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Samstag, IS. Januar 1916.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 24. . 64. Jahrgang.
Der Krieg.
Der Tagesbericht vom iS. Januar.
Ein neuer Flugzeugerfolg des Leutnants Volke. Gescheiterter russischer Angriff bei der Llrmee Linsingen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 15. Jan. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Auf der Front keine besonderen Ereignisse.
Ein nordöstlich von Albert durch Leutnant bölkc abgeschossenes feindliches Flugzeug fiel in der e n g l is ch e n Linie nieder und wurde vo« unserer Artillerie in Brand geschossen.
Gestlicher lir errsschauplatz.
Bei der Heeresgruppe des Generals v L i n s i n g e n scheiterte in der Gegend von Bzernysz (südlich des Stvrbogcns) ein russischer Angriff vor der Front österreichisch-ungarischer Truppen.
valkankriegsschaupiay.
Nichts Neues.
Oberste Heeresleitung.
Die Ereignisse auf dem Saikan.
3ur Eroberung Eettinjes.
Die Siegesfreude in Wien.
W. T.-B. Wien, 15. Jan. (Nichtamtlich) Tie Besetzung Cettinjes rief, wiewohl erwartet, allgemeine Genug, tuung hervor, die auch m der Beslaggung der öffentlichen mild privaten Gebäude zum Ausdruck kommt. Französische Besorgnis über das Schicksal - Montenegros.
Weitgehende Verstimmung über Italien.
W. T.-B. Bern, 15. Jan. (Nichtamtlich.) Die Pariser Blätter äußern sich wegen der Einnahme des Lowtschen besorgt über das Schicksal Montenegros uiü> lassen deutlich ihren Unwillen über Italien Durchblicken. So schreibt der „Temps": Wir können nms keinen rechten Begriff machen von den Gründen, die Italien an der Hilfeleistung gehindert haben sollten. Selbst unter Nichtachtung der Gründe des Gefühls, die dies ihnen fast zur Pflicht hätte machen sollen, wäve es in ihrem eigensten Jnteveffe gewesen, die Österreicher sich nicht an der Adria ausbverten zu lassen. — Im „Echo de Paris" weist Marcel Hutin darauf hin, daß jetzt auch die Serben in Albanien sehr bedroht seien; die Alliierten hätten in dieser Lage eirle schwere Verantwortung, Ganz besonders sei das italienische Ansehen in der Adria betroffen, denn die drohenden Angriffe der Mittelmächte toür- den besonders auf die Besitzergreifung von Durazzo, San Giovanni di Meldiua und Skutari zielen. Man müßte schon ein außerordentlicher Optimist sein, um sich vorzustelleu, daß die Alliierten für Montenegro und Mbanten tun könnten, was ihnen nicht rechtzeitig bei Serbien gelungen sei. — Im „Petit Parisien" fragt Oberstleutnant Rousfet, warum vran nicht rechtzeitig die Vorteile benutzt habe, die der mächtige Lowtschenberg bietet, um zu Lande Cattaro zu erreichen. Heute bedauert es die „Jdea Nazionale" wie wir auch. Aber es ist zu spät. Ob noch eine Unternehmung möglich ist, die dem tapferen Bergvolk das Schicksal Serbiens ersparen würde, das zu prüfen, ist vor allem Italiens Sache. Denn es handelt sich nicht mehr um eine mehr oder weniger hypothetische Bedrohung durch Bulgarien, sondern Österreich-Ungarn schickt sich an, an der Adriaküste Fuß zu fassen. Man sagt uns, daß in Rom die Err,egung ziemlich lebhaft ist. Ich glaube es gern, aber wenn sie sich in kräftige Errtschlüsse unrsetzen würde, brauchte inan sie nicht zu bedauern.
Der deutsch-offiziös« Glückwunsch zum Fall von Eettinje.
W. T.-B. Berlin, 15. Jan. (Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt über den Fall von Eettinje: Mit wuchtigen Schlägen zerttümmevt das österreichisch-ungarische Heer die militärische Macht Montenegros: auf die Erstürmung des Lowtschen folgte die Einnahme der Hauptstadt Montenegros. Gleic^eitig schreitet die Umklammerung der weichenden montenegrinischen Streitkräste von Nordosten und Osten unaufhaltsam fort. Was die österreichisch-ungarischen Truppen in dem überaus schwierigen Gelände geleistet haben, gehört zu den herrlichsten Taten dieses Krieges und der Kriege aller Jetten. Weder steile, schneebedeckte Höhen noch die Unwegsamkeit der Straßen und Pfade konnten ein unüberwindliches Hindernis abgeben, jede Aufgabe, die den tapferen Truppen gestellt wurde, lösten sie, mochte:: die Anstrengungen und Entibehriungvn noch so groß sein. Während die österreichisch-ungarischen Truppen an der italienischen Grenze und in Wolhynien in unermüdlicher Hingebung einen unerschütterlichen Wall gegen alle mit noch so großer zahlen- n:ütziger Übermacht geführten Angriffe bilden, dringen ihre Kameraden in das „unbesiegbare" Montenegro mit jedem Tage tiefer ein und bereiten den endgültigen Sturz auch dieser Säule des Viervenbandes vor. Das deutsche Volk beglückwünscht den treuen Bundesgenossen von ganzem herzen »u den neuen großen Erfolgen, die weitere Schritte zu dem gemeinstanen Acte des Bieabundes, Deutschland, Österreich- ÜNYMM, Türkei und Bulgarien, bedeuten.
