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Donnerstag» 27. Januar 1916. FH)CltÖ s £lUSC}£tb£*

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Fernspr.: Amt tzow 6202 «. 6303. Tagen und Pl-tzn^wirv^n n-^

Nr. 44. . 64. Jahrgang.

Ein neuer Erfolg bei Neuville.

Westende von feindlicher Schiffsartillerie beschossen. Handgranatenkämpfe. Er­höhte Artillerietätigkeit in den Argonncn.

Der Tagesbericht vom 27. Januar.

VV. T.-B. Großes Hauptquartier, 27. Januar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

In Verbindung mit einer Beschießung unserer Stellun­gen im Dinncngcläude durch die feindliche Landartillerie be­legten feindliche Monitore die Gegend von West ende mit ergebnislosem Feuer.

Beiderseits der Straße Bimy-Neuvillc stürmten unsere Truppen nach vorangegangener Sprengung die fran­zösische Stellung in einer Ausdehnung von 50» bis »0» Metern, machten 1 Offizier, 52 Mann zu Gefangenen und erbeuteten 1 Maschinengewehr sowie 3 Mincnwerfer. Nach fruchtlosen Gegenangriffen des Feindes entspannen sich hier und an anderen in den lebten Tagen er­oberten Gräben lebhafte Handgranaten kämpfe.

Tie Stadt LcnS lag unter starkem feindlichen Feuer. In den Argonncn zeitweise heftige Artilleriekämpfc.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Abgesehen von erfolgreichen Unternehmungen kleinerer deutscher und österreichisch-ungarischer Abteilungen bei der Heeresgruppe des Generals v. Linsingen ist nichts von Be­deutung zu berichten.

Balkankriegsschauplatz.

Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.

Bulgariens Begeisterung für den deutschen Baiser.

Eine Unterredung mit dem bulgarischen Gesandten.

Berlin, 27. Jan. (Ei-g. Drahtbericht. Zens. Bin.) Unser Berliner L-Mitarbeiter halle eine Unterredung mit dem bulgarischen Gesandten R i z o w in Berlin über die Lage auf dem Balkan. Die Untertebuna. ging von dem Besuch des d e u t s ch e n Kaisers ut Nrsch aus. Der Gesandte bemerkte daM:

Wohl noch niemals hat ein Herrscher so schnell die Herzen eines Volkes gewonnen tote der deutsche Kaiser jetzt bei den Bttlgaren. Dos ganze Volk ist einfach erst­zückt und begeistert von Kaiser Wilhelm. Da herrscht nur eine Stimme. Wilhelm II. hat es verstanden, zu den Herzen der Bulgaren zir sprechen, und zwei Völker, die so weit voneinander entfernt wohnen und sich bisher kaum kannten, sind das kann man wohl sagen heute Freunde geworden..

Mit Österreich-Ungarn lvaren wir schon lange befreundet. Die Wiener Regierung batte sich unserer zuletzt besonders im Balkankriege angenommen und gegen den Bukarester Vertrag p r o t c st i e r t, weil er uns zu sehr schädigte. Deutschland dagegen hatte sich bei den damaligen Verhandlungen auf die Seite der Griechen gestellt und ihnen den Hasen Katoalla mit dem Hinterlande verschafft. Das war uns damals peinlich gewesen. Aber jetzt ist dieser Mißklang völlig beseitigt. Die Hochherzigkeit des deutschen Kaisers hat das völlig vergessen lassen. Er hat uns sämtliche Beute, welche die deutschen Truppen in Serbien ge- macht haben, geschcnkr. Diese Beute war sehr groß. Über 300 Kanonen, zahllose Maschinengewehre. Zehn- tausende von Gewehren, Unmengen von Munition, Train, Krankenwagen und Sanitätsmateriol. Alles zu­sammen hat vielleicht einen Wert von 30 bis 40 Millio­nen Mark. Dieses hochherzige Geschenk hat bei uns einen gewaltigen Eindruck gemacht. Das meiste der Beute ist im weiteren Verlauf des Krieges noch zu ver­wenden. Das andere wird untere M u s e e n und A r- senale zieren. Der Vierverband hat bisher nur immer etwas von den Balkanfkaaten holen wollen.

