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i Morgen-veilage des Wiesbadener Tagblatts, i»

Nr. 8. Dienstag» 11. Januar. 1916.

(8. Fortsetzung.) Sd*CtTtfftlltUS* (Nachdruck verboten.)

Eine Geschichte aus dem Rokoko von Felix v. Stenglin.

Die Prinzessin hielt Cercle. Sie richtete an alle nach der Reihe das Wort, aber den Dan;, dasdeliziöse" Wetter, daS Befinden des Herzogs, die neueste Mode. Endlich sprach sie längere Zeit sehr eingehend mit der Ministerin. Prinzessin Emilie, wurde von Er­scheinungen gewürdigt. Mehrmals hatte sie in letzter Zeit einen Engel mit großen, weißen Flügeln über dem südichen Schloßteile schweben sehen, und in dieser Nacht war ihr dieselbe Gestalt im Traum erschienen, hatte sich zu ihr geneigt und ein paar Worte zu ihr gesprochen, deren sie sich nicht mehr entsann, die aber so etwas wie eine milde Warnung enthalten hatten. Sie erwog die Bedeutung dieser Erscheinung mit einer gewissen Besorgnis. Vor drei Jahren, in dem heißen, trockenen Sommer, war ihr ein großes rotes Pferd er­schienen, und kurz darauf hatte Je sich eine schwere Er­kältung zrigezogen. Die Ministerin sprach die Hoff­nung aus, daß diesmal die Erscheinung der Vorbote freudiger Ereignisse sein möge.

Und wieder lockten die Geigen, die Klarinette gab ihre lustige Stimme dazu, und der Baß brummte seine behäbige Begleitung. Die jungen Paare tanzten im Schatten der Buchenhecke, und die marmornen Liebes­götter sähen von ihren Postamenten verständnis­innig zu.

Endlich, bei steigender Sonne, hörte man auf. Die Prinzessin hielt die Gesellschaft rwch eine Weile be>i- saminen. . . .

Veronika suchte Rabenhorst. Er war verschwunden. Sie schlich sich zur Seite und ging durch den Park, überallhin spähten ihre Augen. Da sah sie am Weiher im Schatten der Linden eine Gestalt auf der Bank, und bald erkannte sie den Vermißten. Es beruhigte sie, daß er allein war. Leise kam sie näher. Er schlief.

, Sie war mirpört. daß er so ruhig schlafen konnte. Sie fand selbst in der Nacht keinen ruhigen Schlummer. Gewiß hot er gestern abend wieder einmal lange ge­zecht und ist davon jetzt noch inüde, dachte sie. Wer er

ist mtf anderen Wegen gewesen-das Herz

krumpfte sich ihr zusannmen im Weh der Eifersucht. Sie beobachtete ihn. Nun quoll es wie Rührung in ihr ompor. So still und hilflos saß er -dal Seine Lippen begonnen sich zu bewegen. Leise kam sie näher. Urab nun hörte sie es deutlich, wie ein leidenschaftliches Wehen kam es aus seinem Mund:Aglajal Aglaja!"

Sie war tief erschüttert. Die Knie wollten sie nicht mehr tragen, fast wäre sie zusammengebrochen. Doch nun nahm sie ihre ganze Kraft zusammen. Leise stahl sie sich fort und wankte zur Gesellschaft zurück.

Man war dort in lebhaften: Gespräch. Irgend etwas schien sich ereignet zu haben.

Peter von Himmslpsort entdeckte Veronika und kan: ihr entgegen.

Eine seltsame Affäre, mein gnädiges Fräuleins Serenissimus hat soeben die Gärtnerstochter, Ihre Kose, mit dam Gärtnerburschen in der Schloßkirche ge- Ivaltfam kopulieren lassen, weil die beiden Beziehun­

gen hatten, die gegen die gute Sitte verstießen. . Und Seine Durchlaucht sollen geschworen haben, daß künftig in gleichem Falle mit jedem Paar in seinen Landen also verfahren werden solle-"

Man lief zusainmen, rief um Hilfe . . . Veronika lag ohnmächtig in Peter von Himmelpforts Armen.

4 .

Gegen Abend saß Serenissimus mit seiner Schwester beim Piquet.

Die Oberhofmeisterin Fräulein von Ginster brachte die Nachricht, daß es Veronika besser gehe. Sie wolle aber noch niemand sehen, selbst Frärrlein von Duvat nicht.

Ah, selbst Fräulein von Duval nicht!" wiederhole der Herzog, -während er die Karten -mischte.

Da trat ein Lakai ein und meldete den Kammer­herrn von Dunkelstein.

Mon Di-eu!" sagte die Prinzessin und sah ihren Bruder besorgt an.

Er erhob sich.Verzeihen Sie, liebe Schwester! Zu so ungewohnter Stunde . . . Ohne Zweifel etwas Wichtiges. Fräulein von Ginster wird meine Partie übernehmen." Er winkte der Prinzessin leicht mit der Hand zu und ging ins Vorziminer.

Prinzessin Emilie in Gedanken. Die derbe Stimme der Ginster störte sie auf.

Eure Durchlaucht haben die Vorhand. Lassen Sie etwas liegen?"

Inzwischen stand im Vorzimmer der Kammerherr vor dem Herzog.

Leider muß ich Eurer Durchlaucht eine peinlich« Meldung nrachen."

"Des Herzogs Stirn furchte sich.

Ah bah - Ist es nötig"

,^zch halte es für meine Pflicht."

Eh bien! Eure Pflicht über alles, mein lieber kDunkelstein. Aber schnell! Ich stehe gerade gut im Spiel, und wenn die Ginster nur nicht alles verdirbt -Nun?"

Der Gärtnerbursche, den Eure Durchlaucht heilte mittag

./Schön? Hat er sich mit seiner Gheliebsten ausge- söhnt? Wie?"

Nein, Euer Durchlaucht. Er hat sich der ihm auf- gedrungenen Ehe durch die Flucht entzogen."

Serenissimus sah scharf auf.Er ist"

Er hat das Weite gesucht", fuhr Dunkelstein ruhig fort, nicht ohne eine gewisse Genugtuung.

Ja, ist er denn nicht in meinen Diensten? Wie?"

Er war es ohne Zweifel bis heute."

Tlh, bohl Und wohin?"

Wähvscheinlich nach Preirßen, um sich dort anwer­ben zu lassen. So hat er wenigstens der kleinen Bar­bara gesagt, nachdem er sie durchgeprügelt hatte."

Der Herzog ging erregt auf und ab, dann blieb er plötzlich vor Dunkelstein stehen.