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Donnerstag» 27. Ianuar 1916.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 43. . 64. Jahrgang.
Dem Kaiser!
Wir feiern den Geburtstag des Kaisers auch in diesem Kriegsjahre in e r n st e r, aber gehobener Stimmung. Alle die Festlichkeiten, die wir sonst mit diesem Tage zu verbinden pflegten, sind auf Wunsch des Kaisers und aus unserem eigenen Empfinden heraus wiederum in Wegfall gekommen, und wir gedenken des Kaisers Geburtstag mitten in der Arbeit ohne Unterbrechung unserer für Staat und Familie nützlichen Tätigkeit.
Wer diese feftlose Feier ist die beste Feier. In ihr tverden wir der Persönlichkeit des Kaisers, seinen Wünschen und seinem Wesen am besten gerecht. Prunklos und schlicht, so will er jetzt mitten unter seinem Volke stechen; die Zeit, wo die eisernen Würfel fallen, dünkt ihm nicht als die Zeit der Feste und der fröhlichen Gedenkfeiern. Wenn Tausende und Zechntaulsende von Müttern und Vätern, von Frauen und Kindern an das kostbare Blut denken neusten, das «draußen geflossen ist, dann will der Kaiser und will das Volk nicht, «daß rauschende Musit erklinge zur Ehre und Feier seines Geburtstages.
Aber wir feiern den Tag in unserem Herzen. Wir feiern ihn mit -größerer Freude und höherem Stolz denn je. Denn wir wissen: des Kaisers Geburtstag wird mit vollstem Recht als ein Ehren- und Glanztag des deutschen Volkes begangem
Dem deutschen Kaiser haben auch in früheren Jahren die herzlichsten Sympathien des deutschen Volkes gehört; er war ein Fürst, der gerade, weil er auch gelsgent- lich Widerstand weckte, durch seine Persönlichkeit fesselte, der zu begeistern vermochte, dessen große und edlen Eigenschaften allenthalben Anerkennung fanden. Daß Wilhelm II. ein Mann von hervorragenden Gaben, bon unermüdlichem Fleiß, von modernem staatsmänni- schem Empfinden war, das erkannten auch Freund imd Feind im Auslände sehr baid. Für sie ist die Per- son Kaiser Wilhelms II. geradezu zur Verkörpe- rung des vorwärts st redenden Deutschtums geworden, das man — je nachdem — bewunderte, fürchtete oder haßte. Der Kaiser hat es verstanden, wirklich die Zentralperson Deutschlands zu werden.
Seit dem Kriege aber ist die Liebe des deutschen Volkes zum Kaiser noch stärker, lebendiger, persönlicher geworden. Jetzt hat man erst in allen Schichten der Bevölkerung den vollkommenen Eindruck erhalten von der Größe dieses Monarchen, der ehrlich den Frieden gewollt hat, um seines Volkes willen, der nun aber, als das Unheil nicht mehr zu bannen war, feine ganze Persönlichkeit, seine ganze Kraft in den Dienst des Vaterlandes stellte und der vielfach die richtigen Worte fand, um den Gnipfindungen des Volkes, dem, was es mit diesem Kriege wollte, Ausdruck zu geben.
