angekommen.

Die Geschichte einer großen Offensive.

Die Presse des Vicrverbandss kündigt seit einigen Monaten mit auffallender Sicherheit eine große Offensive im Frühjahr 1916 an, die das so oft schon totgesagte Deutschland zerschmettern solle. An der Westfront sollen Engländer wird Franzosen, an der Ostfront die Russen die deutschen Linien zerbrechen. Ende 1916 werde der Krieg be­endet, Deutschland vernichtet sein.

Wir kennen diese Melodie. Sie ertönte zuerst im August 1914, als Lord Curzon die bengalischen Reiter „Unter den Lmiden" einziehen sah, als die Russen den bevorstehenden Fall Königsbergs und Bkeslaus in die Welt hinausposaunten und der Feind in Elsaß-Lothringen die Uhren auf franzö­sische Zeit zu stellen begann. Sie ertönte aufs neue, als der Erfolg an der Marne die Entente-Hoffnungen wieder belebte und das schon in jähem Schrecken verzagende Frank­reich Mut zu neuen Tattn faßte. Als dann noch den Oktober- Kümpfen cm der User der deutsche Vormarsch auch in Belgien durch Überschwemmung des Poldergebietes aufge­halten war, hallte die feindliche Presse zum drittenmal wider von dem neuen großen Angriff, der nun endgültig die Bar­baren über den Rhein zurückwerfen sollte. Die große Papier- offensive beginnt Mitte November 1914 in Nordfrankreich. Lille wurde — wenigstens in „Daily Telegraph" vom 13. November — durch Beschießung von den Franzosen zurück- erobert. Der Angriff pflanzte sich schnell nach Lothringen fort: die Franzosen beschossen Metz („Feuille d'Avis de Neuf- chätel"' '7. 'November). Aber erst am 10. März schritt man dann endlich zur Tat. Mit ungeheuren Kraftanstrengungerl und riesenbaften Verlusten nahmen die Engländer das Dorf Neuve Chapelle. Nach der Eroberung dieses einen Platzes blieb ihr Angriff jedoch stecken. Die Briten hatten nach denr amtlichen Bericht ihres Höchstkommandierenden 12 811 Mann verloren und mehr Munition verschossen als im ganzen Burenkriege. Das gab der Munitionsmmistcr Lloy George später selber zu. Schon am 12. März brach man die Offensive ab, da nach dem Bericht des Marschalls French — die meisten Zwecke, denen die Operationen hatten dienen sollen, erreicht waren und da es Gründe gab, die es nicht ratsam scheinen liehen, den Angriff danrals fortzusetzen. Die englische Presse suchte jedoch ihr Gesicht zu wahren, indem sic den britischen „Erfolg" als eine Lektion hinstellte, die dem in Rußland so völlig erfolglosen Hindenburg zeigen könne, wie man Schützengräben nimmt („Times", 12. März). Der französische Minister Barthou faßte in einer Sorbonne- Rede neuen Mut: „Ich behaupte, ich schwöre, daß unsere Stunde gekornmen ist. Der unbesiegbare Vorstoß hat begonnen, die Stunde des Sieges ist nahe!" (Petit Journal", 13. April.)

Aus diese Offensive der Phrasen antwortete die deutsche Heeresleitung mit der Offensive der Tat-, und zwar auf drei verschiedenen Punkten: bei 3)pern am 28. April, am Dujancc an, 3. Mai und gleichzeitig in den Ostseeprovmzen in der Richtung auf L i b a u. Es war den feiiEchen Papicrstrategen nicht ganz leicht, diesen dreifachen Schlag zu parieren, Sie versuchten es, indem sie die Vor-

, stoße der Franzosen, die vom 10. Mai ab zur Besetzung der Dörfer Carancy und Ablain führten, als riesenhafte Heldentaten in die Welt schrien, denen gegenüber die belang­losen deutschen Erfolge in Galizien zu nichts zusammen- schruustssten. Sich selbst zum Trost gestalten die Gegner das schöne Bild von der „Fassade" weiter aus: Nach dem „Matin"

. vom 2. Mai zeigte der deutsche Mißerfolg bei Apern, der mit eineni Wicderzurückgehen der Deuffchen geendet hatte, daß die deutsche Westftont wirklich nichts als eine „Fassade" war.

Die Sichel des angeblichen Mähers begann ihre Arbeit am 24. September bei Loos und Tahure. Wir erinnern uns der gewaltigen Vorbereitungen, die diesem Schlage vorauS- gingen. Aus einem erbeuteten Befehl des französischen Hauptquartiers vom 21. September ergctb sich, daß die Ver­bündeten 78 Infanterie- und 15 Kavallerie-Divisionen, außer­dem das belgische Heer und 5000 Geschütze, also nach eigener Angabe drei-Viertel der gesamten französischen und einen sehr namhaften Teil der englischen Streitlräfte für den Angriff bereitgestellt hatten. Der Kommandeur der englischen Garde­division hatte durch einen Befehl vom „Vorabend der grüßten Schlacht aller Zeiten" seinen Truppen Glück gewünscht

ihnen eingeschärft, daß vom Ausgang dieser Schlacht daN Schicksal kommender englischer Generationen abhing, „Joffres Armeebefehl" vom 14. September hatte mit der größten Schärfe betont, daß die Zeit gum Angriff gekommen sei, um sowohl unsere seit 12 Monaten unterjochten Volks­genossen zu befreien, als auch dem Feinde den wertvollen Be­sitz okkupierter Gebiete zu entreißen, die Neutralen zu be­stimmen, sich für uns zu entscheiden und den deutschen Vor­marsch gegen die russischen Heere aufzuhalten. So sicher war man, den Durchbruch zu erzielen, daß schon Kavallerie be- reiigestellt war, um den geschlagenen Feind aus Frankreich und Belgien zu verfolgen.

