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Tagblatt-HauS" Nr. 6650-53.

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Donnerstag» 20. Januar 19t6.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 31. . 64. Jahrgang.

Erhöhte Sprengtätigkeit im Westen.

Rbermalrge Seschietzung von Metz durch feind­liche Flieger. Bisher nur Sachschaden ge­meldet. Absturz eines feindlichen Flugzeuges bei Thiaucourt. Deutsche Flugzeuggeschwader Über Tarnopol.

Der Tagesbericht vom 19. Januar.

W. T.-B. Großes Hauptqar-tier, 19. Jan. (Amtlich.)

westlicher Rriegsschauplatz.

An der Aser-Front stieß eine kleine deutsche Abteilung in den feindlichen Graben vor und erbeutete ein Maschinengewehr. Lebhafte beider­seitige Sprengtätigkeit auf der Front west­lich von Lille bis südlich der Somme.

Nachts warfen feindliche Flugzeuge Bomben auf Metz. Bisher ist nur Sachschaden gemeldet. Ein feindliches Flugzeug stürzte gegen Morgen süd­westlich von Thiaucourt ab; von den Insassen ist einer tot.

Gestlicher Rriegsschauplatz.

An der Front nichts Neues.

Deutsche Flugzeuggeschwader griffen feindliche Magazinorte und den Flughafen von Tar­nopol an.

Balkankriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Beginn einer neuen Schlacht an der bessarabischen Krönt.

wiederholte russische Angriffs zurückgeworferi- 20 Stahlkanousn bei virpazar erobert.

Oer österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 19. Jan. (Nichtamtl. Drahtber.) Amtlich verbautet vom 19. Jan., mittags:

Russischer Rriegsschauplatz.

Der gestrige Tag verlief ruhig. Heute in den frühesten Morgenstunden entbrannte an der Grenze östlich von Czernowitz, bei Toporoutz und Bojan eine neue Schlacht. Der Feind setzte abermals zahl­reiche Kolonnen ein und führte an einzelnen Stellen vier Angriffe nacheinander aus. Er wurde jedoch überall von den tapferen Verteidigern zuruckgeworfen.

Sonst keine besonderen Ereignisse.

Italienischer Rriegsschauplatz.

Angriffe schwächerer Abteilungen bei Lusern und nördlich des Tolmeiner Brückenkopfes wurden ab- gewicsen.

Südöstlicher Rriegsschauplatz.

Bei der Besetzung von Virpazar haben unsere Truppen, wie nachträglich gemeldet wird, 20 Stahl­kanonen erbeutet.

Der Stellvertreter des Chefs des Geueralstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Die Ereignisse auf dem Balkan. Rönigin Helena als Befürworterin der Waffen ftreclrung?

Berlin, 19. Jan. (Senf. Bln.) Eine seltsam klingende Geschichte weiß dieBerl. Abendpost" zn erzählen: Die in­tellektuelle Urheberin des Entschlusses König Nikitas, um Frieden bei Österreich nachzusuchen, soll Königin Helena von Italien gewesen sein. Nach der Beratung in der Billa Ada hatte sich die absolute Unmöglichkeit hewmsgestellt, Montenegro aus irgendwelche Weise Hilfe zu bringen. Die Königin, die sehr an ihrem Heimatland hängt, gab infolge­dessen sowohl dem König wie auch ihrem in Rom weilenden Bruder, dem Kronprinzen, den Rat, der König solle enttveder nach Italien flüchten oder aber versuchen, von Österreich den Frieden, unter welchen Bedingungen auch immer, zu erhalten. Es verlautet, datz die Königin aber die letztere Lösung ihrem Vater mit Rücksicht auf das Land und die Dynastie als die bessere empfohlen hat, eine Lösung, die ja auch der Ansicht König Nikitas entsprach.

Der Glückwunsch der wiener Regierung an Erzherzog Friedrich.

