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Samstag, s. Zebruar ISIS. Abenb »Ausgabe. Nr. so. . 64 . Jahrgang.
Die deutsch-amerikanische Rrifi?.
O Berlin, 4. Februar.
Die deutsche Öffentlichkeit ist schnell und QUsreichenl darüber unterrichtet worden, daß unsere Beziehungei zu den Vereinigten Staaten einen sehr gespannt ei Charakter angenommen haben. Mehr konnte ir dieser ernsten Sache bisher nicht geschehen, mehr ist null fiir die, nächsten Tage nicht zu erwarten. Es mutz ge nügen, datz wir um den Tatbestand Bescheid wisser und uns der ganzen ungeheuren Bedeutunr vou Entscheidungen bewutzt bleiben, die zum Lei in der Hand unserer. Verantwortlichen Staatslenker zum andern Teil aber in der Hand des Herrn Wilsor liegen. Wir Deutschen sind mit all unserem Wohl uni Wehe, materiell wie mit allen Kräften unserer Seele wirtschaftlich, national, als Reich und als Volk, an der Entschließungen, beteiligt. die vielleicht schon jetzt, jedenfalls aber in nicht mehr auszuhaltendem Verlaust der Dinge gefaßt werden müssen; indessen sind wir dabei in einer anderen Lage als beim Beginn des Weltkrieges. Damals, im Juli 1914, wutzten wir es, datz der Krieg unentrinnbar kommen mutzte, weil unsere Feinde ihn wollten. Er war ein Schicksal, den: wir nicht entgehen konnten, und. das wir deshalb init freiem Entschluß auf uns genommen haben. 5bann man nun wohl sagen. daß es jetzt ebenso steht? Kann mair sagen, datz die Vereinigten Staaten den Zeitpunkt nicht zu erwarten vermögen, wo sie sich der wimmelnden Schar unserer Feinde anschlictzen und uns mit Krieg überziehen können? Wer diese Frage bejaht oder wer sie verneint, jeder darf Gründe ansühren, jeder wird zugleich die Gegengründe beachten und achten rmissen. Damit ist.ausgesprochen, datz die Verantwortung umerer leitenden Männer gegenwärtig größer als vor eineinhalb Jahren ist. Im Sommer 1914 blieb ihnen keine Wahl, heute haben sie die Wahl viel- leicht. Wir sagen „vielleicht". Denn ob es wirklich w ist, das hängt doch auch wieder von >d«m ab, was in Washington gewollt wird, ibnü hierüber sind wir als fieilich aufs stärkste interessierte Zuschauer imtur- gemag nicht so unterrichtet, wie cs unsere Regierung doch hoffentlich sein wirb. Nun begegnen wir mehrfach der Meinung, datz die vorausgesetzte Freiheit der Wahl zu einem Verhalten führen inützte, bei den, durch verständiges Entgegenkommen uiiter selbstverständlicher Wahrung der eigeiien Ebre die Gefahren auszuschalten waren, die uns andernfalls von jenseits des Atlanti- imen Ozeans bedrohen würden. Wir haben Mahnungen vernommen, nach denen etwa das Beispiel des vierten Heinrich von Frankreich für uns vorbildlich wenden sollte, der ferner klirren Politik zum Siege verhalf, weil chni Paris eine Messe wert dünkte. Wir hören auch manche Ausführungen, die iins daraus airsmerksam machen, daß der Einsatz der unermeßlichen amerikanischen Kapitalskraft die Rechnung ent wirtschaftliche und finanzielle Er- 'ch°»sung Englands und seiner Verbündeten über öen Haufen werfen würde. Wenn wir un- lererselts solche Hinweise mit gebotener ruhiger Sach- lichkeit verzeichnen, so müssen wir uns aber zugleich daß lie zwar für die Aufklärung unseres Volkes nützlich fem mögen, datz sie aber den Trägern der Verantwortung nichts Mitteilen, können, was ihnen nicht o h n e h i n bewutzt rst. Daraus wollen wir folgern, datz ? £ ’ uns nicht ratsam zu sein scheint, sei es auch' in noch w oehiitiomer Fassung, Mchtungslinien vorzugeichnen. Wir haben vielmehr die