Der Krieg.
Eine erfolgreiche Minensprengung südöstlich lfpern. — Artilleriekämpfe in West und (Vst.
Oer Tagesbericht vom 22. Januar.
W.T.-B. Großes Haupt quartier, 22. Jan.
Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Südöstlich vou Ypern zerstörten wir durch eine Mine die feindlichen Gräben in einer Breite von 70 Metern.
Unsere Stellungen zwischen der Mosel und den Vogesen sowie eine Anzahl von Ortschaften hinter unserer Front wurden vom Feinde ergebnislos beschossen.
Gestlicher Kriegsschauplatz.
Bei S m o r g o n und vor Dünaburg Artilleriekampfe.
Balkankriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Oberste Heeresleitung.
Oie allgemeine Kriegslage.
(Von einem alten Offizier.)
Seit längerer Zeit haben bie Gegner aus der West-- front wieder eine offensive Tätigkeit entwickelt. Bei Frelinghien, 10 Kilometer nördlich von Lille gelegen, unternahmen die Engländer einen Angriff gegen die deutschen Stellungen, der unter schweren Verlusten zurückgeschlagen wunde. Es läßt sich vorläufig noch nicht erkennen, ob dies lediglich eine Unternehmung untergeordneter Bedeutung auf örtlich beschränktem Räume ist, oder ob dieser Angriff etwa als Vorzeichen einer neuen größeren allgemeinen Offensive zu betrachten ist, die alsdann in unmittelbarer Verbindung mit den russischen Angriffen in Besfarabien stehen würde. Die nächsten Tage müssen darüber Klarheit bringen. Es nmg auch daran erinnert werden, daß schon vor einiger Zeit von einer Beschießung von Lille durch englische weit- tragende Geschütze und von gesteigerter Tätigkeit bei Minen- und Hanidgranatenkämpfen berichtet worden ist.
Auf der befsarabifchen Front hat die große russische Offensivefchlacht mit erneuter Heftigkeit eingesetzt. Die gestern gemeldete neue Ruhepause in den Kämpfen ist wohl nur vorübergehender Natur und scheint lediglich zur Heranführung weiterer Verstärkungen, zur Bereitstellung der erforderlichen Munition und als Ruhezeit für die durch die bisherigen Kämpfe arg mitgenommenen Truppen benutzt worden zu sein. Die neue Schlacht, die jetzt entbrannt ist, ü b e r st e i g t die früheren Angriffe sowohl durch die große Zahl der dabei eingesetzten feindlichen Truppen, wie durch die Heftigkeit der Angriffe selbst. Bisher ist es den tapferen österreichich-ungarifchen Truppen aber überall wieder gelungen, ihre Stellungen zu behaupten und die feindlichen Vorstöße obzuweffen. Daß es den Russen an einzelnen Stellen geklügen ist, in die Linien rmserer Bundesgenossen selbst einzudringen, bowe.ist die große Energie ust!k> Zähigkeit -der russischen Führung und die Tapferkeit ihrer Truppen. Desto höher ist aber auch der Erfolg der k. und k. Truppen zu bewerten, denen es überall gelang, im Nahkampf den eingedrungenen Feind wieder zu vertreiben.
Bon den übrigen Kriegsschauplätzen und Fronten liegen keine neuen Meldungen von Bedeutung vor. In Südmazedonien scheint noch volle Ruhe und Stillstand der Operationen zu herrschen. Angeblich wllen die Westmächte in Kawalla 12 000 Mann gelandet halben, wodurch ihre Operationshasis eine wesentliche Verbreiterung und günstigere Gestaltung erfahren haben würde. Me telegraphischen Berbin- düngen mit Griechenland sind vollkommen ab- aeschnitten und befind-en sich in Händen der West- mächte, sobaß zuverlässige Nachrichten über die Gestaltung der inneren politischen Verhältnisse nicht zu erhalten sind. Me letzten Nachrichten vom montenegrinischen Kriegsschauplatz stellen den ruhigen Fortgang der W affen nieberleg un g fest. Im Widersprich dagegen stehen die ausländischen Berichte, nach denen angeblich die Friedensverhandlungen abgebrochen und die .Montenegriner erneut den Kanipf ausgenommen haben sollen. Es scheint sich — ein klares Bild hat man einstweilen nicht — dabei nur um einen Teil der montenegrinischen Truppen zu handeln, nämlich um die in Skutari zusammen mit serbischen stehenden, die angeblich auch den König Nikita in ihrer Gewalt haben. Bei den vielfachen .wahrheitswidrigen Nach- richten, die von der ausländischen Presse stets der- breitet werden, müssen alle diese Angaben init berechtigtem Zweifel aufgenommen wenden. Daß auch ein weiterer Widerstand der montenegrinischen Heeresreste
in Albanien oder in einzelnen Teilen des Landes an der militärischen, eben schon entschiedenen Lage nichts andern werden, geben selbst französische Blätter zu. Montenegro i st erledigt. Me Reihe kämmt an Albanien.
