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Sonntag, FO. Ianuar 1916 .

Morgen«Ausgabe.

Nr. 49. . 64. Jahrgang.

Die Siegerbeute in Montenegro.

Ein verlustreich abgeschlagener russischer Vorstost am Dnjestr. Alessio und San Giovanni di Medua tatsächlich bereits besetzt. Unverändert ruhige Lage in Montenegro.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 29. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 29. Januar, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die Brückcnschanze nordwestlich von Usvicszko am Dnjestr wurde heute früh heftig augegriffen. Die tapfere Besatzung schlug den Feind zurück. Das Vor­feld ist mit russischen Leichen besät, über der Strypafront erschien gestern ein feindliches Flug zeuggeschwader. Von den 11 russischen Flug zeugen wurden 2 durch Artillcricvolltreffer vernichtet, zur Notlandung hinter den feindlichen Linien gezwungen. Bei Berestiani am Stvr schlug unsere Feldwache Vorstöste stärkerer russischer Aufklärungs­abteilungen zurück.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unsere Truppen haben Alessio und den Adria­hafen San Giovanni di Medua besetzt. Es wurden viele Vorräte erbeutet.

In Montenegro ist die Lage n n v e r ä n d e r t ruhig. Aus verschiedenen Orten des Landes kommt die Meldung, dast die Bevölkerung unseren ein­rückenden Truppen einen feierlichen Empfang bereitet hat. An Waffen wurden bis jetzt, die Lowtschenbeute mit eingerechnet, bei den Hauptsammcl- stellen eingebracht: 314 Geschütze, 50000 Gc- wehre und 5 0 M a s ch i n e n g e w e h r c. Die Zählung rst noch nicht abgeschlossen. ^

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs:

» v. Höfcr, Feldmarschallentnant.

Die 78. Uriegswoche.

Von unserem militärischen Mitarbeiter.

^ . Entgegen allen Wünschen und Hoffnungen unsere Feinde ist Montenegro endgültig aus ihrem Ringe aus getreten und stcht jetzt int Begriff,, seine künftige poli trsche Gestaltung durch unseren Bundesgenossen zu er halten. Elf Tage hat es ran gedauert, vom 23. Januar als König Nikita um die Einstellung der Feindselig keiten bat, bis zum 24. desselben Monats, dem Tage bei endgültigen Unterzeichnung der gemeinsamen Verein varung über dre Waffenstreckung durch die montenegri urschen Regrerungsvertreter nirt denjenigen Österreich Ungarns. Unser Bundesgenosse handelte sehr zweck inäßig daran, wenn er deri Entschluß der Montenegrini scheu Regierung zmn baldigen Frieden noch dadurck stärkte, daß er im raschen Laufe die wichtigsten Städsi des Landes auf der Ost- und beseite besetzte, daß ei dem Feinde an der Klinge blieb und von der aU>ani scheu Hauptstadt Skutari Besitz ergriff. Mt reißen^ d c r S ch n e l t i g k e i t besetzten die Heere unseres Bundesgenossen im engeil Zusammenwirken mit seine: Fl ° t t e dre Adria-Hasenplätze Dnlligno, Antivari W iUeffto. Nach den neuesten Meldungen ist auch .der Hafen San Giovanni di Medua in österreichischen Be­sitz bererts übergegangen. Hierdurch wurde auch die letzte Phystfche und moralische Wrderstandskrast Monte- negros gebrochen, dies überzeugte auch die am meisten verhetzten Starrköpfe von der llnvesiegbarkeit der öster­reichisch-ungarischen , Waffen. Unsere Feinde erwar- icten mrt GÄvrßhelt, daß die Befestigungen von Skutarr längere Zeit den Verfolger aufhalten wür­den. Sie glaubten solange Zeit zu gewinnen, bis die Trümmer des montenegrinischen, - serbischen Heeres und dm Landungstruppen Italiens in der Lage waren, er­zreich dem ^werteren Vordringen Einhalt zu tun. Die fountt eine gr-oße neue Hoffnung anfgetöen müssen. Die Militärische Arbeit in Monte­negro ift endgültig beendet. Die Bevölkerung zeigte sich an den meist«! Platzen dem Eroberer gegenüber durchaus freundlich und trug dadurch indirekt dazu bei daß dre Ltzrfolgung nicht einen Augenblick verzögert werden brauchte. In geradezu vorbildlicher Weise Ichen wir den General K o e v e ß die militärischen Er­folge, die er in Montenegro errang, zu seinen Gunsten weiter ausnutzen und den Krieg über Nordalbanien hinaus in das Innere des Landes hineintragen Sein Schwert bereitete den Boden vor, ans welchem letzt die Diplomaten Österreich-Ungarns erfolgreiche Ar­beit leisten können. König Niktta übertrug die Re- gierungsvollmacht an dm Prinzen Mirko und mehrere

