Verlag Laugsaffe 21
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Mittwoch, 12. Januar 1916.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 17. * 64. Jahrgang.
Der römischen und Verane genommen!
Der neue österreichische Erfolg in Montenegro.
Italienische Zlieger über Sem Ltschtal.
26 Geschütze auf dem Lowtschen erbeutet. —Sei
Ipek abermals 13 Geschütze ausgegraben.
ver österreichisch-ungarische Tagesberichte
W. T.-B. Wien, 11. Jan. (Nichtamtlich) Amtlich verlautet vom 11. Januar, mittags:
Russischer Rriegsschaupiatz.
Gestern herrschte, von den gewohnten Artillerie- kämpfen abgesehen, auch an der bcssarabischcn Front und in Ostgalizien Ruhe. Seit beute früh richtet der Feind von neuem nach heftigstem Artilleriefeuer vergebliche Angriffe gegen den Raum Torporoutz- Rarance.
Italienischer Rriegsschaupiatz.
Die Lage ist unverändert. In Südtirol erschienen über dem Etschtal - 11 italienische Flieger, die an mehreren Punkten erfolglos Bomben abwarfen.
Südöstlicher Rriegsschaupiatz.
Der Lowtschcn ist g e n o m m e n. In dreitägigen harten Kämpfen überwand unsere tapfere Infanterie in .prächtigem Zusammenarbeiten mit der schweren Artillerie und S. M. Kriegsmarine den erbitterten Widerstand des Feindes und die ungeheuren Schwierigkeiten des winterlichen Karst-Gebirges, das wie eine Mauer 1700 Meter hoch ans dem Meer ansteigt und seit Jaliren. zur Verteidigung eingerichtet mar. 26 Geschütze, darunter zwei 12-Zcutimetcr- Kanonen, zwei 15-Zentimeter-Mörser und zwei 24- Zentimetcr-Mörscr, dann Munition, Gewehre, Verpflegung und Bekleidungsvorräte sind die Beute. Ein Teil der Geschütze ist noch intakt und wird gegen den Feind verwendet werden. Im Nordosten Montenegros wurde der Feind, der gestern knapp vor B c r a n e nochmals Widerstand leistete, geworfen. Der Ort und die beherrschenden Höhen südwestlich davon sind in unserem Besitz. Raschem Zugrcifcn gelang cs, die brennende L i m b r ü ck e in Berane vor gänzlicher Zerstörung zu bewahren. Bei Ipek wurden wieder 13 serbische Geschütze mit viel Munition ausgegraben.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.
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Der Lowtschcn ist ein 1700 Meter hohes Gebirge, das sich in der Nähe der montenegrinischen Hauptstadt erhebt. Berane liegt im ehemalig türkischen Sandschak Ipek, der nach dem zweiten Balkankrieg an Montenegro kam. Meie neuesten Erfolge der österreichisch-ungarischen Waisen, die so unmittelbar auf den planenden Sieg der Osmanen auf Gallipoli folgen, werden auch bei uns überall freudigste Beifall- stimmung finden, da wir abermals erkennen, wie ernstlich die Verbündeten der Donaumonarchie bemüht sind, den Widerstand der Feinde zu brechen.
Das Ernährungsproblem vor dem Reichstag.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
k. Berlin, 11. Jan. (Eig. Drahtbcricht. Zeus. Bln.) Nach NeujahrIwünfchen und mit Beifall aufgeno-mme- nen bulgarischen Grüßen setzte der Reichstag heute nach- mittag seine vor Weihnachten unterbrochenen Ackerten fort. Es gab wieder einige kleine Anfragen, denen die Hausocknung einst eine gewisse Dringlichkeit Anerkannt hatte, doch nicht in der Voraussetzung, daß sie zu einer gewissen Ausdringlichkeit gebraucht würden. Dr. Liebknecht befaßte mit seinen Fragen die äußere und innere Politik zugleich. Die Gegenwart der betreffenden. Regierungsvörtreter war abermals als eine Höflichkeit gegenüber den verfassungsmäßigen Rechten der Volksvertretung anzuschen. Wir wuß- ten bereits, daß die deul'che Regierung mit der tllrki- scheu über die im Ausland sehr übertriebenen Begleit- rrscheinungen des armenischen Aufstandes einen unserer freundschaftlichen Beziehun- gen entsprechenden Meinungsaustausch eingeleitet hat. Nähere Einzelheiten hierüber bekannt zu geben, würde deutschen Interessen nicht entsprechen, weshalb aber' Dr. Liebknecht doch noch eine ihm vom Vorsitzenden ab- gefchnittene Evsanzmrgsjrage stell«« wollte, über die *
folgenden Fragen, welche Strafen unsere Zipilverwal- tung im besetzten Feindesland verhängte, und welche Strafen im Jnlande infolge des Belagerungszustandes verhängt wurden, gab Ministerialdirektor Dr. Lewald nur die Bereitwilligkeit der Regierung bekannt, vor dem Haushaltungsausschuß zu sprechen, nicht aber vor dMi Plenum. Der Zwischenfall verpuffte, wie die früheren wirkungslos, weil selbst die Minderheits-
Debattelos wurde bas Gesetz über die benötigten
