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Donnerstag, 3. Februar 1916.

Morgen - klusgabe.

Nr. 55. ♦ 64. Jahrgang.

Der Vormarsch in Albanien.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 2. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 2. Februar, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Vor der Brückenschanze nordwestlich von U s c i e s z k o ourde der Feind durch Mincnangriffc zum Verlassen seiner vordersten Gräben gezwungen. An anderen Stellen der Nordostfront fanden Patrouillen- kämpfe statt.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Suganatal wurden westlich von Ronvegno mehrere Angriffe eines italienischen Bataillons abge- wiescn. Am Hange des C o I di L a n a wurde eine feindliche Sappenstellung im Handgemenge genom­men und gesprengt. An der Jsonzofront Geschützkämpfe.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

In Albanien gewannen unsere Vortruppen ohne Kampf das Südufcr des M a t i - F l u s s e s. In Montenegro volle Ruhe; keine besonderen Er­eignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Das Septemberabkommen des Vierverbandes.

Seit bald einundeinhalb Jahren ist die auf Eng­lands Betreiben beschlossene Vereinbarung des Drei­verbandes in Kraft, wonach der Friedensschluß nur ge­meinsam soll erfolgen dürfen. Italien ist dieser Ver­einbarung nach einigem Zögern vor mehreren Monaten beigetreten. Wir haben, wenn wir beobachten, welche Wichtigkeit diesem Abkommen vielfach auch bei uns beigelegt wird, immer mehr die Empfindung, daß man stch bei solcher Beurteilung allzusehr durch die Aus­legungen im gegnerischen Lager bestimmen läßt. Zwar sind wir noch weit von irgendwelcher Fühlungnähmie entfernt, ,, aus der sich Friedensverhandlungen ent­wickeln könnten, aber darum kann man doch versuchen, die Umrißlinien eines Zustandes zu ziehen, der ja in Zukunft rammen muß, weil der Krieg nicht ewig dauern kann. Wie aber wird es sein, wenn unsere Feinde, ganz oder einzeln, genug haben werden. Zwar wenn fie alle genug haben werden, mag sich der Verlauf ja einsamer „gestalten, und das Septemberabkommen -van 1914 würde alsdann kein Hindernis für die Ein­leitung von Friedensverhandlungen bilden. Indessen so haben es die Engländer doch nicht gemeint, sondern die Vereinbarung soll eben einen Damm gegen Son- dergelüste innerhalb der Vierverbandsmächte anfwerfen. England will die Lenkilng in der Hand behalten, wer Seitenwege ernznschlagen wüiischt, den soll Strafe tref- fen. Das klingt gewiß volltönig, aber es klingt nur so. Wir und unsere Freunde an der Donau und im Südosten dürfen nach dem bisherigen Kriegsergebnis der unbedingten Zuversicht sein, daß uns die Früchte der schon erstrittenen Siege nicht wieder geraubt werden können. Die Einsicht in dies für uns und gegen unsere rl-einde sprechende Schickial wird im anderen Lager allerdings wohl zu verschiedenen Zeiten und mit c 'b 3 e stuft er Stärke durchdringen. Sie wird sich also wahricheinlich zuerst in R o m bemerkbar machen, sodann in Petersburg, während sie in Paris und in London noch einige Zeit aus sich warten lassen mag. Besonders m London. Angenommen nun, daß Italien erklärt,, zu weiteren Leistungen unfähig zu sein, so wurde ihm das wie wir ruhig zugeben können, Wohl nichts nutzen. Italien ist der Sklave Englands ge- worden, es wird sich, obgleich zähneknirschend, immer wieder in aussichtslose Kämpfe hineintreiben lassen müssen, und wenn es nichts inehr leisten kann, wird es am Wege liegen bleiben, aber einen entsche-i- d enden Einfluß auf die anderen Machte des Vier- Verbandes wird Italien nicht gewinnen können Wesentlich anders steht es mit Rußland. Wir sind überzeugt davon, daß Rußland .den Kridg mit wütender Entschlossenheit fortführen wird, solange es das ver­mag. Indessen was dann, wenn es der Aufgabe nicht mehr gewachsen ist? Was will England machen, wenn der Zar erklären muß, seine Hilfsmittel seien zir Ende? Das Septeinbevabkomimen bedeutet, von dieser Seite her angesehen, nicht mehr als eine Forniel, die ihren Inhalt einzig von der Tatsächlichkeit des Geschehens empfängt und die inhaltsleer wird, wenn keine auf­fallenden Tatsächlichkeiten rnchr vorhanden sind. Wir find n i ch t der Ansicht, daß Rußland von dom Septem- fdevaibkommen brüsk werde ohjpringen wollen, aber eine

