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Verlag Langgasse 21

„Taqblarl-Haus".

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Freitag, 4. Februar 1916.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 58. - 64. Iahrgang.

Oer Nrieg.

Lebhafte Tätigkeit der feindlichen Artillerie im Westen.

Wieder ein Kampfflugzeug erbeutet.

Die von unserer Luftwaffe im Bezirk von Saloniki verursachten Brände.

Der Tagesbericht vom 4. Februar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 4. Februar, lautlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

V.incr der nordwestlich von H u l l u ch von u it 3 besetzten Trichtzr wurde durch eine erneute englischeSprengung vcrschüAet. Bei Loos und Neuville lebhafte Handgrnua- tenkänpfe.

Die feindliche Artillerie entwickelte an vielen Stellen d»r Front, besonders in den Argonncn, rege Tätigkeit.

Westlich von Marie fiel ein französischer Kampf- doppcldtckcr, dessen Führer sich verirrt hatte, unver­sehrt in ltnsere Hand.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Barkankricgsschauplatz.

Unsere Flieger beobachteten tm Wardartal südlich der griechischen Grenze und bei den Anlegestellen im Hafen von Saloniki umfangreiche Brände.

Oberste Heeresleitung.

wir und Kmeriko.

O Berlin, 3. Februar.

Die Verschärfung der Lage zwischen unö und den Vereinigten Staaten kann nicht das Ergebnis irgend­einer blinden Zu fall stücke sein, es muß ein Plan dahinter stecken. Ter „L n s i t a n i a'stFull stlsteit seit Monaten erledigt oder, wenn daS nianckwin zuviel gesagt scheint, doch für jetzt und auf lange hinaus von feinen Gefahren entlastet. UuserccstttS war ein erhebliches Zugeständnis dadurch stchon ge­währt worden, daß die Frage, ab die Verienk-mg der -..Lusitania" gegen das Völkerrecht vcntvtze, später einem Schiedsgericht vorgelegt werden sollte. Ties ° Schiedsgericht hätte naturgenräß erst nach dem Kriege sein Urteil zu fällen gehabt, und da wir uns den: Spruch, wie er auch beißen mochte, zu unterlverfen be­reit waren, so hätte cs immerhin gsschehm können, daß wir Entschädigungen für die Einbußen an Leben und Sachgütern von oimprikauffchen Staatsangeihörigen, die mit der „Lusit-cmia" untergingen, zri zahlen gehabt hätten. Warum nun aber plötzlich die Unionsregierung den „Lu>sitania"-Fall mit auffallenden Drohun­gen wieder in den Vordergrund rückt, warum sie an uns Forderungen stellt, die wir linmöglich er­füllen können, das bedach noch sehr der Aufklärun'g. Herr Wilson verlangt von uns die sofortige Erklärung, daß die Torpedierung der „Lusitania" ein Volke r- rechtswidriger Akt gewesen sei. Nicht der Haager Gerichtshof soll entscheiden, ob die -mnerikaniische Behauptung von dieser Dölkervechtswidrigkeit zutrifft oder nicht, sondern >w i r 'ollen ein Schuldbekenntnis ab- legen und davaiufhin selbstverständlich auch die gefor­derten Entschadigungsfummen als Butze und Strafe her- gckb-en. Davon darf und wird niemals die Rede sein. Fügten wir uns dieseni Verlangen, so müßten wir den Unterseebootskrieg sofort ansgeden, und das können und wollen wir nicht. Noch einmal: Warum zieht Herr Wilson so scharfe Saiten auf? Was er uns zumutet, klingt ja beinahe wie ein Ulti­matum, und wir erinnern daran, daß er vor kurzem erst in einer Versammlung öffentlich von der Kriegs­möglichkeit gesprochen hat, die ' „morgen" eintreten könne, worauf er unterstreichend noch hinzufügte, dies „morgen" möge ganz wörtlich genommen werden, iib-er die Unverfrorenheit der leitenden Männer in Waffstngton wollen wir kein Wort weiter verlieren, über die uns Lurch -die Notwendigkeit des Krieges und durch die Gebote der Ehre vocgezeichnete Rickckschnur -des Handelns auch nicht, dagegen wird es erforderlich sein, zu prüden, wie Herr WÄ-son zu seiner verschärften Stellungnahme gekommen ist und welche unter­irdischen Einflüsse daher mitbestimmend waren und sind. ES liegt mche, an Rücksichten ans die innere a m e r i k a n i' ch c Politik zu glauben, wonach wir ccks-o gewissermaßen die Prügelknaben der ehrgeizigen Gelüste des Präsidenten wären, der w i e- dergewählt -werden will. Aber es könnte auch sein, daß die Sackte einen ernsteren Charakter hat und daß zlvÄschen London und Washington eine engere <MKmgn«ihme erfolgt ist, deren Wirkungen wir also jetzt in der diplomratischen Bedränqnng durch 'das sSmatSdepartemelst wkstrzuirchün-en hätten. Tie V c r- keimi^gchem S.ha-stcn haben bisher alles getan,