Die hervorragendste Eigenschaft des Kaisers entwickelte sich jetzt in diesen Kriegszeiten, wo alles auf dem Spiele steht, Ruhm und Dasein des Deutschen Reiches: seine Pflichttreue bis zum Äußersten! Das Gefühl für die gewaltige Verant- Wortung, die auf ihm als deni Herrscher eines von Feinden umstellten großen Reiches liegt, ist auf seinen
ernsten GesichtsAÜgen ausgeprägt, auf diesen Zügen, die gefurcht sind von der Größe und der Schwere dieser Zeit. Treue gegen sein Volk, Treue gegenüber den übernommenen Herrscheupflichten, Treue auch gegenüber den Verbündeten, die -mit uns gemeinsam die Sorgen und die Ehren dieses Feldzuges tragen — diese große Treue, sie ist es, die den Kaiser in dieser Zeit auszeich- net und ihn uns so lieb und teuer macht. In der Person Kaiser Wilhelms II. verkörpert sich die E h ren- fest igkeit, die Zuverlässigkeit undTüchtig- k e i t der deutschen Voltsart. Er ist ein echter Deutscher, einer von denen, auf die die Bundesgenossen fest bauen; und wenn der Kaiser zum Besuch seiner Verbündeten in Serbien oder auf den österreichischen Schlachtfeldern erscheint, so jubelt inan ihm auch dort zu, weil man fühlt, wie ehrlich, wie treu, wie ritterlich der Monarch des mächtigen Deutschen Reiches , seine bundesgenössischen Pflichten aufnimmt,_ wie tief er durchdrungen ist von der Notwendigkeit, in alle Zukunft hinein mit den Kampsesö rudern gemeinsanre Sache zu machen.
Das deutsche Volk grüßt seinen Kaiser zum 27. Januar und hat mit ihm für sein neubeginnendes Lebensjahr wohl den einen gemeinsamen heißen Wunsch: Daß es uns nach bitterem, siegreichem Kanrpfe einen ruhmvollen Frieden bringen möge, der dem Deukschen Reiche nach den gewaltigen Opfern die freie Entwicklung seiner Kulturarbeit ermöglicht. Dem Kaiser, der an das deutsche Volk in dieser schweren Prüfungszeit geglaubt hat und ihm Treue hält, wird auch -das deutsche Volk in Liebe und Verehrung Treue halten für immerdar.
Die waffenftreckung durch die montenegrinische Regierung unterzeichnet.
Ein Erfolg unserer Bundesgenossen um Görzer Brückenkopf.
1200 Italiener gefangen. Der glatte Fortgang der Entwaffnung der Montenegriner.
Kein bedeutender Ort mehr ausstehend.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht
W. T.-B. Wien, 26. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 26. Januar, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Am Görzer Brückenkopf nahmen unsere Truppen in den Kämpfen bei Oslavia einen Teil der dortigen Stellung in Besitz. Hierbei fielen 1197 Gefangene, darunter 45 Offiziere, und 2 Maschinengewehre in unsere Hände. Auch an mehreren anderen Stellen der Jsouzofront nahm die Gefechtstätigkeit zu. Angriffe und Annäherungsversuche der Italiener gegen P o d- gore, den Monte San Michele und unsere Siel- lungen östlich von Montefalkone wurden abgewiesen. Unsere Flieger belegten Unterkünfte und Magazine des Feindes in Borgo und Ala mit Bomben.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Vereinbarungen über die Waffenstreckung des montenegrinischen Heeres wurden gestern um 6 Uhr abends von den Bevollmächtigten der montenegrrnrschen Regierung unterzeichnet. Tic Entwaffnung geht ohne Schwierigkeiten vor sich und wurde auch auf die Bezirke von Kolasin und Andrijevica ausgedehnt. , ,
Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. Höf er, Fcldmarschallcutuaut.
Zur Lage.
(Don unserer Berliner Abteilung.)
