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Mittwoch, 26. Januar 1916.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 41. . 64. Jahrgang.
Glatter 8ortga»g der Entwaffnung in Montenegro.
Die Beute in Skutari. Die erlogenen feindlichen Berichte über angeblichen teilweisen Widerstand in Montenegro. Der König tatsächlich geflohen. Das militärische Ergebnis feststehend.
Der österreichisch-ungar. Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 25. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 25. Januar, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Gestern standen wieder verschiedene Teile unserer Nordo st front unter russischem Geschütz, f e u e r. An vielen Stellen war die A u f k l ä r u n g s- tätigkeit des Feindes sehr lebhaft.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Tiroler Front beschoss die feindliche Artillerie die Ortschaften Crcto (Judikarien) und Caldo 11 o 3 s d (SuMnar-Tal).
Am Görzer Brückenkopf sind bei Oslavia wieder Kämpfe im Gange. Gestern abend war die Tätigkeit der italienischen Artillerie an der küstenländischen Front sichtlich lebhafter.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Entwaffnung des montenegrinischen Heeres geht nach wie vor glatt von statten, überall, wo unsere Truppen hinkommcn, liefern die montenegrinischen Bataillone unter dem Kommando ihrer Offiziere ohne Zögern ihre Waffen ab. Zahlreiche Abteilungen aus Gegenden, die noch nicht besetzt sind, haben bei unseren Vorposten ihre Bereitwilligkeit zur Waffen st reckung angemeldct.
In Skutari erbeuteten wir 12 Geschütze, 500 Gewehre und 2 Maschinengewehre.
Alle aus f e i n d l i ch c n L a g e r n stammenden Nachrichten über neue Kämpfe in Montenegro sind frei erfunden. Dast der K ö n i g sein Land und sein Heer verlassen hat, bestätigt sich. In wessen Händen derzeit die tatsächliche Regierungsgewalt liegt, lästt sich noch n i ch t mit Bestimmtheit scststcllen, ist aber für das m i l i t ä r i s ch e Ergebnis des montenegrinischen Feldzuges völlig bedeutungslos.
Der Stellvertreter des Cbrfs des Generalstabs: v. H ö f e r. Feldmarichalleutnaut.
Die Ereignisse auf öem Balkan.
Die Grundlagen der Waffenstreckung bleiben trotz der Abwesenheit des Königs Nikita die gleichen.
Eine Wiener Feststellung.
W.T.-B, Wien, 25. Jan. (Nichtamtlich.) Die Blätter erhalten von informierter Seite eine Mitteilung, in der fcstgestellt wird, daß die Waffenstreckung in Montenegro ganz glatt durchgeführt wird, und daß unsere Truppen nirgends auf Widerstand gestoßen sind. Montenegro ist tatsächlich bereits in unseren Händen, und vor ollem seine wichtigste Lebensader, die Straße Nikfic- Danilovgrad - Podgorica - Skutari. Die Bevölkerung begrüßte un)ere Truppen größtenteils sogar mit Sympathie. Die Abreise von König Nikita nach Rom und Lyon ändert für uns in keiner Weise die Sachlage. Es muß hervorgehoben werden, daß König Nikita und die Regierung bisher ihre Friedensbitte nicht zurückgezogen haben; cs bleibt aber dahingestellt, ob Nikita nach seiner Flucht noch daran denkt, mit Österreich-Ungarn Frieden zu schließen. Für uns kann das ganz gleichgültig sein, nicht gleichgültig aber für den 5k ö n i g von Montenegro. Tatsächlich ist Montenegro aus der Reihe unserer Feinde g e - schieden. Die Kapitulation kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die Abreise König Nikitas kann keinen wie immer gearteten Einfluß mehr auf die Entwicklung der militärischen Dinge auf der Balkan-Halbinsel haben. Das Motiv der Abreise ist offenbar, daß die Entente, besonders der König von Italien, in Nikita drangen, keinen formellen Frieden zu schließen, da schon die Waffenstreckung Montenegros einen so schlechten niederschmetternden Eindruck in den Ländern des Bier- Verbands hervorgerufcn hat.