um uns wissen zu lassen, daß sie unfcre Nic- derlage wünschen. Zu den ungeheuren K riegslieferungen an -unsere Feinde ist die Ge­währung von M i ll i a r d e n a n l e i h e n hinzugetre­ten, mit allen großen nird kleinen Mitteln u nv e r- hüllter Feindseligkeit und böswilliger Schikane werden wir von drüben her b«kämpst, und die Baschiimpfungen, die sich die Deutschameri­kaner von den höchsten Staats st eilen aus ge­fallen lassen müssen, waren das letzte Ab st reifen der Maske hinter der sich die h ö h n i s ch st e Feind­seligkeit gegen uns bis dahin noch verbergen mochte. Die NerhanÄilngcn zwischen Washington und London über die Blockadefrage, die -amerikanische Forderung der ungehinderten Ausfuhr nach den neu­tralen Staaten und auch nach Deutschland, die Ab­lehnung dieses Verlangens bald durch ein brutales Nein und bald durch Winkelzüge, die anscheinend scharfen und «achlich inhaltsleeren amerikanischen Einwendungen gegen die betreffenden englischen Idolen, dies alles haben.die Beurteiler, die sich durch Redensarten nicht beirren ließen, von Anfang an für nichts als Spiegelfechterei gehalten. Die weitere Entwick­lung lehrt, daß sie mit ihren Zweifeln irn Rechte waren. Jetzt macht Amerika eine verstärkte Krast- anftrengrmg. um uns im Gebrauch einer unserer w i r k- samsten Waffen gegen England, an der Verwen­dung unserer Unterseeboote. zu verhindern. Tos Ver­hältnis ist bereits so beschaffen, daß sich die Frage, wie cs nach unserer Ablehnung der Wtlsonschen Forderung damit stehen wird, zu einem Entweder-Oder zuspitzen könnte. Unser Botschafter in Washington hat, wie matt weiß, Herrn Lansing eine Antwortnote übergeben, von der eine „endgültige Verständigung" erhofft wird. Es ist begreiflich, es entspricht dem Herkommen und der diplomatischen Redeweise, daß solche Hoffnung geäußert wird. Also wollen wir gleichfalls hoffen, jedoch wollen wir uns auch darauf einrichtcn, daß sich die Hoffnung eben nicht erfüllen mag. Es wird nicht lange dauern können, bis wir Bescheid wissen.

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Eine deutsch-offiziöse Äußerung.

Berlin, 3. Febr. In einem anscheinend inspirier- ten Artikel über die „Lusitania"-Angelegenheit schreibt der „Berliner Lokal-Anzeiger": .

