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i » ■ —g i Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblalts.

Nr. 17. Freitag, 21. Januar.

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1916.

(11. Fortsetzung.)

Screntffimus. (Nachdruck verLoten.1

Eine Geschichte aus dem Rokoko van Felix v. Stenglin.

Da stand Veronika vor ihm, mitten ans dein Wege, wie aus der Erde herausgewachsen. »Er stutzte und starrte sie an. Und nun sah er, daß sie schwankte, sprang zu, um sie zu halten; doch schon hatte Himmel- pfort sic aufgesangen und fragte mit seiner sanften Stimme in liebevoller Besorgnis:

„Was ist Cuck>, werte Frau?"

Rabenhorst blickte sehnsüchtig dem Hellen Kleid der kleinen Aglaja nach. Er hätte ihr gar zu gern folgen mögen, doch hier hielt sein Gegner seine Frau im Arm. Er besann sich noch, da bemerkte er, wie Veronika mit einem bangen Blick auf Himmelpfvrt ein schmachten­des: „Ach!" ciusstieß — der Dankbarkeit? der Ver­zückung? der Verzweiflung? Nabenhorst faßte ihre Hand und führte sie zu einer Bank, unter die Gesell­schaft zurück, schweigend, innerlich wiitend. Er rief einen Lakaien, ließ ihr Eiswasser bringen und — ver­schwand wieder in den Biischen. Er suchte Slglaja und Himmelpsort.

O dieser Himmels'fort! dachte Rabenhorst. Will die Welt glaitben machen, daß Aglaja ihn liebt! Will es mich glauben machen, der ich an der Ruine ihre zitternde Haud in meiner fühlte, während ihre stockenden Worte mich baten — nun, für Veronika baten, aber doch etwas ganz anderes verrieten. Dieser Mensch, der die Frauen­liebe nicht kennt, der die Wolken anschmachtet und bei jedem derben Witz errötet, greift nicht nur nach der holden Blume Aglaja, er setzt auch seine alberne Ver- götterlmg Veronikas fort. Er schätzt die Ehre eines Rabenhorst so niedrig ein, daß er dessen Frau wie ein verlorenes Gut glaubt aushOsn m können, wie es ihm beliebt!

Aglaia hieß das Zauberwort, das heute alle zu locken schien. Die sanften Lütte schienen zu rufen: Aglaja! die Rosen zu duften: Aglaja! Und die ferne Nachtigall flötete klagend: Aglaja! O Aglaja!

Nach längerem vergeblichen Suchen sah Räbcnhorst die Angebetete wirklich. Sie kam aus einen: Seitenwege plaudernd mit einem Herrn, und dieser Herr war Kammerherr von Dunkelstem. Rabenhorst trat ins Dunkel und ließ 'das Paar vorüber. Die Eifersucht stieg aufs neue jäh in ihm hoch. Ja, auch ans den Kammer- Herrn war er eifersüchtia. Sein von leidenschaftlichen Empfindungen überreiztes Hirir kam auf den Gedanken, dies Mädck>en tändele leichtsinnig mit allen, um schließ­lich einem alten Verführer zu erliegen. Sein Zorn, seine Wut war rrainenlos. Und plötzlich kam ihm ein noch teuflischerer Gedanke! Sollte «der Kammerhcrr nur der Vermittler sein für eine höhere Stelle? Ihm fiel ein, daß der Herzog Aglaja die Heirat verweigert, daß er versucht hatte, sie zu isolieren. Da drohten ihm die Sinne zu vergehen. In den Schläfen pochte ihn: das Blut. Gegen diosen Gegner konnte er nicht an, das fühlte er.

Er ließ sich auf den Boden fallen, nahm den Kopf rn die Hände und stöhnte vor sich hin. Da hörte er ans der Ferne Dunkelsteins Stimme: „Die schönste der Grazien!

llnd das mit einem abicheulich grrreuden Tone ge­sprochen. Rabenhorst lauschte , und suchte mrt Sitzen Augen das Gebüsch zu durchdringen. Er horte und sah nichts mehr. Da sprang er auf und stürzte nach der^ent- gegengesetzten Richtung davon, geg-nalt, geragt, ^zetzt wollte er nichts mehr hören, nichts mehr sehen.

Während er sich seiner Verzweiflung uberlreß, über- schritt Aglaja an Dunkelsteins Seite die Brücke am Weiber. Er bot ihr seine Hrlse für seine Herratsplane an.

„Und der Herzog?" fragte Aglaia lerse. .

„Seine Durchlaucht werden nicht unbarmherzig sein, das hoffe ich bestimmt. Er schätzt. Euch, wie ^hr wißt, ja, wahrscheinlich mehr als Ihr wißt."

Fast bereute er, dies gesagt zii haben; es war ihm so hercmsgcifahren in dem Bestreben, der Kleinen zu

schmeicheln. . . „„ , , ,

„Ich hin gewiß sehr stolz darauf , antwortete sie, „aber er hat meine Bitte abgeschlagen."

Sic sagte des wie .mechanisch, denn die Worte klangen ihr im Ohre nach: „Wahrscheinlich mehr als Ihr wißt.

„Das Nein der Fürsten ist selten endgültig, meine Liebe, denn sie sind immer zuerst versucht, nein zil

^Aglaja antwortete nichts, sie hörte kaum etwas, nur die Worte klangen in ihr wie Glockentöne: „Wahrschem- lich niühr als Ihr wißt." Und Dunkelstem fuhr fort:

„Die Liebenswürdigkeit, Anmut irnd Redlichkeit des jungen Mannes stehen außer allem Zweifel. Seme Schwärmerei für Veronika wird sich lenen, wenn er erst Euer Mann ist. Ich kann Euren Entschluß nur

^©aVufete die kleine Aglaja leicht auf und äußerte

leichthin: . . .

„Ich glaube, ich werde mich nie verheiraten, denn ich fange an, einzuschen, daß es keinen beständigen Mann aibt." Und sie serrfzte abermals und fuhr fort: „Wahr- scheinlich kann ich selbst auch nicht beständig sein."

„Ihr? O ich bin dessen gewiß!"

„Ja, weiin man sicher wüßte, was eigentlich die Liebe ist! Aber das weiß man halt nicht. Es gibt, wie cs scheint, kein sicheres Anzeichen dafür. Man glaubt zu liebeir, rlnd zweifelt iind glaribt wieder und lacht .da­zwischen und weint tvobl auch ein weriig. Ich mochte am liebsten ins Stift gehen, da hat man sich .mit solchen Dingen nicht heruinzuplagen, weil man keine Männer

plauderte sie und wußte nicht recht, wohin mit' ihrem Herzchen, so zuversichtlich der Kammerherr auch versichern mochte, dergleichen entwirre sich, ehe man -denke Und dazwischen kam wieder ein kindlicher Stolz in ihr hoch über die Worte: „Wahrscheinlich mchr als Ihr wißt. Er schätzt Euch mehr als Ihr wißt." Ihr siel ein, wie gütig der Herzog immer zu ihr gewesen war. Sie meinte, daß, wenn sie unter vier Augen recht herzlich gebeten haben würde, er wohl ihren Wunsch er- füllt hätte. Welchen Wunsch? fragte sie sich erstaunst Ach ja, Himmelpsort zu heiraten. - \v/