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Samstag, 22. Januar 1916.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 35. ♦ 64. Jahrgang.
Der Krieg.
Eine Kampfpause an der bessarabischen Front.
— Russische Flieger über vrzezanq. — Die Stellungen der Verbündeten am Lol di Lana
unter Trommelfeuer.
Oer österreichisch-ungarische Tagesbericht,
W.T.-B. Wien, 21. Jan. (Nichtamtl. Drahtber.) Amtlich verlautet vom 21. Jan. mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Der Eindruck der großen Verluste, die der Feind am 19. in den Kämpfen bei Toporoutz und Bojan erlitten hatte, zwang ihm gestern eine Kampfpause auf. Es herrschte wie an allen Teilen der Nordostfront
— von zeitweiligen Geschützkämpfen abgesehen — verhältnismäßig Ruhe.
Ein russisches Flugzeuggeschwadcr überflog das Gebiet süddöstlich von Brzezany und warf Bomben ab. Diese richteten keinerlei Schaden an.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Gestern nachmittag standen unsere Stellungen auf dem Gipfel und den Hängen des C o l di Lana zwei Stunden unter TrommcEcuer. Auch San Paus es (nördlich vom Peutelstcin) wurde sehr heftig beschossen. An den übrigen Fronten geht die Artil- lerietätigkeit nicht über das gewöhnliche Maß hinaus.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Fcldmarschalleutnant.
Die Ereignisse auf dem valkan.
vie Lügenpresse über Montenegro an der Arbeit.
Aus der Friebensbereitschaft Montenegros kann in der ganzen Welt von Urteilsfähigen nur der Schluß gezogen werden, daß der kluge Nrkita an einen Erfolg des Wervervands nicht mehr glaubt und deshalb vom siegreichen Gegner nimmt, was er kriegen kann. Je einwandsfreier diese Schlußfolgerung ist, um jo schädlicher wirkt sie politisch auf die Sache des Mervevbanids: denn sie trägt nicht wenig dazu bei, daß die rmmer noch fortdauernden Bemühungen, Griechenland und Ru m ä n i e n auf die Seite des Diewerbands zu bringen, e:r!dgültig scheitern, und belebt den Widerstand der Neutralen gegen die wirtschaftliche Willkürschaft Großbritanniens. In der Verlegenheit über diese Wendung haben die Vierverbandsmächte zu dem alten Mittel gegriffen, das sie von Anfang an als Kampfeswerkzeug bevorzugten: zur Lüge. So hitzig die Bundesgenossen wegen der Fernhaltung Italiens vom Balkan sich eben noch in den Haaren lagen, so verständnisinnig einigen sich alle auf die Lügenparole des. Kapitols, daß Montenegro im geheimen Einverständ- nis mit Österrerch gestanden habe. Der am Tiber aufgeworfene Ball wird von den Auguren an der Themse teils verschämt, wie von den „Daily News", teils ohne Scham, wie von dem „Times", aufgefangen und weitevgegebm, während die Pariser „A g e n c e H a v a §" den angesichts des Vollzugs der Waffenstreckung unglaublichen Schwindel aus- strent, daß Montenegro die Friedensverhandlungen abgebrochen Hobe. Wenn sich die Diplomatie Italiens und der Westmächte zu solchen Lügen vcrfteigt, offenbart sie damit lediglich, welchen tiefen Eindruck Montenegros Friedensbereitschaft auf die Bevölkerung jener Länder gemacht hat. Ob sich deren stark erschütterte Siegeszuversicht auf solche Weife in dem gebotenen Umfang wieder aufrichten lassen wird, bleibt abzuwarten. Me Ungeduld, endlich an Stelle der Worte Taten zu sehen, ist unter den Völkern des Bierverbauds — darüber beseitigen ihre Parlamente und ihre Presse jeden Zweifel — ständig im Wachsen begriffen. Solche Ungeduld mag durch neuen Schwindel vielleicht notdürftig beschwichtigt werden; auf die Dauer jedoch sind es nur Taren, die sie befriedigen, und nicht gedruckte oder gesprochene Lügen.
