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Verlag Langzasse 21
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Montag» 24. Januar 1916.
Kbenö-Kusgabe.
Nr. 38. . 64. Jahrgang.
Englands Schwierigkeiten.
Von Georg Gothcin, M. d. R.*)
Alle Welt ist sich klar darüber, daß der Krieg längst SU Ende märe, wenn nicht England eingegxiffm hätte. England ist heute der Staat, der die anderen Mächte der Entente noch zufammenhält, der sie hindert, Freden gu schließen, der chnen Geld, Waffen nnd AuSrüstungsgegenstäiide liefert. Aber auch England kann sich doch nicht einibildm, heute noch hi-e kriegerischen Ereignisse so zu beeinflussen, daß es den Sieg, den wir an unsere Fahnen geheftet hatten, in eusere Niederlage verwandelt.
Trotz der großen Anstrengungen Englands ist es weniger dls je gäungen, der Kriegslage, sei es im Westen, Osten oder Süden, eine uns nachteilige Wendung zu geben. England sofft eben darauf, uns wirtschaftlich cruszuhungern, uud da !s dies auf dem Wege der Fernhaltung von NahrungSniitteln richt erreichen kann, so soll der Krieg bis zu unserer wirtschaftlichen Erschöpfung geführt werden. Man sollte sich bloß in England darüber klar werden, daß, selbst wenn ihm dieses ßiel gelingen könnte, es wirtschaftlich ebenfalls seiner vtalen Erschöpfung rntgegengeht und daß es mehr als fraglich ist, ob nicht die wirtschaftliche Erschöpfung bei England und seinen Bundesgenossen früher einireten muß als bei uns und unseren Verbündeten. Gerade deshalb sieht man der mit so großer Mehrheit erfolgten Annahme der englischen Wehr- pflichtsbill in Deutschland mit so ruhiger Gelassenheit entgegen. Denn wenn England eine Million Männer mehr unter die Fahne stellt, so fehlen sie ihm für die Herstellung nicht nur von Waffen und Munition, von Ausrüstungsgegenständen und sonstigem Kriegsbedarf, sie fehlen ihm auch zur Herstellung aller sonst benötigten Friedensartikel, der Waren, die auch seine Verbündeten brauchen.
Rechnet nmn den durchschnittlichen Arbeitslohn eines der ausgehobenen Männer nur zu 10 M. für den Tag, was für englische Verhältnisse jetzt sehr niedrig ist, und rechnet man, daß der Wert des hergestellten Arbeitsprodukts auf den Kopf dieser AnSgehobenen nur 15 W. beträgt, so bedeutet üiese Mehraushebung einen täglichen Verlust an hevgestelller Arbeit von 15 Millionen oder im Monat von 450 Millionen Mark, eine Summe, ine nunmehr ins Ausland fließen muß. Dazu treten aber noch weiter rund 50 Millionen im Monat rn unnütz verausgabten Schiffsfrachten, also zu dyn mehr als 3 Milliarden Mark, die England jetzt bereits an baren Kriegskosten monatlich auswenden muß, treten dann-weiter nindestens 500 Millionen hinzu, so daß man crnnehmm kann, Sa Englands Kriegskasten weiter steigen, daß die vierte Milliarde der monatlichen Kriegskosten bald erreicht sein wird. Das heißt aber dann rund 50 Milliarden Mark im Jahre!
Auch England wird sich überlegen müssen, wie lange man »iese ungeheuren Lasten tragen kam:, wie enorm die Verarmung hinterher sein wird, und ernsthafte Blätter, nie der „Economist", die „Nation", der „Labour Leader", 'tellm eindringlich genug solche Fragen. Man wird sich in England überlegen müssen, wofür man eigentlich den Krieg führt, und wird sich, wenn man dies tut, davon überteuren, daß Vorteil von dieser Selbstzerfleischumg Europas tatsächlich nur die Vereinigten Staate« von tlmerika haben, die dadurch die führende Macht der Welt werden, daß Europa aber wirtschaftlich und politisch ichliehlich zugunsten der Vereinigten Staaten abdankt. Für England ist das Niederringen Deutschlands eine Prestige- 'rage, an der es selbst wirtschaftlich verblutet, während ,ie Intellektuellen in England längst zu der Überzeu«lMg ge- tommen sind, daß es vom kauftnännischm Standpunkt allein nchttg gedacht ist, sich mit einem Konkurrenten, den man richt niederringm kann, wirtschaftlich zu kartellieren. Mer sie englischen Drahtzieher, die Herren Grey umd Lloyd fteorge, sind io dickköpfig, daß sie die Methode des gegen- tzitigm Ruinierens als der Weisheit letzten Schluß aris^en.
