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i« - -- i Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts, i»

TIr. 14. Dienstag, 18. Januar. 1916.

1(8 Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.!

Eine Geschichte aus dem Rokoko von Felix v. Stenzlin'.

„Lad' Er üb und fahr' Er das Gepäck des Herrn und moins ins Schloß!" befahl Rabenhorst dem Kutscher. Dann 'wandte er sich Höflich zu der Frau seines Verwandten.

„Ich wünsche Euch eine geruhsame Nacht, werte Cousine, und bin Euch sehr obligiert, daß Ihr meine Gemahlin in Euren Schutz nehnren wollt." Dann ver­neigte er sich auch vor Veronika. „Ihr werdet wohl behiitet sein, Frau Rabenhorst. Auf Wiedersehen mor­gen bei-m Diner."

Er iiberließ den Damen, beim Schein der von einer Magd gehaltenen Laterne die Wohnung zu finden, die er für sich.und feine Frau gemietet hatte, und ging mit dem Verwandten zu Fuß nach dem Kavalierflügel des Schlosses.

Am nächsten Tage war Tafel mit dem Herzog und der Prinzessin. Die kleine Aglaja war kratzbürstig aufgelegt,^weil sie zwischen Dunkelstem und den lang­weiligen Stallmeister gesetzt worden war. Zudem Hatte sich RabeiOorst ihr — vielleicht weil er ihre Gleichgültig­keit gegen Himmelpfort bemerkte — wieder mit einer ge­wissen selbstverständlichen Zudringlichkeit genähert, die fie unverschämt fand. Die Nachricht, daß er nicht in feiner Wohnung am Markt abaostiegen war, hatte sich natürlich schon verbreitet. Die bleiche, ernste Miene Veronikas, die vergebens alle Anstrengungen machte, glücklich zu erscheinen, rührte sie. Des Herzogs beob­achtendes Verhalten ärgerte sie. Da fiel ihr Himmel- psorts Vorschlag ein. Obwohl sie es ihm gegenüber ab­gelohnt hatte, ihn anzufchmachten, machte sie jetzt doch einige Versuche, die ganz gut gelangen und deren Wirkung sie belustigte. Sie studierte Himmelpforts hübsches Gesicht, freilich ohne innere Bewegung, und wenn er über den Tisch hinweg das Wort an sie rich­tete, lächelte sie bedeutsam und verheißungsvoll. Dann sandte sie einen fliichtigcn Blick über Räbenhorst hin­weg, gleichsam als llvollc sie sagen: Ah, da sitzt ja wohl auch noch irgend eine untergeordnete Persönlichkeit! und stellte sich über den grimmigen Ausdruck in seinen Zügen — freute sich, obwohl es ihr ein wenig wehtat.

Auch in Serenissimi frohe Stimmung fielen Schat­ten. Als er air einem der nächsten Tage allein bei feiner Schwester war, machte sie ihm die Mitteilung, cs sei ein Licht in der Ruine gesehen worden.

„kröne/ garde, mon clier!" sagte sie leise, fast ffeierlich. „Vielleicht steht dieses seltsame Licht in ge­wissen Beziehungen zll den Erscheinungen, deren ich ge­würdigt worden bin."

„Ein Licht? Nun, das ist etwas Reelles, man wird es untersuchen", antwortete der Herzog ziemlich gleich­mütig. . . _

Manchmal sicht es still wie em Lötern, dann be­wegt es sich gleich einenc Irrlicht auf und ab, endlich erlisch es plötzlich unter leisem Donner. Ich bitte Euch, men eher, faßt keine übereilten Entschlüsse! Traut Eurer sorglosen, ja ich möchte sagen, übermütigen Stimmung nicht!"

Serenissimus suche die Prinzessin zu beruhigen, beschoß aber doch, der Erscheinst»,« nachzugehen.

Die Ruine war ein künstlicher Bau am Ende des Parks, da wo der regelmäßig angelegte Garten in das Wäldchen überging. Eine Sage berichtete, es habe dort wirklich einmal eine Burg gestanden; die ictzlge Un­lage: Maliern. Turmsiiimpfe, verdeckte Gange, Brucken, war jedenfalls neu und erst vom Herzog Ludwig Christoph in dessen jungen Jahren erbaiit worden. Fichten, Birken, Holunder, Brombeergestrauch hatten seither den ganzen Bezirk überwuchert und ihm etwa-, eigenartig Romantisches verliehen.

Serenissimus wies seinen Kammerdiener Bäche an, sich von dem Vorhandensein des Lichtes zu iiber- zeugen. Bäche kam am nächsten Abend ganz verstört zum Herzog. Er hatte das Licht gesehen.

„Nun, wie sah es aus? War es ein Irrlicht?

„Kann scho sein, En'r Durchlaucht."

„Ja, ist Er nicht näher gegangen? Hat Er Furcht gehabt?" , . .

„Das nit grad', Eu'r Durchlaucht, aber s »sch e kurioses Ding."

„Hat es sich bewegt?"

„Freili! 's isch immer hm ilnd her, hm llnd her, grad' wie die zwei Leut', die da promeniert sind —" „Promeniert? In der Ruine? Hat Er sie er­kannt?" , , m , r fI

„Freili! 's isch der Herr Leutnant von Rabenhorst g'wese und das Fräulein von Duval."

Von dieser Nachricht war der Herzog denn doch aufs äußerste überrascht. ^

„Sie werden eme Laterne bei sich gehabt haben , meinte er nach einer Weile.

Bächle wiegte den Kopf. D,e>er natürlichen Er- klärung schien er sich doch nicht ganz anschließen zu wollen. _

„Ja, was denn sonst?" fragte Serenissimus.

„I mein', 's könnt c Totenlichtle g'wese sein. Wenn in der erschien Juniwoche abends zwischen nenn und zehn bei abnehmendem Mond e Licht liebe ',rem junge Paar erscheint, da besagt's alleinal, daß eins von bei- den sterbe muß." . ,

„Torheit! Hat Er sonst nichts bemerkt?'

„Sonst nix, Eu'r Durchlaucht, und was Eu r Durch­laucht denke, glaub' i nit, weil das Fräulein von Duval e reschpektables Frauenzimmer is, wenn auch der Herr Leutiiant —"

„Nun? Der Leutnant?"

„'s isch e Filou, Eu'r Durchlaucht, lind läßt sein junges Weib in der Stadt allein."

„Das geschieht cnis diensllichcn Rücksichten."

„llnd leicht kann 's sein, daß er e bißl karcssiere möcht', aber —" .

„Es ist gut. Er kann gehst! Und ich hoffe, Er gImcht in unserer aufgeklärten Zeit nicht an das Mär- chen von dem Totenlicht."

glaub' nit dran, Eu'r Durchlaucht, aber r hab's