Sette 4. Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt.
soziale und pädagogische Frage, während die Orthopädische GrseLschaft am 8. und 9. Februar die rein ärztlichen Angelegenheiten erörtert. Zur Verhandlung stehen hauptsächlich folgende Themen: Am 7. Februar: Die Fürsorge-Einrichtungen in Deutschland und Österreich-Ungarn. Die Friedcns- krüppelheime als Grundlage für die Kriegskrüppelfürsorgc. Die Werkstätten als Heilmittel, Vorbereitung und Ausbildung. WungSschulen für Hirnverletzte. Einarmigenschuten. Fortbildungs- und Gewerbeschulen. Landwirtschaftliche Ausbildung. Erwerbsmöglichkeiten der einzelnen Verletzungen. Berufsberatung. Qualitätsarbeiten. — Am 8. wird 9. Febr.: Zur Frage der Prothesen. Zur Frage der Nervenverletzungen. Zur Frage der «deform geheilten Oberfchenkelfrakturen einschließlich der primären Behandlung vom orthopädischen Standpunkt. Behandlung der Kontrakturen und Ankylosen. Über die sekundären Funktionsstörungen nach Schußverlchun- gen peripherer Nerven. — Zutritt haben die Mitglieder der Gesellschasben und die Eingeladenen, über sonstige Gesuche um Teilnahme entscheidet der betvesfende Vorstand auf schriftlichen Antrag. Referenten sind die führenden Fachleute aus den einzelnen Gebieten.
* Der Kriegsansschuß der deutschen Industrie und die Kriegsgewinnsteuer. Der Kriegsausschutz der deutschen Industrie hat bei Gelegenheit der letzten Sitzung seiner Ltcaer- kommisiion an den Herrn Staatssekretär des Reichsschatz- amtes folgendes Telegramm gesandt: „Im Hinblick aus die von den Regierungen der Einzelstaaten geplante Erhöhwrg der direkten Steuern bittet Ew. Exzellenz die heute tagende Steuerkommission des Kriegsausschusses der deutschen Industrie um tunlichst baldige Bekanntgabe des Gesetzentwurfes, betreffend die Erhebung der Kriegsgewinnsteuer. Nur vann wird sich übersehen lassen, ob nicht eine Überspannung der direkten Steuern zu befürchten ist, die die Weiterentwicklung «unseres wirtschaftlichen Lebens nach dem Kriege, namentlich die Deckung des Rohstoffbedarfes, die Wiederaufnahme der Ausfuhr ufw gefährden und damit insbesondere auch öte Interessen der deutschen Arbeiterschaft aus das schwerste schädigen würde. Die Nachahmung des Beispiels früherer Zeiten, in denen Gesetzentwürfe, die im Bundesrat noch nicht zur Beschlußfassung gestanden hatten, den berufenen Vertretungen der beteiligten Kreise zur Stellungnahme vorgelegt worden sind, ist im vorliegenden Falle um so notwendiger, als es sich hier um das gesamte Erwerbsleben der Nation handelt."
Rechtspflege und Verwaltung.
1dl. Justiz-Personalien. In» Kriege fand den Heldentod Aktuar Friedrich K r e u d e r aus Frankfurt a. M. — Dem Amtsgerichts- rat Ziegler m Hachenburg ist die nachgcsucht: Dienstentlassung mit Pension erteilt.
f}eer und glätte.
Ordensverleihungen. Es wurden verliehen: die Schwerter zum Roten 'Lldlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub und dem Stern dem Generalleutnant Brecht, Führer einer Kavaller-edivision; die Schwerter zum Roten Adlrrorden 2. Klasse mit Eichenlaub den Generalleutnants Stengel, Divisionskommandeur, Grafen v. Schmettow, höherem Kavalleriekommando zur besonderen Verwendung, von Kraewel, Kommandeur einer Infanteriedivision; der Roten Adkerovden 2. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern dem Generalleutnant Kruge, Führer einer Reservediviston, den Generalmajoren Grasen v. Schmettow, Führer einer Kavalleriedivision, Schmidt v. Knobelsdorf, Führer einer Infanteriedivision, Herhudt v. Rohden, Kommandeur einer Infanteriedivision, v. R u n ck e l, Kommandeur einer Reservodivision, v. Böckmann, Chef des General- stabes des Oberkommandos einer Armee; das Ritterkreuz mit Schwertern des Königlichen Hausordmrs von Hohemzollern den Obersten Frhrn. Schmidt v. Schmidtseck, Ober- gucrrttermeister des Oberkommandos einer Armee, Bron- sart v. Schellendorff, Ehef des Gsuerakstabes eines Refervekorps, dem Major Brüggemann, Chef des Gene- ralftäbes eines Refervekorps.