Staatsminister seines Landes. Dem kleinen König­reich wird es gewiß nicht zum Schaden gereichen, daß es als erstes die Überlegenheit der Mittelmächte aner­kannte und seinem ersten Entschluß vom 13. Januar, frieden zu schließen, treu geblieben ist. Der Aufent- hall des Königs auf französischem Baden wird dabei ebenso wenig Einfluß gewinnen aus die künftige politische Stellung Montenegros wie es in mili- tärischer Hinsicht Bedeutung gehabt hätte. Die österreichische Offensive nähert sich immer mchr den: albanischen Haupthafenplatz Durazzo und schr bald wird sich auch die bulgarische Einwirkung von Osten und Südostcn aus bemerkbar machen. Italien hat voll erkannt, welche Bedeutung der österreichisch- ungarische Sieg für seine Stellung in der östlichen Adria und in Albanien hat. Noch am 22. Januar ver­kündeten Italiens Staatsmänner, daß Albanien um jeden Preis girren Interessen nutzbar gemacht wer­den müsse und glaubte durch eine spätere Offensive in östlicher Richtung Einwirkung zu gewinnen auf einen Angriff der Entente von Saloniki aus gegen die Mittelmächte. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Eng­land eine derartige Offensive von Italien verlangt hat, da es auch die Mittel besitzt, seinen Forderungen Gehör zu verschaffen. Österreich-Ungarns blitzschnelle Offensive beginnt einen dicken Strich zu machen durch diese Ententepläne. Ein plötzlich zusammengerusener Mmlsterrat von Italiens Staatsmännern am 26. Jan. dürfte sich mit dieser veränderten Situation voraus­sichtlich befaßt haben. Zur Stunde wissen wir noch nicht, in welchem Sinne die Entscheidung ausgefallen ist. >ztaliens Verantwortliche Staatsmänner treiben ein ge­fährliches Spiel mit der Duldsamkeit des ihnen anvcr- trauten Volkes. Das erste Kriegsziel, die Eroberung von Triest und Trient, wurde trotz vier großer Offen- siven nicht erreicht. Salandra tröstete das enttäuschte Volk mit den Eüverbungen in der östlichen Adria, dom zweiten Kriegsziete Italiens. Es wird sich schr bald entscheiden, ob Italiens Staatsmänner gewillt sind und die Verantwortung dafür tragen wollen, noue schwere Blutopfer dem ermatteten Staatskörpcr auszu­bürden. Gibt Italien das albanische Abenteuer ans, so müssen sich seine Woge endgültig von denen der En­tente trennen. Italiens Schicksalsstunde naht mit Riesenschritten heran.

. Die Ereignisse vor Saloniki behalten auch weiterhin ihren starren Charakter. Die Entente hofft noch immer auf einen baldigen Angriff der Mittelmächte, und chenso auf den gewaltsam erzwungenen Beitritt Griechenlands in ihre Reihen. Vielleicht bereichern sie beide das ohnehin schon übervolle Maß begrabener Entente-Hoffnungen. '