Einen sehr guten Eindruck machte cs auch, daß der Kaiser den Führer der mazedonischen Fre i- scharen ausgezeichnet hat. Denn allen Bulgaren ist Mazedonien ans Herz gewachsen. Wir befürchteten aber, der Kaiser würde aus Sympathien für Griechen­land die Mazedonier weniger beachten. Man kann zu­verlässig behaupten, daß setzt Bulgariens freundschaft­liche Gesinnung für die Zentralmächte gesichert ist. Die politischen Beziehungen Bulgariens zu Rußland sind völlig durchschnitten, gerade auch bei der rnsso- philen Partei. Rur moralische Beziehungen M sitzuß- land sind noch bei vielen Bulgaren vorhanden auf Grund der früheren Verdienste der Zaren.

Das Gespräch sprang dann aus die .Haltung Grie­ch enlands über. Ich fragte Seine Erzellenz:Was wird Griechenland tun?" Seine Erzellenz sagte: Das kann ich natürlich nicht wissen. Aber ich fürchte, die Entente wird wohl nicht eher locker lassen, als bis sie

Griechenland gefügig gemacht hat. Lw hat ia ine verschiedensten Mittel in der Hand, um einen Druck auszuüben. Sie hält die Zufuhr so lange kurz, bis Griechenland ihr zu Willen sein dürste. Die B e nr- zclosPartei andererseits wird schon die Stimmung unter Umständen durch kleine E m p ö r u n gen vor­bereiten. König Konstanti n hak es jetzt vermie­den, an der Eröffnung der Kammer teilzunehmen und die Thronrede zu halten, wahrscheiistich aus einer ge­wissen Furcht vor eincni Attentat. Vemzelos aber ist zurzeit in Saloniki, _ Wenn^ etwas Phsßert, dann kann er sagen, daß er weit vom Schuß gcwewn ist. Möglich wäre auch, daß der König flieh t. Jeden- älls kann man schon heute sehen, daß die Entente selbst an den Grundfesten dieses Staates rüttelt, um ihren Willen durchzusetzen. Vielleicht nutzt die Entente auch den Umstand aus, daß bulgarische Truppen jetzt gegen Dalo na marschieren, aus das Griechenland einen gewissen Anspruch erhebt. Wir wollen allerdings dort nur die Italiener vertreiben.

Jedenfalls ist der D i e r b u n d heute so stark, um äußerstenfalls auch G r i e ch e n I a n d z u s a m in e n mitten Truppen der Entente zu bewältigen. Außer unseren Truppen mrd den österreichisch-ungari­schen haben wir noch die deutscheii und sogar türkische im Hintergrund.

Ich warf dann ein. es sei schade gewesen, daß die Truppen desDterbundes dieEntentetruppen nicht sofort angegriffen hätten, als sie aus Mazedonien nach Salo- niki zurücksluteten, denn damals wäre es leicht gewesen, die Truppen der Entente ins Meer zu werfen. Exzellenz ober toar anderer Meinung. Damals wären die bul­garischen Truppen vor Saloniki noch nicht so zahlreich gewesen, und die türkischen Truppen hätten noch nicht in der Reserve gestanden. Ferner hätten die Bul­garen die griechischen Truppen schon damals gegen sich gehabt. So hat sich in den letzten Wochen heransgestellt, wie schändlich die Entente mit einem Kleinstaat wie Griechenland umspringt. Diese Erfcchrrmg ist auch etwa? wert.

*

Aleffio besetzt.

W. T. B. Bern, 27. Jan. (Nichtamtlich. Drahitbericht.) DieIdee. Nazionale" meldet: Die Österreicher besetzten

gestern früh mit starken Abteilungen Nlessio und sollen bereits bis zum JSmi-Fluß vorgcstoßen fein.

Weffto liegt bereits weit im albanischen Gebiet, südlich von Skutari rmd südöstlich von dem ebenfalls besetzten San Giovanni di Medua, mit dem es durch Eisenbahn verbunden ist. Es dürste afto nicht mehr allzu lange währen, bis auch das nur 4» Kilometer südlicher gelegene Terrazzo, der Haupt- ausgangspunkt der feindlichen Expedition«!, erreicht ist.

