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Verlag Langzassc 21

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Donnerstag, 3. Februar 1916.

Der Krieg.

Heftige Tätigkeit der Artillerie im Westen.

Wieder zwei feindliche Kampfflugzeuge erlegt.

Oer Tagesbericht vom 3. Februar.

W. r.-B. Großes Hauptquartier, 3. Februar. iAmtlicki.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

In Flandern antwortete die gegnerische Artillerie lebhaft auf unsere in breiter Front durchgeführte starke Be­schießung der feindlichen Stellungen.

Nordwestlich von Hulluch besetzten wir zwei vor unse­rer Front von den Engländern gesprengte Trichter.

Fn der Gegend von Neuville steigerte der Feind in den Nachmittagsstunden sein Artillerirfeuer zu großer Heftigkeit.

Auch an anderen Stellen der Front entwickelten sich l e b- hafte Artillerie-, in den Arqonncn H a n d - granatcnkämpfe.

Unsere Flieger schossen ein englisches und ein fran­zösisches Kampfflugzeug in der Gegend von Peronnc ab; drei der Insassen sind tot. Der französische Beobachter ist schwer verwundet.

Östlicher und Balkankriegsschanplatz.

Die Lage ist im allgemeinen unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Die Melden des,,5lppam".

Die Kaperfahrt der „Möve".

Die deutsche Marine, die Flotte der unbegrenzten Möglichkeiten.

vr. Berlin, 3. Febr. (Erg. Drahtberrcht. Zens. Bin.) Über die Kapcrfahrt der „Möve" erfahren die Berliner Morgcnblättcr Einzelheiten, die die Tat des kleinen Schiffes noch heldenhafter und romantischer erscheinen lassen. So berichtet der „L.-A." aus Rotterdam: „Die „Appam" traf, so meldet der Berichterstatter der „Times" aus New Jork, in Amerika als deutsches Kriegsschiff unter der Bezeichnung „S. M. S. App am ein. — In einer andere» Depesche der „Times" aus Norfolk wird nochmals behauptet, das deutsche Kriegsschiff sei die Avisojacht „Möve", das als Trampdampfcr maskiert war und sich der „Appam" unter englischer Flagge näherte. Sic rief die „Appam" an und zeigte daraus die deutsche Flagge. Gleichzeitig wurde die falsche Schiffs- w and, die ihm das Aussehen eines Frachtdampfers der,ehe» hatte, hcrabgclaffcn und cs zeigte sich eine volle Besatzung mit Kanonen. Die „Möve" soll aus Kiel ge­kommen sein und durch die Linien der englischen Flotte m der Nordsee in den Ozean geschlüpft sein. Ms die „Appam die Küste von Virginia entlang fahren mußte, nahm sie erneu Lotsen an Bord und antwortete auf eine drahtlose Anfrage vom Fort Monroe, sie sei ein dcutichcr Kreuzer und nach Buffalso unterwegs.

Auf der Fahrt über den Atlantischen Ozean noch zwei Schiffe gekapert!

W-.T-B; London, 3. Fobr. (Nichtamtlich. Reuter.) D« ^mreS erfährt aus New York: Auf der Reife über den Atlantischen Ozean sM der Dampfer „Appam" zwei bri­tische Schiffe gekapert haben. — Mw Docker Blätter melden, daß der „Appam von der bewaffneten deutschen Aviso­jacht „Move" erbeutet wurde. Amtliche Personen in Washington v e r n e i n e n, daß der Befehl erteilt wurde, das Schiff zu mternveren. Sie sind sehr unsicher, was mit dem Schiffe geichehen soll. Der britische Botschafter er­sucht um erne Unterredung mit Staatssekretär Lansing. 'Die „Möve )oll die britische Flagge geführt, aber als sie sich der „ÄppE näherte, die deutsche K r i e g s f l a g g e gehißt uird ihre bewegliche V ersch an zun g umgeklappt haben, woraus die Bewaffnung sichtbar wurde. Sie soll in der Nordsee unter schwedischer Flagge gekreuzt haben. Als die „Appam die Küste von Virginia entlang sabrcn mußte, nahm sie einen L o t s e n an Bord und antwortete auf cme drahtlose Anfrage voii dem Fort Monros, sie sei ein deutscher Kreuzer, nach Buffalo unterwegs. Das Schiff führte nur eine einzige Treizoll-Kanone am Vorderteil.

Erzählungen der Fahrgäste und des deutschen Marineleutnants Berg.

