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MiltWoch, 2. Zebruar 1916.
5lbend-Ausgabe.
Nr. 54. . 64. Jahrgang.
Eine herrliche deutsche Seemannstat!
Der vermißte Dampfet „Appam" mit deutscher Prisenmannschaft in Nordamerika angekommen'
Frohe Runde!
W. T.-B. New York, 2. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einer Reuter - Meldung aus NieuportNews ist der vermißte englische Dampfer „Appam" unter Führung einer deutschen Prisenmann- schaft und unter deutscher Kriegsflag g e bei O l d P o i n t an der Küste von Virginia angekommen. Der Dampfer ist auf der Höhe der Kanarischen Inseln von einem deutschen Kriegsschiff aufgebracht worden. Die „Appam" hatte bei ihrer Ankunft 425 Personen an Bord, darunter 138 von etwa 5 vor der Aufbringung der „Appam" versenkten b r i- tischenSchiffen.
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Wenn einst iie Bücher über deutsche Sesmcmsjxften n diesem Kriege geschlossen sind, dann werden nicht nur ne Fahrten unserer Auslandskreuzer zu Beginn des Löllerringens, nicht nur die Taten eines „Enrden"- Kamllnandanten und eines „AyeshcO-Führers oder unserer Unterseeboote in helleuchtenden Buchstaben die un- vergilbbaren Blätter der Geschichte ausfüllen, dann werden besonders auch jene Wagnisse mit an erster Stelle verzeichnet sein, die ebenso viel Mut und Entschlossenheit erfordern und dabei doch die nötige Dosis köstlichen Humors nicht vermissen lassen: Die Ausbringung
großer feindlicher Schiffe durch eine Prisenmannschaft non beschränktester Zahl. Mitte, des vorigen Jahres vernahmen wir bereits einmal, wie ein deutscher Obermaat einen amerikanischen Segler, „Paß of Babama" benannt, von den Shetlandsinseln, oben ,imt Norden Englands sicher und kühn durch die feindliche Nordsee bis in den schützenden deutschen Hafen geleitet hatte. Das Spaßige bei dieser Entführung war, daß derselbe Segler bereits eine engli'che Prisenmannschaft an Bord hatte, die aber bei der Ankunft des deutschen Soehelden cs für gut befand, sich schleunigst ins Kattegat zu verziehen, wo sie bis zur Ankunft in Cuxhaven versteckt und still ihr Dasein fristete, um dann erst ans Licht der Sonne geholt zu werden.
Nun kommt uns eine neue und ähnliche Kunde, womöglich noch anmutiger und belustigend klingend. Diesmal handelt es sich um einen englischen Dampfer, den seit Wochenfrist bereits al-s vermißt und sogar gescheitert betrachteten großen Danipser „Appam", der mit deutschen Kriegsgefangenen aus Kamerun auf der Fahrt nach England begriffen war. Aber der Danrpser ist weder gescheitert, noch hat er ein sonst wenig ruhmvolles Ende in den Fluten des Ozeans gefunden, sondern ist von einem d e u t s ch e n K r i e g s s ch i s f angehalten und aufgebracht worden. Mitten ans dem Atlantischen Ozean, bei den Kanarischen Inseln, an denen vorüber die westafrikanischen Dampfer ihre Kurse ziehen, wurde der Dampfer •— wahrscheinlich von einem Unterseeboot — angehalten und dann über das weite Meer hinweg nach einem nordamerikanischen Hafen an der virginischcn Küste entführt. Stolz lochte bei seiner Ankunft die deutsche Kriegsflagge in den 'Masten und am Heck. So entkamen nicht nur die Deutschen aus Kamerun der Kriegsgefangenschaft in England, auch andere Briten,, die von fünf anderen bereits vorher versenkten feindlichen Dampfern flammten, mußten eine unfreiwillige Reise über-, Meer antreten.
Soeben haben, wir anläßlich der Beschießung des englischen Industriezentrums durch ein Geschwader von Zeppelinen wieder einmal erlebt, wie das stolze Albion, dessen meerbeherrsch,ende Flotte sich in unzugänglichen Schlupfwinkeln verkriecht, init Grauen sehen muß, wie wehrlos es der deutschen Kraft gegenüber zu Lande und zur Lust-ist. Jetzt erfahren wir wieder, wie ein einsames deutsches Kriegsschiff draußen auf weiter See dem meerbeherrschenden England ein Schnippchen Maat, das in der ganzen Welt das herzhafteste Gelächter auslösen wird! Immer mehr wandelt sich das Britannia rules the waves in Britannia waves the rule (Britannien beweint die Herrschaft) . . !
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Die Internierung von der Mannschaft beabsichtigt.