*0 Vom Oberkommando in den Marke.» zur Vuöffrntlichnng zn- letassen. Tie Schrift!.
Die Ereignisse auf dem Salkan.
Die nachhaltige Wirkung der Nischrr Monarchenzusammenkunft, freudige Hoffnung auf die Entwickelung der Dinge.
Br. Sofia, 24. Jan. (6t*. Drahtbericht. Zens. Bln.) lus den Gesprächen mit leitenden bulggrischrn Pols, ikern gewinnt man den Eindruck, des! die Nischcr kaisertage überall eine sehr starke und nachhal- i g e Wirkung ausgeübt haben Vielfach ist man sogar ffireigt, der Begegnung König Ferdinands mit Kaiser Pilhclm einen entscheidenden Einfluß aus die weitere fntwickelung der Dinge auf dem Balkan und selbst ans ne weiteren Kriegsercignissc bcizumessen. Bemerkcxs- vcrt ist ferner, daß allgemein eine große Zuver- i ch t bezüglich des endgültigen Sieges und eines i a l d i g e n Friedensschlusses zu bemerken ist. siiese beruht offenbar »ns der Aussprache mit Kaiser Vilhelm und den führenden deutschen Männern. Ein- clne Meinungen gehen sogar dahin, daß noch vor Besinn der Offensive gegen Saloniki ein wci- crer Vierverbands st aat, vermutlich Jta- ien, mit einem Friedens airtrag bcrvortreten düritc.
überhaupt mehren sich die Stimmen, die für ein dauerndes Bundesverhältnis Bulgariens mit den Mittelmächten eintrcten und die darin großartige Zu- kunftsplänc knüpfen.
Nikita und sein Briefs.
L. Berlin, 24. Jan. (Eigene MÄdung. Zens. Bln.) Der Vormarsch unserer österreichisch-ungarischen Verbündeten in Montenegro steht nicht nur auf dem Papier, etwa-umdarüberzu trösten, daß dem schlaueuNikita mit seinen Friedensvcrhandlnngcn eine Finte geglückt wäre, zu dem Zweck, Zeit für die Rettung seines Heeres zu gewinnen. Wir erhalten die B e st ä t i g u n g, daß die österreichischen Kolonnen bereits auf dem Wege Podgoritza-Danilowqrad und Nikojze sind und die Einnahme von Skutari in der allerkürzesten Zeit erfolgen wird. Vielleicht werden sich die Entente-Herrschaften bald überzeugen, daß Österreich-Ungarn mit einer Verzögerung des Vormarsches nicht übertölpelt wurde, ja der Besitz Montenegros und die Entwaffnung ganz programmäßig vor sich gingen, und nach allerlei Meldungen, die sich bestätigen werden, daß der Friedensvertrag in Ccttinje volle Gültigkcit erlangt hat — daß also die Finte Nikitas sich nicht gegen die Mittelmächte richtet, sondern gegen Frankreich und England, die ihm nebst Familie während der kommenden Monate unterhalten sollen.
Eine Palastrevolution die Ursache des S1immungsums-V«,untzs Nikitas 2
Br. Lugano, 24. Jan. (Eig. Drcchtbericht. Zenf. Bln.) Die amtliche montenegrinische Erklärung, daß die Ver- Handlungen mit Österreich-Ungarn nur eine F i nt e gewesen seren, um Zeit zu gewinnen, verfehlt, in seder Hinsicht in Italien ihren Zweck. Niemand zweifehlt mehr daran, daß eine Palastrevolution der Partei Martinovitsch-Wukotitsch als Folge des russischen Einflusses und des englischen Geldes -inen Umschwung hrrbeigesührt hat und die königliche Familie und das Kabinett Miuskewitsch zum Verlas- s e n des L a n d e s z w a n g. In Skutari besteht beute crne Diktatur der beiden Genannten, für welche Prinz M i r k o als dynastisches Aushängeschild dient.
Nikita und Prinz Peter auf der Reise nach Zron^reick,.
Die Dnrckireise durch Nom.