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Bon 70 000 Mann der montenegrinischen
Armee nur noch 15 000 übrig gewesen?
Nr. ßlottcrdam, 25. Jan. (Eig. Drahtbeoicht. Jens. Bin.)
Der montenegrinische Oberst Lopovats erklärte, Depeschen aus Petersburg zufolge, von der ursprünglichen montenegrinischen Armee von 70 080 Mann seien nur noch 15 00 0 übrig- gtWic&cit, welche fast verhungert und ohne Kleidung waren.
Für jedes Gewehr blieben nur 100 Patronen und für jede der 23 Kanonen nur noch 38 Geschosse. Ein Viertel der Bevölkerung sei am Hungertod gestorben, weil Hilfe von nirgendher zu erwarten war.
Zur Durchfahrt der montenegrinischen Königsfamilie durch Rom.
Br. Lugano, 25. Jan. (Erg. Dvahtbericht. Zeus. Bln.) Während die Königin Mil,ena mit ihrer Familie auf der Durchreise in Rom auf dem Bahnhof Web, befolgte Nikita den Rat, sich dem Volke zu zeigen, das ihn in der Stadt stürmisch feierte.
Heftige Anklagen der russischen Presse gegen Italien.
(Eigener DrWtbericht -unseres Sondepherichterstatters Sorge.s Stockholm, 25. Jan. (Zens. Bln.) Anläßlich der m o rite n e grill ische n Ereignisse führt die russische Presse eine außerordentlich heftige Sprache gegen Italien. „Rjetsch" schreibt: Die Italiener sahen den montenegrinischen Ereignissen mit einer, ihrem Temperament unähnlichen Gleichmütigkeit zu. Sie geben den Verbündeten alle Schuld für alle aus dem Balkan gemachtem Fehler, als ob sie selbst schuldlos seien. Sorninv nennt die Erhaltung Serbiens das Grundelemerck der italienischen Politik. Allerdings wäre Serbien wahrscheinlich trotz Italiens Hilfe untergegangen. Die Rede Barzilais beweist die täglich zunehmende Bedrohung der Einigkeit im Vierverband. — „Nowoje Wremja" schreibt zur Kapitulation Montenegros: Man war überzeugt von der Uneinnehmbarkeit Montenegros und müsse jetzt trauernd die moralische Bedeutung -der Tatsache anerkennen, daß Dlon- tenegrv, das 500 Jahre ein Bollwerk des Slawentums gewesen, gerade jetzt kapitulierte.
Eine Unterredung mit Peter Tarp in Wien.
Dos Bedauern des rumänischen Staatsmanns über die mangelnde Entschlußfähigkeit in seinem Vaterland.