Mit Ach und Krach haben sich unsere Beziehun­gen zur Union b i s H e r noch aufrecht erhalten lassen und es würde schließlich so auch noch weiter gehen können, wenn Herr Wilson int Zustand der Zweideutig- Fett durchaus beharren will. Aber wenn er der deut­schen Regierung in der „Lusitania"-Frage jetzt eitten Rückzug zumutet, -der alle ihre bisher dazu obge- gebenen Erklärungen über den Haufen werfen würde, so ist damit selbst für den wärmsten Fried eat s- freund die Grenze des Möglichen überschrit­ten. Niemals kann eine deutsche Regierung zu- geben, daß ein mit Waffen unü Munition bis an den Rand vollgestopfter feindlicher Dampfer im Kriegsgebiete von unseren II-Boots- k-omimandanten zu Unrecht versenkt worden sei. Das wäre ein ganz unerträglicher Elodanke und ein solches Ansinnen muß zurückgewiesen werden. Darüber war man sich im Weißen .Haust zu Washington sicherlich auch im klaren. Wenn Herr Lansing t r o tz- d ent eine solche Forderung ausgestellt hat, so -muß man auf den Gedanken kommen, daß er eine V e r st ä nd i- png mit Deutschland nicht'will, um auf diese Weise über alle Schwierigkeiten, die Englands Verhalten fortgesetzt hervorrust, mit einem Schlag hin- wegizukommcn. Unsere Regierung hat in ihrer gestrigen Mitteilung noch an der Anschauung sestgehalten, daß eilte endgültige Verständigung sich atis Grund ihrer neuen Instruktionen erhoffen lasse.

Das Schlimmste braucht danach also noch nicht als unvermeidlich zu gelten. Aber, wie es auch kontmen mag, wir können uns Wohl sagen, daß Deutschland nichts unversucht gelassen hat, um den Frieden mit Amerika zu erhalten. Sollte es im Hohen Rate zit LLashington trotzdem anders beschlossen werden, dann träfe weder das deutsche Volk noch seine Regierung für diese un­selige Wendung der Tinge die geringste Schuld.

(Die Richtung dieser Äußerungen deckt sich darrch- aus mit den obigen Ausführungen unseres Berliner O-Mitarbeiters. Schristl.)

Urteile der Berliner Presse.

Di-. Berlin, 4. Fäbr. (Eig. Drahtbericht. Zcns. Mn.) Auch die I-eutige Berliner Morzenpresse beschäftigt sich mit der V e rsch är fu ng'der politischen Lage zwischen Deutsch­land und den Vereinigten Staaten. Fm „Berl. Tagebl." schreibt Theodor Wolfs an leitender Stelle, nachdem er die inneramcrikanischen Verhältnisse und die Schachzüge der eng­lischen Diplomatie gegenüber Amerika eingehend besprochen -hat, an: Schluß seines Artikels: Die gegenwärtigen Verhält- n-sie bringen es mit sich, daß die öffentliche Meinung nur wenig mcksprechcn kann, und -dadurch verschärft stich -die

Last der Verantwortung, die aus den leitenden Männern ruht. Diese leitenden Mämrer werden auch kainm eine Ent- lcstmng durch diejenigen Organe der öffentlichen Meinung, die cinenr Ausgleich am entferntesten waren, zu cvwarten ha-bcn. Auch dort schiebt man ihnen heute mit gutem Recht die Verantwortung zu. Wir alle miteinander Nmn- schen den möglichst v ollkom m en en Si eg und einen Frieden, in dem das deutsche Volk seine Wunden heilen und seinen Wohlstand wieder aufzurichten vevmag. Aber daran muß, wenn jetzt ein entscheidender Schritt im ,Lnsi- tania"-Streit getan werden soll, bis zum letzten Punkt des Weges ruhig und leidenschaftslos bedacht werden, wohin dieser Säritt uns führen kann.

Gegen die Äußerung des „Lokal-Anzeigers" (stehe be­sondere Stelle) wendet sich Ernst v. 3»eventl«v in der ko-nger- vativen „Deutschen Tagesztg." und führt aus: Daß die deut­sche Regierung gewünscht hat und wünscht, den Frieden mit Amerika zu erholten, weiß jeder Mensch. Daß aber der „Lotäl-Anz." Worte anwenden zu sollen gkaubt, wie ..Das Schlimmste und Unvermeidliche usw." und von einer unseli­gen Wendung spricht, sich überhMpt eines wehmütigen klagen­den Tones bedient, muh bedauert werden und entspricht un­seres Ermhtens nicht den Ausgaben der Presse in solcher Zeit. So weit wir unterrichtet sind, entspricht dieser Ton durchaus nicht der Grundstimmung des deutschen Volkes und dürfte außerdem im Ausland einen unzutreffenden Eindruck Hervor­rufen, weil er ein unrichtiges Bild von der Stimm"ng im Deutschen Reich gibt und dem hohen siegcsgewissen L-elbst- vertraucn, dem Gefühl unserer Stärke, welches die Deuifchen besee-lt.