Zahlung deS Löhnungszufchuffes und der Unterkunftsent- schädigung an Unteroffizicrfamilien. Zu § 80, 3 1. Absatz der Krtegs-Besoldumysvorschvist wird erläuternd bestimmt, daß der Löhnungszuschuß und die Unterkunstsentschädigung für die Familien der Unteroffiziere des Friedensstandes stets von dem Ersatztruppenteil des Linientruppenteils zu zahlen ist, dem die in Betracht kommenden Unteroffiziere im Frieden angehört haben. Der Erlaß vom 18. März 1915 wird hier- durch nicht berührt.
K. k. österreichisch-ungarische Tapferkeitsmedaille. Auf
die mit dem Besitz der k. k. Tavferkeitsmedaille verbundene Zulage haben nur die Medaillenbesitzer Anspruch, die zum Zeitpunkt der Verleihung die österreichische oder ungarische Staatsbürgerschaft oder die bosnisch-herzegowinische Landesangehörigkeit besitzen.
Personalnachrichtcn. Das stellvertretende Generalkommando des württembergifchen Armeekorps erhielt, wie uns aus Stuttgart telegraphiert wind, an Stelle des zum Kriegs- Minister ernannten Generals v. Marchthaler der General der Infanterie z. D. b, Schaefer.
P-rsonal-Bcrändrrungen. Richter (Ernst), Oberleut. d. L. s. D. (Wiesbaden), zuletzt im 2. Aufgeb. des 1. Gardr-Grm.-Landw.- stegts. (Brandenburg a. H.), jetzt im 1. 2andft.-Jnf.-Ers.-Bat. Darm- tobt (18. 35.), zum Hauptm. befördert. * LrmmerSbach, Ober- ieut. der Landw.-Jnf. 1. Aufgeb. (Gelstnkirchen), * B r o ck m a n n «Schwerin), Oberleut, der Landw. a. D., zuletzt Leut, der Landw.- Jnf. 2 . Aufgeb. (Schwerin), beide jetzt im Landw,-Jnf.-Regt. Nr. 87, m Havptl. befördert. * Frhr. Schilling v. C a u st a t t (Höchst), Oberlcüt. a. D., zuletzt Leut, im Jnf.-Regt. Nr. 19, jetzt Adj. beim bez.-Konido. Siegen, zum Hauptm. befördert. * Mundschenk, vizefeldw. des Jnf.-Regts. Nr. 117, jetzt im 1. Ers.-Bat. des Regts.,
* Langenbach (Meschede), Bizeftldw., jetzt im 2. Ers.-Bat. des Jnf.-Regts. Nr. 117, zu Leuts, der Res. befördert. * Baesler Eisenach), Vizefeldw., jetzt im 1. Ers.-Bat. des Jnf.-Regts. Nr. 87,
1 Schulze, Ernst (3 Berlin), Vizefeldw., jetzt im 1. Ers.-Bat. des Jnf.-Regts. Nr. 88, zu Leuts, der Landw.-Jnf. 1. Aufgeb. befördert.
1 Kräcker, Unteraff. im Jnf.-Regt. Nr. 117, zum Fähnr. beordert. * Mandler (Worms), Schmidt, Ernst (Siegen), steundörfer. Schmidt, Karl Johann (Mainz), Stummer st Darmstadt), Caspar (Straßburg), Offizierasp. int Jnf.-Regt. Sjr. 117, zu Leuts, der Res. des belr. RegtS. befördert. * L e m p p, Major im Kommando der Schutztcupven im Reichs-Kolonialamt, bis Ms weiteres mit der Wahrnehmung der Eelchäste des Kommandeurs »cr Schutztrnppen im Reichs-Kolonialamt beauftragt.
