Nr. 34.
Samstag, 18. Januar ISIS.
Wiesbadener Tagblalt.
Mend-Ausgabe. Erstes Blatt. Sette 3 .
Die neue öeutidje Antwort.
lo Herauf hat die Kaiserlich« Regierung am *“• d. M. dem amerikanischen Botschafter in Berlin folgende Erwiderung zur Übermittlung an die vritrsche Regierung übergaben:
Erwiderung der deutschen Regierung auf die Erklärungen der britischen Regierung zu der deutschen Denkschrift über den „Baralong"-Fall.
Die britische Regierung hat die deutsche Denkschrift über den «Ba^aionH^ *F<rll daHin beantwortet, dcrtz ste einerseits die Richtigkeit der von der deutschen Regierung mitge» teilten^Tatsachen in Zweifel zieht, andererseits gegen die deutschen Streitkräfte zu Lande und zu Wasser den Vorwurf erhebt, vorsätzlich ungezählte Verbrechen wider das Völkerrecht und die Menschlichkeit begangen zu haben, die keine^Sühne erfahren hätten und denen gegenüber die angebliche Straftat des Kommandanten und der Mannschaft der ,Baralong" völlig zurücktrete. Für diesen Bor- Wurf hat die britische Regierung keinerlei Beweise beigebracht, sondern sich darauf beschränkt, ohne Mitteilung irgend welcher Beleg« drei ttr. Seekrieg vorgekommen« Einzelfälle anzuführen, wo deutsche Offiziere völkerrechtswidrige Grausamkeiten verübt haben sollen. Dft britische Regierung schlägt vor. diese Fälle durch einen aus amerikanischen Marineoffizieren bestehenden Gerichtshof untersuchen zu baffen, und ist unter die- ser Voraussetzung bereit, dem bezeichneten Gerichtshof auch den „Baralong"-Fall zu unterbreiten.
Die deutsche Regierung legt die schärf st e Verwah. r u n g ein gegen die unerhörten und durch nichts erwiesenen Anschuldigungen der britischen Regierung gegen die deutsche Armee und die deutsche Marine sowie gegen die Unterstellung, als ob Me deutschen Behörden etwaige zu ihrer Kenntnis gelangenden Straftaten solcher Art unversolgt lassen. Die deutsche Armee und die deutsche Marine beobachten auch im gegenwärtigen Krieg die Grundsätze des Völler- rechts und der Menschlichkeit, und die leitenden Stellen halten streng darauf, daß alle dagegen etwa vorkommenden Verstöße «truau untersucht und nachdrücklich geahndet werden.
Auch die drei von der britischen Regierung aufgeführten Fälle sind seinerzeit durch die zuständigen deutschen Behörden einer eingehenden Untersuchung unterzogen worden. Dabei hat sich zunächst in dem Fall der Versenkung des britischen Dampfers „A r a b i c" durch ein deutsches Unterseeboot ergeben, daß der Kommandant des Unter, seeboots nach Lage der Umstände die Überzeugung gewinnen wußte, der Dampfer sei im Begriff, sein Fahrzeug zu r a m m e n : er glaubte daher in berechtigter Notwehr zu handeln, als er seinerseits zum Angriff auf das Schiff überging. Der weiter angeführte Fall des Angriffs eines deutschen Torpedobootszerstörers auf ein britisches Untersee. bcot in den dänischen HoheitSgewäffern Hot sich in der Weise abgespielt, daß es :n diesen Wässern zwischen den beiden Kriegsschiffen zum Kampf gekommen ist, und daß sich dabei das Unterseeboot durch Geschützfeuer gewehrt hat; daß bei dem deutschen Angrfff die dänische Neutralität verletzt worden ist. wird von der britischen Regierung um so weniger geltend gemacht werden tonnen, als die britischen Seestreitkräfte in einer Reibe von Fällen deutsche Schifft in neutralen Ge- wäffern angegriffen Huben. In dem Fall der Vernichtung des britischen Dampfers „R u e l" endlich hat das deutsche Un- terseeboot lediglich die von der deutschen Regierung im Februar 1915 anqekündiqten Vergeltungsmaßnahmen zur Anwendung gebracht; diese Maßnahmen entsprechen dein Völlerrech t< da England bemüht ist, durch die völler- rechtswidrige Lahmlegung des legitimen Seehandels der Neutralen mit Deutschland diesem jede Zufuhr abzuschneiden und damit das deutsche Volk der Aushungerung preiszugeben, gegenüber völkerrechtswidrigen Handlungen aber angemessene Vergeltung geübt werden darf. In allen drei Fällen hatten es die deutschen Seestreiickräfte nur auf die Zerstörung der feindlichen Schiffe, keineswegs aber auf die Vernichtung der sich rettenden wehrlosen Personen . abgesehen; dir ent- gegensiehenden Behauptungen der britischen Regierung müssen mit aller Entschiedenheit als unwahr zurückgewiesen werden.
