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Verlag Langgaffe 21
„Tagtlatt-Hans".
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Sonntag. 6. gebruar 1916. MOvgEN- Nr. 6t. . 64. Jahrgang.
Der Urieg.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 5. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 5. Februar, mittags:
Auf allen drei Kriegsschauplätzen keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Oer Fall „Kppam".
Die Aufenthaltsfrist im amerikanischen Hafen.
W. T.-B. Washington, 5. Jebr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Reuter" ^ Meldet: Staatssekretär- L a n s i n g erklärte, die c i n z i g c Frage, um die es sich jetzt handele, ist die, wie l a n g e die „Appam" noch in den amerikanischen Gewässern bleiben darf. Der Vertrag mit Preußen bestimmt, daß Prisen der deutschen Flotte frei in den amerftanischenGewäsfern aus- und cinfahren dürfen. Deutscherseits wird gesagt, daß die „Appam" so lange in Hampton Noad bleiben darf, als die Untersuchung des deutschen P r i s e n g e r i ch t e s dauert.
Die amerikanische Regierung gibt alle Personen frei.
Die Regelung der „Appam"-Angelegenheit.
Br. Rotterdam, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.)
«Daily Chronicle" meldet aus New ftork, daß an Bord der „Appam" große Erregung entstand, als der Zollbeamte Hamilton verkündete, er habe Weisungen aus Washington erhalten, denen zufolge sämtliche Gefangenen, mit Ausnahme der gefangenen Bemannung der „Appam" und der deutsche» Prisenbesatzung, die an Bord bleiben müssen, freige- lassen werden sollen. Der deutsche Kommandant Berg wies darauf hin, daß er sich auf dcutscheni Territorium befinde und daß alle Personen an Bord entweder deutsche Untertanen oder deutsche Gefangene seien und daher an Bord bleiben müssen. Hamilton erklärte, er habe au3 Washington Weisung erhalten, dem ihm erteilten Befehl Befolgung zu verschaffen. Leutnant Berg protestierte, aber Hamilton nahm den Gouverneur von Sierra Leone, Merewether, den Administrator von Lagos, James, und den Hauptkommisiar von Ashantiland mit sich, um mit dem britischen Marineattache und dem britischen Konsul zu beratschlage». Hamilton kehrte nach kurzer Zeit zurück und erklärte, daß alle Personen an Bord f r ei gehen könnten, wohin es ihnen beliebte. Ungeachtet stürmenden und strömenden Regens gingen einige Leute sofort vom Schiff. Leutnant Berg erklärte, daß jeder, der das Schiff verlasse, nicht mehr zurückkehren dürfe. Die amerikanischen Behörden bezeigten dem deutschen Offizier aber insofern ihr Entgegenkommen, als sie bestimmten, daß diejenigen Personen, welche bei ihrer Gefangennahme Widerstand geleistet haben, an Bord bleiben müßten, bis eine Entscheidung getroffen sei.
Das rätselhafte Schiss.