Zum angeblichen Abbruch der Friedensverbandlungen mit Montenegro.
Br. Haag, 21. Jan. (Eig. Drahtber. Zenf. Bin.) Londoner Blätter melden: Nikitas Sonderfrieden erregt große Unzufriedenheit in seinem Heere. Generat Martinovrc übernahm die Führung der Unzufriedenen, die weiter kämpfen wollen und falls dies nicht mehr unter eigener Fahne möglich sei, in den serbischen Reihen.
Italienisches Mißtrauen über den angeblichen Sinncs- wechsel in Montenegro.
Br. Lugano, 21. Jan. (Erg. Drahtber. Zeus. Mn.) Italien nimmt mit Verblüffung und Mißtrauen die Meldung auf. daß Montenegro die Verhandlungen über die Waffenstreckung abgebrochen habe und den
Kampf wieder besinne. Die Prelle äußert sich denn
auch sehr zurückhaltend. Die Konsulta, die Montenegro stets als unsicheren Kantonisten angesehen hat. schweigt. Aus San Giovanni di Medua meldet die „Jdea Nationale", daß serbische Abteilungen aus Skutari urrd montenegrinische Heeresreste den König gezwungen hätten, den Kurs gu ändern. Aufsehen verursacht eine Äußerung der „Popolo Romano", die dieses Matt an die Kunde vom Friedensschluss Montenegros knüpfte und die so lautet: Der tapfere Herrscher, der nicht in wenigen Schlachten für die Unabhängigkeit feines kleinen Reiches kämpfte, legt durch die Waffenstreckung eine neue Probe seines hohen Unabhängigkeitssinnes ab, der auch sicher als Verdienst vom alten Kaiser von -Österreich gewürdigt werden wird.
Eine Einigung über vie provisorischen
Friedensbevingungen mit Montenegro?
Br. Stockholm, 21. Jan. (Eig. Drahtber. Zs. Bin.) Nach einem Telegramm, das die Stockholmer Zeitung „Dagens Nyhetcr" über Paris aus Athen erhalten haben will, wäre zwischen Österreich-Ungarn und Montenegro eine Einigung über die provisorischen Friedensbedingungen bereits erzielt. Das schwedische Blatt glaubt bereits Angaben über den künftigen Umsang des neuen Reiches Montenegro machen zu können.
(Wie die gestrigen Meldungen der „Agence Havas" und der „Agencia Stefani", so muß auch diese Nachricht, so wohlwollend sie anscheinend auch gemeint ist, doch mit demselben Dorbchalt «ausgenommen werden, solange die Stelle, welche die Angelegenheit in erster Linie «angeht, es noch nicht für nötig befunden hat, der Öffentlichkeit Aufklärung M geben. Die Schriftl.)
vie Königin und Prinzessinnen von Montenegro auf dem Wege nach Frankreich?
W. T.-B. Rom, 21. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbevicht. Agencia Stefani.) Me Königin von Montenegro urrd die Prinzessin neu Xenia und Vera sind gestern abend von Brindisi in Rom oingetroffen und refften nach Lyon (?!) weiter, wohin sich auch dre bei Montenegro beglaubigten Diplornaren begaben, weiter.
Neue Gerüchte über die Ku'rsSnderung Nikitas.
W. T.-B. Bern, 21. Jan. (Nichtamtlicher Drahtber.) Die „Jdea Nazionale" will aus San Giovanni di Medua telegraphisch erfahren haben, der unerwartete Handstreich Montenegros sei auf die Ankunft von serbischen Truppen aus Skutari unter dem Oberbefehl des Generals Martinovitsch zurückzuführen. Dieser sei der Führer der antiösterreichischen Strömung und habe König Nikita gezwungen, den Kurs zu ändern.
Eine dreifache Verteidigungslinie der vulgaren.