Gegensatz zu den früheren Kriogswochen zeigi die zurückliegende eine besonders lobhafte Tätigkeit ar unserer Westfront, insbesondere aus dem nörl lichen Abschnitt, welcher an die Nordsee herar reicht. An allen Tagen herrschte eine außerordentlii lobhafte Artillerie- und Fliegertätigkeit. Mehrfach bl ichoß unsere Artillerie wichtige Eisenbahnknotenpunkt hinter der englrfch-belgffchen Front. Me Franzose meldeten, daß am 24. Januar 20 000 Granaten von un auf die Yfermündung bei Nicuport geworfen wurdet vitt dem alten Kampfräume um Ypern machten wir ar 21. erfolgreiche Minensprengungen. Weiter südlich b« gannen unsere Truppen mit dem 22. eine mehrtägig Offensive gegen die französischen Stellungen bei Neu ville. Der Erfolg bestand in einer Eroberun Euerer französischer Linien in einer Ausdehnung vo: rund 1000 Meter, tn der Erbeutung von 6 Maschinen gcwehren und 3 Minenwerfern, sowie über 100 Mani Gefangenen. Mehrfach versuchen die Franzosen de, Gewinn uns wieder zu entreißen. Alle Gegenangriff blieben erfolglos. Das R e f u l t a t der letztägiae, Kampfe vor unserer nördlichen Westfront besteht nebei dem ansehnlichen Geländegewinn in einer empfind 1 1 chen-Schädigung der rückwärtigen Linien un serer Feinde. Ob und welchen Zwecken diese erfreu lrchen Erfolge dienen sollen, ist zur Stunde noch nich klar ersichtlich. Sie beweisen jedenfalls, daß die fran »fischen Stellungen für uns n i ch t u n e i n n e f> m b a • lsnd und daß der deutsche Hiev jedesmal qründliö sitzt. Beachtenswert ist der Umstand, daß be Neuvilie und hart westlich davon die Trennunas inre Mischen der englischen und sranzösi s ch e n F r o n t sich befindet. An den übrigen Front teilen rst erwähnenswert die Beschießung von Nanzsi sowie kleinere Kämpfe in den Argonnen.

Auf dem ö st l i ch e n Kriegsschauplatz fanden vor der deutschen Limen keine besonderen Ereignisse statt. Dil Russen wurden an einzelnen Stellen, wo sie einen An grrsf versuchten mühelos abgeftuefen. Me g ew-a l ^gen Angriffe der Russen gegen den Südflüge der deutsch-österreichisch-ungarischen Front haben sicht n ßc&<?rfaffen. Die mehrtägige Kuinrp-fpause, tun ausgefullt mit heftigen Artilleriekämpfen, beweist hin

reichend, wie schwer die russischen Angriffskolonnen bluten mußten. Die russische Heeresleitung scheint erkannt zu haben, daß eine Durchbrechung der österreichisch-ungarischen Linien im Raume östlich von Dschernowitz und ebenso eine Einwirkung auf die Hal­tung Rumäniens nicht mehr möglich ist. Die tapferen Verteidiger der Bukowina-Front können voller Stolz auf die Erfolge ihres zähen Aus­haltens zurückblicken.

An der italienischen Front unternahmen un­sere früheren Bundesgenossen keine neuen Versuche, die Jsonzofront zu durchbrechen. Fast 6 Wochen lang verharren sie hier bereits in ihrer Untätigkeit. Diese Schwäche hat die Heeresleitung unsetes Verbündeten mit klarem Blick erkannt und sich zu nutze gemacht. In der Nähe des Görzer Brückenkopfes unternahmen un­sere tapferen Bundesgenossen einen Teilangrisf gegen die Höhen von Oslavija und machten hierbei fast 1 2 0 0 Italiener zu Gefangenen. Dieser Erfolg verdient unsere vollste Beachtung, denn er zeigt auf der einen Seite, daß unser wackerer Bundesgenosse nichts von seinem Offensivgeist eingebüßt hat, und er beweist auf feiten unserer Gegner, daß seine Zähigkeit nicht mchr diejenige früherer Tage ist.

