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Sreitog, 14. Januar 1916.
Kbenü-Ausgabe.
Nr. 22. . 64. Jahrgang.
Die Hauptstadt Montenegros erobert!
Der Einzug unserer Bundesgenossen in Lettinje.
W. T.-B. Wien, 14. Jan. (Mchtamtlich. Draht- bericht.) Amtlich verlautet vom 14. Januar: Die
Hauptstadt Montenegro ist in unserer Hand. Den geschlagenen Feind verfolgend, sind unsere Truppen gestern nachmittag in Ccttinjc, der Residenz des montenegrinischen Königs, eingcrückt. Die Stadt ist unversehrt, die Bevölkerung ruhig.
Der Stellvertreter des Chefs des Geucralstabs:
v. H ö f e r, Fcldmarschallcutnant.
*
Italiens Enttäuschung über ven montenegrinischen Mißerfolg.
Anscheinend klare Erkenntnis des Ernstes der Lage für die Italiener.
W. T.-B. Bern, 14. Jan. (Nichtamtlich. Drahtöericht.) Der „Secolo" meldet: Der gestrige Tag sei in Rom in diplomatischer Beziehung sehr bewegt gewesen. S o n n i n o hatte, schreibt der „Secolo", eine lange Beratung mit dem König, um ihn besonders eingehend über die italienische Aktion zur Unterstützung Serbiens und Montenegros zu unterrichten Anschließend empfing Sonnino den serbischen Gesandten und hatte mit ihm eine längere Unterredung, in welcher der Gesandte wichtige Mitteilungen gemacht haben soll. In Rom sei natürlich das allgemeine Augenmerk auf die Operationen gegen M o n t e n e g r o gerichtet. Allein in den serbischen und montenegrinischen Kreisen Roms sei man seit zwei Tagen ohne direkte Nachrichten aus Montenegro. Man hege nur geringe Hoffnungen. Glücklicherweise erkennen die betreffenden Kreise die guten Absichten der Entente, die seit dem vergangenen Dezember Maßnahmen getroffen habe, um die erwünschten schweren Geschütze sanit Munition nach Montenegro zu schaffen. Allein diese guten Absichten seien nicht von den nötigen Vorsichtsmaßnahmen begleitet gewesen. Infolgedessen sei unter anderem der Dampfer „Tyra", welcher sehr bedeutendes Kriegsmaterial an Bord hatte, torpediert worden. In Rom täusche man sich nicht über die schweren Folgen des Falls des Lowtschen, von wo aus Cetiinje, Budua, der Novdteit des Skutariseeö und das Riekatal beherrscht werde. Die Verteidigung Cettinjes sei schwierig. Man müsse ferner die Besorgnis hegen, daß die Österreicher auch den Rückzug nach S k u l a r i abschneiden, wo Österreich natürlich seinen Vornrarsch nicht einstelle, vielmehr eine neue Etappe für weitere Operationen in Albanien errichten werde, wo gar zu viele seien, welche die Möglichkeit herbei- wünschten, an der Seite der Österreicher zu kämpfen. „Heda, ihr Freunde in Italien, schlaft ihr?''
Herväs Klage und Hilferuf für Montenegro.
W.T.-B. Paris, 14. Jan. (Nichtamtlich. Draht- dericht.) In der „Victoire" ruft Heroä nach Hilfe für Montenegro: Ich weiß nicht, schreibt er, wie es die Österreicher und Deutschen machen, aber sie haben .immer Leute, um die Offensive zu ergreifen oder vielmehr ich weiß es doch; sie graben sich gegenüber unseren Linien ein und spicken ihre Gräben mit Tausenden von Maschinengewehren, wodurch sie trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit immer ein Operations- Heer haben, das sie bald gegen uns, bald gegen Rußland, gestern gegen Serbien, heute gegen Montenegro einsetzen. Herrscht denn bei uns Mangel an Einheitlichkeit der Anstrengungen auS Diangel an Verständigung zwischen den Generalstäbeu oder behalten wir die Truppen in den Gräben? Niemals haben wir da, wo es zur Stunde nötig, ein Operation-Heer, um gegen den Feind Cch'läge zu führen. Wir hatten nicht genug Truppen, um die Dardanellen zu bezwingen, wir konnten nicht rechtzeitig ein paar hunderttausend Mann sin- den, um Serbien zu retten, heute sind wir aus Mangel an 20000 Mann aus dem Wege, Montenegro vernichten zu lassen. Wann endlich werden wir aus diesen grau- sannen Lektionen lernen? .Heda, ihr Freunde in Italien, schlaft ihr?
