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Montag. 7. Kebruar 191b.

5lbend°5lusgabe.

Nr. 62. . 64. Jahrgang.

Der Urieg.

"Lebhafte Artilleriekämpfe im Nordwesten.

Russische Verluste an der Schara.

Ein russisches Flugzeug erbeutet.

Oer Tagesbericht vom 7. Zebruar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Febr. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heftige Artilleriekämpfe zwischen dem Kanal von La Vass-'e und BrraS sowie südlich der Somme. Die Stadt Lens wurde in den letzten Tagen vom Feinde wieder lebhaft beschossen.

I» den A r g o n n e n sprengten und besetzten die Fran­zosen auf der Höhe 285 (La Fille Morte) nordöstlich von La Chalade einen Trichter, wurden aber durch einen Gegenstoß sofort daraus vertrieben.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Eine in der Nacht zum 6. Februar von uns genommene russische F e l d w a ch st e l l n n g auf dem östlichen Schara- u f e r an der Bahn Baranowitschi-Ljachowitschi wurde erfolg­los angegriffen. Ter Gegner mußte sich unter erheblichen Verlusten zurückziehen.

„ Südwestlich von Wids» fiel ein russisches Flug­zeug, dessen Führer sich verflogen hatte, unversehrt in unsere Hand.

Valkankriegsschauplatz.

Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.

Unterstaalssekretar Zimmermann über den Unterfeeboot-Urieg. Deutschland kann nicht weiter in Zugeständ­nissen gehen!

Eine Unterredung mit dem Vertreter der Associated Preß.

W. T.-B. New York, 6. Febr. (Nichtamtlich.) Der Ber­liner Korrespondent der Associated Press hatte eine Unter­redung mit dem Untorstaatssakretär Zimmermann, in der dieser die Hoffnung aussprach, dass die neuen Vor­schläge, die den Vereinigten Staaten bereits vorgelegt seien, die Grundlage für eine definitive Regelung geben wür- ben. Er volle jedoch den Ern st der Lage nicht verhehlerr. Zimmermann sagte weiter, dass Deutschland keine wei­teren Zugeständnisse machen könne und keinesfalls die Ungesetzlichkeit der Kriegführung der Unterseeboote in der Kriogszon« anerkennen wolle. Die deutsche Regierung sei bereit, alles, was in ihrer Kraft stehe, zu tun, um den Wün­schen Amerikas entgegenzukommen und habe dies auch schon getan. Aber es gebe Grenzen, bei denen selbst die Freundschaft aufhöve. Er erklärte, er begreife Amerikas Haltung nicht. Man habe in Deutschland gedacht, dass die Differenzen >DCfwi der Unterseeboote erledigt seien und die „Lulsitania"-Frage geregelt würde. 'Man habe von deutscher Seite zugestimmt. einen Schadensersatzanspruch zu zahlen, aber die Regierung der Vereinigten Staaten habe gänzlich neue Forderungen gestellt, denen Deutschland unmöglich ent­sprechen könnte. Amerika dürfe nicht zu viel fordern und Deutschland zu demütigen versuchen.

Anis diese neuen Forderungen und die nmen In­struktionen cm den Grafen Vernstorff wünschte Zimmer­monn nicht näher einzugehen, doch lieh er keinen Zweifel, dass die ganze Krise auf die Forderung Amerikas zurückzuführen sei, dass Deutschland die Versenkung der »Lufidania" als ein« völkerrechtswidrige Tat desavouieren solle. Deutschland könne die Waffe der Unterseeboote nicht aus der Hand legen. Zimmermcmu erklärte wiederholt, dass Deutschland, wenn ine Vereinigten Staaten es zu einem Bruch kommen lassen wollten, nichts mehr tun könnte, um das zu vermeiden. Das Bedauernswerteste an der ganzen Sache würde sein, dass kein tieferer Grund zu einem Brmh vorhanden sei. Deutschland und die Vereinigten Staaten hätten keine einander widersprechenden Interessen. Deutschland hoffte deshalb aus eine bedeutende Entwicklung des Handels zwischen den beiden Ländern nach dem Kriege. Diese Hoff.nung würde zerstört, oder es würde doch eine solche Entwicklung sehr be­hindert werden, wenn es jetzt zu einem Bruch käme. Aber Deutschland könne nicht weiter gehen, als es bisher gegangen sei.