W. T.-B. Rom, 24. Jan. (NichtamÄrch. Agenßia Stefani.) Ter König von Montenegro und Prinz Peter sind gestern in Rom einqetroffen und vom König, dem montene- grinischen Generalkonsul nnd dem Präfekten empfangen worden. Am Abend erfolgte die Weiterreise nach Lyon. König Viktor Emannel gab ihnen bis zum Bahnhof da? Geleite, vsr Rronprinz vanilo auf Seite Gesterreichs?
Königin Elena von Italien begrüßt ihre montenegrinischen Verwandten.
Köln, 24. Jan. (Jens. Bln.) Nach der „Köln. Zig." melden Schweizer Blätter a„S Rom: Der Besuch der Königin Elena bei ihren montenegrinischen Verwandten auf deren Durchreise durch Rom dauerte vier Stunden. Ter König von Italien war nur einige Minuten anwesend. Königin Elena machte einen sehr niedergeschlagenen Eindruck. Es sickert jetzt langsam durch, daß der Kronprinz Danilo nnd seine Gemahlin auf Seite Österreichs stehen.
vie montenegrinisüie Regierung in Lyon.
Tie blamierte Gemeinheit der Pariser Presse.
Br. Genf, 24. Jan. (Eig. Dr«h (bericht. Zeus. Bln.) Ms Familiensitz und für die Amtsräume des monte- nogrinischen Ministeriums erhielt König Nikita ein der Präfektur in Lyon gehörendes älteres Haus angewiesen. Die Pariser Presse, die vorgestern noch König Nikita schwer verdächtigte, grüßt heute Frankreichs Gast mit übergroßer Höflichkeit.
Man spricht bereits von einer langwierigen ttapitulation.
DaS Friedensangebot von Nikila nnd seinen Ministern eigenhändig unterschrieben.
Sr. Wien, 24. Jan. (Eig. Drechtbericht. Zens. Vln.) General Koeveß, dessen Armee den entscheidenden Sieg über die Montenegriner errungen hat, äußerte laut „Reichtz- post" zu einem Kriegsberichtzerstaater: Die vollständige Entwaffnung ist bei dem Mangel m: Telegraphenleitungen eine lmrgwieriye und schwere Aufgabe. ES ist zu bemerken, daß die Papiere der Parlamentäre, die das Friedensangebot iibvrbrachtm, von König Nikita und den Ministern eigen- händig unterschrieben waren.
Die gute Behandlung der Bevölkerung.
Sr. Berlin, 24. Jan. lEig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie das .,B. T." aus dem k. k. Kriegspressequartier erfährt, ist österreichischerseitS bei den Verhandlungen der Waffcn- streckung der Montenegriner nnd bei der Ausführung der abgeschlossenen Vcreinbarnng größtmöglichste Mäßigung beobachtet worden. Die Bevölkerung wird gut behandelt nnd wo eS nötig scheint, verpflegt. Die Montenegriner übergaben insbesondere auch 30 k. k. Offiziere und eine Anzahl Mannschaftspersoncn. die bisher in montenegrinischer 5lriegS-
gefangcnschaft waren. Die Beruhigung deS Landes schreitet, wie der Berichterstatter sagt, ohne große Schwierigkeiten fort.
Ein amerikanischer Valkandiplomat über den nutzlosen widerstand eines Teiles der Montenegriner.
Br. Lugano, 24. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zen). Bln.) Der frühere arnerrkanifche Gesandte am serbischen Hof Georges Lorillard ist in Rom eingetroffen und hat) wie die ,-StamM" meldet, auf Grund eigener Beobachtungen mitgeteilt, daß die Fortsetzung des Widerstandes durch die Montenegriner an der Lage nicht viel ändern könne Sk u t a r i könne einer Belagerung n i ch t w id e r st e h e n. Es fchle gänzlich an Geschützen. Die Österreicher beherrschen ihrevseits bereits die Mündung der Bojana und auch zu Lande rücken sie vor, ohne ernstlichem Widerstand zu begegnen. Als der Gesandte San Giovanni di Medua verließ, um sich nach Durazzo zu begeben, wo er sich einschiffte, erwartete man bereits die Besetzung der L>tadt durch die Österreicher. Im Süden drängen die Bulgaren immer weiter vor.
Der Woiwode Putnik gestorben?