I-. Berlin, 26. Jan. (Zens. Bln.) Der gestrige Tagesbericht der Obersten Heeresleitung zeichnete sich hinsichtlich der Vorgänge an der Westfront gegen viele andere der letzten Wochen dadurch aus, daß er eine größere Lebhaftigkeit der Kampfhandlungen von Nord bis Süd erkennen läßt. Die Nrsache war das sichtige Wetter, das eine lange Regenperiode abgclöst hatte, und der Artillerie ein wirksames Eingreifen gestattete. Bei Nieuport nnd südlich davon war der Erfolg unserer Batterien, worauf nochmals hingewiesen werden darf, ein ganz außerordentlicher und für die Gegner schmerzlicher. Natürlich übertreiben die feindlichen Heeresberichte, um den Eindruck des deutschen Erfolgs abzuschwächen, wiederum unseren Kräfteaufwand. Der Pariser Bericht versichert gar, bei Nieuport wären nicht weniger als 20006 Granaten eingeschlagen. Jedenfalls muß gesagt werden, daß das Feuer unserer Gegner an Heftigkeit nicht hinter unserem zurückblieb; so verpulverten die Engländer auf verhältnismäßig engem Raum 1700 Schrapnells, 700 Granaten und 700 Minen. Doch im Gegensatz zu den e i n w a n d s f r e i in den feindlichen Linien festgestellten schweren Verlusten und Verwüstungen waren unsere Verluste ganz außerordentlich gering. Wir dürfen also von unserer artilleristischen Überlegenheit bei diesem Feuergefecht sprechen. Bei erfolgreichen Mineusprengungen im Osten von Neuville, von denen der gestrige Tagesbericht spricht, gelang es unsere» Truppen, nicht weniger als vier Trichter und im Anschluß daran drei hintereinander liegende Gräben zu besetzen, dies so energisch, daß die französischen Gegenangriffe, die achtmal wiederholt wurden, zu nichts führten. Auch bei Arras belebte sich der Kampf. Nördlich und südlich dieser bekanntlich dicht vor unserer Front belesenen Stadt erlanbtr fleißige Sappenarbeit merkliches Borrücken.
Der Tag schien auch de» Luftkrieg zu begünstigen. Als sich aber fünf unserer Luftzeuggeschwader aus den Weg nach Ranzig begaben, veranlaßte ein plötzlicher Witte- rungsumschlag drei zur Umkehr, zwei aber setzten den Flug bis über den befestigten Platz fort. Die Zahl der dort und über der Kristallfabrik von Baccarat abgeworfenen Bomben betrug 150. Leider aber brachten wir bei diesem ergebnisreichen Flug ein schmerzliches Opfer: der wiederholt erwähnte erprobte Fokkerflieger Boehme (nicht zu verwechseln mit B o e l k e) stürzte infolge eines Unfalls mit seinem Flugzeug in unseren Linien ab.
Im Osten beschränkte sich die gestrige Aktion auf kleine Gefechte im Norden und Süden von Pinks. Es ist natürlich, daß auf der so andgedchnten Front täglich vorge- schobenr Posten inS Fcuergefccht kommen, ohne daß sich größere Kämpfe daraus entwickeln müssen.
Zum 27. Januar 1916.
Zum zweitenmal begeht in diesem Kriege Der Kaiser sein Geburtstagsfest im Feld,
Ein Hobenzoller stand an seiner Wiege,
Englands Prinzeß gab ihm das Licht der Welt. Der Bruder seiner Mutter spann die Fäden, Dir uns den unheilvollen Krieg gebracht.
Sein Britenstolz litt dauernd bei den Schäden , Durch deutschen Fleiß, trotz Englands Übermacht. Durch heuchlerisches, jahrelanges Mühlen Hat er die weite Welt mit Haß getränkt,
Der Völker Smnen und ihr ganzes Kühlen Auf unsres Landes Untergang gelenkt. Britannien kennt seit Hunderten von Jahren Ein einzig Ziel: die unbeschränkte Macht Auf allen Meeren — drohen da Gefahren,
So hat's den Gegner stets zu Fall gebracht.
So ward aus Neid und Haß der Krieg geboren. Zu dem von langer Hand man sich verschworen. Und unbewußt ward er zu jener Kraft,
Die Böses will und stets das Gute schafft.
Es kann der Frömmste nicht rn Frieden leben, Wenn es den bösen Nachbarn nicht gefällt —, Nach West und Ost von feindlich Land umgaben. Hat mrser Kaiser längst sein Haus bestellt! Ein-starkes Heer im Geiste seiner Ahnen,
In Selbstzucht und in Opfermut gestählt.
Das stets den Sieg gebannt an seine Fahnen, Geführt von Helden, die er selbst gewählt.