. Das Ansinnen der britischen Regierung, die erwähnten drei Fälle gemeinsam mit dem „Baralong"-Fall durch einen aus amerikanischen Marineoffizieren gebildeten Gerichtshof untersuchen zu lassen, glaubt die deutsche Regierung als unannehmbar ablehnen zu sollen. Sie steht auf dem Starrd- punlt, daß die gegen Angehörige der deutschen Streitmacht erhobenen Beschuldigungen von den eigenen zuständigen Behörden untersucht werden muffen, und daß dieft jedc Gewähr für eine unparteiische Beurteilung und gegebenenfalls
auch für eine gerechte Bestrafung bieten. Ein anderes Verlangen hat sie auch gegenüber der britischen Regierung in dem „Baralong"-Fall nicht gestellt, wie sie denn keinen Augenblick zweifelt, daß ein aus britischen Seeofsi- zieren zusammengesetztes Kriegsgericht den feigen und heimtückischen Mord gebührend ahnden würde. Dieses Verlangen war aber um so berechtigter, als die der britischen Regierung vorgelegten eidlichen Aussagen amerikanischer, also neutraler Zeugen, die Schuld des Kommandanten und der Mannschaft der „Bara- long" so gut wie außer Frage stellen.
Die Art, wie die britische Regierung die deutsche Denkschrift beantwortet hat, entspricht nach F o r m und Inhalt nicht dem Ernst der Sachlage und macht es der deutschen Regierung unmöglich, weiter mit ihr in dieser Angelegenheit zu verhandeln. Die deutsche Regierung stellt daher als Endergebnis der Verhandlungen fest, daß die britisch« Regierung das berechtigte Verlangen auf Untersuchung des „Baralong"-Falls unter nichtigen Vorwänden un- erfüllt gelassen und sich damit für das dem Völkerrecht wie der Menschlichkeit hahnsprechende Verbrechen s e I b st verantwortlich geniacht hat. Offeirbac will sie den deutschen Unterseebooten gegenüber eine der e r st e n Regeln des KriegSrechts, nämlich außer Gefecht gesetzte Feinde zu schonen, nicht mehr innehalten, um sie so an der Führung des völkerrechtlich anerkannten Kreuzerkriegs zu verhindern.
Nachdem die britische Regierung eine Sühnung des empöreiwen Vorfalls abgelehnt hat, sieht sich die deutsche Regierutig genöt'gt, die Ahndung des ungesühnten Ber-. brcchens selb st in die Hand zu nehmen und die der Herausforderung entsprechenden Vergeltungsmaßnahmen zu treffen.
Berlin, 10. Januar 1916. (IV. T.-B.)
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Diese unsere zweite „Bar-aTong"-Note soll wieder durch amerikanische Vermittlung dem britischen Kabinett zur Kenntnis gebracht werden. Es kann uns nicht unerwünscht sein, daß gerade die Vereinigten Staaten diese diplomatische Überweisung besorgen, weil man uns dort am ineisten zu schassen machte mit Aufklärungen über unsere menschliche Rücksichtsnahme bei der Kriegführung zur See. In Washington, wo man zuerst Kenntnis von unserer neuen Note erlangt, wird man einen nützlichen Vergleich ziehen können, mit welchem E r n st man in Deutschland all diese Fragen behandelt und mit welchem Spott und wahrhaft verbrecherischem Leichtsinn man sich in England über eine der furchtbar st en Greuel- toten der gesamten Kriegsgeschichte hin- wegzusetzen sucht.
Die Regierung des Mr. Asquith stellt sich zwar in ihrer obigen Antwort aus die deutsche Anklage so, als bezweifle sie die Richtigkeit der von amerikanischen Zeugen bekräftigten Angaben über den vom „Bara- long"-Kammandanten befohlenen Mord der wehrlosen deutschen -Bootsleute, erbringt aber nicht den mindesten Gegenbeweis. Es klingt wie ein Hohn, daß sie — als bedürfe der Fall doch einer Art Entschuldigung — die Behauptung aufstellt. die deutsche Kriegsmarine treibe es im Grunde ja nicht besser. Längst hat die deutsche Regierung mit den Lügen über die Torpedierung der „Arabic", die das deutsche Il-Boot ram- men zu wollen schien und deshalb vom deutschen .Kam- Mandanten in Notwehr torpediert wurde, aufaeränmt; ebenso hat sie den Vorfall in den norwegischen Gewässern erklärt, wo zwischen dem gestrandeten engli- 'chen Torpeboot und dem deut'chen l'-Boot ein Feuergefecht entstanden war; und das Schluhstück der engli- 'chen Gegenklage hielt ebenso wenig einer rechtlichen Prüfung stand, da wir die Verschärfung unseres Unter- ftekriegs als Gegemnaßregel gegen den jedenfalls nicht menschlich zu nennenden Aushungerungs-Versuch öfftnt- lich angekündigt und mit dem Völkerrecht begründet haben.