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Englische Schurkerei.

O Berlin, 6. Februar.

. Die Schandtat des englischen Kapitäns, der die Ret­tung der Schiffbrüchigen von uräerom „I- 19 unter nich­tigen Vorwänden verweigerte, reiht sich würdig dom Verbrechen des „Baralong" an. Menschen, die solche Niederträchtigkeit fertigbringen, müssen auch den letzten Nest von Gefühl in sich erstickt haben. Die Angabe des Kapitäns, er habe befürchten müssen, von den gerette­ten Deutschen überwältigt zu werden, wird in der gan­zen Weit, England freilich ausgenommen, als ebenso ouenni wie feige und als ebenso feige wie dumm ange­sehen werden. Wir wollen uns bei der angemessenen

Würdigung dieser Schurkerei nicht länger als nötig auf­halten, wir möck^en aber eine ganz bestimmte Frage stellen, nämlich die, ob es wohl anzuriehmen ist, dass der Führer des englischen Fischdampfers ganz auf eigene Verantwortung gehandelt oder . sich nicht vielmehr bewußt gewesen ist, er werde auf jeden Fall Deckung finden. Seine Tat ist so u n g e- h e u e r l i ch, daß man es sich kaum vorftellen kann, sie werde ohne irgendwelche Beziehung M Auffassungen oder WillenSmeinungen begangen worden sein, die jen­seits des beschränkten Gesichtskreises dieses untergeord­neten Mannes zu suchen sind. Selbst der brutalste Hasser müßte sich !wch sagen, daß er mit der Gefan- gennahme einer deutschen Besatzung mehr Ehre einlegt als mit -ihrer tückischen Vernichtung. Warum also hat dieser Mensch einen so kaltblütigen Mord ver­übt? Die Ähnlichkeit des Vorgangs mit «dem bei der Tötung unserer Unterseöbootsmannschast durch die „Banalong"-Leute erregt den dringenden Ver­dacht, daß w e d e r hier noch dort auf eigene Faust gehand-elt worden ist. Bisher fohlt freilich die Möglich­keit, diesen Verdacht zur abscheulichen Gewißheit zu er- hübsn, aber wir werden den Argwohn nicht los, und er wird iwch dadurch bestärkt, daß wir über das Schicksal andere Untcrseebootsmannschaften in seltsamer Ungewißheit versetzt worden sind. Unser Wmiralstab hat vor einiger Zeit ja die übrigens geringe Zahl unserer außer Gefecht gesetzten Untersee­boote mitgeioilt, darüber jedoch, was aus den Mann­schaften geworden ist, hat man nichts weiter gehört. Gewiß werden diese oder jene einen ehrlichen See­mannstod im Kampfe g-siunden haben, nicht von allen jedoch ist das sicher. Die zunehmende Grau­samkeit der englischen Kriegführung zwingt uns geradezu den G-Sdanken auf, daß die b r i t i s ch e A d° mivalität etwas unmenschlich Böses zu ver­bergen hat. Wir können nur wiederholen, es will uns nicht in den Kopf, daß der Kapitän des ,Mng Stephen" die Verantwortung für seinen vielfachen Mord aus den Tiefen seiner edlen Seele -geschöpft hat; es muß da etwas dahinter st ecken, was hoffentlich noch auf­geklärt werden wird. So dicht das Lügennetz und -das noch engmaschigere Netz der englischen Verfchweigungs- künste ist, so hat cs schon manchen Riß erlitten. Auch setzt, so glauben wir, wird die Enthüllung schlimmer Zusammenhänge, die auf die Dauer ja nicht ausbleiben kann, die Welt mit neuem Entsetzen vor dem wahren Geiste Englands erfüllen.

Die „öffentliche Meinung" Englands billigt die Scheußlichkeit.

Eine kaum zu überbietende Heuchelei.

