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Verlag Langgasse 21^

„Tagblau-Haus".

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Donnerstag. 13. Januar 1916.

Morgen - Ausgabe.

Xtt. 19. ♦ 64. Jahrgang.

Neue höhenzüge vor Lettinje genommen!

wiederauflebende russische Massenangriffe. Mitwirkung von Albaniern bei der Vertreibung

der letzten serbischen Heeresreste bei Jpek.

Oer österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien. 12. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 12. Januar, mittags:

_ Russischer Rriegsschaupiatz.

Das Schlachtfeld an der b e s s a r a b i s ch e n Grenze bildete auch gestern wieder den Schauplatz e r- b i tt e r t e r Kämpfe. Kurz nach Mittag begann der Feind unsere Stellungen mit Artiüeriescuer zu über­schütten. Drei Stunden später setzte er den ersten Jn- fanterieangriff ein. Fünfmal hintereinander und um 10 Uhr abends ein scchtes Mal versuchten seine tief- gegliederten Angriffstolonnen in unsere Linien einzubrechen. Immer war es v e r g e b e n s. Unterstützt von der trefflich wirkenden Artillerie schlugen die tapferen Verteidiger alle Angriffe ab. Der R ü ck z ug des Gegners würde mitunter zur regel­losen Flucht. Seine V e r l u st e sind groß. Vor einem Bataillonsabschnitt lagen 800 tote Russen. Das nordmärische Infanterieregiment Nr. 93 und die Hou- vedregimenter Nr. 30 und 307 haben sich besonders her­vorgetan.

Sonst im Nordosten stellenweise Geplänkel.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

In den Abschnitten von Riva, Flitsch und Toi- mein sowie vor dem Görzer Brückenkopf war die Artillcrietätigkeit stellenweise wieder lebhafter. Bor dem Südtcile des Tolmeiurr Brückenkopfes wurde ein feindlicher Angriffsversuch abgewicsen. Im Görzischen belegten unsere Flieger italienische Lager mit Bomben.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unsere Offensive gegen die Montenegriner schreitet erfolgreich vorwärts. Eine Kolonne hat unter Kämpfen die Höhen westlich und nordwestlich von Bndu«, eine andere den 1560 Meter hohen B a b j a k südwestlich von Ccttinjc genommen. Die über den Lowtschen vordringendcn Truppen trieben den Feind über Njegrsi zurück. Auch die östlich von Orakowac jenseits der Grenze emporrageuden Höhen sind in un­serem Besitz.

Die gegen Grahovo entsandten Streitkräfte haben sich nach 70stündigcn Kämpfe» der Felshöhen südöstlich und nordwestlich von diesem Orte bemächtigt. Die Zahl der nach gestriger Meldung an der monte­negrinischen Südwestgrcnze erbeuteten Geschütze erhöhte sich auf 42. Im Ä o r d o st io i n k c l Montenegros wurden nun auch die Höhen südlich von Bcranc er­stürmt. Österreichisch-ungarische Abteilungen vertrie­ben im Verein mit Albanesen dre Reste serbischer Truppenderbände aus Dugain, westlich von Jpek.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. Höfer, Feldmarschallcutnant.

*

Erfolgreicher Angriff österreichischer Flugzeuge auf Riminr.

Am 11., nachmittags, hat ein Geschwader von S e c- flugzeugen in Rimini die Munitions- und die Schweselfabrik, Bahnhof und Abwehrbatteric mit ver­heerendem Erfolge mit Bomben belegt. Trotz des hef- sigen Feuers mehrerer Abwehrgeschütze sind alle Flugzeuge irnbeschädigt zurückgekehrt.

Flottenkommando.

Die Ereignisse auf dem Balkan. .

Die Erstürmung des Lowtschen.

Weitere Einzelheiten.

