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Wiesbadner

Verlag Langgasse 21

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Mittwoch, 19. Ianuar 1916.

Der Urieg.

Die Ereignisse auf dem SalKan.

Eine Begegnung unseres Kaisers mit dem bulgarischen Zaren in Nisch.

Rönig Ferdinand als preußischer Generalfeld­marschall, der Uaiser bulgarischer Regiments- . chef.

W. T.-B. Nisch. 19. Inn (Nichtamtlich. Dvahtbericht.) Pünkilich 12 Uhr mittags sind in dem festlich geschmückten Nisch Kaiser Wilhelm und Zar Ferdinand von Bul­garien zusammengetrosfcn. Bulgarische Truppen stellten auf dem Bahnsteig die Ehrenkompagnie. Nach herz­licher Begrüßung begaben sich die beiden Herrscher im Auto­mobil zur Zitadelle, wo sie gemeinschaftlich die Parade der dort anfgestellten bulgarischen, mazedonischen und deutschen Truppen abnahmen. Der Kaiser über­reichte dem Zar Ferdinand den Feldmarschall st ab; der Zar ernannte den Kaiser zum Chef des 12. bulgari­schen Infanterie-Regiments. In Begleitung des Kaisers befanden sich General v. Falkcnhayn, Gencral- feldmarschall v. Mackensen, die Generaladjutanten von Plessen, L y n ck e r und v. C h e l i u s, Admiral von Müller und Oberhofmarschall v. Reischach. Außerdem waren General v. Seekt und Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg anwesend. Zar Ferdinand war vom Kronprinzen Boris, dem Prinzen Kyrill, dem Generaladjutanten M a r k o f f, den Generalen Bonadjeff, Todoroff und Tantilosf, dem Generalmajor Kutiniszeff, dem Ministerpräsidenten Radoslawow und dem Gesandten Tschapra S ch i k o f f begleitet. Der Ein­druck der Feierlichkeit wurde durch das strahlende Sonnen- welter des südlichen Winters verstärkt.

«

Die innere Zuspitzung der Verhältnisse in Griechenland.

Vorbereitungen der venizelisten zu einem Staatsstreich?

Sr. Amsterdam, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Wie der Berichterstatter der „B. Z." erfährt, ist in London eine Meldung aus Paris eingetroffen, wonach Benizelos mit der französischen Regierung zusammenarbeitet, um einen Staatsstreich in Griechenland herbcizuführen. Nach einer Privatmeldung hätten sich die inneren Verhält­nisse in Griechenland derart zngespitzt, daß die Venizelisten zu einem Staatsstreich, der über Griechenlands Zukunft entscheiden tolle, bereits erforderliche Vorbereitungen Betroffen hätten.

Bevorstehende Einberufung des griechischen Landsturms.

Br. Wien, 19. Jan. (Eiz. Drahtbevicht. Zeus. Bin.) Wie dem „Neuen Wiener Tagebl." aus Genf gedrahtet wird, sind dort Meldungen eingetrofsen, daß der griechische Land­sturm einberufen werden wird.

Neue englische Truppenlandungen in der Grfanobai.

Täglich deutsche Flieger über feindlichem Lager.

W. T.-B. London, 19. Jan. (Nichtamtlich.) Die „Daily Mail" erfährt aus Saloniki, daß die Engländer am 11. Jan. in der OrfaNobai, östlich SÄoniki, ansehnliche Verstärkun­gen gelanÄet haben. Deutsche Flieger besnch-ben täglich das Lager bei Zeitelik (?) und ließen Bomben fallen. Elf Personen seien verwundet worden.

Neue Verfügungen der Herren von Rorfu

So. Lugano, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) „Secolo" meldet aus Athen: In Korfu sind nach Sonnen­untergang Bewegungen der Dampfer verboten. Sie dürfen nur mit besonderer Erlaubnis abfahren. Der Transport der Serben nach Korfu wird beschleunigt, weil durch den öster­reichischen Vormarsch sich ihre Lage in Albanien ver­schlechtert hat.

