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Dienstag» N. Ianuar 1916.

Neue (Erfolge im Luftkampf.

3um französischen Miherfolg bei Massiges.

Der Tagesbericht vom 11.Ianuar.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 11. Jon. (Amtlich.)

westlicher Uriegsfchauplatz.

Feiudlichc Vorstöße gcgcu die nordwestlich von Massiges genommenen Gräben wurden ab ge­wiesen. Die Zahl der dort gemachten Gefangenen erhöht sich auf 480 Mann.

Ein französisches, mit einer 3,8-Zentimetcr-Kanone ausgerüstetes Kampfflugzeug wurde bei Woumen (südlich von Dixmuiden) durch Abwehrfeuer und einen Kampfflieger zur Landung gezwungen. Das Flugzeug ist mit feinen Insassen unversehrt ,n unsere Hand gefasten. Lei Lournai wurde im Lust- kampf ein englischer Doppeldecker a b g c s ch o s s c n.

Destlicher- und valkanbriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Oberste Heeresleitung.

Der Krieg der Türkei.

Zur Räumung Gallipoiis.

Bajonettangriff bei Sedd-ül-Bahr und keine „freiwillige" Räumung!

Berlin, 11, Jan. (Jens. Bln.) Zur Räumung Dalli- polis durch die Entente meldet der Konstantinopeler Bericht- erstatter der „Köln. Ztg.": Bei Sedd-ül-Bahr versuchte der Feind unter dem Schuhe dreier Kreuzer die E i ns ch iffu n g seit Mitternacht von Samstrrg zu Sonntag. Die türkischen Truppen, welche riese Feindeslist voraussahen, machten gegen Morgen einen Bajonettangriff. Es folgte eine blutige Schlacht. Das Hauptquartier kennzeichnet die Erfolge als sehr groß.

Die Siegesfeier in Nonstantinopest

W. T.-B. Konstantinopel, 11. Jan. (Nichtamtlich.) Die Freude über die endgültige Dertreibung der^ Engländer von der Hall'imifel Gallivoli ist in allen Klaffen der Be- dülkerung allgemein. Die Glocken aller griechischen und armenischen Kirchen werden zum Zeichen der Fvvude ge­läutet. In allen Kirchen und israelitischen Tempeln werden DankzotteSdienste abgehalten. Die türkische Schuljugend erhielt einen Tag schulfrei. Gruppen der Schulljugend, die meisten in feldgrauer Uniform als lleine Soldaten gekleidet, durchzogen mit Musikkapellen an der Spitze die Straßen und veranstalteten Fveichenkundgebungen. Andere Gruppen von Vereinen mit Fahnen und Musik ziehen, vater­ländische Lieder singend, durch die Straßen Konstantinopels. Die Freudenkundgebungen wiederholen sich unausgesetzt. Abends wurden die Moscheen festlich beleuchtet. Sofort nach Eintreffen der Siegesnachricht im Kriegsministerdum begab sicki der Vizegenevalissimus Enver-Pascha in das Palais und meldete sie dem Sultan, der eine überaus lebhafte Befriedigung äußerte. Der Sultan übermittelte ferne Grüße und Glückwünsche der 5. Armee, die mit dem Ausdvuck des Dankes antwortete. Der Sultan hat neuerlich 1000 Pfund für die Kinder gefallener Soldaten gespendet, ttundgsbungan vor den Gesandtschaften der Verbündeten.

W.T.-B. Konstantinopel, 11. Jan, (Nichtamtlich.) Vor gestern übend zog eine Menge von mehreren taufend Per­sonen, Mitglieder des Komitees fiir die Landesverteidigung, Vereine ujstv., unter Borant-wyung von türkischen, deutschen, österreichisch-ungarischen und bulgarischem Fahnen in Be­gleitung von Fackelträgern und mehreren Musikkapellen durch die große Perastvaße. Der Zuig wurde überall mit lebhaften FreUdenklindgebungen und Hurrarufen aus „ die türkische Armee und die Armeen der verbündeten Mächte begrüßt. Bor der deutschen Botschaft kam es zu Sympathie­kundgebungen für Deutschland. Der Zug bewerte sich hieraus zur bulgarischen Gesandtschaft. Der bulgarische Ge­sandte, der aus dem Balkon erschienen war, sagte auf eine Ansprache, der Sieg bei Sedd-ül-Bahr erwecke in Bul­garien große Freude. Er wünsche, 'daß der Krieg mit dem­selben Erfolge bis zum Ende fortdauert und daß nach Frie- dMsfchluß die Türkei und Bulgarien sich der gemein­sam en F r i e d e n s a r b e i t widmen möchten, die zu einer wirtschaftlichen Annäherung der beiden Länder führt. Auch vor der östcrreichisch-unycrrischen Botschaft kam es zu Kund­gebungen, wobei der Botschafter Markgraf Pal l a v i c i n l bei seinem Erscheinen auf dem Balkon lebhaft begrüßt wurde. Die türkische Presse über das klägliche Ende der Dardanellen- aktion.

