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i s _ -j j Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblalts. > » » >
Nr. 26. Dienstag, I. Kebruar. 1916.
(5. Fortsetzung.)
^Nachdruck derboten.1
Roman von Albert Petersen.
„Es ist angelspannt", riss Momme in beinahe befehlendem Ton. Er war in diesem Augenblick ganz Landmann — die Kühe fraßen am jungen Hafer, da gab es keine Rücksicht auf Frauengeplauder.
Die Gräfin verabschiedete sich schnell.
Der miide Gaul, mit dem Magd und Pflugjunge getrost zum Melken und zur Meierei fahren mochten, stand ruhig vor dem kleinen Wagen, dessen Bock nur für zwei Personen eingerichtet war.
Karola von Adlersfelde hatte keine Zeit zum. Überlegen. Der Koogsinspektor saß schon -mit der Leine in der Hand. Momme half ihr auf den freien Sitz und kletterte selbst hinten auf den Wagen, wo er Hinter der Sitzlehne stehen mußte.
.^Hopphüh, nu gau", rief der ältere Harring dem Gaul zu, der sich unwillig in Bewegung setzte.
Monrme ärgerte sich ein wenig, daß die Fremde die erste Ausfahrt nun gleich mit dem schlechtesten Pferd des Hofes machen mußte, und erklärend sagte er: „Wir nohnien diesen Gaul, weil wir ihn ohne Aufsicht ans der Koppel stehen lassen können."
Sie neigte den schönen Kopf zu ihm zurück und antwortete lächelnd: „Ich glanb's schon, daß Sie noch andere Pferde haben."
Er fühlte sich durchschaut und schwieg verlegen. Aber er «dachte: warte, es trifft sich vielleicht, daß ich dich mal mit unseren beiden Dreijährigen ausfahre, da sollst du was erleben.
Noch immer sickerte ein feiner durchdringender Sprühregen herab. Der Weg war durchweicht, schwer arbeitete sich die alte Stute durch die kübrige Kleie.
Schwermütige Stille lag auf dein Land. Schlechtgelaunt stand 'das Vieh init gesenkten Kopsen dä. Hier - und da auf den Fennen schüttelte ein Pferd ärgerlich die nasse Mähne.
Bei einem Hecktor hielt der Wagen an. Momine sprang vom Gefährt und öffnete die längliche Pforte. Während dann der Wagen über Maulwurfshügel und durch Pfützen in die Fenne rumpelte, schritt er neben der Stute her.
Die Gräfin beobachtete ihn. Hier ist er in seinem Element, dachte sie, wie sehnig stark, wie königlich stolz er «dahergeht.
\ „Wahrhaftig, die Beester sind drüben im Hafer", surrte der Koogsinspektor.
s, Jetzt sah auch die Gräfin, daß im angrenzenden noch grünen Kornfeld einige Kühe sich gütlich taten.
Am Rande der Fenne vor einem Graben hielt der Wagen. Der Koogsinspektor ließ die Leine fallen und sprang auf den glitschigen Boden.
' „Wollen Sie ans dem Wagen bleiben?" fragte er die Gräfin.
> „Wenn ich nicht störe, möchte ich mit."
) Er nickte und half ihr beim Herabsteigen. Momme batte schon ein am Fennenrand liegendes Brett Mer den Graben gelegt und war, ohne sich umzusbhen, auf dieser fdjnmten Brücke zum Hafer selb hinübergeeilt._
Jetzt hatten auch der Koogsinspektor und die Gräfin das Brett erreicht. Sie zögerte einen Augenblick. Itber dieses schmale, nahglatte Ding, dachte sie und warf einen ängstlichen Blick nach dem schmutzigen Grobem Wasser.
fassen Sie mich fest an", sagte der Koogsinspektor, und Hand in Hand schritten sie langsam über den unbequemen Pfad.
Am anderen Ufer hielten sie einen Augenblick an. Warimr kümmerte er — er sich gar nicht um mich, dnrch- fuhr es Karola von Adlersfelde-Falkenhain mit auf- steigendem Zorn. Aber Momme war schon weiter gelaufen.
,/Er zertritt doch das Korn", rief sie.
„Nicht zu ändern, die Beester zertreten und fressen mehr", antwortete der Koogsinspektor achsolzuckend, „schade, wir hätten den Pslugjnngen mitnehmen sollen; es wird schwer sein, die Tier alle zurnckzntrciben."
„Kann ich nicht Pslngjunge spielen?" fragte sie da schnell.
Der Koogsinspektor sah sie überrascht an. Dann lachte er frisch.
„Was ist meine Aufgabe?" fragte sie ernst, als hätte sie eine große Verantwortung auf sich genommen.
„Hier bleiben und mit Hopp und Hüh die Tiere, die wir hierhertreiben, verhindern, daß sie seitlich wieder umkchren."
Eifrig faßte sie Posten.
„Sie können sich darauf verlassen, ich passe auf."
Der ältere Harring folgte seinem Sohn. Sie beschrieben einen großen Bogen, um in den Rücken der noch arglos schmausenden Tiere zu kommen.
Die Gräfin beobachtete die Aiänner. Ihre Wangen glühten, ihre Angen blitzten, das Erlebnis schien ihr nrächtigen Spaß zu bereiten.
Jetzt hatten die Männer ihre Umgehung beendet und schreckten die Tiere mit lautem Händeklatschen ans.
Erst langsam, dann, als die Männer rufend nud armschwenkend näher kamen, immer schneller liefen die jungen Tiere in unbeholfenen Sätzen durch das Korn.
Da versuchte die eine Kuh nach der Seite hin zurückzukehren, lief in langen Sprüngen an den Männern vorbei. Momme hinterher. Eine wilde Jagd, bis er sie Mevholt und gum Umkehren gezwungen hatte.
Mit Spannung hatte Gräfin Karola die Szene verfolgt. Jimner näher kamen jetzt die Tiere. Dann und wann blieb eine Kuh stehen, schien Lust zu verspüren, weiter dem jungen Hafer zuzusprechen, doch das Nahm der folgenden Männer zwang sie zum Weltergehen.
Die vorderste Kuh hatte den Grahenrand erreicht, blickte unmutig zur Grassenile hinMer, lungernd zum HaferfeLd zurück. Und jetzt, als tväre die Versuchung doch zu groß, tat sie einen nrächtigen Sprung und rannte an der Gräfin vorbei zurück. Wer Momme setzte ihr. nach und. trieb sie zurück.