Der Statthalter von Dalmatien über dke Bedeutung de» Lowtscbenerfolgr.
Die Tapferkeit der Dalmatiner.
W. T.-B. Wien, 13. Jan. (Nichtamtlich.) Der in Wien weilende Statthalter von Dalmatien Graf Atteme erklärte einigen Blättern, die Eroberung des Lowtschen sei für Dalmatien, besonders den Südteil des Landes, ein Ereignis von weittragender Bedeutung, weil C a t t a r o dadurch zu einem ganz uneinnehmbaren Hafen und einem der besten Stützpunkre gegen eine feindliche Annäherung geworden sei. Wetter sei der Lsndjtreifen von B u d u a
bis S p i z z a, der zu Kriegsbeginn geräumt wurde, weil sein Halten mit großen Schwierigkeiten verbunden gewesen wäre, von selbst wieder in unsere Hand zurückgefallen. Atteme erklärt ferner, er habe in letzter Zeit wiederholt Gelegenheit gehabt, das Land zu bereisen und sich überall von dem herrlichen G e i st der Truppen sowie der außerordentlich ^zuversichtlichen Haltung der Bevölkerung zu überzeugen. Von den braven Truppen würde sowohl auf dem Gebiet der Befestigungen als auch bei Stroßenbauten und Meliorationen des Bodens im Interesse einer besseren Verpflegung wirklich Großartiges geleistet. Der Statthalter drückte seine Freude über das geradezu heldenhafte Verholten der dalmatinischen Regimenter aus, das zuerst in dem Krieg gegen Serbien und später an der Jsonzofront zu rühmlichen Erfolgen geführt habe. Der Krieg gegen Italien habe im Lande einen Sturm der Begeisterung erweckt und die Aspirationen Italiens seien mit Empörung zurückgewiesen worden. Der Statthalter gedachte der großen Opferwilligkeit der dalmattnischen Bevölkerung auf dem Gebiet der Kriegsfürsorge und schloß, die Eroberung des Lowtschen werde cm ganzen Lande freudigste Stimmung Hervorrufen und zu begeisterten Kundgebungen Anlaß geben. Die Freude werde um |ü größer sein, als durch die Eroberung des Lowtschen von den Gegnern in erster Linie Italien betroffen werde.
Der Tagesbericht vom 14. Januar.
Sturm und Kegen rin westen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 14. Jan.
(AimUrch.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Bei Sturm und Regen blieb die Gefechtstätiq- kcit auf vereinzelte Artillerie-, Handgranaten- und Minenkämpfe beschränkt.
Destlicher- und valkankriegsschanplatz.
Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.
Oberste Heeresleitung.
vi-r Ereignisse auf dem Balkan.
vie Vierverbandslruppen überschreiten die erlaubte Zone.
Eine neue Gefahr für Griechenland.
W.T.-B. Budapest, 13. Jan. (Nichtcmttlich.) ,Az Est" meldet aus Sofia: Aus Saloniki cinge- trosfrnen Nachrichten zufolge haben die englischen und französischen Truppen die Stellungen auf dem rechten Ufer des Wardarflusses bei I e n i d z e ausgebaut. Französische Bortruppcn drangen westlich bis zur Straße nach W o d c n a vor. Tie englisch-französischen Truppen beabsichtigen augenscheinlich, die Höhen bei Wodrna zu siberschrcitcn und Griechenland in der Richtung Florina-Vitolia von der Außenwelt a b- zu schneiden. Hierdurch überschritt die En- tentc längst jenes Gebiet, welches Griechenland geräumt und freiwillig der Entente für ihre Kriegs- operationcn überlassen hat.
Sprengung der Struma-Tisenbahnbrücke.