Debattelos wured das Gesetz über die benötigten Hilfsmitglieder des Patentamtes in zweiter Lesung angenommen, worauf das Hans zur Beratung des Hauptgegenstandes der Tagesordnung, des Ausschußberichtes über Er näh rungsfragen, Der- ging. Die beiden ersten Redner Graf Westarp und Abgeordneter iLchmidt-Berlin stimmten in einem wichtigen Punkte überein: Ter Feind darf nicht darauf zählen, daß Lebensmittelmangel den Krieg auch nur um einen Tag verkürzen könne. Wir kommen bei Sparsamkeit mit dem Vorhandenen trotz aller englischen Absperrung aus. Worin der konservative Berichterstatter und der sozialdemokratische Kritiker anderer Meinung waren, das war in der Frage der landwirtfchastlichen Verdienste. Graf Westarp bat zu bedenken, daß mit den Entbehrungen des Volkes große Selbstlosigkeit unserer Landwirte gleichen Schritt ging. Während der Ab geordnete Schmidt unter dem Wider- spruch der Rechten von Profitwut sprach und auch dem Handel Vorwürfe machte und hierdurch seine in manchen Prmkten recht berechtigten Klagen über die Lebensverteuerung und Spekulation entwertete, sah er sich bald leeren Bänken gegenüber. Wenn durch eine bedauerliche Maßnahme ein Mangel an Schweinefleisch entstand, und wenn auch die Butter Verteilung noch nicht glücken wollte, braucht man darum doch noch nicht von „Jämmerlichkeit der preußischen Verwaltung" zu sprechen, uird daß bei den Reichen in Berlin W. ein Butterübersluß herrschen soll, beweist, daß der Abgeordnete nicht in Berlin W. wohnt. Aber trotz einiger nicht zutreffender Ausführungen des sozialdemokmti- schen Redners. erwartet man doch allgemein eine noch regere Tätigkeit des Reichsamts des Innern.
Staatssekretär Dr. Delbrück plädierte von neuem für mildernde Umstände und wies auf die gewaltigen neuen Aufgaben hin, die seiner Verwaltung und den Landräten erwuchsen. Niemand macht ihn persönlich dafür verantwortlich, wenn gewisse agrarische Vorurteile im Reichsamt eine verzögernde Mrkung aus- znüben scheinen, jedermann weiß, daß das hohe vaterländische Ziel, durchzuhalten, allen zunächst am Herzen liegt. Die Teuerung besteht auch bei unseren Feinden, die das Meer beherrschen. Sie ist die notwendige Begleiterscheinung dieses Krieges. Dr. Delbrück fand allgemeine Zustimmung bei den bürgerlichen Parteien, als er nochmals aus die Doppelwirkung der Höchstpreise und der Beschlagnahmung hinwi-es, zumal, wo es sich um riesige Mengen von Nahrungsmitteln, vor allem um Kartoffeln handelt Die Ernennung des parlamentarischen Beirats, der dem Staatssekretär in jedem' liberalen Sinne gegen alle Vorurteile sowie etwa versuchte Mißbräuche den Rücken stärken und ihm beratend zur Seite stehen soll, hatte schon früher er- folgen sollen. Auch in diesem Sinne war der Beifall gemeint, der den Schlußworten des Staatssekretärs folgte.
Sitzungsbericht.
(Eigener Trahtberichr des „Wiesbadener TagblattS".)
Berlin, 11. Januar.
Am Dundesratstifch: v. Jagvw, Wahnschiasse und andere Minister.
Präsident Dr. Koempf eröffnet die Sitzung um 2,23 Uhr mit den besten Wünschen für das neue Jahr. Der Telegrammwechsel ans Anlaß des Jahreswechsels mit dem K a i s e r und der bulgarischen Sobranjc wird unter dem Beifall des Hauses verlesen.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst
kurze Anfragen.
Die Anfrage des Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) über Armenien lvuride im Namen des Reichskanzlers durch den Direktor der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, Gesandten a. D. v. Stumm, wie folgt beantwortet: Deni Herrn Reichskanzler ist bekannt, daß die Pforte vor einiger Zeit, durch aufrührerische Umtriebe unserer Gegner veranlaßt, die armenische Bevölkerung bestimmter Gebiete des türkischen Reiches ausgesiedelt und ihr neue Wohnstätten angewiesen hat. Wegen gewisser Rückwirkungen dieser Maßnahmen findet zwischen der deutschen und 1
der türkischen Regierung ein Gedankenaustausch statt. Nähere Einzelheiten können nicht mi-tgeteilt werden.
Der Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) erhält daraus das Wort zu einer ergänzenden Auftage.
Er wird unter dem Beifall des Hauses vom Präsidenten darauf hingewiefen, daß es sich hier um eine neue Anfrage handelt. Unter großer Unruhe des Haulses und vielfachen Rufen „Ruhe!" versucht Mg. Dr. Liebknecht weiter zu reden, indem er darauf hinweift, daß der Präsident noch gar nicht in der Lage sein könne, darüber zu urteilen, ob es sich wirklich um eine neue Anfrage handle, ehe er sie nicht vollständig gehört habe. (Heiteasteit uwd große Unruhe; Glocke des Präsidenten.)