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Oie Ereignisse auf dem Balkan.
vie Schwierigkeiten der montenegrinischen Vaffenstreekung.
Berlin» 22. Jan. (Zeus. Mn.) Zu den Schwierigkeiten der montenagrinischeu Waffenftveckung wird dem „58. 2.-21." aus dom !. t Krieg spresseq uccntier vom 21. Jan. berichtet: Im der Durchführung der Schwierigkeiten stützt die montenegrinische Regierung auf Schwierigkeiten; das ist zunächst mit den grotzen Entfernungen und schlechten Verbindungen zu erklären. Es gibt überhaupt nur drei fahrbare Wege, die das ganze Land durchqueren, und die montenegrinischen Truppen stehen überall von diesen Wegen ziemlich weit entfern t in den Bergen. Bon einer telephonischen Vermittlung kann nicht die Rede sein, da das monteuegrinifche Heer sich einer Telephoneinrichtung auch während des Feldzuges nicht bedienen könnte. Schwierigkeiten, die infolge diekes Mangels auftauchen, werden mit den verschiedensten Zeichen überwunden. Der Vorpostenkommandant überzeugt sich z. B. von der Wachsamkeit seiner Feldwachen durch zwei Gewehrschüsse, auf die er von jeder Bergspitze je zwei Schüsse als Antwort erhält. Wenn von irgendwo die Antwovtfchüffe ausbleiben, wisse der Kommandant, daß dort oben irgendetwas nicht in Ordnu»lg sei. 58ei solchen Ver- hältniffen setzte es nicht in Erstaunen, daß Teile der montenegrinischen Annee und Bevölkerung die Notwendigkeit der Waffenstreckung noch nicht ffar erfaßtem Es sind das Lcnte, die in dom Bannkreise des Panslawismus erzogen wurden. Das Gros der 2lrmee und der Bevölkerung sind aber treue Anhänger des Königs.
Belgrad. 22. Jan. (Zens. Bin.) Die Übermittlung des Kapitulationsbeschluffes an die montenogrinischen Heeres- gruppen, die etwa 40000 Mann betragen, nimrnt wegen schlechter Verständigengömöglichkeilen und Mangels an Telephonen viel Zeit in Anspruch. Außerdem müssen die Sammelbecken der Kapitulierenden, ferner solche Aufnahmeorte bestimmt werden, die Verpflegung, Obdach, ärztliche Bohand- lung nsw. ermöglichen. Da das ganze Volk kämpfte, mutz der l e tz t e B a u e r in der letzton Berghütte verständigt und auf die Volksstimmung Rücksicht genommen werden. Der König hat Eettinje am 12. Januar verlassen. Er befindet sich jenseits- der Demarkationslinie boi seinen Truppen. -Auch in allen Gemeinden boteil die Ortsborsteher ihre Unterwerfung an. überall war man von der 'nahenden Kapitulation unterrichtet. Soldaten übertrachten am 13 > Januar, nachmittags, das erst von allen montenegrinischen Ministern gezeichnete Schriftstück. Die Entsendung von Delogierten, unsererseits nur Militärs, wurde erst nach Annahme der bedingungslosen Übergabe zvgefagt und durchgeführt. Mt der Detailfestlegung der Kapitulation wurde sofort begonnen.
ver geänderte Kurs.
Br. Rotterdam, 22. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der montenegrinische Generalkonsul in London erhielt eine Depesche ähnlichen Inhalts, wie sie gestern von dem montenegrinischen .Konsul in Rom veröffentlicht wurde, nur in einem macht die Depesche des Londoner Konsuls einen bemerkenswerten Nachsatz. Es hettzt darin, der König und seine beiden SöMie bleiben cm der Stütze der Truppen, um die letzte Verteidigung zu organisieren. Dann weiter- um sich, wenn es nötig wird, an dem Rückzug der tapferen ?lrmee zu beteiligen. Der König äußerte die Zuversicht, daß die Alliierten schließlich helfen werden.