Br. Berlin, 12. Jan. (Erg. DrahGericht. Zenf. Bln.) Der Kriegsberichterstatter des „L.-A." meldet über die Er­stürmung des Lowtschen: Nach wochenlangrr eifrigster Vorbereitung, die namentlich der schweren Artillerie einen tadellos arbeitenden Munitionsnachschub schaffen mußte, be­gann vor einigen Tagen der Angriff auf den Lowtschen. Er bildete das Endergebnis eines wohlerwogenen, bis in die letzten Einzelheiten ausgearbeitetcn Angriffsplanes. Unserer Armccleitung war die Stärke der montenegrinischen Be­festigungen genau bekannt und sie wußte auch, daß in letzter Zeit ein weiterer artilleristischer Ausbau des 1757 Meter hohen BcrgcS vorgenommen wurde. Nachdem in der letzten Woche alle Vorbereitungen beendet waren, nahm die plan­mäßige Beschießung, die der langsam und vorsichtig verrücken­den Infanterie den Weg bahnen sollte, ihren Anfang. Bon »wei Seiten erklomm die Infanterie die Straßen zum

Lowtschenpaß. Im Norden ging es über die Höhe von Krstae, die genommen wurde; südlich von Eattaro wurde das Borgehen über den Solar durchgeführt, der am Samstag im Sturm genommen wurde. In einer Höhe von 1300 Meter hatten die Montenegriner hier eine starke Stellung, die unsere Truppen nach mehrstündigem Nahkampf in Besitz nahmen. Die Wirkung unserer schwere» unu schwersten Artillerie, mit der sie unterstützenden Schiffsartilleric mehrerer Einheiten, war schon nach der ersten Stunde der Beschießung außerordentlich. Drei Tage währte der Aufstieg über die Bergwände des Lowtschen. Gleichzeitig mit Be­endigung der Artillerievorbereitung waren unsere Schwarm- linren von Krstae und Solar her vor der montenegrinischen Hanptstellung anyelangt und der Sturm wurde befohlen. Die Montenegriner leisteten verzweifelten Widerstand. Im wütenden Handgemenge besetzte die Infanterie die Päfle des Lowtschen.

Jur Lage der serbischen Heeresreste.

Die Befestigung Balonas.

Br. Ehristiania, 12. Jan. (Erg. Drcchtbericht. Zeus. Mm) Aus Albanien wird über Paris gemeldet: Die Verprovian­tierung des serbischen Heeres nimmt einen lefrie- digenden Verlauf. 30 000 italienische Soldaten und die gleiche Anzahl Albanier sind damit beschäftigt, Valona zu be­festigen sowie Brücken und Wege zu bauen. Täglich gehen TranSportdcrmpfer mit serbischen Soldaten nach Saloniki; nn ganzen wuirden 150 000 Serben nach Saloniki gesandt. (Die Angaben über die Zahl der nach Saloniki gesandten Serben sind zweifellos ungeheuer übertrieben, da die Ge­samtstärke des serbischen Heeres bei Beginn der Operationen nur wenig über 200 000 Köpfe betrug. Bisher wurde die Zahl der nach Albanien geflüchteten Serben auf 70 000 ange­geben, und auch diese Zahl war noch reichlich hoch. Schrifll.) Die Archive des serbischen Hauptquartiers; und Generalstabes in Sofia.

W. T.-B. Sofia, 12. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Blätter melden, daß auf dem hiesigen Bahnhof ein Son­derzug mit serbischer Kriegsbeute eintraf. Dabei befiuden sich ein Galawagen des Königs Peter und die Archive des serbischen Hauptquartiers und des G e n e r a l st a b s sowie mehrere Bronze-Festungs­geschütze.

vis Besetzung ttorfus durch die Franzosen.

W. T.-B. Athen, 12. Jan. (Nichtamtlich. Drcchtbericht.) DaS Wiener k. k. Korrespondcnzburcau meldet: Eine franzö­sische Truppenabteilung landete auf Korfu. Der Befehls­haber hat de» Präfekten aufgefordcrt, gegen die Okkupation der Insel keinen Widerstand zu leisten. Die Abteilung hißte die französische Fahne, besetzte das A ch i l l e i o n und die Telegraphcnstation und nahm von der Kaserne Beschlag. Polizisten, die aus Marseille in Korfu eingetroffen sind, ent­wickeln in der Stadt eine lebhafte Tätigkeit.

vre Haltung Griechenland?.

Die Befestigung von Saloniki.