*

Line bevorstehende deutsche Veröffent­lichung über Zuzeständnisse an die Neutralen im U-Bootskrieg.

Tic deutsche Regierung zu keiner weiteren Nachgiebigkeit bereit!

L. Berlin, 4. Febr. (Eigene Melbu-ng. Zcits. Bin.) Mit einiger Zuversicht dürfe» wir für tzeutc oder mor­gen eine „Rcuter"-Mcldnng erwarte», daß Brasisent Wilson Hals über Kopf nach Wafliington zu- rückgekchrt sei, weil die Verhandlungen zwischen Ame­rika und Deutschland am kritischsten Punkte augc- langt seien Wir wissen aber» das; die Rückkehr Wilsons von seiner Reise ohnedies für heute abend festgesetzt war. Auch liegen heute keine neuen Nachrichten aus Amerika vor. Dagegen dürfen wir alsbald eine be­deutsame deutsche Vcröfseutlichnng er­warten, die dartun wird, bis zu welchem Grade die deut­sche Regierung im Seekrieg den Neirtralc» Z u g c- st ä n d n i s s e gemacht hat, ivenn sic dort einer verschie­denen völkerrechtlichen Auffassung beaca»eteu. Wir werden aber auch ans dieser Verisfcutlichnng erfahren, daß «nscre Regierung, sobald sie die vsll-gültl«cn juri- st i s ch c n Beweise für die Richtigkeit ihres Standpunk­tes in Händen hat, zu keiner w e i t e r e n N a ch- gicbigkeit im Seekrieg bereit, sondern viel­mehr entschlossen ist, die Ko nse gn e n z en mit a l l e m N a ch d r « ck zu ziehen.

Oer Urieg gegen England.

Oie Heldentat der „Nppam"-Leute.

Landung der Passagiere der „Appam".

XV. T.-B. Lond.ti, 4. Febr. (Nichtamtlich.) Das Neuter- sche Bureau erfährt, daß das Staatsdepartement in Washington dem britischen Botschafter mitteittr, daß dem britischen Konsul in Norfolk gestattet w-cmden ist, sich mit den Passagieren der „Appam" in Berbir^>nn§ zu setzen. Dte Behörden wurden angewiesen, sofort die Lan- o un g aller <ni Bovd befindlichen Personen mit AnL-nahmc -der P r i s e n b e s a tz u n g zu gest itten. Die britische Rogiernng hat noch keinerlei Nachricht vcn der Enischei-dnn-g der Ber­einigten Staaten über den rechtlichen Fall der „Appam". Die Angelegenheit wird jetzt beraten.

W. T.-B. Wasknnst.n, 3. Febr. (Nichtamtlich. Dracht- bericht.) Reuter meldet: Das Staatsdepcrrtem-ent hat di-e Zolkbehöi-deii ersucht, die Passagiere 'des „Appam" fret- zulasseu, aber diese unter die A-uifficht eines Eiuwcmde- rungslbeamten zu tun.

England verlangt eine Untersuchung über die Herkunft der „Möve".

Nr. Amsterdam, 4. Febr. (Eig. Drähtbericht. Zens. Mn.) Die englische Regierung beauftragte ihren Botschafter, eine sthar.se Untersuchung über die HeÄunft des deutschen Fahrzeugs „Möve" und dessen Besatzung einzuleiten, da das Schiff feilte Fahrten mit Unterstützung amerikani­scher Dampfer durchgesührt habe. Mehrere cn-gäsch« Kreuzer erhielten Bcfchl, an der Untersuchung inötzuwirken.

Die Frage dc-§ JdenditiitKnachwerses.

Br. Amsterdam, 4. Febr. lEig. Drähtbericht. Zcns. Aln.)' Aus New ?1ort wird dem „Daily Tclegosph" gedrahtet: Dim B ä n d c r an den Mützen der deutschen Seelcutc-tun