Me Flotte schuf er, die durch ihre Taten Der ganzen Welt Bewunderung erzwang.
Den Genoralstab, der so wohlberaten.
Daß ihm das fast Unmögliche gelang.
Von Fliegern, Eisenbahn und Pionieren,
Geleitet durch die Kraft der Disziplin,
Sah'n ungeahnte Wunder wir vollführen In rastlos schwerer Arbeit und Bemüh'n.
Und was des Kaisers herrliche Marine Im Unterseebootkriege kühn vollbracht —,
Deutschland, der Zwerg, das Vritenroich, der Hüne —, Zertrümmerte den Traum von Englands Macht!
In jahrelanger Arbeit ward's errungen.
Der Technik jeder Vorteil abgelauscht.
Der Hindernisse allzu mel bezwungen.
Das Gute mit dem Besten eingetauscht.
Das danken wir dem Kaiser, dessen Sinnen Von je auf seines Volkes Wohl bedacht.
Der — könnt der Neider Gunst er nicht gewinnen — Geschaffen hat, was unbesiegbar macht.
Und dankerfüllt, daß uns der Herr da droben Den rechten Mann gesandt zur rechten Zeit,
Laßt uns dem Kaiser Treue heut geloben,
In Not und Tod für alle Ewigkeit'
So feiert Deutschland seinen Kaiser heute In froher Hoffnung aus den nahen Sieg,
Der aber bringe uns die rechte Beute:
Der Arbeit Lohn im Frieden, wie im Krieg.
Millionen Herzen flch'n zum Herrn der Welten,
Dem Kaiser seine Dtühen zu vergelten —,
Wem an des Landes Wohlergeh'n gelegen,
Der wünscht dem Kaiser heute Glück und Segen!
MoritzBacher,
Beflaggte Stragen.
Zum 27. Januar.
Von Dr. Hans Wantoch.
Das wird e>n wunderschöner Tag werden: Frühmorgens schon, wenn wir ans Fenster treten, winkt und weht es uns Schönen Gruß" zu. Farbe, Buntheit, Leben ist in die sonst einförmige Straße gekommen. Den starren Häuserllötzen mit ihren platten Fronten scheinen über Nacht tausend Arme gewachsen zu sein. Von den Dächern winkt es. Es weht aus den Fenstern. Es wallt von den Balkoncn, Fahnen flattern von den Giebeln, und die Schilder der Warenhandlungen haben geflaggt. Fahnen die Straße hinauf und die Straß« hinunter. Das winkt, weht, wallt, flattert und flaggt in einem einzigen Rhythmus der Fröhlichkeit. Parabeln fliegen in die Lust. Bogen wölben sich. Eine kleine Fahne ist ganz toll vor. ' Ausgelassenheit. An ihrer Stange zappelt sie nicht anders als ein kleines Kind, das beim Konditor auf sein Stück Backwerk wartet. . . Am schönsten aber sind doch die langen, wallenden Fahnen, die mächtig ausholen, die weithin schwingen, die zu anderen Fahnen flattern und sich an sie schmiegen, gerade, als slüsterten sie ihnen was ins Ohr. Jawohl, die Fahnen reden miteinander. Jetzt eben huscht eine mächtige Schwarz-Weiß. Rote zu den Schwarz-Weißen daneben: Freue dich!" flüstert sie ihr zu. Und „Freue dich!" sagt die Schwarz-Weiße weiter. Und: „Freue dich!" sliegt es von Haus zu Haus die ganze Zelle entlang, von Straße zu Straße, durch die ganze Stadt, übers ganze Land und das Reich: „Freue dich! Freue dich! Es ist der Tag deines Kaisers. Hoch! Hoch! Hurra!"
Fahnen über der Stadt verbinden und verbrüdern. Wie sie im Winde wehen, durcheinander flattenn, einander begegnen, übiergrciseu: da scheinen die Häuser selber afiaabot