Die Lage am Krbeilsmarkt.
Der vom ^Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband erstattete Bericht über die Lage des Arbeitsmarktes in Hessen, Hessen-Nassau und Waldeck im Dezember 1915 führt aus: Der Arbeitsmarkt im Monat Dezember war, wie jedes Jahr, ruhig. Von feiten der Arbeitnehmer wird dies Weihnachts- festes wegen ein Wechsel gern vermieden. Im Metall- gewerbe herrschte, wie schon seit mehreren Monaten, Mangel m getonten L«yt«tz hauMichüch an Drehern,
Mesdadener TagNatt.
Spenglern, Schlossern, Monteuren und Schmieden. ^Hilfsarbeiter in größeren Betrieben wurden nicht mehr so viel verlangt wie in den Vormonaten. Beschäftigungsyelegen- hett für Sattler und Tapezierer war bis züm Weih- iiachtsfiefte gut, ließ dwmr aber nach. In der Industrie der Holz- und S ch n i t t st of f e lvar die Lage zufriedenstellend, doch herrschte an manchen Plätzen Mangel an tüchtigen Mooel- fchreinern für bessere polierte Arbeiten. In der Industrie der Nahrungs- und Genuß mittel mangelte es, wie schon seit Monaten, besonders bei den Dtetzgern an jün- gereir gelernten Kräften. Man, hilft sich vielfach durch Einstellung von Kriegsgefangenen. Auch eine große Anzahl Bäckereien hat durch Einstellung von Kriegsgefangenen dem töilweisen Avbeitsmangel abhelfen müssen. Der Geschäftsgang in lder ganzen Tabgkindustric lvar im Berichtsmonat gut. Ein in Wiesbaden in einer Zigarettenfabrik ausge- brochener Streik konnte nach 2 Tagen beigelegt werden. Im Bekleidungs- und Reinigungsgewerbe trat eigentlich nur bei den Schuhmachern gegenüber dem Vormonat eine kleine Besserung ein. Die Zivilschneiderei sotvohl wie die Unifornffchneidevei und die Damenkonfektion waren weniger gut beschäftigt. Die Bautätigkeit war in der eisten Hälfte des Monats durch die günstige Witterung noch einigermaßen zufriedenstellend, nahm aber gegen Ende des Monats ab. Trotzdem wurden noch Maurer imd Zimmerer gesucht. Berichte aus den Kreisen Fulda, Dieburg, Gießen melden nur eine geringe Bautätigkeit. Im graphischen Gewerbe hat sich die Geschäftslage gegen den Vormonat nicht verschlechtert, wohl aber bei den Schriftgießereien. Es traten Verkürzungen der täglichen Arbeitszeit von 1 bis 2 Stunden ein. Nach Schätzungen werden in den Frankfurter Schriftgießereien zurzeit nur etwa 16 Prozent der vor dem Kriege tätigen Gehilfen beschäftigt. Für ungelernte Arbeiter war die Beschäftigung im Berichtsmonat gegen Erwarten nicht günstig. Die Atbeitsmarktlage in der Landwirtschaft war, wie immer im Monat Dezember, gut. Auf dem weiblichen Arbeitsmarkt war besonders für Wasch- und Putzfrauen die Beschäftitzumgsgel^geNhsft günstig. Auch für gewerbliche Arbeiterinnen «besserte sich die Bsschäftigungs- geleyenheit, dagegen war für Heimarbeiterinnen die Loge immer noch ungünsftg. Die Vermittlung von Dienstboten fiir Privathäuser, Hotels urid Gastwirtschaften war, wie immer im Monat Dezember, gering. Zln geübten weiblichen kaufmännischen Arkeitskräften herrscht immer Mangel.
5lu§ Stadt und Land.
Wiesbadener Nachrichten.
Unser vrot.