W.T.-B. Wien, 25. Jan. (Nichtamtlich. Dnahtbericht.) Die „Nene Freie Presse" veröffentlicht eine Unterredung mit Peter Carp. Dieser betonte zunächst, daß er zur Erholung in Wien weile. Er habe keine Mission und werde sich von allem enthalten, was einen falschen Schluß auf irgend eine Mission Hervorrufen könnte, über die Politik Rumäniens äußerte Carp, er habe einmal ernstlich die Besorgnis gehabt, daß Rumänien zugunsten der Entente Eingreifen werde. Aber auch, daß Rumänien neutral bleiben sollte, scheint Carp ein Unglück für das L-cmd zu sein. Carp bedauert sehr, daß man in Rumänien so wenig Entschlußfähigkeit zeige. Man könnte zu spät kommen. Rumäniens Stellung nach dem Kriege werde keine günstige sein, wenn es nicht noch rechtzeitig mit den Zentralmächten gehe. Carp sprach die Hoffnung aus, daß die verbündeten Mächte die ungebetenen Gäste bald aus Griechenland hinausbesördern werden. Der Friede werde freilich erst kommen, wenn der Feind ins Herz getroffen werde, etwa durch einen erfolgreichen Angriff auf Ägypten. Aufgabe der Zukunft werde es sein, einen Block verbündeter Staaten zu schaffen, der von Stockholm bis Bagdad reiche. Carp wünscht, daß dieser Wog auch über Rumänien führe, nicht nur Wer Bulgarien. Carp ist überzeugt, daß die Zentralmächte nicht ausgehungert werden können. Auch in Rumänin glaube niemand mehr an die Theorie. Bezüglich der Getv-idekLuse der Zentralmächte und England in Rumänien sprach Carp die Überzeugung aus, daß der Kauf der Zentralmächte durchgeführt weide; dagegen sei es schwer begreiflich, auf welchem Wege das von England gekanfte Getreide hinausgebracht werden solle, über "die Italiener äußerte sich Carp, sie hätten sich mutiger geschürgen, als erwartet worden sei. Das Ergebnis sei aber bisher für Italien recht kläglich.
wachsende Erbitterung gegen England in der Union.
Oie Unvermeidlichkeit einer diplomatischen Auseinandersetzung.
W.T.-B. New Dork, 24. Jan. (Durch Funkspruch vom Vertreter von Wtlffs Telegraphen-Bureau.) Unter der Überschrift „Wachsende Erbitterung gegen England" bespricht „Evening Po st" in einer Depesche aus Washington ausführlich, wie die britische Diplomatie, welche sich auf dem Balkan durch ihre Kurzsichtigkeit so unheilvoll geirrt habe, in einer nicht zu sernen Zukunft finden dürfte, daß ihr Sehvermögen ähnlich beschränkt gewesen fest in bezug aus die Vereinigten Staaten. Denn England beherrscht die Lage unseres Landes nicht -mehr so, als es noch vor wenigen -Monaten war. Wenn solche Vorzeichen diplomatischer Schwierigkeiten, wie sie jetzt am Horizont erscheinen, allenfalls die amerikanische öffentliche Meinung entfremden, so werden unsere englischen Vettern nicht die Einschränkungen des amerikanischen Handels oder des guten, alten amerikanischen Dollars, nicht die Dernburgs und
Ridders, sondern nur sich fei b st zu tadeln haben. Der Korrespondent der „Evening Post" gab ein erschöpfendes Bild in der vergangenen Woche -über hohe W e- am te in der amerikanischen Regierung, und > manche andere hervorragende Persönlichkeiten, die sich im Kongreß mit der Regierung identifizierten, und die bedauerliche Schlußfolgerung muß festgelegt werden, daß das erstaunliche Gefühl einer Ab neigu n g ^ gegen England jüngst entstanden ist und noch beständig w ä ch st, weil es die -Engländer daran fehlen lassen, den amerikanischen Standpunkt zu begreifencte weil sie nicht Willens sind, ihm die Wichtigkeit beizu- legen, die er verdient. In ihrem Kern sind die Ursachen hierfür in dem zu finden, was englische Staatsmänner öffentlich und privat über die amerikanische Angelegenheit erklären, ferner darin, was englischchleit- artikel über die amerikanischen Diplomaten nnd Per- sönlichkeiten der amerikanischen Regierung gesagt haben und noch sagen und endlich in den Eindrücken zurück- kchrender Beobachter