W '« T " B ' ?? n&on ' 3 - Febr. (Nichtamtlich.) Wie die „Limes aus New York erfährt, wurde die „Appam" durch euren bewaffneten deutschen Dampfer, nicht durch ein Unterseeboot, wie zuerst gemeldet worden ist, erbeutet. Di'e Passagiere berichten darüber, daß am frühen Morgen des 15. Aanuar ein unbekanntes Schiff sich ganz nahe an dw „Appami' heranmachte und zwei Schüsse entlang des Birg? abfeuerte. Die „Appam" glaubte, cs mit einem Seeräuber zu tun zu haben und gab ihrerseits zwei Schüsse ab, die kerne Wirkung hatten.' Bon beiden Schissen wurderi die Rettungsboote ausgesetzt und eins per Rettungsboote der ^.Aptzam" wurde zwischen der: I’ciben

Kbend-Kusgabe.

Dampsern zertrümmert. Hierauf kletterte eine Abteiluing von dem dorischen Schiff au Bord der „Appanr" uird Kapitän Harr^on ergab sich, da er einfah, daß weiterer Widerstand v^eblich war. Sodann kanr Leutnaitt Berg mit einer Prts-eitbefatzung von 22. Köpfen an Bord und das deutsche Kaperschiff verschwand, nachdem es auf der „Appam" erne große .Zahl van Gefangenen zurückgelassen hatte, die von sieben britischen Schiffen herrührtsn. Die „Appam" wurde hierauf als Hilfskreuzer benutzt und bemächtigte ''ch .noch zweier englischer Schiffe. Die „Appam" kam rn Norsolk unter dem Namen „S. M. S. Appam" an. Das schffs befindet sich in ausgezeichnetem Zu st and und ftchrt eine große Ladung, 'darunter eine Menge Kakao. — Weiter meldet der Korrespondent der „Times": Leutnant

r 3 e ‘ n deiner schmächtiger Mann mit einem Schnurr- bartchetl. Heute mittag erzählte er lächelnd von seiner Reise.

Schiff, dessen Name er nicht nennen wollte, war fünf Monate lang hart an der Arbeit gewesen. Wir waren, sagte er, nur einige Meilen vom Hafen entfernt, durften aber nicht ciiilaufen, sondern blieben in der Nachbarschaft und erwarteten die „Appam". Wir hatten die Hoffnung, sie zu er­wischen, schon aufgegeben und dachten, daß sie vielleicht von uns gehört hätte urid nach einem anderen Hafen gegangen wäre. Die Passagiere haben wir so gut wie möglich behan­delt und ihnen allerdenklichen Annehmlichkeiten verschafft. Wir beauftragten Ärzte, die voir einem anderen Schiff heruntergeholt worden waren, für die Verwundeten zu sorgen. Ursprünglich planten wir, nach NewDorkzn sichren, hörten aber, daß feindliche Schiffe in der Nähe von New Morl kreuzten, und änderten infolgedessen unseren Kurs auf Norfolk. Wir hatten erlvartet, am Sonntag hier einzutreffen, muhten aber vorsichtig sein und einen Umweg machen, um das Kap Virginia zu erreichen. Wir sahen keinen englischen Kreuzer, begegneten über verschiedenen Handelsschiffen, die wir hätten nehmen körmen. Dadurch wäre jedoch unsere Ankunft hier vielleicht in Frage gestellt worden; deshalb liehen !mr sie laufen. Unter den Passagieren der „Appam" befinden sich 5 Kinder und 20 Frauen; allen geht es gut. Nachdem wir die „Appani" erbeutet hatten, sichteten wir noch eiir anderes Schiff, das aber nicht gut genug war, um mit­genommen zu werden. Wir bohrten es deshalb in den Grund. Nur vier Mann von unserer Mannschaft wurden ver­wundet, keiner von ihnen ernstlich.

Br - Rotterdam, 3. Febr. (Eig. Dvahtbericht. Zens Bln.) Router melder aus Norfolk: Leutriant Berg der Prisenkom-. Mandant der „Appam", teilte dem Zolleinnehmer von Norfolk mti, die „Appani" nahmen wir am 16. Januar 60 Meilen nördlich von Madeira. Am folgenden Tag griff die „Möve" das englische Schiff „Clan Moctavish" an, Äa§ nach hitzigem Gefecht. in dem 15 Engländer getötet wurden, sank. Leutnant Berg bekam den Befehl, die „Appam" nach Amerika auszubringen. Das Geschütz der „Appam" nahm die Möve mit, so daß jetzt die „Appam" kein Geschütz mehr führt. Die „Appain" hatte bei der Ankunft in Norfolk Mangel an Lebensmitteln, weshalb ihr gestattet wurde, solche ein­zunehmen.