W. T.-B. Wien, 19. Jan. (Nichtamtlich. Trahtbericht.) Aus Anlatz der Kapitulation Montenegros hat der Miimster- präsident Gras Stürgbk an den Feldmarschall Erzherzog Friedrich ein Telegramm gerichtet, in dem er ihm im Namen der Regierung die ehrfurchtsvollsten und innigsten Glückwünsche aussprjcht und fortfährt: Mit Stolz und

fvoher Zuversicht blickt ganz Österreich auf unsere glorreiche Armee, die unter Eurer kaiserlichen Hoheit sieggekrönter Füh­rung mit Gottes Hrlse den endgültigen Sieg über alle unsere Feinde davontrayen wird. In einem Antworttelegramm dankt der Erzherzog für die Glückwünsche und fährt fort: Viribus Ullitis, das edle Leltwort unseres erhabenen Herr­schers, ist das Zaubermittel, dem wir diesen historisch bedeut­samen Erfolg verdanken. Möge weiter daS sinmütige Zusam­menwirken aller Machtfaktoren der Monarchie durch den baldi­gen siegreichen Erfolg gekrönt sein.

Oie Aufnahme der freudigen Runde an der montenegrinichen Front.

Br. Wien, 19. Fan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die Kunde von der Unterwerfung Montenegros wurde an der montenegrinischen Front von den Truppen mit gewal­tiger Begeisterung ausgenommen. In Rijeka und Virpazar, wo bereits montenegrinische Verbände die Waffen niederlegten, wehten neben den weitzen Flaggen, die die Ergebung kündeten, bald die österreichisch-ungarischen Flaggen. In Virpazar weht das Banner ans dem ragenden Schlotz, das weit auf den See hinausblickt. Auch die Bahn­station, wo viel italeenisiches Betriebsmaterial erbeutet wurde, wurde festlich geschmückt.

Die Freudennachricht im österreichisch- ungarischen Heere.

Sr. Wien, 19. Jan-. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) AuS dem Kriegspressequantier wird gemeldet: Die Nachricht von der Wasfenstreckung der Montenegriner erweckte urster den Soldaten unbeschreiblichen Jubel. Südlich Berane und an der Tara, wo den Montenegrinern der Befehl zur Ein­stellung der Feindseligkeiten noch nicht zugeyamgen war, dauerte das Geplänkel noch an. Dagegen hatte in und um Virpazar, wo die k. k. Truppen viel Material an der Eisen­bahn nach Antivari erbeutet-en, die Waffeuabgabe schon begonnen.

Die vierverbandsgesandten siedeln nach Giovanni di Medua über.

Sr. Wien, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) DerZeit" wird aus Genf gedrahtet: Die Ge s a ud t en des Bierverbandes in Montenegro, die bisher in Skutari weilten, haben sich nach San Giovanni di Medua begeben.

Reuter faselt bereits von den Friedens- bsdingungen

Sr. Rotterdam, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Reuter meldet aus Rom: Informierten Personen ist seit zwei Monaten die tatsächliche Lage Montenegros bekannt ge- luefen. Die Bedingungen für die Kapitulation seien, datz Montenegro den Lowtschen abtrete und dafür einen Hafen an der Adria eichalte. Montenegro bleibe un­abhängig. Der montenegrinische Gesandte in Rom teilte mit, datz König Nikita eine Proklamation an sein Volk ge­richtet hat, in der er sagte, Montenegro habe nur wählen können zwischen Untergang und Übergabe.

Der Epilog des Balkianfehlers.

Der moralische Vorteil von der italienischen Presse anerkannt.

IV. T.-B. Bern, 19. Jan. (Nichtamtlich.) DerCorrrere della Sera" schreibt zur Kapitulation Montenegros: Der

Epilog -des Balkansehlers schlicht nun auf eine weniger tragische Weise, als von allen erwartet- worden ist, jedoch mit einem ernsten bedeutungsvollem Warnmngsruf. Man darf nicht verheimlichen, datz eine kleine Bresche im feind­lichen Ring, weim sie auch nicht so grotz ist, um Sieges- gedanken Raum zu geben, immerhin genügen wird, die Illu­sionen der im Kriege gegen die Entente befindlichen Völker hinsichtlich des Ergebnisses zu verdichten. Dieser gute Erfolg, so bescheiden er an sich ist, gibt ihren Regierungen den Vor- wand, die Höchstleistungen und die größten Opfer, die von ihren BöWern verlangt werden, zu rechtfertigen. Dies bildet zweifellos einen nicht zu unterschätzenden moralischen Vorteil.