W. T.-B. Konstantinopel, 11. Jan. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Sämtliche Blätter begrüßen das Ende des Darda- neLennndernehmens als Ereignis von großer Be­deutung für die ganze Welt und erklären, damit werde eine neue Periode in der türkischen Geschichte erstehen, di- eine Zeit der ’ endgültigen Wohlfahrt und der wahren Unab- hänFigkeit der Türkei, der Muselmanischen Welt und von ganz Asien ^ bedeuten werde, die nun von der cnglisch-franzosisch- russischen Tyrannei befreit seren. Die Matter erinnern dann, mit welchem Stolz die englischen Staatsmänner von diesem

Kbenö-Ausgabe.

Feldzug sprachen, von dem die Ehve Englands äbhänge, sowie an die Erklärung Asquiths, daß, wenn auch die Suvla-Dar und Ari-Burun geräumt seien, Sedd-ül-Bcchr werde fcstge». halten werde, während heute, nach 20 Tagen, die gerade zur Vorbereitung der nenen türkischen Anstürme notwendig waren, die Engländer sich schmählich trollen müssen. In allen Müttern wird der Armee Dank uiüd Anerkennnmg gezollt. Das griechische Watt „Neologos" schreibt: Seitdem England nach der Vernichtung der großen Armada die Nachfolge Spaniens angetve-ten hat und die Meere beherrscht, hatte die Geschichte niemals einen jämmerlicheren Schiffbruch zu ver­zeichnen als den der Expedition nach Tschanak-Kale.

Wiener Blätterstimmen.

W. T.-B. Wien, 11. Jan. (Nichtamtlich.) Die Blätter begrüßen mtt Freuden die Befveiung der Dardanellen. Die „Neue Frei« Presse" schreibt: Rußland ist um den wich­tigsten Vorteil, den es von seinen Bündnissen erhoffte, be­wogen. Als Nachbarn des Balkans haben wir gleich der Türkei ein Interesse daran, nach Beseitigung dyr serbischen Friedensstörer Freundschaft mit allen Balkan­staaten zu pflegen und die erhaltenden Kräfte zu stärken, an der wirtschaftlichen Entwicklung des ganzen Osmanen- rieiches mitzuwirken. — Das „Neue Wiener Tagblatt' hebt hervor, daß die Türkei sich in diesem Kriege als mili­tärisch« Großmacht ersten Ranges bewährte, die bis­her keim Gegner anzugreifen vermochte, chne sich eine ver­nichtende Niederlage zu holen. — Das „Extrablatt" sagt: Der Schatten der Niederlage von Sedd-ül-Bahr ffällt auch auf die Expedition von Saloniki, dieses zweite „glorreiche", mit Ge­walttaten aller Art gegen Griechenland cingeleitete Unter­nehmen .

Ksquklhs bitterböser Scher;.

Der „unvergängliche Platz in der Geschichte".

W. T.-B. London, 11. Jan. (Nichtamtlich. Drähtbericht.) Im Unterhaus gab Asauith eine kurze Erklärung ab, in der er es als eine außerordentliche Leistung (!?) bervorhob, daß die britischen Strettkräfte ohne alle Menschen- verlwste von Gallipoli zurückgezogen wurden. Bon elf zurückgslassenen Geschützen seien zehn abgenutzt, 15 Zünder wären umkwauchbar gemacht worden. Die Rückzügsoperationen würden einen unvergänglichen Platz in der Ge- schichte eiunehmen. Die daran beteiligten Offiziere wür­den eine besondere Anerkennung erhalten.

Oer Eindruck in Griechenland.

Das Salonikiabcntcuer wird nicht weniger tragisch sein.

Sr. Bukarest, 11. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Athen wird gemeldet, daß die Regierungsblätter der Vertreibung der Engländer von Sedd-ül-Bahr große Be­deutung beilegen und ausführen, in der Lage werde nichts ge­ändert, wenn diese Truppen nun nach Saloniki gebracht werden, da sie demoralisiert und von geringer Leistungsfähigkeit seien. Das Saloniki- al enteuer werde nicht weniger tragisch wie die Niederlage bei den Dardanellen sein.

Fuad-pascha in Wien.