Uberzeuquna. daß die entscheidenden Personen aus ihrer Kenntnis der Vor- bedmgnngen heraus und aus ihrer Vertrautheit mit den m Washington ihgstehenden Absichten zu einem Entschluß kommen werden, von deni wir anzunchmcn genötigt sind daß gerade er und kein anderer gefaßt werden wußte. Mit anderen Worten: wenn es sein inuß wird man doch wohl eine Brücke schlagen, und wenn es mii muß, wird man Qin das Brückenschlägen v e r- ^sZten. Das klingt nach Wahllosiqkeit, ist es aber nicht ^ Skr mochten nämlich aufs schärffte betonen, daß
6t§ ^ te Möglichkeit fehlt, uns mit der Vor- mikimg, daß etwa uns Zuschauern inoralische Berant- mortunq obliegen würde, in die Seelen der leitenden Männer zu versetzen. Fehlt uns diese Möglichkeit, dann ^mangeln, wir aber auch des Rechtes, das sich ändere Ratgeber m her Öffentlichkeit zuschreiben, des Rechtes nämlich, dw Regierung gewissevinaßen scharf zu machen und ihr fsir den Fall >des Entgegenkominens den Vorwurf schwächlicher Nachgiebigkeit anzukündigen. Es aunkt uns eme Unbesonnenheit, so zu sprechend Gewiß bmuchen wir Deutschen uns nicht geaenscitig zu ver- ichern. daß auch ein neuer und starker Feind uns Nicht schrecken, unseren unbeugsamen Willen zur fteamdxm Beendigung des Krieges nicht erschüttern wurde. Gewiß wisseii Wir alle, lvtz disseuigen sich arg rauscyen Weichen, die glauben mögcii, daß wir am Ende umerer Leistungsfähigkeit im Schlagen und Ertragen .angewmwen sind. Geivitz auch würde neue Fcriid-
schaft unsere Opferfreud iakeit so steigern, so in alle Herzen und Geister einhämmern, datz wir wahrscheinlich selber erstaunt darüber wären, wie unerschöpflich unsere Hilfsmittel sind, unsere sachlichen wie unsere moralischen. Aber ohne Rot macht sich nur der Unkluge Feinde, und ob diese Not da ist oder nicht, darüber hat alle i n unsere Regierung ein Urteil. Wir wollen und dürfen ihr die Verantwortung weder mit Zureden noch mit Abraten abnehinen, sie trägt die greiizenlose Last, aber auch die große Ehre,
Oie letzte deutsche Note über den „Lusitania"-ZaA überreicht.
W. T.-B. Washington, 5. Febr. (Nichtamtlich. Drahibencht.) Graf Bc r n st o r f f hat dem Staats- lekrctär Lansing die letzte Mitteilung Deutschlands über den „Lusitania"-Fall überreicht.
Sie verstehen sich.
Wie die „Times" die Drohungen Wilsons bewertet.
W. T.-B. London, 5. Febr. (Nichtamtlich.) Die „Times' mirDat aus Washington vom 3. Febr.: Wilson sagte in einer Rede in Kansas, die Welt halbe Getreide von Kansas und anderen großen Ackeribaüdistriktcn der Bereinigten Staaten nötig. Die Amerikaner hätten das Recht, der friedliche n Bevölkerung Lebensmittel zu schicken, wann und wo der Kriegszustand dies nach den gewöhnlichen Bestimmungen des VAkerrechts gestatte. Der Präsident fuhr fort: Wir haben das Recht, sie mit Baumwolle zu versehen, damit sie sich klechen können; wir haben auch das Recht, ihnen unsere Fabrikate zuzusühren.
Der Korrespondent der „Times" bemerkt, diese Worts klängen angesichts der mit England schwebenden'Meinungsverschiedenheiten sehr ernst. Man müsse aber die Lkutze- rumgcn des Präsidenten hauptsächlich von dem Standpunkt der inneren Politik betrachten. Deshalb brauche man die Reden nicht als Vorboten einer Kris« mit England auszufassen, ebensowenig wie die aufsehenerregenden Bemerkungen über die mögliche Entwicklung der internationalen Lage notwendig auf eine bevorstehende Krise mit Deutschland Hinweisen.
Das Vorgehen der feindlichen bewaffneten Handelsdampfer gegen nnfere Unterseeboote ohne Angriff durch sie.