Kampf bis zum Äußersten?
Frankfurt, 22. Jan. (Zens. Frkft.) Von der Schweizer Grenze läßt sich die „Franks. Ztg." melden: Das montenegrinische Generalkonsulat in Paris hat den dortigen Abendblättern folgende Mitteilung zugestellt: „Herr Lazarus M i u s k o w i t s ch, Ministerpräsident und Minister der auswärtigen Angelegenheiten Montenegros, ist vorgestern abend in Begleitung der Königin Milana und der Prinzessinnen auf dem Wege nach Frankreich in Brindisi eingetcoffen. Er hat von dort aus dem Geschäftsträger Miuskowitschs in Paris, Herrn Louis Brunet, telegraphiert, daß der König und seine Regierung alle österreichischen Bedingungen energisch abgelehnt hat, und daß Montenegro den Kampf bis zum äußer st en fortsetzen wird. König Nikolaus ist mit seinen zwei Söhnen in der Mitte seiner Truppen verblieben, um den letzten Widerstand zu organisieren und gegebenenfalls den Rückzug seiner tapferen Armee zu erleichtern. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Alliierten ihm eventuell wirksamen Beistand leisten werden für die Evakual'onsoperationcn, wie sie es für die serbische Armee getan haben. Die übelwollende Unterstellung, deren Opfer Montenegro geworden ist, weil man den vom Feind verbreiteten Tendenznachrichten Glauben geschenkt hat, habe seine Regierung peinlich berührt. Herr Miuskowitsch hofft, datz die tragische Zeit, die sein Land durchmacht, seine heldenmütige Treue erweisen wird gegenüber'seinen Bundesgenossen, seiner Vergangenheit und feiner-
nach Lyon begeben wird. .
Die französische Presse gibt zu, datz der n eu e W»der- stand des Königs von Montenegrc weder an der porrti- s ch e n noch an der militärischen Lage etwas ändert. Die .Lnsovmation'' bemerkt kurz, datz der Widerstand eines Bruchteils der montenegrinischen Truppen die Österreicher nicht hindern wird, das montenegvinische Gebiet besetzt zu halten.
Rus der italienischen Presse.
Die wiederaufgcnommcncn Feindseligkeiten sollen nur den montenegrinischen Rückzug erleichtern?
W.T.-B. Bern, 22. Jan. (Nichtamtlich.) In einer ^Besprechung des Abbruchs der Verhandlungen zwischen Österreich-Ungarn und Montenegro schreibt der „Cownere -alla Sera": Die Fassung der Kundgebung des montenegrrnrlchen Vertreters in Rom lasse keinen Zweifel Über das Endziel der wiederau-sgenommenen Operationen. Der Kamps habe zwar wieder begonnen, aber man schlage sich nun zur letzten Verteidigung, das heitzt um die Räumung und den Rückzug zu erleichtern. Für Montenegro bleibe cm- scheinend kein anderer Ausweg. Der „Corriere oella Sera" weist sodann auf die Unhccktbarkeit der These von der Verteidigung Montenegros zu einer Reorgamsarnm hm ns® schließt:'Das Schicksal des Balkans entscheidet sich nicht in Montenegro, ebensowenig wie in Albanien. Nur im Wardartale könnte vielleicht eine große Aktion me Lebensadern zerschneiden, welche die Msttelmächte mit dem Orient verbinden. — Der „Secolo" schreibt: Die Nachricht von der Wiederaufnahme des Widerstandes Montenegros könne nur mit Genugtuung -begrüßt werden. Man muffe aber sofort hinzufügen, datz die Ankündigung kerne Hoffnungen und Illusionen erwecken dürfe, wie auch dre Waffenstreckung militärisch -nicht von Bedeutung war.. Dre Montenegriner verhehlen sich nicht, daß die letzte Vertsdigmig nur in einem Versuch äußersten Widerstandes vor Skutarr und einem geordneten Rückzug nach Albanien bestehen könne.