IV. T.-B. Wien, 11. Jan. (Nichtamtlich.) F u ad- Pascha ist aus Berlin hier einye troffen.

Die Rampf« im Irak.

Auch hier wie überall englische Lügen und Erfindungen.

w T-B. K-nstantii.-pel, 10. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbe- Acht) Die „Agentur Milli" meldec' Der englische Kriegsbericht vom Lll November behauptet, dah wir bei dem von unseren Truppen am 12 und 13. fftovembcr gegen die englischen Stellungen bei 5c u t c l A m a r a Lurchgeführten Angriff 3500 Tote verloren haben und Loh die aus Englänbern und Indern bestehende Abteilung m der Nacht vom 17. zum 18. den vorgejchobmen Schützengraben überrascht und 30 Soldaten getötet und 11 Gefangen- gemacht hoben. Ferner behauptet der englische Kricgsb-richt vom 20. November, daß oie Englander nur zwei kleine Kanonenboote verloren haben. Die eng­lische Behauptung, betreffend die von uns der dem Angrffs aus Kut el.Amara am 12. und 13. November erlittenen Verlust- ist falsch, schon aus dem Grunde, weil wir an diesem Tage überhaupt keinen Angriff unterncmmen Laben. Di- zweite Behauptung, betreffend den Sturm einer englisch-indischen Abteilung in der Nacht vom 17. -um 18, betreffend die Gefangennabme türkischer Soldaten, rst gleich- falls eine Lüge, da die Engländer keinen Schritt aus ihren Schützengräben zu machen wagten. Was die dritte Behauptung betrifft, so haben wir außer den Sckisfen, welche wir erbeuteten oder zerstörten, das Kanonenboot „C h i m e a i," versenkt und das Schiff - „E m i d a" zerstört, die beide zur Flußsivttrlle des Feindes achörtcn. Bei Kut cl Amara erbeuteten wir ferner das unver- sebrte Kanoncnbcot „F i r i k l e ß", das wir „Selman Pak genannt baden und das am 20. November die bclazerten Stellungen der Eng- lönder zu beschießen begann. Der kurz erwähnte englische Kriegs- bericht widerspricht von Anfang bis Ende der Wahrheit

Oie Ereignisse auf dem Salkan.

Zur kicittuvg Griechenlands.

Berlin, 11. Jan. (E-g. Meldung. Zens. Bln.) Englands und Frankreichs Verfahren gegen Griechenland erweckt hier mehr und mehr den Eindruck, als wolle die Entente sich durch ein Schrcckensreginient das griechische Volk urid die griechische Regierung gefügig machen. Es soll der A n schein erweckt werden, weder in London und Paris furqte man die Grieckün selbst wenn sie sich auf die Seite der Mitte.,nachte stellen würden. In Wahrheit spekuliert man, dieses Krast- meierttnn werde in Athen überzeugen, daß man dock, am besten tue die Neutralität aufzugebcn, und zwar zugunsten der Entente. Aber wie die Entente sich noch immer auj deyi

Nr. 16. - 64. Jahrgang.

Balkan verrechnet l)at, so wird sie sich auch jetzt wieder verrechnen. Der Augenblick, wo der Zusammenbruch der Dardanellenunternehmung ihre militärische Ohnmacht vor aller Welt erkennen läßt, ist recht ungünstig gewählt für die Mißachtung der griechischen Souveränität. BiS letzt hat sich das Kabinett Skuludis geschickt durch alle ü'ährnisse hm- durchgewunden und mit Protestnoten das neutrale Gewissen beruhigt. Wir haben nach diesem bisherigen Verhalten einige Bürgschaften dafür, daß Griechenlaird bei seiner Neu­tralität verbleiben und sie jedenfalls n i ch t z u g u n st e r> d e r Entente aufgeben wird. Man weih auch ui Achen seqr genau, daß die von feindlicher Sette verbreiteten Gerüchte über angebliche bulgarische Forderungen ganz haltiss ,md, und daß keine polittschen Gründe die Eindringlinge in Salo­niki schützen werden.

Dardansllentruppen in Ssloniki

Berlin, 11. Jan. (Zeus. Mn.) Einer von verschiedenen Morgr^olättern wiedergegebenen Meldung cines Lyoner Blattes aus Saloniki zufolge wurden neue Truppen und be­sonders indische Kavafferie, die von Galttpolr kam, t* Saloniki gelandet.

Die völkerre«k;tswidrige Vrscktzuns Mqtilcknes.

Weitere Eiuzekhsiten.