Rotterdam, 5. Febr. (Zens. Bln.) Jetzt liegt aus Amerika eine zusammenhäirgende Darstellung der Vorgänge mit der „Appam" vor. Sie stammt von Sir Edward Merewether, dem früheren Gouverneur von Sierra Leone, und lautet im interessantesten Teil wie folgt: Die „Möve", wie man sie zu bezeichnen beliebt, war natürlich keineswegs die „Möve". Der Dampfer hatte einen Verdräng von 3600 bis 4000 Tonnen, und ich habe allen Grund zu der Annahme, daß er ursprünglich deni Frachtverlehr mit Früchten diente. Wie er geheißen haben mag, weiß niemand, außer der Besatzung selbst. Die Art, wie das Schiss es anlegte, um uns zu kapern, war äußerst gewandt. Als wir sie an der Kin sichteten, drehte sie bei, setzte die rote Flagge (den Union Jack mit rotem Hauptfeld) auf den Vordersteven — ein Notzeichcv, was bedeutet, daß das Schiff nicht mehr in der Gewalt des Führers sei. Kapitän Harrison glaubte, es sei ein britischer Frachtführer, und änderte den Kurs, um sich ihm zu nähern. Am Heck hing eine Flagge schlapp am Stock. Wir bemerkten später, daß diese Flagge nut etwas beschwert war, damit sie nicht flattern konnte. Wir alle nahmen ohne weiteres cm, daß cs der Union Jack sein mußte. Daffächlich jedoch war es die Flagge der deutschen Reichsmarine. Als Kapitän Harrison sich auf etwa 200 Meter dem fremden Schiff genähert und angehalten hatte, vollzog sich plötzlich in der Erscheinung des anderen Schiffs der Wandel, der uns mit einem elektrischen Schlag berührte. Wahrend sich aus diese Weise der mutmaßliche Frachtdampfer in einen bewaffneten Kreuzer umtvandelte, gab eines der Geschütze einen scharfen Schuß ab und eine Granate zischte über unsere Kommandobrücke hinweg. Alle Mannschaften standen nunmehr an den Geschützen, bereit, in Tätigkeit zu treten. Wir führten ein 7,5-Zentimeter-Geschütz am Bug. Es konnte uns jedoch zu nickits dienen. Unsere Kanoniere waren über das Schiff verteilt und aus ihren gewökMichen Posten. Kapitän Harrison gab ohne weiteres zu, daß wir eine Anzahl von D e ut s ch e n an Bord hätten — Gefangene, die nach England in die Sichevhestshaft gebracht werden sollten. Dar
auf wurde bei dem Kreuzer sofort ein Boot heruntergelassen und Lautnant Berg kam mit einer Prisenbesatzung von 21 Matrosen an Bord. Ihre erste Handlung war die Freilassung der deutschen Gefangenen, die als dann mit Gewehren und Revolvern bewaffnet und ccks Wachen über uns gefetzt wurden. Auf die „Appam" wurden nunmehr auch die sämtlichen Gefangenen, die der Kreuzer von den bisher versenkten Schiffein an Bord hatte, verbracht. Sodann begann die Weiterfahrt, deren Ziel nur dem deutschen Führer bekannt war. Ich hätte nicht geglaubt, daß die Deutschen so höflich sein können, wie diese Mannschaften sich erwiesen.
Das Gefecht mit dem „Clan Mactavish".
W.T.-B. London, 5. Febr. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Die Blätter berichten aus New Dort: Der
englische Gouverneur von Sierre Leone, Merewether, der auf der „Appam" gefangen war, erzählte dein Berichterstatter des „Associatet Preß" über den Kampf mit dem „Clan Mactaoffh" noch folgendes: Als der Dampfer am Horizont auftauchte, verfolgten wir mit der „Appam" unseren Kurs weiter, während der Kreuzer, der nicht die „Möve" w>ar, auf bas englische Schiff zufuhr. „Clan Mactavish" muß Argwohn geschöpft haben, denn er schoß plötzlich ohne Warnung ein Geschütz ab. Darauf ließ der Kreuzer seine Maske fallen und eröffnete Feuer gegen „Mactavifl)". Es war ein feines Gefecht, obwohl cs einseitig war. Es dauerte nur 1/2 Stunde. Die beiden Dampfer känipften so nahe aneinander, baß die Geschützwirkung schrecklich war. Aber selbst unter diesen llmständen wollte sich ber britische Kapitän nicht ergeben. Immer wieder ließ er bie einzige dreizöllige Kanone abfeuern. Der Feind antwortete immer wieder mit Breitseiten. Als bie Deutschen zu feuern auisihörten, begann bie „Mactavish" zu kentern und überholte plötzlich. Diele Personen ber Besatzung würben 'gerettet. Schließlich feuerte bas beutsche Schiss zwei Torpedos ab, bie beide trafen. „Mactavish" versank bald daraus. Die Deutschen ließen so schnell als möglich Boote herab und ruderten zu der Stelle, wo es gesunken war, um überlebende zu retten. Die „Appam" führte gegen 200000 Pfund Sterling in Gold mit sich. Ein anderer englischer Gefangener sagt, ber beutsche Kreuzer war ein ganz neues Schiff, mindestens 5000 Tonnen groß, und mit mehreren hundert Mann Besatzung, die aber verschiedene Slchififs- namen ans bcn Mützen führten.
Oer ttrieg gegen England.