Überfall aus einen vierverbandssreundllchen Zeitungsdiresttor.

Br. Lugano, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die „Tribuna" berichtet aus Athen: Kntnkis, der Direktor des viervevbamdsfreundlichsn Blattes „Nea Hellas", wurde Donnerstagabend, als er in sein Haus trat, tätlich ange­griffen und trug mehrere Verletzungen davon. Kutukis hatte bei dem Gerichi Klage gegen den Genevalstabschef D u s- maus erhoben.

*

Montenegro und weiteres.

O Berlin, 18. Januar.

Serbien, das ganz von unseren, den österreichisch- mgarischen und 'bulgarischen Truppen, besetzt ist, braucht licht wie Montenegro um Frieden zu bitten; es ist ohne­hin genügend erledigt. Eine serbische Bitte um Frieden väre (warum es nicht sagen?) für die Sieger beinahe rine Verlegenheit. Es ist besser, die volle und lngehindertc Verfügungsfreihelt über Äas Schicksal

Kbend-Ausgabe.

dieses Staatswesens zu haben, als der Berufung an Großmut Folge geben zu müssen. Wie sich in diesem Kriege alles, unbeschadet mancherlei Schwankens, -gut für uns und unsere Freunde entwickelt, so auch in Sachen Serbiens. Es kann uns bestens gefallen, daß König Peter das willenlose Werkzeug der Vierveroands-m,ächte geworden ist und seinen Starrsinn iomit nur in den Dienst unserer Interessen stellt. Er wird es jetzt hinznnghmen haben, wenn wir und unsere Verbündeten ausschließlich nach den gemeinsamen Inter­essen darüber -bestimmen, was aus Serbien werden soll, ob es ganz verschwindet oder in ein Dasallenverhältnis gepreßt wird, oder was sonst mit Staat und Volk ge­schehen soll. Mit Montenegro steht es zwar ähnlich, aber doch nicht ganz so. Schon vor Monaten war die Rede davon,^ daß König N i f 1 1 a Fühlung mit Wien suche. Er würde es auch wirklich getan haben, aber an der Donau war turnt, klugerweise harthörig und an diesem Beispiel läßt sich somit nebenbei wiäer einmal erkennen, welche Gefahr ein verfrühter Frieden init sich bringen kann. Zuerst -muß der Feind zu Boden geworfen sein, dann läßt sich über das Weitere reden. Zuerst mußte Montenegro unschäd- l i ch gemacht werden, jetzt bleibt ihn: voraussichtlich sein Fortbestand als Zwergstaat erlaubt. Seitdem der Lowtschen in österreichisch-ungarische Gewalt geraten und der unvergleichlich gute Hafen von Cattaro erst zu seiner vollen strategischen Bedeutung ge- dichen ist, schrumpft die montenegrinische Unannehmlich-

kert zur Geringfügigkeit zusammen; Großmut kann sogar ratsam wenden. Die Hauptsache bleibt doch, idaß mit der Bezwingung Montenegros der Knoten d u r ch h a u e n ist, mit dem Rußland und Italien gemeinsam dem Donaureiche gerade an jener emp­findlichen Stelle jede Bewegungsfreiheit hatten einschnüren wollen und bis -dahin auch in der Tat viel­fach eingeschnürt hatten. Man -muß wiederholen, und das ist das Große, Schöne, das Befreiende und Zukunfts­reiche an diesem Kriegsabschnitt auf -dem Balkan, daß Rußland und Italien gerade durch die Nieder­werfung Montenegros die schwerste politische Niederlage erlitten haben, für die es keinen Ausgleich m-chr geben wird. Es ist das hervor­stechendste MevLmal dieses Weltkrieges, daß die poli- tischen Entscheidungen gewisserniaßen abseits von den hauptsächlichsten Kampfschauplätzen erfolgen. England ist nicht an der Nordsee oder in Flandern, sondern auf Gallipoli tödlich verwundet worden, Rußland -hat 'eine größten Mißerfolge, soweit es auf die politische Gesamtlage ankommt, aus dem Balkan zu ver­zeichnen, die verfehlte Politik Italiens bricht nicht eigentlich am Jsonzo zusammen, sondern in Monte­negro und Albanien, Frankreich aber wird in alle diese Schicksale seiner Verbündeten unweigerlich mit hineingezogen. Wir dürfen zufrieden sein, und mit einer Neugier, die uns die geschätzten Feinde nicht ver­übeln sollten, warten wir jetzt darauf, welche -weiteren groben Fehler auf der Gegenseite aus Unverstand, Hoch­mut und krankhafter VeMendung wabl noch begangen werd-en mögen. Wir sind aus alles gefaßt und erwarten die uns bevorstehenden Überraschungen sogar mit einem Untertone von begreiflicher Heiterkeit.