Berlin, 22. Jan. (Zens. Bln.) Zu der italienischen Mitteilung über die neuesten Vorgänge im montenegrinischen Heer heißt cs im „B. L.-Ä.": Sie scheint Ue A-rnoHme zu bestätigen, zu der man einstweilen, so lange von österreichischer Seite keine näheren Mitteilungen vorlägeii, genötigt sei, datz der Widerstand gegen die voni Körrig und der Regierung angenommene bedingungslose Unterwerfung von Teilen des Heeres ausgehc, die von der Waffenstreckung nichts wisseir wollten. Letztere werde natürlich so oder so trotzdem durch geführt werden und das endgülti ge Schicksal des Landes würde sich, wenn König Nikita plötzlich öot seinem gegebenen Wort zurücktrete, getmtz nicht glimpflicher gestalten als bei Aufrechterhaltung seiner auf Gnade und Ungnade angebotenen Kapitulation.
Ein Urteil über Nikita.
Berlin, 22. Jan. (Zens. Mn.) Immanuel schreibt im „Roten Tag" über Mkita: Er ist ein vi elg-ewa ndter Herr, ebenso geübt in den Winkelzügen der großen suvopäl- schen Politik wie in der Verwaltung seines Ländcheus, das er, der jetzt 74jährige, mehr als 85 Jahre, zuerst als Patriarch, dann als Fürst und seit 5 Jahren als König beherrscht hat. Er ist kein schlechter Organisator, auch Soldat, ein begabter Dichter, ein glücklicher Schwiegervater, ein Geld mann, der an der Londoner Börse durch Spekulation bei Ausbruch des Kriegs 1012 Millionen eingeheimst lat. In London und Paris wirft man ihm Charakterlosigkeit vor. Aber man verspürt beim Vierverband durch die Vorgänge im kleinen Montenegro ein Unbehagen wie in einem Gebäude, dessen Grundmauern zu wanken beginnen. .Hierin beruht die (Bedeutung des Schrittes, den Montenegro getan hat.
Oer eindrucksvolle Empfang der oster- reichi'«^-ungarischen Truppen in Eettinje.
Ein Erlass des Königs Nikita an die Bevölkerung.
Br. «erajewo, 22. Jan. (Etg. Dvcchtbericht. Zens. Bln.) Me hierher berichtet wird, war in Eettinje der Empfang der österreichisch-ungarischen Truppen festlich. König N'kita selbst hatte es so ungeordnet, und zwar mit folgendem Er- laß: „Meine teueren und zärtlich geliebten Bürger von Eettinje ersuche i'ch, die österreichifch-mvgarifche siegreiche Armee feierlich zu empfangen, weil es das Interesse des Landes so erheischt" — In anderen Orten begrüßten die Gemeindevorstände unsere Truppen mit Ansprachen, in denen sie erklärten, ihnen das Schicksal der BevöÄerung vertrauensvoll in die Hände zu legen.
Eatsachfsche Zurückziehung der italienischen Truppen aus Albanien?
Berlin, 23. Jan. (Zens. Bln.) Daß die italienischen Touppen aus Manien zurückgezogen werden, darüber lassen nach verschiedenen Morgenblättern die neuesten Nachrichten aus Italien wirklich keinen Zweifel mehr.
Die Durchreise der montenegrinischen Königin durch Rom.
W. T.-B. Bern, 22. Jan. (Nichtamtlich.) Die Agenzia Stefan, meldet, daß der König und die Königin von Italien die Königin von Montenegro unfo die beiden montenegrtni-
Wiesbadener TUM.
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marllring 19, '»wie die Ausgabestellen in allen leiten der vtadt: in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorien und im Rheingau die betreffenden Tagblan- Träger
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Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, anher Snruetags.
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Anzeigen: ou grsg. cur uue unwuu,» ...... .„w., . «... --- - - ■—
RrNamen. Sanze. halbe, drittel und oicrtel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung.
Bei wiederholter Ausnahme unveründcrter Anzeigen in kurzen glmschcnraumen entsprechender Nachlaß.
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Berliner Schriftleit«ng>eSWiesb°denerT.,rlatts-Lerli»1h'..P-tsdamerStr.121Il. Fernspr.: Amt Lütz-w 6202 «.6203. Tagen und Mützen wird keine Gewähr übernommen.
Nr. 36. . 64. Jahrgang.
Samstag» 22. Januar 1916.
5 lbend-Ausgabe.
Zukunft, und daß die ungerechte Kampagne ein Ende nehmen
wird. Der Mnifterpräsident erwartet in Brindisi das diplo-
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