IV. T.-B. Berlin, 5. Febr. (Nichtamtlich.) Von zuständiger Stelle ^ erfahren loir über den Angriff eines unter holländischer Flagge fahrenden englischen Hilfskreuzers auf ein deutsches Unterseeboot noch . folgende Einzelheiten: Das Unterseeboot forderte den unter holländischer Flagge fahrenden Danrpfer durch ein Signal auf, zur Prüfung der Schiffspapiere ein Boot zu schicken. Dies geschah nach einiger Zeit. Sicherheitshalber tauchte das Unterseeboot und besichtigte durch das Sehrohr den Dampfer. Es war ein etwa 3000 Tonnen großer normaler Frachtdampfer mit glattem Deck, erhöhter Back und einer Hütte. Nichts Verdächtiges war zu sehen. Der Name „Melanie" am Bug war deutlich lesbar. Als das Unterseeboot neben dem Schiffsboot in etlva 1000 Meter Entfernung von dem Dcnnpfer auffauchre. eröffnete dieser unter holländischer Flagge aus zwei Geschützen mittleren Kalibers und Maschinengswehsren ein heftiges Feuer. Das Unterseeboot konnte sich gerade noch durch schnelles Tauchen retten. Der Dampfer versuchte noch zweimal, das Unterseeboot zu rammen. Während der ganzen Aktion führte das Schiff die holländische Flagge. Ein holländischer Dampfer „Melanie" ist unbekannt. Dagegen findet sich in Llovds Register ein englischer Dampfer diesles Namens von 3002 Bruttoriegistertonneni In diesem Zustnrrmenhmig ist auch eine Meldung der Agence Havas vom 28. Jan. interessant, derzufölye der bewaffnicte französische Postdampfer „Plata", ohne angegriffen zu sein, das Feuler auf ein Unterseeboot eröffnete und cs versenkt haben will. In einer Besprechung dieses Falles versicherte' der französische i'ldmiral Leraze denn Korrespondenttn des „Petit Journal", daß die französischen Handelsschiffe ausdrück- l i ch den Befehl hätten, auch wenn sie liicht angegriffen feien, auf jedes feindliche Unterseeboot das Feuer zu eröffnen oder es zu rammen.
Oer $all „Kppam".
Der Preußisch-amerikanische Vertrag gelangt zur Llnwendung.
IV. T.-B. Washington, ö. Febr. (Nichtamtlich. Dwhtbericht.) „Rcntcr" meldet: Tic Regierung hat zugunsten der deutschen Ansprüche entschieden, datz der P r c u tz i s ch - a m c r i k a n i s ch e Vertrag im „Appam"-Fall anzuwcnden sei. Tie Interpretation der Bestimmungen des Vertrages bleibt noch zu bestimmen.
Wahrscheinliche Anwendung des Prcutzisch-amcrikanischcn Vertrags.
IV. T.-9. New 'Dorf, 5. Febr. (Nichtamtlich.l Die Asso- ciated Preß meldet aus Washington: Im.Staatsdepartement wird amtlicki darauf hingewiesen, daß, wenn der „Appam" schttetzllch als Prise angcschcn wird, der preußisch: amerikanische Vertrag von 1828 wahrschcinlrcher als der ine Sache beherrschende Pupkt in Betracht komme ■als die
Haager Konvention. Der englische Botschafter hat StwM- sekretär Lmising in aller Form ersucht, den Dampfer freizugeben und den englischen Eigentümern zurückzustellen auf Grund von Artikel 21 der Haager Konvention, welche die englischen Behörden als dem preutzisch-amerikarnschen Vertrage: vovgehend in Anspruch nehmen. Lansing hat das Argument des englischen Botschafters in Erwägung gezogen.
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Zwischen Preußen und anderen Staat-en bestöhen mancherlei Verträge, öie aus der Zeit lange vor der Gründung des Deutschen Reiches herrühren. Ein solches Abkonmnen ist Äas obenangeführte aus dem Jahre 1828. Sollte Dieser alte Vertrag zwischen Preußen und der Nordamerikanischen Union zur Anwendung gelangen, dann würde der Dampfer allerdings deutsches Eigen- tum bleioeu und im Hafen liegen bleiben oder auch wieder ausfahren können. Ans alle Fälle würde diese Grundlage zugleich auch das Eigentumsrecht und die Frecheit der Prisenbesatzirng verbürgen. Das Washingtoner Staatsdepartement neigt dazu, diesen Vertrag in Übung treten zu lassen, obwohl er doch bereits älteren Datums als die Vereinbarungen auf der zweiten Haager Friedenskonfsrenz vom Jahre 1907 ist. Man nimmt aber, besonders in den Vereinigten Staaten in Ermangeliing anderer Unterlagen oder aus Vorteilsgründen, solche alte Verträge gern zur Hilfe, weil uvan sie, da besonders die Führung der auswärtigen Geschäfte iii Deutschland staatsrechtlich in engster Fühlungnahme init der preußischen Regierung erfolgt, auch in den Fällen zwischen Deuffchland und anderen Vertragsparteien gern als rechtsverbindlich ansicht. Wollte man den Wünschen des englischen Botschafters noch Anwen- dmig der Haager Konvention entsprechen, so wäre die ,Appam" als ein Handelsschiff zu betrachten, das Norfolk liur in wirklicher Seenot anlief und nach bestimmter Frist wieder auslanfen nrüßte. Geschähe dies nicht, so -wäre die iwutrale Macht befugt, alle Mittel zu ergreifen, um die Prise mit ihren Offizieren und Monn- 'chaften zu befreien, sowie die von dem bisher noch in so rätseHaftes Dunkel gchülltcn deutschen Dampfe? äüf die „ZIppam" gesetzte Priienbesatzung festzuhalten.