Wir mögen es an keinem Tage entbehren, eS ist unser „täglich" Brot. Kern anderes Nahrungsmittel vermag es uns ganz zu ersetzen. Der hohen Wertschätzung unseres Brotes entspricht jedoch meistens nicht sein wirklicher Wert. Unser gewöhnliches Bäckerbrot wurde im Frieden aus zum Teil entwertetem Mehl hergestellt, deirn die Kleie wird chm beim Mahlen fast ganz entzogen. Mit dieser aber weiden dem Brotkorn nahrhrste Bestandteile genommen, denn die Kleie ist der hauptsächliche Träger der mineralischen Nährsalze, des Kilts, Eisens, Natrons nsw. und enthält außerdem noch wertvolle Eiweißbestandteile, den sogenannten Kleber. Gang kleiefreies Feinmehl besteht fast nur aus Kohlehydraten. Die bevorzugte Verwendung der Kleie als Kraftviehfutter beweist ihren hohen Nährwert. In reinem Zustand freilich mag sie wegen chres hohen Zellstoffgehalts für die menschliche Ernährung ungeeignet sein, aber in ihrer natürlichen Verbindung mit den übrigen Mehlbestandtoilen ist sie für den gefunden Menschen sicher ohne jede Störung ausnutzbar. Natürlich, direkt leichtverdaulich ist ein kleiehaltiges, sogenanntes Bollbrot gerade nicht, aber muß unsere Brotnwhrn,ng denn unbedingt leichtverdaulich sein auf Kosten des Nährwerts? Wir verzehren doch auch sonst manche nichts weniger als leichtverdauliche Speisen, wie z. B. gewisse Kohl- arten, Früchte nsw., die sicher unseren Magen und Darm noch mehr belasten wie gutes Bollbrot. Gesunden Berdauuugs- merkzeugen darf auch etwas schwereve Arbeit zugemutet wer- den, genau so gut wie gesunden Muskeln, ohne daß sie dabei Schaden leiden. Im Gegenteil, durch die höhere Arbeitsleistung werden sie noch gekräftigt. Weiterhin wirkt Bollbrot wegen seines Gehalts an unverdaulichen Zellstoffen darm- reinigend. fegt es den Darm wie ein Besen aus, beugt es hartnäckiger Verstopfung vor oder beseitigt eine etwa vor- bantene. Eine wesentliche Bedingung mutz allerdings an das Vollbrot gestellt werden, wenn es gut bekommen soll: es mutz recht trocken fein. Frisches klebriges Vollbrot kann recht üble Folgen haben. Man lasse es also wenigstens eine Woche alt werden, bevor man es genießt.
Das Itoefreie Feinmehlbrot ist eine erst wenige Jahrzehnte bei uns bestehende „Errungenschaft". In ftüheren Zeiten wurde allgemein wach in den Städten das derbe und kräftige Bauernbrot verzehrt. Auch heute ist in manchen ländlichen Gegenden Deutschlands noch vielfach der Genuß solch kräftigen Vollürots üblich. Die Westfalen mit ihrem schwarzen Pumpernickel, der ein ausgezeichnetes Bollbrot ist und wahrscheinlich das Urbrot der Germanen darstcllt, zählen zu den kräftigsten Menschen unseres Voltes.
Die Gegnec des Vollbrots weisen mit Vorliebe noch auf. die geringere AusnutzSarkett desselben gegenüber dem Fcin- mchlbrot hin. Ein ganz hinfälliger Einwand. Wenn wirtlich die Kohlehydrate im Bollbrot etwas weniger ausgenutzt werden so hat das angesichts der großen Menge, die uns außer in dem Brot noch in den übrigen Nahrungsmitteln, insbesondere den Kartoffeln, hiervon zur Verfügung steht, nicht viel zu sagen. Von den übrigen Nährstoffen kommt selbst bei etwas geringerer Ausnutzung dem Körper beim Vollbrodgenuß doch noch mehr zugute als beim Genuß von Feinmehlbrot, das außer Kohlehydraten säst gar keine Nährstoffe enthält, trotz besserer Ausnutzung. Kurzum, es gibt einfach keinen überzeugenden Beweisgrund, der gegen das Vollbrot ins Feld geführt werden könnte. F. S.
Leichenüberführung aus Desterreich.