Br. Rotterdam, 12. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der Sofioter Berichterstatter des „Nteuwen Rotterdamjchen Eouvant" meldet: Gut informierte Leute, die aus Saloniki nach Sofia geflüchtoi seien, erklärten, man habe im Haupt­quartier der Entrntetouppen seinerzeit nicht damit gerechnet, daß Griechenlanld in die Forderung der Räumung des Ge­bietes von Saloniki einwilligen werde. Erst nachdem es dies zur Verwunderung der Entente getan habe, sei von der Räumung Salonikis durch die französisch-englischen Truppen abgesehen worden und der Plan gereift, Saloniki zu ver­stärken und zur serbischen Stesidenz zu bestimmen, um den Schein der Hilfeleistung für Serbien aufrecht zu erhalten. Dafür sollten aber die Freunde der Mittelmächte aus Saloniki eutfernt und die Griechen aller Wacht beraubt wer- dem. Ms nach der Verhaftung der Konsuln Oberst Pallis gegenüber General Sarrail protestierte, drehte dieser ihm den Rücken zu und antwortete nicht. Man meint allgemein, daß die Entente mit diesen Mahnahmen bezweckte, einen Bruch zwischen Griechenland, Bulgarien und der Türkei zu bewirken, damit Griechenland an der Seite der Entente kämpfe.

Die griechische Regierung fordert die Aufhebung der Blockade.

W. T.-B. Budapest, 12. Jan. (Nichtamtlich.) Aus Sofia wird „Az Est" gemeldet: Die griechische Regierung fordert, daß der Blockade des griechischen Küstengebiets ein Ende gesetzt werde. — Dasselbe Blatt meldet aus Sofia eine Äußerung des Finanzministers Tontschew, welcher hcrvorge- hoben habe, daß das Verhältnis zwischen Bulgarien und Griechenland sehr gut sei. Griechenland werde bis zum Ende neutral bleiben. Auch daS Verhältnis zu Rumänien sei gut.

Oer Rrieg im Grient.

Rach der Räumung von Gallipoli.

Ein türkischer Nationalfeiertag. — Stiftung einer Er­innerungsmedaille — Ein Denkmal in den Dardanellen.

W. T.-B. Konstantinopel, 12. Jan. (Nichtamtlich. Draht- bevicht.) Im Senat gab Enver-Pascha über die Räumung der Dardanellen die gleiche Erklärung wie in der Kammer. Das Haus beschloß, an den Sultan eine Ab­ordnung zu entsenden, um ihn zu dem Sieg zu beglück­wünschen und auch der 5. Arm« Glückwünsche zu über­mitteln. Sodann wurde ein Antrag angenommen, in dem der

Regierung vorgeschlagen wird, den 9. Jan. als National­feiertag zu erklären uinld eine Erinnerungs­medaille zu stiften, die allen am Kriege teilnehmenden Mrlitärpersonen nNd den Kindern der Gefallenen gewidmet Werden soll, sowie in den Dardanellen ein Denkmal zu errichten, vor dem jedes Schiff der türkischen Kriegsmarine bei der Durchfahrt eine Ehrenbezeigung leisten soll.

Die französische Presse zur Räumung von Gallipoli.

W. T.-B. Bern, 12. Jan. (Nlchtamüich. Dwchtberrchl.) Die Räumung von Gallipoli wird von der Pariser Presse im allgemeinen als eine aus Notwendigkeit geborene strate­gische Maßnahme angesehen. Der „Temps" erwähnt, daß Kitcheners Besuch im Orient mit den letzten Entschlüssen zusammenhänge und streift im Rückblick nochmals die Hoff­nungen der Entente, Griechenland zum Anschluß zu bewegeu. Nun wendet sich der Blick des Orients nach Saloniki, und andere Ereignisse bereiten sich vielleicht vor. Den FeirÖ auf Gallipoli zu schlagen verzichten, heiße chn anderswo sicher treffen. In diesem Kriege würden nicht isolierte Be­gebenheiten zählen, sie feien allein in der Hinsicht auf den endgültigem Erfolg zu bewerten. Andere Matter, wie »Petit Paristen", stellen resigniert fest, daß nach der Räumung der Suvlabai durch die Engländer eine vollständige Räumung unvermeidlich wurde. Der „Matin" sicht keinen Grund, den begangenen Fehler verschleiern zu wollen, da ihn ja die englischen Berichte mit gewohnter Offen­heit anerkennen würden. Den Kampf dort fortzusetzen, wo die Türkei von den Deutschen Munition erhalte, wäre ein schwerer Fehler gewesen. So aber könnten nun bedeutende Einheiten am Punkten eingesetzt werden, wo man sie für eine Gegenoffensive notwendig halte.

vorläufige Kertigstellung der Bagdadbahn.