Im Orient gestaltete sich die Kriegslage auf allen Kriegsschauplätzen für unseren türkischen Bun­desgenossen durchaus g ü n st i g. Alle Versuche, die bei Kut-el-Amara eingeschlossenen Engländer zu ent­setzen, waren vergeblich. Die persischen Stämme beginnen auch, sich zu sammeln und gegen ihre Bedrücker loszuschlagen. Im Kaukasusgebiet ist die russische Offensive gegen die Festung Erzerum ebenfalls versandet. In Südarabien ist Groß­britanniens militärische Lage in der Gegend von Aden ebenso wenig aussichtsvoll. In Agyp t e n denkt Eng­land ebenfalls daran sich mit allen Mitteln gegen einen Angriff aus östlicher Richtung vorzubereiten. Die zu­rückliegende Kriegswoche brachte uns auch erfreuliche Erfolge auf dem westlichen Balkan, zeigte aber in keiner Weise, ob die Lage um Saloniki eine Ver­änderung erfahren wird. Bemerkenswerter er- scheinen die Vorgänge auf dem westlichen Kriegs­schauplatz, auch wenn die Franzosen behaupten, den Gc- ländeverlust größtenteils wieder eingebracht zu haben

M.

Nach Naher; Geburtstag.

Neue Herrenhausmitglieber.

Er. Berlin, 29. Jan. (Eig. Drahtberich't. Jens. Btn.) Zum Geburtstag des Kaisers sind folgende Persönlichkeiten in das Herrenhaus berufen worden: Kardinalerzbischof Dr. jnr. v. Hartmann (Köln), Fürstbischof Dr. Adolf Bertram (Breslau), der Präsident des evangelischen Ober­kirchenrats Dr. Voigts, Generalsuperintendent a. D. H e s e k r e l (Werningerodc), Klosterpropst Reichsgraf von Platen-Hallermund, Fidetkommißbesitzer Graf von Waldersee auf Watern-Everstorff bei Pauker im Kreis Plön, Geh. Kommerzienrat v. Frledländer-Fould (Berlin), Dr. pihil. Karl v. Martins (Berlin) und Kommer- zircnrat Generaldirektor Dr.-Jng. Friedrich Springorum (Dortmund).

Der Kaiser an den König von Sachsen. '

W. T.-B. Dresden, 29.. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbe- richt.) Auf das ^ Glückwunschtelegramm des Königs an den Kaiser anläßlich seines Geburtstages ist nachstchenbe Ant­wort eingegangen: „Seiner Majestät dem König von Sachsen ■ Dresden. Empfange meinen wärmsten Dank für Deine srelundlichen Glückwünsche. Wir können Gott n-cht genug preisen, der im vergangenen Lebensjahr unser Vaterland vor feindlicher Übermacht so wunderbar gerettet hat und unseren Waffen Kraft und Sieg verlieh. Er lvird sein deutsches Volk nicht verlassen und ihm für alle Treue und Opferwilligkeit djen ersehnten Lobn nicht vorem- halten. - Wilhelm.'

Des Kaisers Antwort an die bulgarische Sobranje.

W- T.-B. Sofia, 29. Jan. (Nichtamtlich. Drlahtbericht.) Auf sein Glückwunschtelegramm erhielt der Vizepräsident der Sobranje, Montschilow, folgende Antwort: „Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Glückwünsche anläßlich meines Ge­burtstages. Möge die Gnade Gottes Jhve Wünsche für den Ruhm Deutschlands und seiner Verbündeten erhören. W i l h e l m." — Das Blatt „Dneivnik" bemerkt daz.i: Die rasche Antwort des Kaisers beweist die st a r k e S h m p a t h i e des Kaisers für alles, was bulgarisch ist. Die Kund­gebung wird jeden Bulgaren erfwuen.

Die Feier in Damaskus.

Konstentinopel, 29. Jan. Unter dem E-Hrenvorsitz des Chefs der 4. Armee wurde Kaisers Geburtstag in Damaskus durch Eintreibung des türkisch-deutschen Klubs ge­feiert. Zweiter Ehrenvorsitzender ist der Mali von Damaskus und der dritte der deutsche Konsul. Geschastsfichrender Vor­sitzender Lewfik-Bei, Ingenieur >der Hedschasbah.n. Zweck