Das abgelehnte Angebot des italienischen Schwiegersohns.

Die Erbitterung deS im Stich gelassenen Nikita.

Berlin, 19. Jan. (Jens. Mn.) König Nikita hat sich, wie der „Kreuzztg." aus Wien gemeldet wird, zur Kavitu- lation entschlossen, obwohl ihm von seiten des römischen Hojcs Aufnahme in Florenz angebotcn worden war, wo er nach der Flucht auS seinem Lande als Pensionär König Viktor Emanuels hätte leben können. Er habe letzteres mit rauhen

Nr. 30. . 64. Jahrgang.

Worten abgelehnt und hinzugefügt, daß ihm der Gedanke de» Flucht durchaus fern liege. Er sei auf seinen Schwieger­sohn, der ihn mit einer durchgreifenden Hilfe durchaus im Stich ließ, äußerst erbittert. Nach Schweizer Blättern hofft die Regierung von Montenegro, nach Abschluß der Friedensvrrhandlungcn nach C c t t i n j e zurückzukehre«, womit auch äußerlich die endgültige Trennung vom Bicrvcrband dargctan werde.

„Ein ganz böser Schlag für den Vlerverband."

Ein weiteres neutrales Urteil.

W. T.-B. Luzern, 19. Jan. (Nichtamtlich.) Das Lnzerner „Vaterland" schneibt zur Kapitulation von Montenegro: Wie Serbien stt auch Montenegro von dem Vierverband hilflos im Stich gelassen worben. Für den Vi-erverband selbst be­deutet die bedingungslose Waffenftreckung der montenegrini­schen Streitkräfte einen ganz bösen Schlag gegen sein politisches nnd militärisches Ansehen. Im griechischen Volke wird man heute erst recht mit Dank die Haltung des Königs Konstantin anerkennen, der Griechenland van den schlimmen Plänen Venizelos' befreit und vom Kri-ege verschont hat.

Kus der wiener presse.

W. T.-B. Wien, 18 . Jan. (Nichtamtliche Bei der Besprechung der Kapitulation Montenegros betonen die Blätter wiederholt, daß die ungenügende Hilfeleistung des Verbands an Montenegro sowie das geringe Vertrauen König Nilitas in den endgültigen Sieg der Alliierten diesen zur Wafscnnieoerlegung gezwungen habe. Das „Fremdenblatt" schreibt:

Die Trutzburg, welche Italien und Rußland gegen die Monarchie im europäischen Wettcrwinkel errichteten, ist gefallen, dank der herrlichen Taten der österreichisch > ungarischen Truppen, welche auf der ganzen Welt tiefen Eindruck machten. Unsere Feinde lnögen je?t erkennen, wie falsch !ie dir Kraft und die Macht unseres Staates einschätzten. So sieht das schwach-, in der Auslösung oe- grlffcne, dem Untergang geweihte Österreich-Ungarn aus. Ver­blüfft und erschreckt erkennen jetzt unsere Feinde den 11:151 = I) euren Irrtum, dem sie sich hingegeben haben. Die Wasscii- strcüung Montenegros bedeutet jedoch nicht bloß die Niederwerfung dieses, unseres Feindes, sondern auch eine schwere, furcht- bare Niederlage Italiens und R u ß l an d s ; denn Eettinje war die Brücke zwischen Petersburg und R 0 m. Der Schlag ist um so empfindlicher, weil di°.se b:id:n Großmächte nichl imstande waren, ihrem Schützling auch nur die geringste Hilfe zu leisten. Aus der Tatsache, daß der ganze Lierverband nichts unternahm, um seinem schwächsten Schützling aus verzweifelter Not zu retten, können die richtigen Schlüsse auf die Schwäche unserer Feinde gezogen werden. Für Italien aber, so schließt das Blgi.k, ist die Nicderrinxung Montenegros eine Niederlage schlimmster Art, eine Niederlage moralischer und physischer Natur. Monte- negio ist zur Erkenntnis gekommen, was die Hilfe wert ist, die nch nur in Worten, leidenschastlichcn Gesten und leichtsinnigen Be- svrechunge» äußert. Die Entente, Italien und Rußland vor allem, wurde «t* den Höhen des Lowtschen qesckilagen.

Die „Reichspost" schreibt: Für Rußland ist der Entschluß des Königs der Schwarzen Berge ein Fiasko in der mehr a l s hundertjährigen P 0 l i ti k des Zarenreiches, für das Montenegro irmner als eigener Turm aus dem Schachbrett galt. Die Tat König Nilitas schlägt mit Fäusten an das Gewissen derienigcn, die Italien in diesen Krieg stürzten, und die nun seit sieben Monaten nichts als Niederlagen sehen.

Tic „Zeit" sagt: Aus den: Ring des Gegners ist das erste Glied herausacbrochen, das schwächste Glied allerdings, aber immer­hin, der Ab b r ö ck e l wu g s p r 0 ß e ß beginnt.

Rus Rumänien.

Zwischenfälle bei de» Wahlen.

W. T.-B. Bukarest, 19. Jan. (Nicht-amtlich.) Bei d-cn vorgestrigen Wahlen kam es in Galatz zu Zusammenstößen zwischen An-Hängerit des Pfarrers L u k a c s und den Sozia- listen. Es sielen einig-e Revolverschüsse, ohne daß jemand verwundet lvnröe. Die Polizei schritt ein und säuberte den Platz vcr dem Hotel, tvo L-nkacs wohnte. In Karacal riefen die Anhänger Lukacs einige heftige Zwischenfälle hervor. Rumänien protestiert gegen die Verletzung seiner Neutralität.

Rumänische Transportdampfcr durch russische Kriegsschiffe • verfolgt.

Br. Budapest, 19. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.)

„A Billag" wird aus Bukarest gedrahtet: Die rumänische Regierung hat eine» schriftlichen Protest auf dem Wege der rumänischen Gesandtschaft bei der russischen Negierung wegen Verletzung der rumänischen Neutralität durch russische Kriegsschiffe erhoben. Zwei russische Kriegsschiffe haben mehrere rumänische Transportdampfer verfolgt und einen derselben in der rumänischen Wasserzone versenkt, tväh- rend es den anderen gelang, zu entkommen. Der Protest der rumänischen Regierung ist in höflichem Tone gehalten, macht jedoch die russische Regierung sehr bestimmt auf die Folgen aufmerksam, da die rumänischen Grenzwache» Weisung erhalten haben, solche Übergriffe künftighin zu ver­hindern.

Der Krieg der Türkei.

Der amtliche türkische Bericht.

Die unverändert günstige Lage an der Raukasus-Zront.

W. T.-B. Konstantinopel. 18. Jan. (Nichtamtlich.) DaS Hauptguartier teilt mit: An der Kaukasusfront wurden die Russen, die infolge unserer heftigen Angriffe bedeutende Verluste erlitten, wegen der Verstärkungen, die wir jüngst erhalten haben, gezwungen, ihre Angriffe auf der ganzen Front cinzustcllen. Trotz der achttägigen sehr hef­tigen AngriffSbewcgungen foitenS weit überlegener feind­licher Kräfte blieb die Lage ohne bedeutende Änderung für uns günstig. — Sonst nichts Neues. .»