London, 21. Jan. (Zenf. Mn.) Der „TimeS"-.Mit- arbeiter aus Saloniki meldet, daß die Bulgaren eine dreifache Verteidigungslinie cm legen. Me erste bei Gswgeli, bk zweite zwischen Gewgeli imd KreSna und die dritte bei Kiresna.
vie vrutaiität der Verhaftungen in Saloniki
Die deutschen „Benzinlieferanten".
Sr. Konstantinopcl, 21. Jan. (Eig. Drahtbevicht. Zenf. Mn.) Eine deutsche Dame, die soeben aus SakmiiJt zurück- fotn, erzählt dem Berichterstatter der „Voss. Ztg." folgendes: Die Verhaftungen in der Vorstadt, wo die Konsuln wohnen, wurden von den Engländern vorgenommen. Mese benahmen sich brutal und schlugen die Türen ein. wenn diese nicht gleich geöffnet wurden. Rach dem ersten Fliegerangriff auf das Salonikier englifch-fvanzösische Mili- tärlager wurden nur Deutsche, Österreicher und Ungarn festgenommen. Nach dem zweiten Fliegerangriff schritt mau zur Verhaftung von Bulgaren und Türken, und als dann die Kriegsschiffe von Saloniki versehentlich nach einem fvanzö- sijchen Flieger, der sofort niederging, schossen, wurden auch Griechen und Juden verhaftet. Granaten der Kriegsschiffe freien bei dieser Gelegenheit in den Garten des denffchen Pastors. Eine Granate ging unweit des griechischen Prinzen Andreas nieder, der mit griechischen Soldaten exerzierte. Es wurde dann behauptet, es seien deutsche Meger- bomben gewesen. Andere Geschosse fielen in eine Derwisch- Moschee, wo Feuer ausbrach. Die deutschen Kaufleute wurden beschuldigt, Benzin an deutsche 11-Boote geliefert zu haben. Me Landungen in Saloniki werden ununterbrochen fortgesetzt.
Griechenlands Protest über die Landung in phaliron.
Griechenland erwägt Garantiefordernngen.
Br. Budapest, 21. Jan. (Eig. Drahtber. Zs. Bin.) Der Sofioter „Az Est"-Bcrichtcrstattcr teilt eine Athener Meldung mit, wonach der griechische Minister des Äußern gegen die Landung in Phaleron bei den englischen und französischen Gesandten energisch p r o t e sti c rt e. Er erklärte, daß wenn die gelandeten Truppen binnen 6 Stunden nicht zurückgezogen werden, wird die griechische Armee den Befehl erhalte», bewaffnet aufzutreteu. Nach dieser
Mitteilung hielten die beiden Gesandten eine Konferenz ab und beschlossen die Zurückziehung der Truppen. Vor der Wiedcreinschiffung durchsuchten die Engländer und Franzosen den Hasen, ob ein S t ü tz P u n k t für Unterseeboote vorhanden sei. Der Abzug der englisch-französischen Truppen ist für Griechenland noch keine genügende Garantie, da befürchtet werden muß, daß sich solche Fälle wiederholen werden und das Ansehen Griechenlands vernichten würden. Deshalb fordert Griechenland von England und Frankreich eine Äußerung über ihre künftige Haltung. Angeblich soll es auch Garantien fordern, daß die Entente außer Saloniki keinen anderen Hafen mit Beschlag belegt, und das Kriegsgebict nicht ins Innere Griechenlands ausdehnt.
Nach «diesem Protest zu schließen, muß also doch eine Landung stattgefunden haben, wie auch zuerst «gemeldet wuvde. Wenn darauf dieser Tage verlautete, daß es sich nur um ein Ger ü ch t gehandelt habe, so erfolgte diese Darstellung, wie nunmehr aus obiger Meldung deutlicher erkennbar fft. wohl nur zu dem Zwecke, die scharfe Zurückweisung des neuesten Übergriffes in der öffentlichen Meinung abzuschwächen.
Die englischen Getrcidcliefcrungsverhandluugen mit Rumänien.