solche Handlungsweise hätte Rußland auch gar nicht nötig, sondern zur Durchlöcherung jenes Vertrages würde genügen,, wenn die russische Regierung eines Tages das Geständnis machte, die Kräfte seien erschöpft. Man braucht nicht weiter zu untersuchen, ob nicht gleiche Erkenntnisse in Frankreich werden .wach werden, man kann sogar ruhig damit rechnen, daß gerade Frankreich, für das es in diesem Kriege um alles geht, getreulich bei England ansharren wird, schon weil ihm schlechterdings nichts anderes übrig bleibt. Da­gegen steht es mit Rußland Wohl anders, und deshalb brauchen wir dem Septemberabkommen nicht mehr Be- deutung beizn-legen, als es durch den schließlich doch entscheidenden Verlauf der Kriegsereignisse geboten ist. Aus diesem Abkommen werden ganz gewiß keine Ver­

legenheiten für die Einleitung von Friedensverhand­lungen entstehen, sobald im Kriege selbst Ent- scherdungen gefallen sein werden, die dazu zwingen, das Abkommen als leere Hülse zu behandeln.

Wir müssen uns nrit diesen Andeutungen begnügen. Cs ist ja noch nicht an der Zeit, die spätere Entwicklung nrt kräftigeren Strichen vorzuzeichnen, aber das wenig- tens wollen und sollen wir uns klarmachen, daß es in Wirklichkeit nicht viel anders liegt, als wenn der Septembervertrag von 1914 aar nicht bestände. Unser Vierbund hat ähnliche, Abmachungen mit Recht für u n- n,ö t i g gehalten. , Wir sind auch so e n g und unlös­lich verknüpft, wir sind es mit größerem inneren und äußeren Recht als die Feinde, die solche Bindung nur darum aussprachen, weil sie einander zu mißtrauen reichliche Gelegenheit hatten und haben. Die Bindung aber wird ihnen nichts nützen, sobald die Zeit reif zur Entscheidung geworden sein wird. Das September- abkominren ist schon heute nur ein Stück Papier, es wird zur gegebener Stunde in Fetzen auffliegen.

Oer Krieg gegen England.

Die Aufbringung der „Appam".

XV. T.-B. London, 2. Fobr. (Nichtamtlich. DrahLboricht.) Von Newport News wird gemeldet, daß sich 451 Personen an Borp des „Appam" befanden, barunter 139 überlebende der 7 Schiffe, die von den Deutschen versenkt wurden, ferner 20 deutsche Burger, Kriegsgefangene aus Kamerun, und eine Prffeubesatzuug von 22 Mann. Offenbar wurde „Appanr" vier Tage nach der Ausreise widerstandslos erbeutet, nachdem ein Schutz über die Brücke des Dampfers abgefemert worden war. Nachdem die Prifenbesahuing an Bord verbracht worden war, begann das deutsche Schiff ein britisches, mit Fleisch aus Australien beladenes Schiff zu verfolgen. Dieses bot Wider­stand und wurde in Grund gebohrt. Entgegen anders

lautenden Meldungen soll ein schwer bewaffneter Fifchdauchfer die Ausbringung vollbracht haben.

Nicht 6 sondern 7 Dampfer versenkt.

W. T-B. New Dorf, 2. Febr. (Nichtamtlich.) Die Asso­ciated Pvetz teilt berichtigend mit: Die „Appam" war am 15. Jan. bei den Kanarischen Inseln aufgebracht worden. Sie hatte 451 Personen an Bord. Im ganzen sind von dem deutschen Kriegsfahrzeug sieben Dampfer versenkt worden, und zwar „Corbridge", „Trader", „Ariadne", „Dromonby", „Farringforb", „Conmactavrst" und „Arthur".

Weitere Befürwortung der verschärften Blockade.

Angst vor den Erntecrträgnissen in Polen und der Zufuhr aus dem Orient.

W. T.-B. London, 2. Febr. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Die „Daily Mail" schreibt in einMi Leit­artikel: Wenn wir nicht jetzt für die nächsten^ sochs

Monate die Blockade Dorrt) ch tapfa-M, jfeoSijaju