W. T.-B. Bern, 13. Jan. (Nichtamtlich.) _ _ Die Eisenbahnbrücke über die Struma bei Demirhissa ist, nach einer Meldung des „Corriere dclla Sera", von den Alliierten in die Lust gesprengt worden.
Dadurch ist — so wird der „Franks. Ztg." dazu noch aus Lugano gemeldet — die Bahnverbindung von Griechenland nach Bulgarien und der Türkei unterbrochen. Der Hauptzweck der Sprengung war offenbar den befürchteten An m a r s ch der türkischen Truppen zu verhindern, deren bei Tanthi erfolgende Zusamrmenziehung von der Ententepresse wiederholt gemeldet wurde. Nebenbei aber sollte durch die Sprengung auch da'S bei ikerss, Drama und Kawalla stehende griechische Korps, das bekanntlich jüngst Saloniki infolge der englisch-französischen Besetzung räumte, rücksichtslos von der Verbindung mit Zentcalgriechenland abgeschnitten werden. Zehn französische Flieger bewarfen das bulgarische Lager bei Gewgeli.
Der griechische Protest gegen die Besetzung von Korfu
W.T.-B. Mailand, 14. Fan. (Nichtamtlich.) Der Berichterstatter des „Corriere della Sera" drahtet aus Athen: Die griechische Regierung erklärte, daß die Aus- schiffwng der frarrzösischen Truppen aus Korfu ohne ihr Wissen geschehen sei. Die griechische Regierung habe unter Berufung aus den Vertrag van 1878 protestiert, durch den die jonischen Inseln an Griechenland abgetreten und die Ncuttalität Korfus sanktioniert wurde. In ministeriellen Kreisen glaubt man, daß die Regierung trotz des Protestes diesen Gewaltakt üb er sich werde ergehen lassen müssen.
ohne jedoch ihre Politik zu ändern ober aus 'der Neutralttat herauszuitreten. Man glaube, daß die AusschiWumg slepbdscher Truppen bereits begonnen habe.
Wachsende Erbitterung in Griechenland.
Der Stimmungsumschwung als Folge fortgesetzter Vergewaltigung.
W.T.-B. Sofia, 14. Jan. (Nichtamtlich.) Hier eingr» ttoffencn Nachrichten zufolge wächst die Erregung i» Griechenland über das selbstherrische Vorgehen der vsutenie und ihre Mißachtung der griechischen Neutralirät und Souveränität ständig. Die Erbitterung ist fo gesttegen, daß der Gedanke, Bulgarien, seinen Gegner von 1913, in Saloniki eiumarschieren zu sehen, alle Schrecken für die Griechen verloren hat und daß die Mehrheit deS Volkes die Verbündeten beim Einmarsch in griechisches Gebiet als Befreier begrüßen würden. Die Stimmung, welche noch vor wenigen Monaten durchaus ententcfrenndlich war, ist in ihr Gegenteil umgeschlagen. Besondere Berücksichtigung verdienen die Bestrebungen der Ententeheere, Griechenland durch Ausdehnung ihrer Stellung bei Saloniki nach Westen vom Vierbund völlig abzuschneiden. Jenidze Wardar ist bereits von den Franzosen besetzt. Allgemein herrscht das Gefühl, daß die Lage unerträglich und eine Einmischung griechischrrseits unausbleiblich ist» sobald der Vormarsch der Verbündeten auf Saloniki beginnt.
Burians Protest gegen ven feindlichen Willkürakt in Saloniki.