Das stellvertretende Generalkommando deS 18. Armeekorps teilt mit: Das k. u. k. österreichisch- ungarifche Krisgsmimsterium weist darauf hin, daß bei Anträgen wegen Lcichenübcrsührung aus der österreichisch-ungarischen Monarchie und den unter österreichisch- ungarischer Verwaltung stehenden Okkupationsgebieten erfah- rungsgeinätz oft kurz nach Einreichung der diesbezüglichen Ge-
Drenstag, &5. Januar 1916. Nr. 39*
suche bereits Erinnerungsschreiben um Beschleunigung der Angclegcicheiten cingehen. Da alle Anträge, betreffend Leichenüberführung, als dringlich behandelt werden, je nach Lage der Grabstätte aber oft umfangreiche Erhebungen notwendig niachen, sind alle derartige Erinnerungen zwecklos. Damit indessen der Antragsteller die Gewißheit hat, daß das betreffende Gesuch zur Erledigung weitergegeben wurde, hat das k. u. t. österreichisch-ungarische Krreysmi niste cium verfügt, daß der Antragsteller durch amtliche Feldpostkarte über den Eingang des Gesuchs bei der zuständigen Feldstelle benachrichtigt wird.
— Kaisersgeburtstagsfeier des „Evangelischen Bundes".
Zu einer Vorfeier von Kaisers Geburtstag hatte der „Evangelische Bund" auf Sonnt rg.cbend in den Feftfaal der „Turngesellschaft" enigeladen, und sein Ntuf hatte ein solches Echo gefunden, daß der Saal lange vor Beginn der Fmer polizeilich gesperrt werden mußte. Ein reiches Programm wartete Ler Erschienenen. Der Vorsitzende Herr Pfarrer Merz führte eröffnend aus, daß gerate der „Evangelische Bund" das Recht habe, eine Kafferfeier zu halten; wolle er doch Christmrtum und Dsuffchtnm zu kebensvollem Bund vermählen, wie auch unsere großen Heerführer imch unseres Kaisers Vorbild eine tiefe Frömmigkeit mit chrer Genialität verbänden. In das Kaiserhoch stimmte die Bersammlung begeistert ein. Die Gesangsabteilung des „Wiesbadener Turnvereins" unter Leitung des Herrn Organisten S ch a u s gab in einer Roche volkstümlicher Chöre Proben ihres hier längst rühmlich be- tannten Könnens. Die Künigl. Hofopernsängerin Frau Dietzer-Hütte! hatte für ihre Gesangsvorträge Lieder moderner erster Meister gewählt, deren femsinnige Wiedergabe für die Hörer er neu ganz besonderen Genuß bedeutete. Am Klavier waltete Herr Kapellmeister Schröder mit vollendeter Technik und feinem Berständnis seines Amtes. Herr Mam Hahn. Mitglied des städtischen Kurorchesters, zeigte sich in seinen Solovorträgen für Harfe als Meister dieses so selten gehörten Instruments, dem er eine Fülle von Wohllaut eutlockte. Der Posaunenchor der Ringkirche, der, unter Leitung des Herrn Kraft, Mitglied des städtischen Kurorchesters, die gemeinsamen Lieder begleitete und die Feier mit einem flotten Marsch schloß, verdient wegen seiner vortrefflichen Lorstungon besondere Anerkennung. Als Festredner waren drei Herren gewonnen, die in drei turzon, ineinander greifenden Ansprachen der geistigen Bedeutung des Festtags gerecht wurden. Herr Profeffor Dr. Merbach zeichnete auf Grund des Wortes des Großen Kurfürsterr „Gedenke, daß du sin Deutscher bist" ein lebensvolles Portrait dieses genialen Fürsten, der ebenso groß als deutscher Kviegs- hold wie als Organisator im Staatslebeii, deutsche Art und Sitte geliebt, die Reinheit der deutschen Sprache gefördert hat. Darauf schilderte Herr Profeffor Macke das Wesen des großen Königs auf Grund seines Wortes „Der König ist der erste Diener des Staats". In harter Lebensschule früh gereist und gealtert, hat er durch sein Beispiel sein Bott zu ernster Pflichttreue und stolzer Vaterlandsliebe erzogen, zugleich dem deutschen Namen durch sein Ausharren und Siegen gegenüber Frankreich und Rußland Weltruhm erworben. Herr Pfarrer Veesenmeyer endlich führte in die Gegenwart mit dem Ruf „Hell Kaiser dir". Er zeigte unseren Kaffer als die Vor- törpevung des Volks in Waffen, dessen Lebenswert im Krieg eben eine von der ganzen Welt bewunderte Probe bestehe. Sein Leben fei voll erschütternder Tragik: sein Friedensstreben und sein Vertrauen sei von seinen Verwandten auf den frenlden Thronen mit Hinterlist und Tücke gelohnt worden. Aber gerade dies habe ihm das Herz Deutschlands ge- woiinen: douffcher Kaiser und deutsches Volk haben sich für immer, auch für die Friedonszeit, gefunden. In seinem Tchlußwcrt gedachte Herr Pfarrer Merz noch unserer tapferen Feldgrauen, deren treues Ausharren es uns daheim möglich mache, solche erhebenden Feierstunden in friedlicher Sfflle zu begehen. Der „Evangelische Bund" kann auch auf diesen Abend mit Befriedigung zurückblrcken. Er hat es verstanden, eine der großen Zeit und ihres tiefen Ernstes würdige Kaiserfsier zu veranstalten.