Prinz Mirko und 3 montenegrinische Minister bei den Österreichern.

P»r. Berlin, 27. Jan. (Erg. Drahtbericht. Zens. Bln.) Über Wien lassen sich verschiedene Blätter melden: Prinz Mirko von Montenegro und drei monte­negrinische Minister befinden sich in Podgoritza in­mitten der österreichisch-ungarischen Truppen. Prinz Mirko war cs auch, der sich an die österreichischen Kom­mandanten wandte, um ihr Einschreiten gegen die in Podgoritza entstandenen Raufereien zwischen Monte­negrinern und Albanesen zu veranlassen. Weder Prinz Mirko noch die drei montenegrinischen Minister, die in Fühlung mit den österreichischen Kommandanten stehen, haben mit einem Wort angcdcutct, daß sich in der Situation etwas geändert habe.

Bisher bestanden Zweifel, ob es nach der Flucht de§ Königs, des Kronprinzen und des Ministerpräsidenten noch montenegrinische Stellen gäbe, die verant­wortlich gegenüber der österreichisch-ungarischen Heeresleitung und Regierung auftreten könnten. Jetzt erfahren wir. daß der österreichsreuublich aesinnte Mirko nebst drei Ministern sich inuütten der östereichisch-nn- garischen Truppen befindet und so wabrscheürlich auch von seiner Seite die Wancnstrcckung der Montenegriner leitet. Er dürfte cs wohl auch gewesen sein, der die im gestrigen österreichrsch-unaarischen Tagesbericht gemel­dete Unterzeichnung der Waffenstreckung als Be­vollmächtigter seiner Regierung vollzogen hat.

Der montenegrinische Ministerpräsident über die Waffenstrekkung.

Eine Verwahrung gegen Beleidigungen.

W. T.-B. Lyon, 27. Jan. (Nichtamtlich. Agence Hcwas.) Der König von Montenegro empfing französische uni, ausländische Journalisten und drückte ihnen sein Bedauern aus, sich auS Gesundheitsrücksichten nicht lange mit ihnen unterhalten zu können. Der Minister des Äußern werde ihnen Angaben über die letzten Ereignisse inachen. M t v. 5 = kowitsch gab daraus eine vollständige Darstellung von diesen Ereignissen. Er erklärte, die montenegrinische Armee Hobe mehr als ihre Pflicht getan, und habe nur der Überzahl und aus Mangel an Lebensmitteln und Munition nach- gegebeu. Der Minister erhob energischen Einspruch

gegen die Pressemeldungen wegen Verhandlungen zwischen -Österreich und Montenegro und ichlotz: Wrr rcu,en alles geopfert, .um die Verpflichtungen gegen die All) r er reu zu halten, da? Leben unserer Soldaten, sogar mpor -and. Mein möge wenigstens nicht unsere Ehre autasten.

iuv Unterzeichnung der montenegrinischen Waffenstrerkung.

Andrejevica und Kolasrlsim erreicht. Flieger über Turazzo.

Br. Berlin, 27. Jan. lEig. Dcahlbericht. Zms. Bln.) Aus dem k. k. KrieaSpoessequartier wird demB. T. unter deni 26. Jan. berichtet: Die Vereinbarung über die Wapsen- stvcckunq Montenegros wurde am 25. Jan., um 6 Uhr nach- mittags, von dem Bevollmächtigten der montenegrmpchen Regierung unterzeichnet. Andrejevica und Kolcrschrm wur­den erreicht. Unsere Flieger bewarfen die femdsichen Lagerplätze und die Hafenanlagen in Durazzo mi. Vomocn.

Prinz Mirko Regent von Montenegro.