Glückwunschtelegramme zur Erstürmung des Lowtschen.
W. T--B. Wie», 14. Jan. (Nichtamtlich.) Kaiser Franz
E oseph find am 11. Januar von dem demschen Kaiser und vom öntg von Sachsen nachstehende Telegramme zugegangen:
„Darf ich Dir von Herzen meinen Glückwunsch aussprechen zur Erstürmung des Lowtschen, die Deine tapferen Truppen mit bewunderungswürdiger Ausdauer uno Geschick dmchgeführt haben. Gott hat sichtbar geholfen. Er wird ferrrer mit uns sein.
WiIheI m."
.Habe heute mit großer Freud« die Eroberung des Lowtschen gelesen und spreche Drr meinen herzlichsten Glückwunsch zu dieser glänzenden Wastentat Deiner Armee aus. Gott helfe uns werter!
Friedrich Augu st."
Hierauf ergingen am 12. Januar nachstehcude Lutworttele- gramme:
„An S. M. Wilhelm IT, deutscher Kaiser und König von Preußen: Hochersteut durch Deine sreundiiche Teilnahme an der neuerlichen Wastentat meiner tapferen Truppen, welchen es gelang, die starke Position, des Lvwtschcir stürmend zu erobern, bitte ich Dich, meinen wärmsten Dank für Dein freundliches Telegrannu empfangen zu wollen. Gottes Beistand wird uns zum guten Ende unseres gemeinsamen Kampfes geleiten. Herzlichst
FranzIoseph.
„An S. M. Friedrich August. König von Sachsen: Wärmstens danke ich Dir für Derne mich sehr erfreuende Beglückwünschung zu dem glänzenden Erfolge, den meine rapseren Truppen eben in Montenegro errungen haben. Gott rst mit uns.
F r a n z I o s e p h."
Kuf der Spur der fließenden Montenegriner.
Br. Wien, 15. Jan. (Eig. Dvcchtbericht. Zens. Bin.) Aus dem Kriegspressepuartier wirb peschrieben: Der Rückzug der Montenegriner ist gestern zu teilweise
-wilder regelloser Flucht geworden. Nachdem_üE)r
Widerstand gegen die auf Eettinje vorgchenden österreichisch-ungarischen Truppen 5 Kilometer vor der Hauptstadt gebrochen worden war, -machte der Feind leine weiteren Vertei-digungsversuche, sondern überließ die Stadt kampflos den Verfolgern. Ein nochmaliger Abwe-hrversnch wäre auch angesichts 'der Wucht -der n-achdrängenden Verfolger aussichtlos gewesen. Der Einzug in die Stadt, deren rotdachige 'Häuser die Soldaten von der Höhe aus erblickten, erfolgte nachmittags. Die Bevöllerung verhielt sich sehr rrch-ig- Auf dem wenig an einen Palast gemahnenden Konak wurde die österreichisch-ungarische Fahne gehißt. Währerrd ein Kommando die Stadt in Besitz nahm.
folgten die kämpfenden Truppen den hinter Rrjeka ftichenden Montenegrinern weiter nach Westen. Auf den übrigen Teilen der montenegrinischen Westfront dauert die Verfolgung ebenfalls an.
Der Lntscheidungskampf der Montenegriner der Skutari?
Italienische Mahnungen au den Bierverbaud.
Br. Lugano, 16. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Ein römischer Bericht der „Stampa" meldet: Die montenegrinische Äöuigsfamilie befinde sich aus der Reise nach Rom, der König bleibe jedoch en der Spitze des Heeres. Er werde bei Skutari den EntscheidungSkampf wagen. Sollten die Moste- negrincr unterliegen, so würden sie bei de« albanische» und italienischen Truppen Zuflucht finden. Nötigenfalls werde Italien, das die Adriaherrschast (?!) besitze, nci:e Truppen nach Wbanic« senden, obwohl dies, wie die Versenkung der „Brindisi" und „Stadt Palermo" durch treibende Minen bewiesen, nicht völlig gefahrlos wäre. „Stampa" warnt schließlich die En- trntcpresse dringend vor einer Fortsetzung der PolemÄ über die Unterlassung iftrlienischcr Hilfe für Monte»
ncorg. Der jetzige Zeitpunkt sei nicht geeignet, gege», scitig Beschuldigungen zu erheben.
Der erste Balkanzug aus der Fahrt nach rronstantinopel.
W. T.-B. Berlin, 15. Jan. (ÄdrchtamMch. Dvcchsbericht^ Heute morgen 7,20 Nhr hat der erste Balkanzug Berlin verlassen. Zur Abfahrt hatten sich auf dem Auhalter Bahnhof als Vertreter der Eisenbalmdircktion Berlin der Esten- bahndirektionspräsident Ruedlin, der Regierungsrat Wehde und als Vertreter des zuständigen BetrieLsamies Regierungsbaumeistrr B e h r e n d eingefunden. Der denkwürdige Augenblick hatte auch eine Anzahl von Schaulustigen herb ei geführt, die namentlich die mit Tannengirlanden geschmückte Lokomotive umgaben und dem Zugpersonal eine recht glückliche Fahrt zuriefen uud die Abfahrt mit Hüten, und Tücherschwenken sowie Hochrufen begleiteten. Der Zug bestand aus einem Packwagen, zwei Personenwagen 1. uud 2. Klaffe, einem Schlafwagen uud einem Speisewagen. Mp