Belgien und die Waffenstreckung Montenegros.

Br. Amsterdam. 19. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die Kapitulation Montenegros hat in belgischen Kreisen grotze Bestürzung hervorgerufen. Das in Le Havre er­scheinende belgische BlattEcho Belge", das der belgischen Regierung treu zur Seite steht, schreM: Leider können wir unsere Trauer und unseren Abscheu nicht verbergen. Datz das heldenhafte Montenegro auf diesem Punkte ange­kommen ist, ist die Schuld Italiens.

(Eine Unterredung mit Rönig Ronstantin.

Die Richtlinien der königlichen Politik.

Br. Berlin, 19. Jan. (Cig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der ,L.-A." vciösfentlicht eine Unterredung, sie sein Athener Vertreter mit König Konstantin gehabt haben will Der Bericht, der vom 4. Januar datiert ist, ist aus großen Umwegen erst jetzt hier cingltrofsen. König Konstantin sagt der Berichterstatter macht ein«! sehr kräftigen und gesunden Eindruck. Die Spuren, der schweren Krankheit, die er Überstunden hat, sind völlig verschwunden. Zu den Übergriffen der Entente, so zur Verhaftung der Konsuln, erklärte der König: Es tut nur sehr leid, daß derartige Übergriffe vorkomm«: konnten, die meines Erachtens auch vom militärischen Gesichtspunkte Vollständig falsch waren. Die Maßnahmen, die gegen Griechenland getrosse» wurden, werden immer uner- - träglichcr. Her König wies als neues Beispiel auf den Fall

von M h t i l e n c hin. So mischt man sich in unsere inner«! An­gelegenheiten, fuhr der König fort. Ich bin vollständig frei, mich linden keine persönlichen Interessen, und deshalb kann ich mit reinem Gewissen sagen, ich habe nur das Wohl meines Volkes im Auge. Von Anfang an bin ich, wie irgend ein großer Einfluß­reicher im griechischen Volk, der Ansicht gewesen, daß Griechenland neutral bleiben müsse. Dieser Standpunkt ist von gewisser Seite als schwächlich ausgelegt worden. Dem ist nicht so. Wenn unser Heer und unser: Freiheit bedroht werden, würden wir unseren Mann stellen. Es ist gesagt worden, wir fürchteten die Bul­garen. Das ist nicht wahr. Bedrohte dieses unsere Interessen, so würde ich nicht zögern, mich zu wehren. Doch es scheint mir, daß dies zurzeit nicht der Fall ist. Ob die Balkanfrage durch diesen europäischen Krieg geregelt werden wird, weiß ich nicht. Niemand kann voraussehen, ob hier unten nicht neue blutige Kriege entstehen werdest, bevor eine Lösung der schweren komplr- zierten Nationalitätsstage gefunden ist. Niemand hofft mehr als ich, daß solches vermieden werden könnte. Doch wie ich schon früher be­tont habe, wäre unsere Teilnahme am jetzigen Kriege kerne Balkan- angelegenhcit, sondern eine Einmischung in den Weltkonslikt.