Das Schicksal des „L 19".
Br. Rotterdam, 5. Febr. (Erg. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Küstenwache von Amelland gab mehralsOOSchüsse auf den Zeppelin „L 19" ab, als er die Insel überflog. Er wurde zweifellos getroffen und verschwand nordöstlich.
Das Verhalten des englischen Fischdampfees „King Stephan".
Br. Ehristiania, 6 . Febr. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus London wird vom 4. Februar gemeldet: Der englische Ftschdampfer „King Stephan", der am Mittwoch das deutsche Marinelnftschiff „L 19" hilflos in der Nordsee treibend entdeckte, berichtet iwch: Flackernder Lichtschein, der vermutlich von Signalapparaten herrührte, lenkte die Aufmerksamkeit der Dampferbchatzmög auf das Luftschiff. „King Stephan" fuhr näher heran und blieb bis zum Morgengrauen bei dem Luftschiff liegen. Auf der Plattform und auf der Oberseite des Luftschiffs standen 8 deutsche Soldaten. Einige richteten Hilferufe an die Engländer. Nach und nach kamen noch mehr Personen auf die Plattform. Schließlich standen da 22 Mann. In dem Inneren des Luftschiffs hörte man Hainmcvschläge. Die englischen Schiffer glaubten, die Deutschen könnten das Luftschiff reparieren. Es fuhr leicht und sicher auf dem Wasser und schien, obgleich es hilflos schien, keiner Gefahr ausgesetzt zu sein. Das Wetter war kalt. Die Mannschaft des englischen Fischdampfers wußte nichts von der letzten Zeppelin-Expedition nach England. „King Stephan" nahm 9 unbewaffnete Leute des Zeppelin an Bord. Der englische Kapitän hielt es für unklug, mehr zu bergen, da seine eigene Besitzung geringer an Zahl war als die des Zeppelin, so daß die Engländer leicht hätten überwältigt werden können. Ter Ftschdampfer fuhr nun unter Volldampf nach dem nächsten Hafen, um den Vorfall zu melden. Die Meldung, das Zeppelinschiff sei nach einem englischen Hafen geschleppt worden, ist unrichtig.
Ungewißheit über das Schicksal der übrigen 13 Vermißten.
Br. Ehristiania, 5. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) , Aus London wird weiter gemeldet: Uber den Verbleib ber von dem Fischömnpfer „King Stephan" nicht aufgenoni/menen 13 Mann des deutschen Luftschiffes ,.B 19" liegt zur Stunde nichts Näheres vor. Da der Zeppelin sicher our dem Wasser lag und die 'See ruhig war, nimmt man jedoch an, daß er sich wird über Wasser halten können, bis ausgesandte Dampfer ihn finden. — Ein französisches schiff, bas später in Hüll eintraf, berichtet, daß es am Donnerstag früh bas
Wrack ebenfalls gesichtet habe, aber es schien, daß sich keine lebende Seele mehr an Bord befand.
Die fatalen Luftangriffe.
Neue Bcrteidigungs- und Angrisfsmahnahmen in
Vorbereitung. ’
W. T.-B. London, 5. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Times" schreibt: Die Regierung hat wegen des letzten Luftangriffs verschiedene Schritte getan. Die neue Heimsuchung, die in so großem Maßstab erfolgte, hat eine lebhafte Tätigkeit der beteiligten Ämter zur Folge. Neue Verte idigungs- und Angrifssmaßregeln würden vorbereitet. Der Abgeordnete Johnson Hicks wird bei der Eröffnung des Parlaments beantragen, daß das Haus sein Bedauern ansspreche, daß bisher keine entsprechende stärkere Bdaßregel zur Verteidigung des Landes gegen Luftangriffe getroffen wurde.
Der Kampf um die englifche Dienstpflicht.
W. T.-B. Manchester, 5. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbe- richt.) Der Londoner Berichterstatter des „Manchester Guardian" erfährt, daß das Kriegsamt keine Begrenzung für die Forderungen an die Rekruten anerkennt, und daß es bereits sowohl die Dienstpflicht für die Verheirateten, als auch eine Erhöhung des Dien ft Pflichtalters ins Auge gefaßt hat. Im Kabinett vertreten Rnnciman und M c K e n n a eine bestimmte Politik, die militärischen Anstrengungen aus Grund der wirtschaftlichen Erfolge einzu- schränken, Eine Entscheidung darüber ist noch nicht getroffen.