Präsident Dr. Kaempf: Ich verbitte mir eine solche Kritik meiner Geschäftsführung. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Dr. Liebknecht spricht weiter: Ist die Regierung bereit, dem Reichstag schleunigst -das Material vorzulegen über die Lage der Bevölkerung in den von Deutschland besetzten fremden Gebieten, ihre Bersorgung mit Lebensmitteln, Nahrung, Kleidung, Unterkunft, ihre Gesundheitszustände, ehre Rechtslage, über Zähl, Art und Grund der gegen sie von den deutschen Behörden verhängten Strafen und Vergeltungsmaßregeln, über den Umfang der an chr vollzogenen militärischen Requisitionen und die babei befolgte« Grundsätze, sowie über die Höhe der ihr, besonders der belgi. schon Bevölkerung, auferlegten Kontributionen?
Ministerialdirektor vr. Lewald:
Der Herr Reichskanzler ist wicht bereit, das von dem Herrn Abgeordneten Tr. Liebknecht gewünschte Material dem Reichstag vorzullegen, wird aber, wie bisher, über die 'Tätigkeit der Zivilverwoltungen in den besetzten Gebieten auf Wunsch dem Ausschuß für den Reichshaushvli Auskunft erteilen lassen. (Beifall; Heiterkeit.)
Abg. Dr. Liebknecht spricht ergänzend: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß Orte und Gebäude der zur
Vergeltung zerstörten-(Allgemeine Unruhe; Glocke
des Präsidenten.)
Präsident Dr. Kacmtzf: Das ist keine Ergänzung, sondern eine ganz ne-uc Auftage.
Mg. Dr. Liebknecht stellt seine dritte Anfrage: Ist die Regierung bereit, dem Reichstag unverzüglich das Material vorzulegen: a) über die von den deutschen Militär- und Zivil- behörden während des Krieges auf Grund des Belagerungszustandes getroffenen allgemeinen und besonderen Maßregeln zur Aufhebung des Vereins- und Vevswmmlnngsrechtes und der persönlichen Freiheit (Verstlnrmlnngsverbote, Vereinsauf- losungen, Öffnung des Briefgeheimnisses, polizeiliche Überwachung des Telephonverkehrs, Verhaftungen, Haussuchungen usw.) und insbesondere über die Zahl der während des Krieges ohne gerichtliches Verfahren in militärische Hast verbrachten Zivilpersonen, über Grund und Stärke dieser Haft» b) über Zahl, Höhe und Grund -der während des Krieges gegen Angehörige der Armee erkannten Strafen und über den Gefangenenbestand der Milätävgefiing- niffe seit Beginn des Krieges?
Ministerialdirektor Dr. Lewald:
Der Herr Reichskanzler ist nicht bereit, das von dem Abgeordneten Dr. Liebknecht gewünschte Material vorzulegen.
Abg. Dr. Liebknecht meldet sich zu einer ergänzenden Anfrage.
Präsident Dr. Kaempf: Ihr Verhalten entspricht nicht den Gebräuchen des H.ruses und der Geschäftsordnung.
Mg. De. Liebknecht fragt ergänzend: Weiß der Herr Reichskanzler, daß in Deutschland allein verschiedcnrlich schwarze Kabinette von den Militärverwaltungen.... (Allgemeine Unruhe, Glocke des Präsidenten, Rufe: Ruhe. Abg. Horn (Sachsen) ruft dazwffchen: Halten Sie doch Ruhe, Heiterkeit.) — Der Redner wird vom Präsidenten unterbrochen, der ihn darauf hinweist, daß es sich hier auch um keine Ergänzung, sondern um eine neue Anfrage handelt.
Der Abg. Dr. Liebknecht verläßt mit der Bemerkung, daß er gegen diese Art der Geschäftsführung protestiere, die Rednertribüne und wird unter dem Beifall des Hauses hierfür von dem Präfidenten zur Ordnung gerufen.
Die Vorlage über weitere Zulassung von Hilfsmit- gliedern im Kaiserlichen Patentamt wird ohne Debatte in zweiter Lesung angenommmi und die Anleihedenk, schrifi zur Kenntnis genommen. Es folgt
der Bericht der Kommission über die Ernahrrmgsfrage.
Abg. Graf Westarp berichtete kurz über die Kommissions- Verhandlungen. Er schließt seinen Bericht mit der Feststellung, daß das deutsche Volk sich nicht aushungern laste. Wegen der Ernährungsfrage brauche der Krieg nicht einen Tag früher be- endet zu werden, als die militärische und politische Lage es erfordere. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Schmidt-Berlin (Soz.): Eine zweckmäßige Organisation der Verteilung ist bei einigen Nahrungsmitteln notwendig. Die Preise dürfen keine Spekulationspreise sein, sie müssen allerdings den Produktionsverhältnissen Rechnung tragen. Die Verordnungen des BuudeSrats sind viel zu spät ergangen. Die Höchst Preise Lud immer noch