Die Heldentat der „Appam"-Leute.
Alle britischeir Untertanen an Land. s
W. T.-B. Newport News, 5. Febr. (Nichtamtlich. Reut er.) Alle britischen Untertanen haben vorgestern spät abends die „Appam" verlassen. Es blieben nur Deuffche an Bord.
Die englischen „Nachforschungen" nach dem vernichteten deutschen Luftschiffkreuzer.
IV. T.-B. Grimsby, 0. Febr. (Nichtamtlich. Reuter.) Zwei Marinefahrzeugc, die nach dem Schauplatz des Zeppelin- unglücks geschickt wurden, suchten die Nachbarschaft genau ab. Sie fanden keinerlei Spure» des Luftschiffes. Man schließt daraus, das, der Zeppelin gesunken ist.
Der erfolgreichste Seeroman.
Rotterdam, 5. Febr. (Zeus. Bln.) In einem L-ttariilA über dre Abenteuer dar „Appam" schreibt „Daily Telegraph": Die Verfasser der englischen Seeromane wären stolz darauf, eine solche Erzählung von frischem Wagemut ersonnen zu haben. Wären die Vorgänge erdichtet gewesen, so hätte die Jugend in der ganzen Welt die Erzählung darüber gierig verschlungen. Allein, cs ist dies kein Roman zum Aufweckön der Jugend, es ist ein Mschnitt aus der Geschichte des großen Krieges. Der Feind hat einen Erfolg erzielt. Trotz unseres begründeten Anspruchs auf die Secherrschaft hat er uns einen Verlust gebracht, der weit in die Tausende Pfund Sterling läuft. Wir können die verlorenen Schiffe und Ladungen nicht leichten Sinnes vermissen. Die Kani- fahrteischiffe werden seltener, wogegen unser Bedarf, der von Übersee her gedeckt werden mutz, keineswegs abnimmt. Auch wissen wir nicht, was dis „Möve" noch weiter begehen wird. Vielleicht setzt sie ihren Streiffug fort, um die „Emden" aus- zustechen. Es wäre verkehrt, di>: Tatsachen zu verkennen; eS ist viel zweckniähiger, sie ins Auge zu fassen, und bei aller Würdigung des Humors, der der Sache anhaftet, zuzugeben, daß die Lage alles andere als erfreulich erscheint.
Oer Nrieg gegen England.
Die brrechtipte Empöru»»g über: die neue englische Scheußlichkeit bei uns.
'Berlin, 6. Febr. (Jens. Bln.) Zum Verlust des „L. 19" schvecht der „Berliner Lokal-Anzeiger" über die englische Erbarmungslosigkeit: Diese neue Schandtat, die Ber- Weigerung der Hilfe an wchrlofen Kämpfern angesichts des drohenden Todes, bestätigt uns„ daß dieser Krieg uns eine Roheit der britischen Volksseele enthüllt, die uns „Barbaren" so fremd ivar, daß wir lange brauchten, sie für möglich zu halten. Es kann aber nicht gezweifelt werden, sie ist da.
Die „Bossisch^ Zeitung" schreibt unter der Überschrift „Genllemen zur See": Die grnuiame und feige Ermordung der deutschen Unterseebootleute durch die „Baralong" ist durch den Hinweis der britischen Regierung auf andere Fälle incht aus der Welt geschafft. Jetzt hat der englische Kvouzer „Ki::g Srephan" der schiffbrüchigen Besatzung des deutschen Lufr-
