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Der Roman

äi Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagbiatts.

Nr. 22.

Donnerstag, 27. Januar.

1916.

(1. Fortsetzung.)

Die k^alliggrafin.

Roman von Albert Petersen.

(Nachdruck verboten.!

Der junge Friese beschleunigte seinen Schritt, wäh­rend er nach der Unterredung zur Geest hinüberging..

Hinter den Inseln und Willigen war inzwischen die Sonne untergegangen. Nebclstreifen und -schichten lagen über den Fennen. Don Osten her kroch die Däm­Petrea Tychsen stand noch an der Gartenpforte und blickte nach der Marsch hinunter. Jetzt hatte sie den Ankommenden bemerkt und schritt durch den Garten ms Haus zurück: er sollte nicht erraten, daß sie auf sem Korninen gewartet hatte.

Syssel hatte gerade das blauweiße Wachstuch über den Tisch gedeckt, in der Mitte dampsie einladend die Kmnme mit Buchwenenorütze. Teller und Löffel lagen bereit. ' ,, .

Schon fertig?" fronte Petrea scheinbar ruhig, und mit einein langen Blick auf den Tisch,du hast ja für fünf gedeckt? Erwartest du semaick?"

Vielleicht' kommt ja Mumme Harrrng, sagte Syssel lächelird und sah die Schwester an.

Ach. du" ,, r *r t ..

,Mun, Petrea. wenn ich nickt ösfentlick verlobt Ware,

könnte er tckließssich sa auch meinetwegen komnien. Aber jetzt. Ach, De»rn. tu dock nicht so. du tveißt ja selbst, warum er kommt."

Petrea fühlte, daß ihre Wannen brannten. Hastig entgegnete sie:Ja das weih ick: er kommt, um mit Uwe zu sprechen. Er bat dock selbst erzählt, daß er sich eine Stelle auf der Geest packten möchte."

Die Marschbauern sollten in der Marsch bleiben."

Wer sein Vater hat vier Söhne, von denen drei sich anderswo ihr Feld suchen müssen. und Atom-me ist

der jüngste." t . .

,/Dann sollte er beim Vater blecken, bis die anderen sich irgendwo festgesetzt haben."

Hat Momme nicht eher das Zeug, selbst Herr zu sein, als seine Brüder", rief Petrea eifrig.

Petrea Deern wie du ihn verteidigst.

IWas wcchr ist. ist wahr, Syssel." s Die andere lachte.

Dann horchten die beiden Mädchen. Dom Hofe her drangen Stimmen.

Da ist er schon", flüsterte Syssel. ,

Petrea antwortete nicht, sondern machte sich beim Hevdfeur zu schaffen. . v _

Die Männer traten ein. Voran der alte Tyckisen, hinter ihm sein Sohne und Momme Harring.

Der Marsckienfrie.se begrüßte die Dtädchen mit schlichter Herzlichkeit und Svssel sagte: .Sich. Momme, tch ahnte, daß du kommen würdest, ich habe für dich ge­deckt."

Ohne Ziererei setzte er sich mit der Familie an den

Lisch.

Was war das sür'n Spannwerk, das vochln auf fcem Wege hielt. Petrea?" fragte der Bruder, «ich spannte gerade die Braunen aus."

Ach die fragten nach dem Weg zumTanze-cken

Seehund." .. ..... *

Tanzender Seehund", warf Moni-me verächtlich tttt, alberner ytome. Früher hieß Meggers WlrtsckM ein. fach Deichkrug nnd jeder wußte Bescheid. Aber seit er gebaut hat und dann und wann Fremde da komnien

Ja. ja", lachte der alte Tychsen und fuhr mit der breiten, verarbeiteten Hand über das starkknochige, hagere Gesicht,ich fürchte, der will uns Elnhenmichen bald keinen Teepunsch mehr schenken."

Zwanzig Pfennig nimmt er jetzt schon, meinte Uwe,aber was für ein Mädel war s im Wagen?

Mädel? 'ne Dame, verstehst du, lifioc, eure Dame , Lachte Momme. und als er bemerkte, 'daß Petrea ihn fragend ansah, fuhr er fort,sie hielt mich unterwegs auch an, fragte allerlei Zeug."

Eine Gräfin ist sie", sagte letzt Petrea.will sich wohl nur mal die Gegend gnsehen."

Haben wohl nichts Besseres Mt tun, solche Leute, rief Syssel,aber soll ich eilch einen Punsch brauen, Vater?"

Der alte Tychsen nickte.

Das Gespräch nahm eine aridere Wendung. Man unterhielt sich über den Stand der Meethe uiid des Korns, über die Gräserei und den geplanten Chaussee.

Moimne erzählte init geheimem Blick zu Petrea hin- über, daß er Aussicht habe, bei Leck einen mittleren Geesthof pachten Ml können. .

Grat'lier", sagte Syssel Mimisch,dann foylt ja aber die Bäuerin." ...»

Die fehlt", erwiderte Momme ernst,wemgstetis jetzt noch fehlt sie."

Und für einen Augenblick trafen sich Petreas und Momme Harrings Auaen, ganz kurz, blitzschiiell nur,

' aber in diesem Augenblick hatten beide einander der», raten, daß sie sich liebten.

Zu einer Aussprache kann cs zwischen den Lecken nicht an diesenr Abend.

Als Tycho Tychsen nach einer Weile aufstand und sagte:Deerns, marsch ins Bett, nwrgen sind wir vor der Sonne hock)", verabschiedete sich der Gast.

Uwe begleitete ihn noch ein Stück Wegs.

Der Mond war grünlichweitz aufgegangen, übcrgotz das schlumniernde Land mit blassem Glanz und zeich- netze die Sck>atten der Wälle, Knicks und Hecktorpfähle mit scharfen Rändern.

Der junge Tychsen war für zwei, Augusiwochcn zu einer Reiserveübung einberufen, und die beiden vlauder» ten iiber Kommißerlebnisse.

Auf der Grenze zwischen Marsch und Geest trennten sie sich. Uwe kehrte auf dem Saudweqe zurück, Momme schritt rüstig durch den reg- und leblosen Koog.

Die Sterne blitzten am wolkenlosen Himmel. Dann uick wann zog wie fernes Wetterleuchten ein plötzlicher Schein von Westen her von den Leuchttüvmen der Inseln.