Nach dem deutschen Vo-Iksempfinden konnte unsere Regierung diese Verdächtigungen der deutschen Kriegsmarine gar nicht scharf genug zurückweisen. Man hegt in weiten Kreisen des Deutschen Reiches eine Verachtung und Abscheu Wer die von Mr. Asguith in seiner „B-arolona"-Antwort zur Schau getragene Skrupellosigkeit eines wahrhaft per- f i d e n A l f> t o n s, daß die diplomatische Sprache natürlich daftir keine Ausdrücke find-n kannte. Der Vorschlag, ameiikanische Seeleute möchten zugleich den „Baralona"-Fall und die drei Fäll? angeblicher deut-
gewehre, die wie metallene Spinnen zwischen ihnen großen Brüdern umherzukriechen scheinen, gemahnen an die Reihen anstürmender Feinde, die von ihnen niedergemäht werden. Mirrenwerfer und Signalanlagen verlebendigen, was wir von Durchbruchsveriuchen und Gegenangriffen vernommen haben. Ja, selbst die gewöhnlichen Schlitten und kleinen russischen Bauernwagen, deren merkwürdig volkstümliche Formen an altväterliche Tage und Sitten denken lassen, führen uns Szenen aus dem Kriegsgebiet vor.
Am phantastischsten, gewaltigsten und erschütterndsten aber wirkt die Abteilung der Kriegsflugzeuge. Englische, französische und russische Flugzeuge — meist französischer Konstruktion — breiten schweigend ihre auf Stahldraht gezogenen Vogelschwingen aus, die boch über den Schützengräben von Feind und Freund die Luft durcheilten Sie sind unantastbare Zeugen der Kämpfe, deren Schrecken und Entwicklungen sie beobachtet und tätig miterkebt haben. Noch scheinen die Flügel der Kriegs-Vögel zu zittern von Bewegung llnh dem Rausch der Kriegsatmosphäre: es ist, als seien sie mit eigener Kraft direkt aus dein Kampfgebiet zu uns herübergeflogen und als könnten sie sich jeden Augenblick wieder erheben, u-m in Kampf und Gefahr zu enteilen. Aber ihre Matore — die modernen Herzen dieser allermodernsten Tiere — schlagen nicht mehr, und ihre mit den französischen oder englischen Farben bemalten Tragflächen bewegen sich nicht in der Gefangenschaft. Sie sind heruntergeholt aus luftigen Höhen in fernen Gebieten, hernntergeschoffrn mit schlanken, sinnreich gebauten Abwehrtanonen oder Apparaten, d>e ihnen wie Brüder gleichen und ihnen dennoch Feind sind, im Schmuck der deutschen Farben. Und wie ihr Anblick, so bewegt auch der schlichte Bericht über das Schicksal, das sie in diesen Saal gebracht hat, unseren Sinn. Da liegt das M-itelstück eines eng-
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lischen Kampfflugzeugs; die Schwingen fehlen, ebenso der Unterbau mit Rädern und Steuerung. Zerschossen und amputiert liegt dieser Überrest des einst stolzen Kampfvogele vor unseren Augen, und in dem Bericht heißt es: Doppeldecker, gebaut in den Könrgl. englischen Flugzeugwerken. Wurde nördlich des Flugplatzes Rouvv zur Landung gezwungen, wobei er sich überschlug. Beide Jnsaffen wurden toi vorgefunden. An dem Flugzeug wurden 192 Treffer gezählt.
Außerordentlich vielartig ist die technisch« Gestaltung und Verwendung der modernen Kriegsverkehrsmittel. Die Leistungen der Eisenbahnen, die die moderne Strategie mit- geschaffen und ausführbar gemacht haben, werden durch das neueste Verk-brSmiitel auf festem Boden, den Kraftwagen, in großzügigster Weift ergänzt und in Einzelheiten sogar übertroffen. Die Kolonnenwagen — Munitions- und Proviant- fahrzeug«, Panzerwagen und Ordonnanz-Rennautomib'le — sind die verbindenden und vermittelnden Sendboten im heutigen beweglichen Kriegsgewirr.