IV. T.-B. Bukarest, 21. Jan. (Nichtamtlich.) Nach MAtermeldungen bestimmt der zwischen d«er Zentralkornmission für den Verkauf und die Ausfuhr von Getreide mit der englischen Regierung abgeschlossene Vertraig über den Einkauf von 80 000 Waggons Weizen durch die Engländer, daß bis zum 1. Februar alle den Einkauf betreffenden Formalitäten erledigt sein müssen. Der Käufer verpflichtet sich, sie spätestens sechs Monate nach FriSdenSfchluß Au be» z iahen. Der Preis für einen Waggon beträgt 3200 Lei.
Grundverschiedenhetten im Zeindeslager.
O Berlin, 20. Januar.
Don unseren Feinden zeigen England und Frankreich den stärksten Willen zum Kampfe, wäh- rend Rußland und Italien genug von der Seche zu haben scheinen. Das wird man in Petersburg wie in Rom nicht zugeben, aber man «merkt es hinlänglich deutlich. Das sinnlose Einsetzen ungeheurer Truppenmassen an,d«er Grenze der Bukowina wird von den militärischen Sachverständigen nur noch als eine Tat der V e r z «w e i f l u n g gewürdigt, die russische Kraft i st im Erlahmen begriffen, die größere Masse gleicht die erlittenen furchtbaren Vertusch nicht mehr aus, und es ist so, wie Hrndenburg es bezeichnet hat: „Die Bouillon wird immer dünner!" Wir wollen uns hier nicht auf das reinmilitärische Gebiet begeben, wir halten uns an den Gesamtanblick, und der rechffertigt das Urteil, daß Rußland den Weg noch abwärts beschritten hat. Offenbar wachsen auch die inneren Schwierigkeiten in dem Riesenreiche, uich wenn wir die mancherlei Nachrichten über revolutionäre Zuckungen nicht zu überschätzen brauchen, so dürfen wir sie auch nicht als gleichgültig ansehen. Müssen wir vor einer Übertreibung unserer naturgemäß subjektiv ge- färbten Anschauung hinsichtlich der Wirklichkeit auf der Hut sein, haben wir also zwischen unserem Wunsche, wie es gehen möchte, und den tatsächlichen Bcrhältnisien sorgfältig zu unterscheiden, so können wir«doch den Zeug- nisten aus dem feindlichen Lager selber Gewicht beilegen. Wenn der Petersburger Berichterstatter der,„Daily Mail" vorsichtig genug seine Eindrücke dahin zusammenfaßt, daß Rußland nur entschlossen ist, sich seihst zu retten, so wird das allerdings ernstzu- nehmen sein; Rußland rechnet offenbar nicht mohr auf einen Umschwung zu seinen Gunsten, sondern nur noch auf die Möglichkeit der Behauptung. Es will doch viel bedeuten, daß vor kurzem aus Petersburg ein Fühler (in einem Züricher Blatte) ausgestreckt ivorden ist, aus dem sich erkennen ließ, welche politische Grundlage die russischen Machthaber für die Einleitung einer Verständigun«g mit uns hergerichtet sehen möchten. Es «war da gesagt, daß Rußland seinen Drang nach dem offenen Meere niemals auf,geben werde, daß aber dieser Drang, weil er in der Richtung zum Bosporus und den Dardanellen auf unüberwindliche Hindernisse stoße, vielleicht nach der persischen K ü st e hingelenkt werden könnte. Wafern das eine Richtschnur für eine Neuorientierung -der russischen Politik sein sollte, wäre schon das «bloße Aus- 'prechen solcher Möglichkeiten von Bedeutung. Wir möchten daran erinnern, daß wir selbst schon vor einiger Zeit «auf eine Verständigung nach dieser Seite hingewiesen haben. Man braucht im Augenblick nicht weiter davon zu sprechen, aber man sollte sein Augenmerk Dar- auf richten, -daß es vielleicht V ent ule für «die Entladung von Spannungsdämpfen gibt. Was «uns bei