W. T.-B, Wien, 14. Jan. (Nichtamtlich.) Aus Anlaß dev Geftmpermaihme der k. k. Konsuvarßunkttonäre in Saloniki hat der Minister des Äußern, Baron B u r i a n, nachstehend« Note an den hiesigen amerikanischen Botschafter Pem fiebb gerichtet:
W i e n, 9. Jan. Der Unterzeichnete hat die Ehre, die Gesalltg- kcit Seiner Exzellenz des Herrn außerordentliche» und bevollmäch- tioten Botschafters der Bereinigten Staaten von Amercka, Fred«« Eourtland Pensield, mit der Bitte ganz ergebenst in Ansprucy zu nehmen nachstehendes der französischen und der Konigl. groß-
Kenntnis
britannischen Regierung auf telegraph,schein Wege zur bringen zu wollen: „Mit peinlichstem Erstaunen hat die k. und I. Regierung von den gegen den ösierreichisch-ungarlschen Generalkonsul in Saloniki, gegen das Personal und das Archiv des Konsulats, lohn» eine Reihe ihrer dortigen Nationalen verübten brutalen G e w a l t st r e i ch erfahren. Die Gefangennahme der bei der Königs, griechischen Regierung bestallten FunktwnSce und der unter !hr»m Schutz stehenden Nationalen, sowie die Durchsuchung der mit den Privilegien der Unverletzlichkeit ausgestatteten Konsulararchtve stellt sich dar nicht nur als schärfster Eingriff in die Hoheitsrecht« eine? neutralen Staates, Eingriffe, die den elementarsten allgemein hochgehaltenen Grundsätzen des Völkerrechts wider st reiten, sondern kehren sich auch unmittelbar Wider die Rechre und Interessen Österreich-Ungarns und lassen sich nicht anders al? W, llkür ikte bezeichnen, welche die Grenzen weit überschreiten, die Kriegführenden nach Recht und Herkommen gezogen sind. Das besagte Vorgehen illusttiert neuerlich nur allzu simckällig, daß Frankreich und Großbritannien vor Handlungen nicht zurückschrecken, die das Stigma des krassesten, durch nichts zu be- schönigenden Rechtsbruches offensichtlich ick sich tragen. Di« k. und k. Regierung behält sich das Recht vor, je nach den wetteren Verfügungen, welche jene Mächte in Ansehung der ihrer Freiheit Beraubten treffen werden, di- ihr angemesien erscheinenden Maß- nak-men zu «greisen. Der Unterzeichnete benutzt zugleich auch diesen Anlaß, um Seiner Exzellenz dem Herrn amerikanischen Bot- schastcr dcn Ausdruck seiner ausgezeichneten Hochachtung zu er- neuern. Burianimp.
Englische „Humanität" gegenüber den Krzten König Konstantins.
Br, Sofia, 13. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) D« Wiener Universitätsprofcssor Freiherr v. Eiseisberg, der sich bekanntlich aus Verlangen der griechischen Regierung gemeinsam mit dem Professor Dr. K r e n s - Berlin vor c,Niger Zeit nach Athen begeben hat, um König Konstantin erneut aus seinen Gesundheitszustand zu untersuchen, ist heute in Sofia cingerroffen. Professor Kraus hat sich von Risch über Belgrad nach Berlin begeben. Beide Professoren haben den beschwerlichen Landweg über Larissa- Monastir-Veles-Uesküp-Nisch wählen müssen, weil die Engländ« und Franzosen der griechischen Regierung hatten mitteile« lassen, sie würden die Professoren Kraus und Eiselsbrrg verhaften, falls sic die Rückfahrt von Athen, ebenso wie die Neste nach der gttcchischen Hauptstadt zur See unternehmen sollten, gleichgültig, ob sie sich auf einem Kriegsschifs oder Passagiecschiss befänden. Die Professoren wurden von 12 Soldaten und Gendarmen begleitet. Der Gesund, beitczustand König Konstantins ist außerordentlich zu- friedenstellend. Der König besitzt bereits die kräftige Kon» stitunon wie vor seiner Erkrankung im Sommer 1915.
Der Krieg der Türkei.
Oer Abschluß des DardaneUenfiaskos.
Der amtliche türkische Bericht.
W.T.-B. Konstantinopel, 13. Jan. (Nichtamtlich.) DaS Hauptquartier teilt mit:
An der I r a k f r o n t keine Änderung.
An der Kaukasusfront griff der Feind am 10. Jan, zweimal kräftig unsere Stellungen bei N er man an, wurde aber znrückgeschlagen und lies« istst Tote auf dem Schlacht- selbe. Am ist. Jan. beschossen mehrere feindliche Kreuzer und Torpedoboote zeitweilig Scdd-ül-Bahr, die Umgegend von Tekkr-Burun und die anatolischcn Batterien, ohius