Gewehre aller Konstruktionen, Uniformen der Verbündeten und gegnerischen Truppen, Kriegsgraphik, Krftgslitevatur und Kriegspbotographie ergänzen diese Schau, die mit Beihilfe des Kriegsmiuisteriums und unfreiwilliger Unterstützung unserer Feinde ein Museum geworden ist, das die Werkstatt des Weltkriegs in ihrer atemraubenden Tatsächlichkeit zeigt.
Es ist das Arsenal des Kampfes, das wir sehen, die Fabrik des Krieges, firn Gesamtbild der Welt, in der unsere Soldaten zäh und unbezwinglich ausharren, als die Pioniere des Niesenapparats, den zu bedienen dft Geschicke unserer Zeit zur Ehrenpflicht gemacht haben.
'cher Grausamkeit untersuchen, ist auch in den Vereinig, ton Staaten nicht ernst genvnrmen und Mrückgewiese» worden. Es war selbstverständlich, daß auch die deutsche Regierung ihn als einen Versuch des Aus-, weichens und Verzögerns ablöhnen mutzt«.
Manchen mag es als sin zu hoher Beweis deich, scher Ritterlichkeit erscheinen, daß unsere zweite ,Flara- long"-Note besagt, wir hätten uns auch damit zuftie- den gegeben, wenn ein Untersuchungsgericht, bestehend aus englischen Seeoffizieren, Wer die „Bavalong^-Besatzung geurteilt haben würde. Wir — d. h. unsere Regierung; wir selber sind darin entschiedenst -weniger optimistisch — erblicken in der Ehre der englischen Seeafftziere noch eine genügende Gewähr, nachdem unsere bl-Bootoffiziere, die in Gefangenschaft gerieten, nur nach Gsgenmatzrvgeln auS den britischen Gefängnissen befteit werden konnten. Das heißt unseres Evichtens die Langmut schon ein wenig weit treiben. Will aber die Londoner Regierung auch fernerhin nichts tun und sich somit selbst für das Verbrechen verantwortlich machen, dann müssen wir auch annshmen, daß England zukünftig nicht mehr bas Leben der wehrlos gewordenen Deubtschen achten will: die Vergel-
tungsmaßregeln werden dann Mr zwingenden Notwendigkeit und die angeblich so „menschliche" liberale britische Nation trägt selbst d« Schuld, wsnn das Strafmaß bei uns ebenso hart wie gerecht sein muß. Welcher A r t die nun also bevor- stehenden Vergeltungsmaßnahmen sind, wird in der Note nicht gesagt, und wir nehmen an, daß die Regierung ihre Gründe hat, sie noch nicht bekannt M geben. Aber schon der entschiedene Ton der Note läßt erkennen, daß sie nicht zimperlich Mgreifen, sondern die Mahnung beherzigen wird: Doch wenn Du greifst, so greife fest! Wem man den Respekt vor dem Völkerrecht nicht einimpfen kann, dem muß man ihn eben e i n b l ä u e n . und zwar so nachdrücklich, daß die gute Lehre einige Zeit vorhält.
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Die Aufnahme in 6er deutschen Presse '
Berlin, 15. Jan. sZens. Bin.) Zur Veröffentlichung des Notenwechsels, den die deutsche und die englische Regierung durch Vermittelung des amerikanischen Botschafters in Berlin in der Angelegenheit der „Baralonz".Angelegenheit geführt haben, wird im „Berliner Lokal-Anzeiger" gesagt: Sir Grey hat nicht nur keine Neigung verspürt, von seinen Mordgesellen zur See abzurücken und sie alte« Seemannsbrauch entsprechend dem Richte ffvruch zu überliefern, er hat sich auch nicht gescheut, ein Schriftstück in dir Welt zu setzen voll so viel Dreistigkeit und Aufgeblasenheit, wie es nur das böse Gewissen eines e n g l is ch e n Politikers an den Tag zu legen vermag. Damit ist Britanniens Außenminister samt dem englischen Kabinett in das Lager von Leuten übergegangen, denen selbst in wenig zivilisierten Staaten das Schafott oder das Beil sicher ist. Jeder Deutsche wird es unserer Regiirung nachfühlen, mit welchem Widerwillen sie m solcher Angelegenheit noch einmal das Wort ergriffen hat. Die f e st e, fast feierliche Sprache, mit der unsere Regierung ihren unumstößlichen Willen, die Sühne des verübten Verbrechens nunmehr in die eigene Hand zu nehmen, kund tut, hat uns ganz besonders wohl getan.