Br. Aleppo, 12. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Die Arbeiten an der Bagdadbahn sind jetzt zu einem ge- wiflen provisorischen Abschluß gebracht worden. In der Richtung von Aleppo nach Bagdad sind die beiden Strecken AlePpo-Moslemi-Ras-el-Ain (ca. 300 Kilometer) und Samarra bis Bagdad (142 Kilometer) jetzt vollständig aus- gebant und in Betrieb. Dazwischen fehlt das Mittel stück Ras-el-Ain-Mofful-Samarra von 521 Kilometer Länge» dessen Bau infolge der jetzigen Schwierigkeiten der Material­beschaffung erst nach dem Krieg in Angriff genommen wer­den wird. In der Richtung von Aleppo nach Koma und Kon­stantinopel fehlen die beiden Tunnelstrecken durch den Amanus und durch den Taurus. Davon ist jedoch die Amanus­strecke mit dem 5 Kilometer langen Baghtsche-Tunuel bereits seit Juni 1915 durchgestoßen uird der Ausbau ist so energisch befördert worden, daß am 1. Februar 1916 die Strecke Jslahie-Mamure als Kleinbahn, am 1. Oktober 1916 als Voll- bahn eröffnet werden soll.

Dke Lage in Persien für Rußland kritisch.

Die Nachwirkung der englischen Niederlage von Ktesiphon. —

H: Stockholm, 12. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin. Tökegvamm nnferers Sonderberichterstatters Sorge.) Im Gegensatz zu den optimistischen Meldungen der Petersburger Telegraphen-Agenftrr über die Lage in Persien berichten an Petersburger Mütter private Berichterstatter, daß die Lage für Rußland äußerst kr i t i s ch ist. Die „Rjetsch" be­richtet, 'daß infolge der englischen Niederlage bei Ktesiphon der Khan van Beludschistau sich empört habe und in das englische Gebiet Beludschistans eingedrungen sei, ja, daß er unmittelbar vor d«r Toren Indiens stehe. Die Rückwirkung in Persierr könne nicht ausbleiben. Sollte der Schah Teheran verlassen wollen, so toerfoon die russi­schen Truppen ihn daran verhindern.

Rußland versucht es wieder einmal mit Versprechungen.

Br. Konstantinopel, 12. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Die Russen suchen die fragloüvdige Stellung de? neuen Ministers des Innern Prinzen Ferinan Ferrar der Öffentlichkeit gegenüber zu stärken, indem sie die Perser zur Abwechslung mit Zuckerbrot behandeln. Der russische Ge­sandte hat der persischen Regierung in kleinen Fragen freundliches Entgegenkommen zugesagt, u. a. Finanzbeihilfe, und sich einverstanden erklärt, daß die russi­schen Staatsangehörigen und Schutzbefohlenen zur Steuer herangezogen werden. Auch ist dem russischen Konsul rücksichtsvolleres Verhalten gegen die persischen Behörden an­empfohlen worden. Wie der Berichterstatter der „Voff. Ztg." jedoch von persischer Seite erfährt, macht das alles keinen Ein­druck im Lande. Die Bevölkerung weiß, was von russi­schen Versprechungen zu Hallen ist. So hoben die bei dem Hercrn nahen der Russen aus Teheran nach Kur geflüchte­ten Perser die Aufforderung, in die Hauptstadt zurückzukehren, unbeachtet gelassen, obwohl ihnen Bürgschaftei', für die Sicherheit auf Leben und Eigentum versprochen wurden. Tatsächlich liegt der maßgebende Einfluß nicht in den Händen Ferman Ferrars, sondern beim Emir Haschrep und bei dem von ihm geführten Stamm.

*

Die Heimkehr aus Invken.

W. T.-B. Blissingen, 12. Jan. iNichtamtlich Draht- bericht.) Der Danipfer „G o l c o n d a" kam mit 500 deutschen und österreichischen Reisenden in K i l b u r y an. Die Reisenden treffen morgen nachmittag 4 Uhr in Blissingen ein und fahren mit einem Extrazug nach Goch.