Oie 79. Uriegswoche.
Von unserem militärischen Mitarbeiter.
Auch in der zurückliegenden Woche würbe nüüblich und noch mehr südlich der Somme lebhaft gekämpft. Die deutschen Eroberungen bei Neuville wurden trotz mehrfacher Anstrengungen der Franzosen erfolgreich behauptet, ein neuer Geländegewinn nordöstlich dieses Ortes erweiterte den vorher errungenen Besitzstand in einer Ausdehnung von 1500 Meter und brachte eine Gesmntbeute von 318 Gefangenen und 10 Maschinengewchren. Die zweite Kampfstelle nördlich ber Somme war die Stadt Ar ras, in dessen Besitz Freund und Feind sich noch teilen. In dem Stadtteil St. Laurent wurde eine Häusergruppe dem Feinde entrissen. Noch beachtenswerter ist die Eroberung der Stellungen und des Dorfes Frise am südlichen Ufer der Somme in einer Ausdehnung von 3500 Meter und in einer Tiefe von 1000 Meter besonders deswegen, weil von den gefangenen 17 Offizieren und 1270 'Mann mehr als % unverwunbei, demnach infolge blitzschneller Überraschung, in unsere -Hand fielen. Südlich des Dorfes Frise, bei Lihons, drang eine Erkundungs- abteilung von uns bis in bie zweite feindliche Linie und kehrte mit einigen Gefangenen ohne Verluste wieder in ihre Stellung zurück. Nördlich der Somme zeigte der Feind durch kleinere Unternehmungen bei Albert Ebenfalls eine regere Tätigkeit. Auf der ganzen Frontlinie zwischen Novdsee und Somme, in Flandern, gegen Lens und die deutschen Eroberungen bei Neuville, ebenso weiter südlich in der Champagne und auf den Maashöhen sowie in Lothringen herrschte rage feindliche Artillcrietätigkeit. Die Luftaufklärung des Feindes wurdemehrfach von uns vereitelt. Vier Flugzeuge büßten wiederum unsere Gegner ein, zwei durch Abschuß aus der Luft und die anderen beiden dlirch unser Feuer von: Erdboden.
Den schlagendsten Beweis der Unzulänglichkeit der französischen Luftwaffe liefert wohl der zw-ei- molige erfolgreiche Angriff unserer Zeppeline auf die Festung Paris. Unser militärischer Erfolg beruht bei diesem glücklichen Angriff auf Paris vor allem auf deni niederschmetternden moralischen Eindruck auf die Volker unserer Feinde. Immer wieder müssen sie es empfinden, baß wir über eine Waffe verfügen, welche sie nicht besitzen mrd irns auch nicht nachmachen können, gegen die es keinen wirklichen Schutz gibt. Die Wirkung auf die Bevölkerung Frankreichs mußte noch dadurch gesteigert werben, baß seit dem 21. März vorigen Jahres kein Luftschiff mehr über Paris erschienen war und, jenseits der Vogesen immer wieder betont wurde, die Wiederholung eines deutschen Luftangriffes erscheine völlig ausgeschlossen. Alle die gewaltigen Vorkehrungen unserer Feinde zum Schutze gegen Zeppeline haben vollkcmrjmen versagt: In Frankreich
ebenso wie in E n g l a n d, welches hinsichtlich 'der Luftverteidigung die französischen Sichevheitsmittel als vorbildlich betrachtete. Auf keirrem Gebiete aber errang gerade Deutschland eine so offensichtliche Oberherrschaft wie außer durch unsere U-Boote im Meere in 'der Beherrschung der Lüfte. Gerade auf diesem Gebiete fühlten die Frauzvisen sich gar zu mächtig. Denkt man an die gewaltigen Versprechungen, welche voreilige Chauvinisten schon Klange vor Kriegsausbruch 'der Welt verbündeten — die Vernichtung des gesamten deutschen Aufmarfchg'ckietes, 'die MMgÄhcufte LefftungssÄsi-gkeft
