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:. ! Alorgen-Veilage des Wiesbadener Tagblatts. ! »'. »>

nr - 31. _ Sonntag, 6, Zebruar. 1916.

(10. Fortsetzung.) Diß ^dlHCJQfClfttt. (Nachdruck verboten.)

Roman von Mbert Petersen.

Schweifend saßen sie da. Dann und wann schlug die Gräfin die Augen, die aus den Boden hinabträumten, auf und sah zu Momme hinüber. Sie bemerkte, daß er tief in Gedanken mar. Und wie Zorn stieg es plötzlich in ihr auf: da sitzt er nun bei dir und ist doch in weiter Ferne. Woran denkt er? An den Geesthof? Den toten Freund? Oder an jenes blonde -Diädchen?

Sie wandte sich zu ihm hin und fra-gte:Woran ist eigentlich Ihr Freund Uwe Lychjen gestorben?"

Er blickte überrascht auf.

Ein Messerstich verletzte ihm die Lunge."

Nach einer Weile sagte die Gräfin:Ein Liesserstich? Kommt so etwas hier auch vor? Ich finde, solche Messer­stecherei ist so feige, so heimtückisch."

Da bemerkte die Gräfin, daß ein Zug der Ver­achtung auf Mormnes Gesicht trat, und wegwerfend er­widerte er:-Es war ein Fve-mder, der es tat ein Fremder."

Fremd! Wieder zuckte sie zusammen, als hätte jemand sie geschlagen. Fremd! Herrgott, blickb auch sie immer fremd hier auch ihm?

Sie fülilte das Gefühl, als fröstelte ihr. Sie stand auf, rückte sich einen Stuhl dicht vor die offene -Ofen- tür und, starrte mit großen traurigen Augen in das rot­glühende Feuer.

Der Sturm rüttelte noch imnner gegen die Fenster- rahmen, frchr Mit Macht übers Strohdach, daß die Sparren ächzten und knarrten. Durch das Anschlägen der Regentropfen -drang dann und wann das leise Schreien landeinwärtsfliehender Wandergänse.

Hier drinnen hörte man nur das leise hastende Ticken der Rokokouhr, ein Ticken, so aufgeregt wie das Pochen eines ungestümen Herzens.

Die Gräfin wandte sich plötzlich um.

Kommen Sie", sagte sie mit seltsam weicher Stimme,rücken Sie sich einen Stuhl zu mir an den Ofen. Es es ist solch Unwetter."

Der Gräfin das Wetter unheimlich? Erstaunt folgte Komme ihrem Wunsche.

Wieder faßen sie stunnn da. Er vornübergebeugt, die Unteramne auf die Knie gestützt. Sie hatte sich zu- rückgelehnt, der schöne Kopf lag lm Sttchlkissen, müde, wie von einem Fiebertraum gerötet.

Plötzlich flüsterte sie:Bin ich denn wirklich fremd ihier?" Er richtete sich auf, starrte sie an.

Go sagen Sie -doch, bin ich fremd fremd?"

Er sab. daß Tränen über ihre Wangen rannen, sah, daß um ihren Mund ein schmerzliches, gequältes Zucken eilte.

Er suchte nach Worten.

Aber, Gräfin ist wohl nur -das trübe Wetter dieser Nebel das Grau in Grau Las -macht selbst viele der Einheimischen schwermüttg, so schwer- wütig, daß sie"

Was? Daß sie>? So reden Sie doch."

-Daß -sie auf törichte Gedanken kommen", sagte er schnell.

Törichte Gedanken! Ja, es ivaren ja törichte Ge> -danken gewesen vom Ansang her. Wäs wollte sie mit Momme Harring?

Er aber frchr fort:Das geht nicht, Gräfin. Aus solchem schwermüttgen Sinnen müssen Sie sich heran s- reißen. Sie Sie können es doch Sie sind doch so tapfer."

Seine Stimmte hatte immer weicher, bittender ge­klungen, und gerade das brachte sie um ihre Fassung.

Mit ungestümer Heftigkeit hatte sie plötzlich sein» Hände ergriffen, arrs die Lehne ihres Stuhls gezogen und legte jetzt wie ein müdes Kind ihren tränennassen Kops in seine breiten Handflächen.

In peinlicher Hilflosigkeit saß er still da. Was be- dentete das alles? Er war zu schlicht, zu harmlos, um zrr verstehen. Sie aber schmiegte ihre Wangen immer fester gegen seine Hände. Und plötzlich hörte er ihre leise Stimme, bittend, schmeichelnd, kosend zugleich: ,-Momme, lieber, lieber Mom/me."

Da verstand er plötzlich. Jäh entriß er ihr seine Häiide und sprang ans.

Nein", stieß er -hervor,nein, so nicht, Gräfin."

Auch sie hatte sich erhoben, sich mit Mühe hoch und stolz aufgerichtet, die dunklen Augen brannten in denr leichenblassen Gesicht.

Gehen Sie jetzt", sagte sie mit tonloser Stimme.

Und er ging.

Als die Tür sich hinter ihm geschlossen hatte, warf sie sich wieder auf den Stuhl, schlug die Hände vors Ge­sicht und weinte, weinte, wie sie seit vielen Jahren -nicht geweint.

Momme Harring aber faßte in dieser Nacht seinen Entschluß.

Momme war seit dem frühen Morgen ununter­brochen tätig. Er liatte sich eingehend nach dem Stand des Großviehs und -der Schafe -nmgesehen, hatte den Knechten und Mägden ausführliche Anweisungen er­teilt und war um die ganze Hallig herumgegangen, um den Zustand des Vorlands und der Befestigungs­anlagen zu prüfen.

Da seit mehr als vierzehn Tagen toeder Ausgaben noch Einnahmen -gewesen waren, machte -die Instand­setzung der Wirtschaftsbücher ihm keine Arbeit, und er glaubte, den Betrieb getrost etliche Tage verlassen zu können.

Als er sich in seinem Zimmer aufhie-lt und untätig vom Fenster aus in den Nebel hinansstarrte, wurde angeklapft, und eines der Mädels reichte ihm ein Billett.

Er riß den Umschlag auf.

Ich befand mich gestern in einem krankhaften Zu- st-aüd rrnglaiMich nervöser Wspannuno. Ich bitte Sie, die lächerlich törichte Szene zu vergessen.

Gräfin Adlersfelde."

Mißtvaursch las Momme di« Zeilnn immer wieder. Dann aber atmete er erleichtert aus, Krankhafter Zu« stand nervöse Mspannung natürlich, da- war «1