Der bewaffnete Darnpfer.

Geschütze am Heck und Bug.

Rotterdam, 3. Felr. (Zens. Mn.) Hiesigen Blättermel- dungen zufolge hatte der Dampfer „Appam" G e s ch ü tz e auch mn Bug, nicht nur am Heck, so daß er also auch für einen Angriff bewaffnet war.

Der Eindruck in Amerika.

Frankfurt, 3. Febr. (Zens. Frkft.) Der „Appam"- Zwrschcnfall drängt, wie der „Franks. Ztg." aus New Dort berichtet wird, dort alle anderen Fragen, die sich mit der Schiffahrt im Krieg boschäftigen, in den Hintergrund. — Die Zeitungen sprechen ihre lebhafteBewunderung über das unbekannte deutsche Kaperschiff aus, das den englischen Dampfer aufbrachte und ihn nach seiner Kaperung als Hilfskreuzer verwendete. Die „Appam" werde voraus­sichtlich interniert werden.

Die Erörterungen über de» rechtlichen Charakter der „Appam".

W.T-B. London, 3. Febr. (Nichtamtlich.) In einem Telegramm der „Times" wird auS Norfolk berichtet, daß das deutsche Schiff, welches die „Appam" nahm, der Kreuzer „M ö v c" (Es gibt gar leinen Kreuzer „Möve", 'andern nur ein kleines Vermessungsfahrzeug. Schrift!.) war. der sich als Frachtdampfer vermummt batte und mit Kanonen ausgerüstet war. Die „Möve" soll aus Kiel »». kommen und durch die Linie der britischen Flotte in der Nord- see in den Mlanttschen Ozean geschlüpft sein. In einem Artikel über die Rechtsfrage der „Appam" schreibt d'e .Times": Ist sie eine deutsche Prise oder ist sie ent deutsches Kriegsschiff? Wenn daL letztere der Fell ist und der deutscherseits darauf ochöbene Anspruch von den Vereinigten Staaten gebilligt wird, wird sie, wenn sie in Norfolk zu bleiben wünscht, interniert werden und am Ende des Krieges in deuffchen Besitz übergehen. Die dcutsilw Besatzung würde dam: iniernicrl werden. Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß die Bereinigten Staaten diesen Staiid- Punkt einnehmen werden. Man kann auch annehmen, daß die „Appam" eine deutsche Prise ist. Dann würde das Haager Abkommen Nr. 13 darauf Amvenüung finden. Artikel 21 und 23 köiinen als international anerkanntes Recht

Nr. 36. . 64. Iahrgang.

betrachtet werden. Artikel 23 wurde weder von England rioch von den Bereinigten Staaten anerkanilt. Die „Times" ge­langt in ihrem Artikel zu dem Schluß, daß die .Appam" als deutsche Prise bctvachtet werden würde. Wenn sie wegen Seeumtüchtigkeit, Seenot, Sturm oder Mangel an Heizstoff Norfolk angelaufen hat, wird sie wieder abreisen müssen,' sobald sie mit dem Röttgen versehen ist. Wenn sie das nicht tut, wird die Pviscnbesatzung interniert werden und es wer­den Passagiere und Besatzung des Schiffes freigelassen wer­ben. Wenn das Schiff keine derartige Entschuldigung an- fuhrt, so wird die Prise automatisch den frühere» Reedern anheimfallen.

In einem Leitarttkel spricht die „Times" selbst von der Möglichkeit, daß die „Appam" doch als deutsches Kriegsschiff betrachtet wird. Wird sie als Prise betr«htet, dann ist das Völkerrecht über diesen Punkt sehr unklar. Alle Blätter machen Bemerkungen über den pikanten roman­tischen Charakter dieses Vorfalles urid äußern ihre Befriedigung darüber, daß Passagiere urid Besatzung in Sicherheit sind.