W. T.-B. Leuten, 7. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbenicht.) Reuter meldet: Die öffentliche Meinung billigt das Verhal­ten des Fischdantpfeis .Mng Stephan", der sich weigerte, die Bemannung des verunglückten deutschen Luftschiffs an Bord zu nehmen, Leider lehre das Verhalten der Deutschen in diesem Krieg die Alliierten, daß man ihrem Wort nicht glauben darf, noch darauf rechnen kann, dass sie die gewöhn­lichen Grundsätze der Menschlichkeit beachten. Wenn der Frjchdampfer mit 9 Mann Besatzung beinahe 30bis an die Zähne bewaffnete Männer (?) an Bord genominen hätte, so war anzunchmen, daß die Schiffbrüchigen die Retter überwältigt und den Fischdampfer als Prise nach Deutschland geführt hätien. Es ist ein bedauerlicher Zug dieses Seekriegs, dass die Schiffe sich davor fürchten, die Kettung überlebender von zerstörten Schiffen zu ver­suchen, die in offenen Booten den Unbilden der Witterung und allen Entdeürungen aus-gesetzt sind, weil sie fürchten müssen, dass diese Boote gleichsam von den deutschen Unter­seebooten auSgelegte Köder sind, die darauf warten, das Fahrzeug zu Verse n I e n, das die Schiffbrüchigen zu retten versucht.

3urn letzten Zeppelinangriff auf England.

Die Albernheit eines englischen Gerichts.

Ein „Wahrspruch" gegen den Kaiser und Kronprinzen.

IV. T.-B. London, 6. Febr. (Nichtamtlich.) Bei dem Leichenschaugericht der Opfer des deutschen Luftangriffs in Staffordshirc nahmen die Geschworenen das Urteil des Vor­sitzenden wicht an und einigten sich auf folgendes Urteil: daß die Opfer durch Exvlosivbomben getütet wurden, die von einem feindlichen Luftschiff abaeworfen wurden, und dass ein Wabripruch wegen vorsätzlichen Mords gegen den Kaiser und den Kronprinzen als Mitschuldige zu Protokoll genommen würde.

(Notiz des W. T.-D-: Die Urheber dieser Albernheit wer­den sich selbst noch als Helden, anderen Leuten aber als Narren Vorkommen.) ,

Der Schaden des letzten Zeppelinangriffes.

Eine englische Aufzählung.

W. T.-B. London, 7. Febr. (Nichtamtlich.) Das Kriegs­amt macht folgende Mitteilung: Bezugnehmend auf die amt­

liche deutsche Erklärung über den letzten Zeppelinair­griff auf England wird festgestellt, dass der an industriellen imtb kommerziellen Baulichkeiten angerichtete Schaden folgen­der war : Ernstlich beschädigt wurden drei Brauereien, drei Ersenbakumagazine. eine Lokomotivhalle, eine Röhrenfabrik, eine Lampenfabrik und eine Schmiedewerkstätte. Geringerer Schaden, wie die Zertrümmerung von Fenstern und Türen, ist zu- verzeichnen in einer Munitionsfabrik, in EiseMverken an zwei Orten, an einer Kvanfabrik, einer Riemenzeugscchrik, einem Ersenbahngetreidcmagazin, an einem Bergbau- . und Pumpwerk. Keine Docks, GetreideTnagazine, Munitions­fabriken oder industrielle Anlagen irgendwelcher Art außer den enwäbnien wurden beschädigt. Etwa 15 Arbeiterhäuser wurden zerstört, eine grosse Zahl von kleinen Geschäften und Wohnhäusern beschädigt, einige davon essiklich, viele nur leicht. Nach einem letzten Bericht wurden getötet: 26 Männer, 23 Frauen, 7 Kinder; verwundet: 48 Männer, 46 Frauen und 7 Kinder. Es besteht nicht die Absicht, weitere Einzelheiien dieser Art zu veröffentlichen, weil es unratsam wäre, dem Feinde mehr Informationen über die Resultate des Luft­angriffes zu geben. Anlässlich des Angriffes jedoch, bei dem die bisher grösste Zahl von Luftschiffen verwendet wurde, wird diese Erklärung über den angerichteten Schaden ver­öffentlicht, um zu zeigen, wie unbegründet der Anspruch ist, dass das ökonomische Leben Großbritanniens oder seine mili­tärischen Vorbereitungen durch wahlloses Mwerfen von Bomben aus Luftschiffen, die im Dunkeln über das Land hin- fliegen, nennenswert getroffen werden kann. In den 29 grossen und kleinen Luftangriffeir, die feit Ausbruch des Krieges auf Großbritannien unternommen worden sind, wur­den 133 Märmer, darunter 17 Soldaten, ferner 90 Fronen und 43 Kinder getötet.