W. T.-B. Newport News, 2. Febr. (Nichtamtlich. Dvcchtbericht. Reuter.) Aut der „Appam" wehte die
deutsche Kriegsflagge an Stelle der deutschen .Handelsflagge, um dem Schiffe, wenn möglich, den Charakter eines deutschen Hilfskreuzers zu geben. Man glaubt, daß die deutsche Mannschaft sich lieber internieren lassen wird, als Gefahr zu laufen, bei der Wi ederabsahrt aufgebracht und gefangen genommen zu werden. Der rechtliche Charakter der „Appam" wird von den Behörden in Washington geprüft werden.
Die Namen der fünf versenkten Dampfer.
W. T.-B. Newport News, 2. Febr. (Nichtamtlich. Draht- bericht. Reuter.) Das deutsche Kriegsschiff, das den Dampfer „Appam" aufgebracht hat und mit Prisenmann- schaft oerseben hat, soll den Namen „M ö v e" geführt haben. Es Batte vor der Aufbringung der „Appam" folgende britische Dampfer versenkt: „Artur", „Corbridge", „Ariadne", „Dro- monby", „Farvingtonford" und „Clan Mactavifh".
W. T.-B. New Bork, 2. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einem Telegramm aus Newport News in Virginia ist gestern der britische Westafrikadcrmpfer „Appani", der bisher vermißt wurde, in der O u a r a n t ä n e st a t i o n auf der Höhe von O'b Point angenommen. Die Prisenmannschaft soll von einein deutschen Unterseeboot den Befehl haben. — Wie aus Newport News weiter berichtet wird, ist der Dampfer „Appam" auf der Höhe der Kanarischen Inseln durch ein deutsches Kriegsschiff, angeblich einem Unterseeboot, aufgebracht worden, das kurz vorher andere britische Dampfer versenkt hat. Außer den eigenen Passagieren hatte die „Appam" noch 138 Personen, die von anderen Dampfern übernommen worden waren, also zusammen 425 Personen, an Bord.
Rücktritt der russischen Ministerpräsidenten Goremykin.
W. T.-B. Petersburg, 2. Febr. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Petersburger Telcgraphen-Agentur mewet: Ministerpräsident Goremykin ist auf sein Ersuchen hin in Anbetracht seines geschwächten Gesundheitszustandes von seinen Obliegenheiten als Ministerpräsident enthoben und zum Wirklichen Geheimen Rat erster Klaffe ernannt worden. DaS Mitglied des Reichsrats Stürmer ist zum Ministerpräsidenten ernannt worden.
Sr. Berlin, 2. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zens. Dln.) Wer den Nachfolger GoremykinS schreibt die „Berl. Z.": Am allerwenigsten bietet die Person ldes Nachfolgers Govemykins Grund für die Vermutung, daß rn der russischen Politik ein Wechsel eintrete, einen Anhalt, denn der neue Ministerpräsident Stürmer ist bisher nur als ein ebenso großer reaktionärer Dleutschenfernd bekannt geworden, wie es Goremykin war. Ob er mehr Einheitlichkeit in die innere russische Politik bringen wird, mutz sich erst zeigen._
zreiwMger Tod de; türkischen Thronfolgers.
Eine Krankheit die Ursache.
IV. T.-B. Konstantinopel, 2. Febr. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Dm Thronfolger Iussus I z z c d i n nahm sich wogen einer Krankheit, an der er seit längerer Zeit litt, das Leben. Er schnitt sich gestern früh 7 Uhr in seinem Palast die Morn 'des linken Armes aus. Der Thronfolger wird morgen rin Grabe Sultan Mahmuds in Stambul bestattet werden.
Fussus Izzedin, ein Vetter des regierenden Sultans, war ein Sohn des Sultans Abd ul Asis, und wurde als ein Mann von bedeutender natürlicher Intelligenz sowie großem Ehrgeiz geschildert. Durch Selbststudium hatte er sich ein ziemliches Maß von Kenntnissen, besonders ans militärisch ein Gebiete, angeeignet. Er war Soldat mit Leib und Seele. In der Armee erfreute sich Jussuf Izzedin allgemeiner Beliebtheit. — Nach der bisher vorliegenden kurzen Nachricht scheint der Selbstmord mit politischen Gründen nichts zu tim zu haben.
Schon frühere Anfälle des Prinzen.
I>. Berlin, 2. Febr. (Eig. Meldung. Zerts. Mn.) Zum Selbstmord des türkischen Thronfolgers Jussuf Izzedin erfahren wir paß der Prinz schon vor Jahren wiederholt Anfälle von Verfolgungswahnsinn hatte. Politische Bodeutung darf man dem 'Ereignis nicht zumessen. Der Thronfolger wurde von englischen und französischen Bläticrn oft als ein Feind der Deutschen hingestellt. Besondere Zeichen von D e u t sch f r eu ndl i ch ke'i t soll er in der Tat nicht gegeben haben. Indessen ist ja bekannt, daß die Leitung der tüekiüüen Regierungsgeschäftc nicht von ihm he
einslußt werden konnte. Der neue Thronfolger Wasnrd Eddi Effendi wird seine politischen Eigenschaften erst noch zu zeigen haben.