Wir aber haben nur am Balkan Interesse. Als kleine freie, aber auch historische Nation hat unser Volk wohl das Recht, große natio­nalistische und ideale Träume zu hegen. Doch in einem so schweren Augenblick darf die Politik sich nicht aus Träume basieren. Als kleine freie Nation haben wir vor allem die heilige Pflicht, das Wemge, was wir als Gebiet besitzen und unsere Freiheit zu schützen. Diese nationale Politik habe ich und die verantwortlichen Männer des Staates nach bestem Wissen und Gewissen befolgt. Meiner Ansicht nach bietet sie dem Lande sichere Bürgschaft. Ich bin der festen Überzeugung, daß das ganze Volk zu dieser Ansicht gelangen koird, daß der größte Teil es schon jetzt ist. bewiesen die letzten Wahlen. Ich habe nur die Pflicht, die Interessen meines Volkes mit meiner ganzen Kraft zu verfolgen. Deutschland und Österreich-Ungarn haben bisher Griechenland gegenüber korrektes Verhalten und Freundschaft gezeigt. Es liegen also durchaus keine Gesühlsgründe vor, die uns bewegen könnten, gegen Österreich. Ungarn und Deutschland zu gehen. Doch spielen Gefühlsgründe in der Politik eine untergeordnete Rolle. Ich will den Krieg nicht, ich will meine Armee verstärken. Unsere Neutralität ist nicht die Folge eines Schwächegefühls, sondern die Frucht des zielbewußten Willens, unsere Kraft für spätere ernste Zeiten zu bewahren. Deshalb werde ich an meiner Politik festhalten, die Freiheit und die Interessen meines Volkes wahren, ohne sein Blut zu vergießen. Ich habe ' hierin die volle Unterstützung des Volkes und weder Liebeswerbungen, noch Gewalttätigkeit von außen, von ivelchcr Seite sie auch kommen möge, tonnen mich darin beirren. Der Berichterstatter fügte hier die Bemerkung ein: Ich habe gehört, daß man in Enteniekr«s«i meint, man könne durch weitere Steigerung der Gewaltmaßnahmen gegen Griechenland doch noch die Aufgabe ocr griechischen Neutralität zugunsten der Entente erzwingen. Der König antwort«e: Das

w«ß ich nicht, was man glaubt; doch sollte man irgendwie derartige Hcflnungcn hegen, so wird man sich an derselben Stelle wohl schon davon üb« zeugen lernen, daß diese Hoffnungen eitel waren.

Griechenland bleibt neutral!

Berliner Erwartungen.

L Berlin, 19. Jan. (Eig.Meldung. Zens. Mn.) Auch

heute liegt in Berlin keine Bestätigung dafür vor, datz in Athen ein befristetes Ultimatum der Entente en,gelaufen sei, den Diplomaten des Bierbunbes sofort die Pässe auSzu- fertigen. Vielleicht eilte diese Nachricht den Tatsachen vor­aus. Die zweite Meldung aber, daß Griechenland in einem anderen Ultimatum geantwortet habe, die Entente müsse ihre Landungstruppen sofort zurückziehen, hält man heute hier für gänzlich unwahrscheinlich. Man glaubt im Gegenteil, daß Griechenland bei seiner bisherigen Auffassung der Neutralität verbleibt.

Protest über Protest

W. T.-B. Amsterdam, 19. Jan. (Nichtamtlich.) Einem hiesigen Blait zufolge meldet'der Berichterstatter derTimes" aus Athen, die griechische Regierung habe wogen der Zerstörung der Eisenbahnbrücke bei Demir Hiffar, durch welche die Entsendung von Vorräten nach Mazedonien ernstlich erschlvert wurde, einen schriftlichen Protest an die Entente gerichtet.

Reine befristete Note »es Visrvsrbandes an Griechenland?

Br. Wien, 19. Jan. (Eig .Dnahtbericht. Zens. Bln.) Gestern nachmittag von Mhen abgegangsnr, unbedingt zu­verlässige und honte in Wien eingetrofsene Meldungen be­richten nichts über eine befristete Note Englands und Frank­reichs an die griechische Regierung, wie dies in anderen, eben­falls in Wien dieser Tay- veröffentlichten Meldamyen zu lesen stand.

Telegrammwechsel zwischen Erzherzog Friedrich und dem Rönig der Vulgaren.

W. T.-B. Wien, 19. Jan. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Anläßlich des grie­chisch - orientalischen Neujahrsfestes richtete Armeeoberlommandant Feldmarscha ll Erzh e-rgo.g Friedrich folgendes Telegramm an den König von Bulgarien:Eure Majestät! Das bulgarische Volk be­geht morgen in großer Zeit das Fest der Jahreswende. Vor drei Monaten hat das tapfere bulgarische Heer den öster­reichisch-ungarischen, deutschen und türkischen Slreitkrcfften in ihrem lliüngen gegen eine Welt von Feinden die Hand gereicht. Selcher ist das heimtückische, treubrüchige Königreich Ser­bien niedergeworsen worden und die bulgarischen Truppen, haben jenes Gebiet zurückcrobert, das, von Bulgaren bewohnt, , vor zwei Jahren Eurer Majestät durch SerKten vorer^rlien ' worden ist. Der Versuch franzöWhy: rM engWtzcr Mdzsiv-