Genf, 27. Jan. (Zens. Mn.)Corriere della Sera" er- HM eine Drahtnachricht aus Nom. wonach hmsichtbch der Laoe, in der sich Montenegro befindet, und ioelche Haftung man hierzu einzunehmen habe, vollständrge Verwirrung herrscht. Jedenfalls überwiege die allgemern pofttt,che und Militärisiche Anarchie. Alle Staatsgewalt sei äuge,Euch in den .Händen des Prinzen Mirko, der als Regent smraieoe.' Deshalb dürfe man nicht vergessen, daß der Prinz n dieser Eigenschaft auch besugt sei, mit sreMben Mach.cn

Die Zuflucht der montenegrinischen Heeresreste.

Rotterdam, 27. Jw-a. (Zens. Bln.) Wie ans Paris gedrahtet wird, sagen die BlätterL'Oeuvre" undfectax : Die Reste der montenegrinischen Armee muffen, falls ihnen die Flucht gelingen sollte, nach Saloniki kommen. Albanien sei bedeutungslos.

Wichtige Verhandlungen zwischen Griechen­land und Bulgarien.

Stockholm, 27. Jan. (Zens. Bln.)Rsetsch" meldet aus bester Quelle, daß augenblicklich wichtige Verhandlungen zwi­schen Bulgarien und Griechenland stattsinden. Das Ziel der Bulgaren ist. über E l b a s a n nach Durazzo und B a l o n a vorzudriMen. In italienischen militärischen Krei­sen wird das Vordringen der Bulgaven gegen Balona und Durazzo mit größter Beunruhigung verfolgt.

Die neuen bulgarischen Berwaltungsgebietc.

W T -B. Sofia, 27. Jan. (Nichtamtlich. Drahtberrcht.) Don dem Vertreter des W. T.-B. wird gemeldet: Die neuen GMiete find in folaende Kreise uite Bezirke eingekeilt: Die Kreise Bitalia, Jstiv, Kumanowo und Ochrida mit den Be- W«»en Ochrida, Dibra, Strouga; ferner dre Kreise Siop.ie, Petowo >und Kavaidartzr m!il den Bezirken Kaoadartzi, Totran, Gewg«ft und Negotin; schließlich die Kreise Risch, Poschare- vatz/ Kuprya, Knrsevac, Pirat, Vranja, Nedotin-Donau< Zajezar und Pristina.

Weitere Einschnürung der griechischen Bewegungsfreiheit.

Die türkisch-griechiscken Verbindungen aufgehoben.

Sr. Berlin, 27. Jan. (Eig. Drahiüericht. Zens. Bln.) Wie derBoss. Ztg." aus Konstantinoyel von gestern gemeldet w-rd. seien seit drei Tagen alle Verbindungen mit Griechen­land unterbrochen. Eine maßgebende Persönlichkeit, die anS Sofia eintraf, habe versichert, daß man sich auch dort nicht der geringsten Täuschung darüber hingebe, daß die B e - wegungSfreiheit Griechenlands aufgehoben sei.

Ein weitläufiges englisches Spionagenetz in Saloniki.

Die Haltung Griechenlands gegenüber dem Bierverdand. Sr. Zürich, 27. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Die Schweizerische TelLgrapheuinsorniatioii meldet: Die

Anzeige eines den: Generalstab zugeteilten griechischen Fähnrichs, der von Entontoagenten aufgcfordert worden war, gewisse vertrauliche Dokumente zu beschaffen, führte zur Aufdeckung eines ausgedehnten Spionage- netzes, an dessen Spitze ein britischer Gmeralstabshrupt- mann in Saloniki stand. Die Affäre erregt großes Aufseherr. Bisher wurden in Athen vier städtische Beamte als Mitschuldige verhaltet. Die griechische Regierung beabsichtigt die Beröffentlichuna der diplomatischen ALenstücke über die jüngsten Ereigniffe, wodurch die .Haftung GriechenlauÄH geaenüber der Entente klar gelegt wird.

Dev Nvieg dev Türkei.

Der amtliche türkische Bericht.

W. T.-B. Konstantinvpcl, 27. Jan. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Bericht des Hauptquartiers: An der Kaukasus­front in der Mitte außer Borpostengefechten nichts von Bedeutung. Nördlich vom Nauradflusse dauerten gestern die Zusammenstöße zwischen unseren Abtcilungcn nnd feindlicher Kavallerie in gleicher Weise fort. An andere^ Fronten keine Veränderung. «r