Oie Ereignisse auf dem Balkan.
Line griechische Tat!
Wiederherstellung der zerstörten Strumabrücke.
W.T.-B. Bern, 2. Febr. (Nichtamtlich.) Der „Corriere della Sera" meldet aus Athen: Ein griech«- sches Genie-Regiment hat Beseht erhalten, die Stnuna- brücke bei Demirhissar wicderherzusteLen.
Die Wirkung des Zeppelinangriffs auf Saloniki.
Br. Berlin, 2. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bür.) Über den Zepp ekrnan griff auf Saloniki berichtet bas „B. L." aus Lugano vom gestrigen Tage: Heute früh 3 Uhr erschien ein Zeppelin über Saloniki und Mars 20 Bomben auf die Präfektur, den .Hafen und das französische Generalstvbsgebäude. 5 Häuser wur- den zerstört, ebenso ein englischer Dampfer, 8 Menscheu sind tot. 60 Soldaten und Zivilisten verwundet. Die Filialbank von Saloniki steht in Flammen. Der verursachte Schaden betragt - eine Million Franken.
Der ehemalige deutsche Konsul i« Kreta kein Vertreter Krupps.
W. T-B. Essen, 2. Febr. (Nichtamtlich.) Das „Wolfs, sche Telegnaphenburcau" erfährt an zuständiger Stelle, di« von der feindlichen Presse gebrachte Angabe, daß der am Samstiwg auf Kreta von den Franzosen verhaftete frühere deutsche .Konsul in Eanca Walter Masseter der Vertreter Krupps sei, sei unzutreffend.
Der Bvrmarsch der österreichisch-ungarischen, Truppe,» in Albanien.
Berlin, 2. Febr. Die gegen die albanische Küste vordringcnden österreichisch-ungarischen Streitkräfte sind, wie verschiedenen Blättern aus Budapest gemeldet wird, bereits über San Giovanni di Mcdua hinaus vorgestoßen, ohne bisher irgendwelchen Widerstand zu finden. Nicht nur m o n t e n e g r i n i- s ch c, sondern auch versprengte serbische Truppenteile haben unterwegs die Waffen gestreckt.
Die Erbitterung der Montenegriner gegen Italien.
Kriegsfreiwillige gegen den bisherigen Bundesgenossen k
W. T.-B. Wien, 1. Febr. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Der heutige Generalstabsbericht teilt mit, daß die Lage in Montenegro nach wie vor ruhig ist und die Haltung der Bevölkerung nichts zu wünschen übrig läßt. Ms Illustration zu dieser Nachricht mag die Tatsache dienen, daß in den letzten Tage» zahlreiche Montenegriner gebeten haben, als Kriegsfreiwillige gegen Italien eingestellt zu werden. Solche Angebote »nutzten naturgemäß aus völkerrechtlichen Gründen zurückgewissen werden, sind aber in hohem Matz b e z e i ch- ncnd sür die Sympathien, die Italien auch bei den nicht österreichischen und ungarischen Bewohnern des Ostusers der Adria gcmetzt. Sehr Viole Czernogoizen bringen auch die Bitte vor, im Innern der Monarchie Arbeit suchen zu dürfen, ha sie der langjährige Krieg jeder Daseins- Möglichkeit in ihrem Heimatland beraubt hat. Diesen wird in geeigneter Form Rechnung getragen werden. Selbstverständlich haben unsere Truppen überhaupt in dem schwer heimyesuchten Lande ein beträchtliches Stück Kulturarbeit zu leisten, vor allem hinsichtlich des Zuschubs an Verpflegung und in sanitärer Beziehung. Wer sich erinnert, wie unsere Soldaten nach der Okkupation Bosniens und 'der Herzegowina glänzend am Werk waren, wird di« Überzeugung haben dürfen, daß auch das Los der Czerna- geizen in guten Händen ist.
Im Rahmen der Patrouillengesechte aus der Nordost-- front verdient ein mit besonderem Schneid durchgeführtes Neitergcfccht «m unteren Styr bervorgchobcn zu werden. Hier warf unsere Kavallerie an Zahl weit überlegene Kräfte zurück.
König Nikita inr Exil.
Br. Lugano, 2. Febr. (Eig. Drcrhtbericht. Zens. Bür.) Der Pariser Berichterstatter des -Corriere della Sera" berichtet von einem Besuch bei König Nikita bei dem frühere^ montenegrinischen ÄinisterpräsiLentcn Miuskowitsch in