Die „Brssische Zeitung" sagt: Der Schiedsgerichtsvorschlag war von England keineswegs ernst gemeint. Durch ihn sollte der Eindruck erweck« werden, als ob die englische Regierung sich nicht schäme, die Vorgänge während der Ausübung des Bluthandwerks dem Ur- teil jeder unparteiischen Persönlichkeit zu unterstellen. In Wirklichkeit weiß die englisch.' Regierung sehr gut, daß es keinen englisch«« Seemann gibt, der eine derartige Tat gutheißen könnte und die deutsche Regierung hat in der Annahme rechi. daß Deutschland getrost den Urteilsspruch in die Hand englischer Offiziere legen konnte. Diejenigen Mitglieder der englnchen Marine, die gewohnt sind, ehrlich zu kämpfen, haben sicherlich nichts anderes als tiefste Scham über die Besudlung ihrer Ehre durch den Kommandanten des „Bcnolvng" empfunden. England hat jede Sühne des Falles abgelehnt. Dadurch ist nie Vergeltung in unser« Hand gelegt. England darf sichrr sein, daß es an unseren Maßnahme» keine Freude haben wird.
Die „Kreuz,eitung" sagt: Der veröffentlichte Wortlaut der englischen Note übertrifft den vorher bekannt gewordenen Auszug an Heuchelei, Überheblichkeit und an Unverschämtheit noch um ein gutes Stück. Wehrlose, gefangene O-Bootsmann- schasten kaltblütig ermordet zu haben, das ist oer Tatbestand, den Grev und seine Helfershelfer nicht ernstlich zu widerlegen wagen und mit Recht haben auch neutrale Blätter ans der Weigerung, ein« Untersuchung einzuleiten, den Schluß gezogen, daß die englisch« Regierung nicht imstande ist, die eidlichen Zeugenaussagen der amerikanischen Bürger über den Vorfall irgendwie zu erschüttern. Für uns ist die englische Antwort eine neue Bestätigung unserer Vermutung, daß die englisch? Regierung, fett wir ihr die informierende Behandlung gefangener deutscher ^-Bootsbesatzungen gemeldet haben, die allgemeine Anweisung erteilt hat, di« Bemannungen deutscher fts-Boote nicht gefangen zu nehme«, sondern so oder so zu vernichten. Die eigentliche» Mörder, auch im „Boralvng"-Fall. sitzen in der englischen Regierung. Es klebt Blut an den Fingern G r e p r. Rach unserer ganzen Artung laufen wir nicht Gefahr, zu vergessen, daß der
Wohltatigkeils -Veranstaltung.
Zur gleichen Zeit, wo unsere kühnen Luftfahrer für ihre hochsliegewden Pläne, wie sich's gehührt, durch die höchsten Auszeichnungen geehrt wurden, gab man auch dem Wiesbadener Publikum Gelegenheit, feinem Luftfahrer-Danck Ausdruck zu geben: zugunsten des „Luftfahrerdank", E. W» fand gestern abend eine größere künstlerisch« Veranstaltung un „Kasino" statt, welche aus allen Kreisen der Gesellschaft zahlreich besucht war, — die Frau Prinzessin Elisabeth ga Schaumburg-Lippe als Ehren-Schutzherrin an der Spitze. Kein Platz im Saal war leer geblieben. Das Programm dev» sprach gehaltvolle künstlerische Genüsse.
Die Herren Professor Mannstaedt und Konzertmeister N o w a ck und Brückner begannen mit dem Beethovenschea B-Dur-Trio (Op. 11) für Klavftr, Violine (im Original eigentlich Klarinette) und Cello: ein herzerquickendes Werk; noch aus de: Zeit, wo das jetzt fast vergessene Wort galt: .Heiter ist dft Kunst"; man konnte dabei des „ernsten Lebens* ftoh werden! Das Trio wurde mit hingebender Sorgfalt und reicher Klangschönheit gespielt. Di« beiden genannten „Saltenkünstler" hatten hernach Gelegenheit, sich auch solistisch zu betätigen. Herr N o w a ck erfreute durch einig« Vrolin- stücke, von denen mir die wertvolle „F-Dur-Romanze" von F. RieS, dank der einfach-natürlichen Darftgung in freund- lichster Erinnerung blieb. Süße Schmeicheltüne entlockft Herr Proftssor Brückner seinem Cello ui Kompositionen von Beethoven und Rafft und mit der brillant gespulte» „Tarantelle" von Popper erzielte er förmlich aufreizend« Wirkung.
Aber als eine HauptarrziehungSkvast dieses Abends hatte vor allem auch die Mtwirkuug verschiedener ftüaftiet bos