von zuständigem Urteil, die ergeben, welch geringschätziger Gleichmut das charakteristische Gefühl vieler Engländer Amerika gegenüber kennzeichne. Als der Krieg ausbrach, und noch viele Monate nachher stand die Sympathie der Amerikaner st a r k auf seiten Englands. Die belgischen Greuel (?), die Unmenschlichkeit der Z-eppelin- fahrten (?), die rohen Angriffe der Unterseeboote (?), die ohne Warnung erfolgten, trugen ika&u bei, die Mittelmächte zu verdammen und die Aufmerksamkeit von eingestandenen Verletzungen des Völkerrechtes, die England zur ©ee verübte, abzulenken. In allen diesen Monaten hat die amerikanische Regierung nur schwach ihre Stmmne gegen die Alliierten erhoben und dadurch die dauernde Feindseligkeit eines -großen Teiles der amerikanischen Bürger deutscher Abstammung verursacht, weil sie ermangelte, England gegenüber eine ebenso rücksichtslose Polifik zu verfolgen, wie dies Deutschland gegenüber der Fall war. Was aber unseren Offiziellen in der Seele weh- tut, ist der Umstand, -daß England unleugbar und durch die Macht der Umstände den Nutzen der «me- rikanischen Neutralität einerntebe. Jod? öMrdigung von all dem im ganzen Auslande ist sehr spärlich gewesen, wofern sie überhaupt zu merken war. Hätten die Vereinigten Staaten sich dafür entschieden, peinlichneu- rral zu -sein, so hätten sie sich innerhalb der geheilig- ten Grenzen der neutralen Rechte gehalten, wenn sie für alle telegraphischen Kübelverbindungen der Alliierten die Einschränkung der Zensur einzeführt hätten, und wenn sie alle Ausfuhr von Kriegsmuni- tion bei Ausbruch des Krieges verboten hätten, wie dies Holland, Norwegen und die anderen neutralen Staaten getan haben. Hierher hätte ferner gehört, eine Gesetzgebung, -welche die Emission von Kriegsanleihen verbietet, strenge Maßnahmen, um zu verhindern, daß einzelne Reservisten -die Vereinigten Staaten verlassen, und die Einberufung einer Konferenz von Neutralen, welche, wie unsere eigenen Offiziellen privat zugeben, sich in eine antibritische Versammlung auslösen würde, die Vergeltungsmaßnahmen gegen die Verletzungen der Gesetze zur See durch die Engländer verlangen würde. Statt dessen haben die Vereinigten Staaten es vor gezogen passiv neutral zu sein und die weite Rücksichtnahme zu üben, wie sie mit neutralen Rechtm und Pflichten verbunden ist. Aber wie ist alles dies beantwortet oder gewürdigt worden? Man braucht nur so etwas zu lesen, wie dieErzÄhlungen -des Obersten Georg Harvey über die stechende Ironie und die beiß«che Kritik an den Vereinigten Staaten, die -der Oberst in englsichen Salons gehört hat, um die MißveHtändnisse zu verstehen, die sich entwickeln. Diese Erzählung ist typisch für so manche andere Berichte ähnlicher Art, auf die hohe Kreise der amerikanischen Regierung aufmerksam geworden sind. Es waren Dinge und Tatsachen dieser Art, daß in England wohnende Amerikaner so sehr ihren amerikanischen Ursprung vergessen hatten, daß sie die englische Anklage gegen die Vereinigten Staaten ermutigten, wodurch Präsident Wilson veranlaßt wurde, in seiner letzten Botschaft an den Kongreß zu erklären: „Es gibt gewisse
Amerikaner, die ihre Ehre als Bürger so vergessen, daß sic ihre leidenschaftliche Anteilnahme für die ^eine oder aridere Seite im europäischen Konflikt über ihre Rücksichtnahme auf den Frieden und -die Würde der Bereinigten Staaten stellen."
„Evening Post" fährt fort: Die Engländer geben dem amerikanischen Handel auf seine Beschwerden immer wieder die Antwort, daß England die <wchlachten der Zivilisation kämpft, und daß deshalb Amerika sich nsit Einschränkungen seines Handels und anderen Unanneh-nrlichkeiten absurden muß. Wenn die britische Negierung nur wüßte, wieviel diese Beschwichtigung seit langem in den amenkanischen aniMchen Kreisen von ihrem Geschmack verloren Ml Es Hst