Sr. Berlin, 24. Jan. (Eig. Drahtzbericht. Zens. Bin.) Nach einer Meldung des „B. L." ans Bukarest ist der Woiwode Putnrk, der mit der serbischen Regiemnqg in Korfu eingetroffen war, dort gestorben. (Putnik, der Sevbeuführer, war bekanntlich schon einigemal totgesagt worden, ist aber immer wieder ouferftanden. Die Schriftl.) Uebergabe serbischer» von Deutschen besetzter Städte an Bulgarien.
W. T.-B. Sofia, 24. Jan. (Nichtamtlich.) In eine» Untervedung mit einem Bertoelter des „Udro" teilte der linier- richtsminister Pefchew mit, die Deuffchen hätten die öul- garffche Regierung aufgefvüdert, die Städte und Bezorke Prizrend, Djakawa. Pristina, KMfevac, Krtprija, Poz-arewoc, Prokuplje, die bisher von den Deutschen besetzt gewesen seien, zu okkupieren. Sie seien von den bulgarischen Berwaltungsbeihörden übernonrmen worden.
Ankunft einer neuen deuffchen SanitätSkolonne in Sofia.
\V. T.-B. Sofia, 24. Jan. (Nichtamtlich.) Die neue deutsche Scmitätsmission von 20 Schwestern ist hier cmge- komnren.
Der deutsche Gesandte in Bukarest.
W. T.-B. Bukarest, 23. Jan. (Nichtamtl. Draihtber.) Der deutsche Gesandte Freiherr v o n d e m Busche ist hier eingetroffen.
Rmerika und die Verletzung der griechischen Neutralität.
W. T.-B. New York, 24. Jan. (Nichtamtlich. Durch Funkspruch von dein Vertveter des W. T.-B.) Die Pmesse bespricht dm von König Konftcmitin in seiner Unterredung mit dem KorvefpondMten der Associated Preß an Amerika zerich- tsten Appell, insbesondere seine Äußerung, daß die Alliierten sich auf die militärische Notwendigkeit berufen und dm Hincheis auf die Verletzung der Neutralität KouftrS. — „World" schreibt in einem Leitartikel: Diese Anklage ist leider berechtigt. England zog in den Krieg mit dem besten Willen, die Vertragsverpflichtungen einzuhalten, die Rechte der Neutralm und die Achtung des Völkerrechts. Aber alle hochklingenden Worte tvurdm durch die militärische Notwendigkeit erfffckt, wormrter die Kriegführenden alles verstehen, was sie tun und was sie zu tun flir angemessen haltm. Obwohl die britische Kriegsführuug lvmiger mörderisch (!)’ ist als die deutsche, ist es kaunr der Mühe wert, den Einbruch zu verherrlichen, nur weil er zufällig nicht zum Totschlag wird. Nach 18 Monatm Krieg sind die Rechte der Neutrakeac uur das, UwS die Neutralen durchzusetzen vermögerr und nur das. Die militärische Notwendigkeit hat alles andere vernichtet.
Ein Leitartikel der „New Uork 6un" sagt, daß Griechenland, wie es sein König in der Unterredung erklärt hat. Klagegründe gegeir die Alliierten hat und seine Beschwerden mit der Verletzung der griechischen Neutralität begrürchan kann. Andererseits ist es nicht zu leugnen, daß eine ge- wisse griechische Regierung an der Landung der fvanzösffcheu Mid britischen Soldaten auf griechischem Bode« mitschuldig ist, ferner, daß Griechmland mit einer Wehr- nmcht von 300 000 Monn, trara es gewollt hätte, eine mt- schcidende Haltung gegen die Landung der ersten Kontingente hätte einnehmen können. Wmn Griechmland dies getan hätte, würde es jetzt einen Grund haben, sich über die Verletzung seiner Neutralität zu beschweren? Wahrscheinlich nicht.
Die französische presse zur Unterredung des ttönigs von Griechenland.
Der schärfste Unwille gegen König Konstantin.
W. T.-B. Bern, 24. Jan. (Nichtamtlich.) Die Unterredung des Königs von Griechmland mit dem Vertreter der Associated Preß erregt die Gemüter der Pariser sehr. Alle Blätter entnehmm ihr ffelffamerweise mit Genugtuung, daß ker König nicht mehr an dm Sieg der Deutschen ylaulbe. „Journal" und „Petit JournÄ" begnügen sich damit, Äußerutngm einer hohen sranzöstschm Persönlichkeit zu den ihrigen zu machen und zu betonen, daß sich die Alliiertm