*

Die Unsicherheit der amerikanischen Behörden darüber, was mit dem „Appam" geschehen soll, erklärit sich aus dem noch nicht feststehenden Charakter des Schiffes. Wenn di« „Appam" unter deutscher Kriegsflagge als Kriegs- schiff in Norfolk eingelaulfen ist, so können die Vereinigten Staaten das Schiff internieren, vorausgesetzt, daß t& »ach Ablauf einer ihm etwa gesetzten Frist den Hafen nicht wieder verlassen hat. In dieser Weffe fft auch das deutsche Hilfskriegsschiff „Farn" behandelt worden, das am 25. Jan. 1915 in dem amerikanischen Hafen San Juan de Portorico interniert worden ist. Sollte „Appam" aber nicht Hilss- kriegsschiff, sondern Prise sein, so würde das Schiff ebenfalls die deutsche Kriegsflagge führen müssen. Als Prise darf das Schiff nach einem alten, zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten bestehenden Vertrage im Hafen bleiben oer ihn nach eigenem Ermessen wieder verlassen. Falls das deutsche Kaperschiff wirklich die „Möve" gewesen ist, so ist, worauf oben schon hingewieson wurde, in Weyers Taschenbuch der Kriegsflotten ein VermessungSfcchrzeug namens „Möve" cmfgeführt von 650 Tonnen Verdräng und einer Schnelligkeit von 9,5 Seemeilen, mit einer Bestückung von drei 3,7-Zenttmete-r-Revolverkanonen und zwei Maschinen, gewähren und einer Besatzung von 102 Mann.

Erstaunen und Bestürzung in London. ^

Br. Berlin, 3. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) über die Aufnahme der Nachricht von den Taten der „Möve" in London wird Berliner Müttern zufolge aus C h r i st i a n i a gemeldet: Die Kaperfahrt der „Möve" erregt, wie aus London hierher telegraphiert wird, in SchiffcchrtS- kreffen das größte Erstaunen, da man es allgemein für unmöglich hielt, daß der brittschen Flotte als Herren des Atlantischen Ozeans ein deutscher Hilfskreuzer entgehe. Daß dieser noch dazu einen großen Passagierdampfer wie die „Appam" über den Ozean entführen konnte, ohne von den aberhunderten britischen Wachschiffen bemeickt zu werden, ruft große Be stürz ung hervor. Ein norwegischer hoher Marineoffizier äußert sich tn einem Blatt, man müsse heute die deutsche Marine die Flotte der unbegrenzten Möglichkeiten nennen.

England ersucht um Freigabe des „Appan,".

W.T.-B. Washington, 3. Febr. (Nichtamtlich, Dvahtbericht.) „Reuter" meldet: Der britische Bot­schafter hat in aller Form um Freigabe der „Appam" auf Grnnd der Haager Konvention ersucht.

Ans der Berliner Presse.

Berlin, 3. Febr. (Zens. Mn.) Mit staunender Bewun­derung hören wir, so schreibt die „Kreuzzeitung", van dem Meisterstr-ich, den die 22 von doni „BüKel", wie sie den Dampfer „Appam" getauft hatten, vollbracht haben. Was hier geleistet wurde, stellt sich den kühnsten Taten aus der Zeit unseres Krem»erkrieges, wie der Fahrt der „Aychha", würdig zur Seste. Nur höchster Wagemut, verbunden mit Umsicht und Tatkraft, kömien es fertig bringen, irr einer Zeit, in der England stolz aller Welt verkündet, daß cs unumlschräMer Herrscher der Meere sei, einen Kreuzer- kriog zu filhven, dem im ganz-em neun ansehnlich»^ Schiffe zum Opfer gefallen sind.

In der „Boffischen Zeitung" wird von einem militäri­schen iMtarbeiter gesagt: Kein Mensch kommt in England ans die Idee, daß die Deutschen cs wagen könnten, das van Eng­land zurzert gepachtet- Weltmeer noch zu befahren. Viel­leicht dürfte es sich in Zukunft empfehlen, daß sich die eng­lische Admivalttät und die englische Handelsschiffcchrt bei toei- terem Verlust von Schiffen um Anslunff an das deutsche Reichsmarineamt wenden. Dort wird unseren Vettern jen­seits des Kanals sicherlich eine bessere Auskunst gegeben wev» den, als sie sie in den meisten Fällen von ihren eigenen Leuten zu erhallen vermögen. Wir faouen uns indessen dieses kühnen Seemannssttciches. „Emden" und „Karls­ruhe" stehen wieder auf. Hoffentlich folgen weitere Taten.

Die „Germania" bemerkt: Die Aufklärung, die das Schick­sal des großen englischen Tainpiors „Appam" erfahren hat, dürste in der gaiizen Welt zunächst eine fröhliche uich auch schadenfrohe Heiterkeit aus Kosten des die MK-