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6J- V~= i Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. >- ■

Nr. 28. Donnerstag. 3. Zebruar. 1916.

(7. Fortsetzung.)

dC JjttlRöÖtöfilt. lNachdruck verboten.!

Roman von Albert Petersen.

Momme stand «wieder stumm und finster grübelnd dia. Sie reichte ihm die Hand und flüsterte: „Lieber, lieber Moinme, freue dich, daß du für unsere Küste schaffen darfst, freue dich, Momme — ich, ich bin stolz auf dich."

Ehe er antworten konnte, war sie durch den Garten ins Hans gegangen.

Langsam stieg er in den Sattel und ritt davon. Drüben — hinter dein silbrig schimmernden . Wasser­streifen lag Liekut, scharf hoben sich die Umrisse von Warft und Wohnhaus gegen den bernsteingelben Strei­fen des westlichen Horizontes ab.

Momme ließ den Braunen traben. Petroa hatte recht. Läßt den Kops hängen wie ein Pflugjunge, den der Bauer vom Hof gejagt hat, wie ein Kätner, denr statt der Kartoffeln nur Disteln auf'm Acker lwachjen.

Die Gräfin hatte sich in die „Chronik der Köge vor Bredbro" vertieft, als Momme in -das Zimmer trat.

Sie hob den schönen Kopf und sah ihn fragend an.

„Aus meiner Pacht wird mchts", stieß er hervor.

Ein heller Schein trat in ihre Augen. Sie reichte ihm die schmale, weiße Hand hin und sagte: „Dann auf gute Kameradschaft, Herr Harring."

Er wußte auf ihre herzlichen Worte keine Antwort.

6 .

Fräulein Bangett gab sich alle Mühe, der fieberhaf­ten Tätigkeit der wiederhergestellten Gräfin mit Ruhe und Gleichmut zumsehen. Sie hatte _ im „Daheim" inserieren lassen, daß eine hochherrschaftliche Gesellschaf­terin eine passende Stellung suche. Jetzt wartete sie täglich auf Angebote.

Der Halligkauf war zwischen Meggers und der Gräfin bereits abgeschlossen. Karola von Adlersfelde- Falkenhain war Herrin von Liekut. Jetzt galt es noch für größere Landbefestigungsarbeiten die Erlaubnis der Regierung einzuholen.

Stundenlang saß sie mit ihrem Verwalter über Plänen und Kostenanschlägen. Je mehr Momme sich mit dam neuen Unternehmen beschäftigte, desto größer wurde sein Eifer. Und es freute ihn. daß die Gräfin die Sache so ernst zu nehmen schien.

Von Husum, der nächsten größeren Küstenstadt war schon ein Wattenewer mit Steinen und Holz unter­wegs, Maurer und Jbmmerleute l>atten sich im Liekuter Wohnhaus einguartiert. Und jeden Ta-g fuhren Momme und die Gräfin nach der Hallig hinüber, um sich iiber den Fortgang der Arbeiten zu unterrichten. Sobald das Wohnhaus und neue Stallungen fertig wären, wollte die Gräfin nach ihrem eigenartigen Herrensitz übevsiedeln.

In diesem Herbst sollten auch schon einige vor­läufige Befestigungsarbeiten erledigt werden, während im nächsten Frühling Deiche und Buhnen größeren Stils angelegt werden sollten.

Das Wetter war dem jungen Unternehmen günstig. Noch einigen rauhen, nassen Wochen hielt ein warmer, stiller Spätsomme r seinen Einzug in Nordfriesland.

Die Regierung hatte einige höhere Wasserbaubeamte zur Besichtigung und zur Rücksprache mit der Gräfin ent­sandt. 'Und bald wußte sie, daß auch von dieser Serie keine Schwierigkeiten zu erwarten waren.

Der Erweiterungsbau des Wohnhauses war beendet, und die Ställe undScheunen stände,r erwartungsvoll da.

Fränlein Bangett wartete immer noch auf Stellen- angebote und zitterte vor denr vielleicht drohenden Aufenthalt auf solch einer öden Hallig. Sie beneidete Robinson, der in seiner Weltabgeschiedenhcit doch unter Palmen geruht, und fand Meggers Gaststube plötzlich äußerst behaglich, wenn sie an den „grauen Bau mitten im Schlick" dachte. Von der Einladung der Gräfin, doch einmal die Hallig zu besichtigen, hatte sie noch keinen Gebrauch' gemacht: sie hoffte noch immer, chrr Annonce würde erfolgreich sein.

Eines Tages fuhr sie mit der Gräfin, nach Husum, um Mobilien zu kaufen. Die Gräfin wählte einfache, aber gediegene Sachen, und Fräulein Bangett bemerkte mit Erstaunen, daß ihre Herrin mit besonderer Sorg- fett Gegenstände für ein Herrenzimmer auswählte. Und Karola von Adlersfelde gewahrte den forschenden Blick ihrer Gesellschafterin und errötete. „Ach, Tor« heit", schalt sie sich daun, „es ist doch selbstverständlich, daß er sich nach des Tages Arbeit in seinen, Zimmer gemütlich fühlen soll."

Eigentlich hatte sie das innere Empfinden, als wäre sie dem jungen Manne, für den sie nun einmal „Inter­esse hatte", in den Wochen der Zusammenarbeit inensch­lich nicht näher gekommen. Sie hatten ja soviel Ge­schäftliches zu besprechen, und wenn sie wirklich einmal ein Gebiet berühren wollte, durch dessen Erörterung er gezwungen worden wäre, ihr einen Blick in sein Inneres tun zu lassen, dann wich er ihr aus.

Ein gediegener Mensch, ein ganzer Kerl, lautete ihr Urteil über ihn. Daß sonst noch etwa? in ihr war, das sie zu ihm hinzog, gestand sie sich nicht ein.

Und Momme war zu harmlos, um sich auch nur einen Gedanken darüber zu machen, warum die Gräfin gerade ihn zu ihrem Verwalter machen wollte.

Natürlich wurde in den Kögen, in den Geestdörfern und in Bredbro-Wer die Pläne der Gräfin gesprochen und getnschelt. Einer hatte sie die „Halliggräfin" ge­nannt, und nun behielt sie den Spitz,ramen. Vereinzelt, besonders im Flecken, wurden auch Stimmen laut, welche hämische Bemerkungen machten, aber den Nordfriesen lag dergleichen zu fern, und sie schenkten solchem Gerede kein Gehör.

In Bredbro befand sich ein Maurergeselle, der vor einigen Jahren zugereist war, eine zeitlang bei einem Bredbroer Meister gearbeitet hatte, sich dann aber selbständig gemocht hatte und sich seinen Unterhalt hauptsächlich damit verdiente, daß er ans den Geest­stellen und Marschhöfen die nötigen Reparaturen Wer, nahm.