Ein kleiner englischer Kreuzer durch eine Zeppelinbombe getroffen.

Köln, 7. Febr. Die „Köln. Ztg." meldet von der bollän» bischen Grenze unter dem 6. Febr.: Bei dem letzten Luftan­griff auf England ist der englische kleine Kreuzer „Caro­lina" auf dem Humbcr durch eine Bombe getroffen worden und mit großen Mcnschenverlusteu gesunken.

Die „Köln. Ztg." bemerkt dazu: Der kleine Kreuzer „Carolina" war erst am 21. September 1914 vom Stapel ge- laufem Er hatte einen Wesferverdivang von 3800 Tonnen und eine Geschwindigkeit van 30 Seemeilen. Bestückt toar er mit drei Geschützen von 15,2 Zentimeter und sechs von 10,2 Zentimeter. Er hatte zwei Torpedüdoppelrcchr-e. Seine Be­satzung betrug 400 Mann.

Die Kohlenversorgung der englischen Industrie.

IV. T.-B. London, 7. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einer Neutecmeldung erklärt ein Rundschreiben. des Handelsamts, dass örtliche Ausschüsse zur Erleichterung der immer schwieriger nordenden Kohlen Versorgung der Industrie eingesetzt und Kohlenausfuhrscherne nur nach Befriedigung des inländischen Bedarfs verteilt werden können. Die Kohlengrubenbesitzer und die anderen Industrien sehen die Notwendigkeit solcher Eingriffe in den Kohlenhandel ein, da die Kriegsindustrie in erster Linie berücksichtigt werben müsse.

Zu den Bränden und Explosionen auf eng lischen Schiffen.

IV. T.-B. London, 7. F-cbr. (NichtamKich. Drahtbericht. Reuter.) Das Handelsamt lenkt die Aufmerksamkeil der Reeder und Kaufleute auf die häufigen Brände und Explosionen, die in der letzten Zeit unter verdächti­gen Umständen vorgekommen sind, nicht allein auf englischen, sondern auch auf neutralen Schiffen mit Ladungen fiir England oder fiir englische Rechnung. Einmal war das Holz, der Verpackung so behandelt worden, dass es sich bei der ge­ringsten Reibung entzünden mußte. Don Reedern und Kauf­leuten wird angeraten, bei Transporten nach den ausländi­schen Hären dafür zu sorgen, dass k e i n e Firma, die irgend welche Verbindung mit dem: Feind hat, mit dem betreffeu- fcen Schiff oder mit der Ladung zu tun bekonrmt.

Die dritte englische Kriegsanleihe.

Berlin, 7. Febr. (Zeus. Bln.) Die verschiedene Mor­genblätter sich über Amsterdam melden lassen, sei der eng­lische Finanz-minister ni-it den englischen Großbanken in Er­wägungen über die Grundlagen der -dritten englischen Kriegs­anleihe eingetreten, die im März ausgenommen werden soll und bereits zu einer Verständigung gekommen. Die An­leihe werde 400 Millionen Pfund Sterling betragen. Der Zinsfuß sei 5 Prozent, der EntissionSkurs ungefähr 97 Pro­zent. Während 10 Jahren soll die Anleihe nicht kündbar sein.

Ein englisches Schiff gesunken.

IV. T.-B. London, 7. Febr. (Nichtamtlich.) Lloyds meldet: Der englische Dampfer „Balgownie" ist gesunken. Die Besatzung, mit Ausnahme eines Offiziers-, ist gerettet worden.

Beschlaguahuruuq ei«es sozialistischen Blattes.

W. T.-B. London, 7. Febr. (Nichtamtlich.) Das neue sozialfftische Blatt „Worker" in Glasgow fft beschiagnahnct worden. Es war 'das Organ Lsr schrttef-chsn SAmdiLchtze«.