— Technische Beratungsstellen für kriegsvcrletzte Offiziere.
Der Douffche HÄssbund für kviegsverletzte Offiziere, E. V., Berlin W. 56, Fvanzösischestcaße 29, hat mit lnaßgebenden Vertretern technischer Berufe Fühlung genommen und gemeinsam mit diesen eine ständige Beratungsstelle eingerichtet, die die in Betracht komme.rden Offiziere und Beamte des Heeres und der Flotte der Aküvität, der Jnaktivität und des Beuilaubtenstandes dahin berät, ob ein techittscher Beruf, und welches Sonderfach für sie 'überhaupt in Frage kommt und zutreffendenfalls welcher Weg zur Erreichung des Ziels zu be- schreiten fft. Dank dieser Beratungsstelle ist der HÄfsbuud in der Lage, einwandfrei Rat zu erteilen, und emp-stehlt jedem in Betracht kommenden Herrn, von dieser wichtigen Einrichtung im eigensten Interesse Gebrauch zu machen, ehe er binderche Enffchlüffe für seine Zukunft faßt. Anfragen sind an den Deutschen Hilfsbund für kriegsverletzte Offiziere, E. V., Berlin W. 56, Französischestraße 29 (Telegrammadresse „Offizierhllfe") zu richten.
— Keine feuergefährlichen Gegenstände mit der Post versenden. Trotz aller von den Postanstalten und den Zeitungen veröffentlichten Warnungen vor der Versendung feuergefährlicher Gegenstände mit der Post wird immer noch in unverantwortlicher Weise hievgegen gefehlt. Namentlich gilt dies für die Bersendttng von Päckchen inti) Paketen nach dem Feld. Aus den früheren Veröffentlichungen ist gewiß noch erinnerlich, welch schwere Brandunfälle durch Selbstentzündung solcher Sendunigen bereits entstanden sind; in einzelnen Fällen süid ihnen ganze Wagenladungen mit Feldpostpäckchen MM Opfer gefallen. Angesichts solcher Erfahrungen bringen die Postbehörden jetzt jeden zu ihrer Kemitnis gelangenden Fall der Zuwiderhandlung gegen das Verbot der Versendung feuergefährlicher Gegenstände mit der Post auf Grund des ^ 367 Zfffer 5a des Strafgesetzbuchs für das Deutsche Reich zur Verfolgung durch die Gerichte. Es steht zu hoffen, daß dem Unfug txchurch endlich gesteuert wird. Neben Streichhölzern, Feuerzeugen mit Benzinfüllung, Äter usw., gehört auch Calcinmcarbid zu den leicht entzündlichen Gegenständen; auffälligevweife haben neuerdings auch gerade Sendungen mir diesem Stoff häufig Anlaß zu Strafverfolgmrgen gegebein
— Mißbrauch der Bezeichnung „Feldpost". Der Krieg hat uns eme weitgehende Portafteiheit gebracht. Der gesamte Briefverkehr mit unseren Soldaten, draußen an der Front, wie in der Heimat, hinwärts und herwärts, kostet uns nichts, wenn es M nicht um gewerbliche Angelegenheiten handelt. ES