Was war das Ergebnis? Auf der 840 Kilometer! langen Front war an zwei Stellen, in 23 und 12 Kilometer Breite, die erste deutsche Verteidigungslinie genommen, worden, ohne daß sie auch nur an einer einzigen Stelle wirklich durchbrochen worden wäre. Die englischen Verluste betrugen! nach der amtlichen deutschen Beuechucmy etwa 60 000, di« französischen gegen 130 000 Mann. Die deutsche nt Linien in Frankreich aber standen fester denn je.

Es dauerte einige Zeit, bis sich die Presse der Entente! mit der neuen Enttäuschung absand. Aber schlieMch hakfenl die Methcken von Neuve Ehapelle auch setzt dazu, den Miß­erfolg in «einen „Erfolg" zu verwandeln. Wenigstens hatte die neue Offensive die moralische Überlegenheit ür Verbün­deten dargetan. Bewiesen war — wie bei Neuve Chapelle —, daß die feindlichen Linien zu durchbrechen wären („Times", 28. September, und nacheinander fast alle Ententeblätter).

Eine der Ursachen, die die Entwicklung des sranzüsischew Vorgehens in der Charnpagne gehindert hätten, fei das schlechte Wetter. Der ganze Angriff habe 'dauernd unter dem unablässigen Regen gelitten, der das Vorwärts­kommen erschwert und die Franzosen der Möglichkeit einer genügenden Luftaufklärung beraubt habe. (Gairz wie bet Neulve Chapelle.) So war die Armee gewissermaßen ohne Augen. Das erklärte vieles.

Nachdem die mißglückte Champagneoffen-« s i v e ähnlich der von Neuve Chapelle auf -bem Umweg über einen moralischen Erfolg zu einer trotz -des Regens völlig ge­glückten gctvalffamen Erkundung verwandelt worden war, ge­wann die Entente neuen Lebensmut. Daß die gewaltsame Erkundung mit einer Truppemnacht unternommen worden war, die hinter der Stärke des gesamten deutschen Heeres von 1870 nur um zwei Divisionen zurückbli-eb, focht unsere Feinde nicht im geringsten an. Im Gegenteil, sie konnten jetzt mit aller Siegeszuversicht die völlige Vernichtung Deutschlands — aus das Jahr 1916 verschieben!

Bis zum September war eS neben der Westfront Galli­po l i, das die große Wendung der Geschicke bringen sollte. Seit einiger Zeit ist auch diese Hoffnung gescheitert. Zum drittenmal sicht man jetzt, genau wie im August und Novem-. ber 1914, in Rußland das leuchtende Hofsinungsgcstirri.. Von Rußlarcd soll der große Umschwucig ausgchen. Auch Englands Massenheere tauchen aufs neue am Horizont auf. Diesmal mit einem gewissen Schein der Wirk­lichkeit, deacn England führt die algemeine Wehr­pflicht ein. Daß diese aber mir für Unverheiratete gilt, daß gewaltige Berufsgruppen in ihrer Gesamtheit als mnck- kömmlich angesehen werden, daß ncan, wie neulich ein Offizier klagte, in einem Bezirk von 500 Wchrpslichtigen mehr als 450 „Unentbehrliche" zählte („Times", 17. Januar 1916), über­sehen unsere Gegner (absichtlich?) vollkommen. Im Frühjahr 1916 wollen jte Deutschland nun unwiderruflich zerschmettern. Wir wissen, was aus all den großen semwlichen Phrasen ge- wcrrdcn ist und ioarten deshalb mit gelassener Ruhe ab, ob die Voraussagen sich diesmal richtiger erweisen werden. Die Aus-, sichten daraus sind schlecht. Wir unterschätzen die papierene Kriegskunst unserer Gegner nicht. Besser als ihre militärische ist sie immerhin. Gegen dir Front der ehernen Wirkliihkeit sind sie bis jetzt noch immer vergeblich angestürmt.

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Die „lästigen" deutschen Flieger.

vleneral Haig ersucht um Hilfe.

Berlin, 7. Febr. (Zeus. Bln.) Die „Voss. Ztg." meldet aus Amsterdam: General H a i g hat dringend um größere Fliegerabteilungen ersucht, da die feindlichen Flieger ihm viel zu schaffen machen. Die zahlreichen feind- !ichr«r Angriffe hätten seine Fronttruppen in Verwirrung gebracht. ' ' '