Berlin, 11. Jan. (Zens. Bin.) Über den neuen Völkerrechtsbruch in Mhtilerve ffrtn^n italienffcy« Blätter der „Deutschen Tagesztg." zufolge ErnzeHetten. ra- nach erlschiem in der Nncht zum 7. Januar vor Mytilene^em Schiff mtt 800 Mann, die sich nach crfolUter Lant»ng über die Stadt veuterkten und wichtige Häuser und H-chenplatz e^br- fttztem Der französische Korifül teMe dem grrschffch«, Pra- fekten und dem Platzkomm«n>dcmten mtt. daß ftrr ste nichts M befürchten fei. Sodann erfokgte die Verhaftru ng vo- n 13 Personen, darunter des deutschen Konsmilaovvvtreter^ und des österreichischen KonfulavcU«rten, derzngleich auch Vertreter für Holland ist, ferner einer Mehczechl aage-, scheuer Türken, Griechen, Deutscher umd Österreicher.

Oie Unlust unter den Valksntruppen des Vieruerdandes.

Br. Amsterdnm, 11. Jan. (Eig-DrahAsE- 2-us. Bln.) Die herrschende U n l u st dcr ^fftgnrr zur Fortsetzung der Operationen in Satomu uvcr««st N«1 nach elugeqangenc» Berichten auch auf die gruppen, die wegen der erzwunkenen Unt.trgkelt und der Un­sicherheit der Lage mutlos werden. Mehrere Rerunen- tcr Gngliinder haben um Überführung nach Ä^pten ersucht. Ein englischer Offizier schreibt in ernem Brief: Kein Mensch kann uns sagen, worauf wir hier noch warten. Wir haben die Franzosen gcftagt, aber sie wissen ebenfalls nickst, was sie hier ,»>en. Unsere ryemde warten ab, wir warten ab, Griechenland wartet auch. Wir wären alle froh, wenn wir Non hier weg waren. Dass serbische Truppen m Salomkt etu«etros- fen sind, bestätigt sich nicht. Nur kleine Trupps, von einigen hundert Mann sind ln Beglestung des Königs Peter und mehreren Offizieren angekommen, weitere Einzelheiten über die Verhaftung der Ronsuln.

Berlin, 11. Fun. (Zens. Bln.) Wer die Lage in und um Saloniki läßt ffch das „B. T." aus Sofia berichten: Cm Gewährsmann ist Zeuge der Detthaftm^eu im d-mfteiMr Krmsulat gewesen. Es war gegen 4 Uhr nachmrttass, als eine stmcke 5stavakkade von f ranzösische n, Kürass iere n< nsfolgt von Automobilen und engl'.sch-ftanzöstschen Patrouillui, sich den Kvri Mttang betoegte, in dessen Nähe ziemlich <ul« Konsulate liegen. Das erste KonMat, das uwzvnyÄt tm^, war dlas türkische. Ein paar Minuten später rief der deuffch« Pastor dem Korchil Walter die Nachricht durch den Garten deS Konsulats zu. Fünf Minuten später sprengtnr zwei fran­zösische Kürassiere heran und nahmen vor dem Gartenror dev Konsulchsvilla Aufstellung. Eine Patrouille, «eführt von französischen und englischsn Offizieren, drang alsdann m das Konfukatsgebäude ein und erklärte den Koniut icUue c llr Anwesenden für verh-astet. Der erstere, der gegen wesen Völkerrechtsbruch Protest einlegte, wurde in ein bereit:telen- des Automobil verbracht, ebenso der Konsulatssekretär und die beiden Kawasson, worauf es in rascher Fahrt nach dem Hazen ging. In dieser Weise wurden die Beamten und die übrigen Konsuln verhaftet, im ganzen etwa 8 00 Personen, dar, unter auch viele Griechen, die verdächtig erschienen.

Die Schreiber der englikcpen Diplomaten* briefe.

österreichische Feststellungen gegenüber den englischen Ableugnungsbemühungen.

IV. B.-B. Wien, 10. Jan. (Nichtamtlich. Wtencr K. K. Telegr.-Korr.-Bureru.) Am 1. Januar erfolgte die Ver­öffentlichung aus den von einem unserer Unterseeboote auf- gefangenen Korrespondenzen von Mitgliedern der britrschen Gesandtschaft in Athen und der englischen Milttärnuffron ui Griechenland, was einige Gcgenäußerungen englijcherseits ausaelöst bat. So ließ vorerst die englische diplomatische Ver- tretung in Athen die A u t h e n t i z i t ä t der veröffentlichten Korrespondenz überhaupt in Abrede stellen. — ©leidj daraus uver heißt es: Selbst wenn diese Briese geschrieben worden wären, würden sie nur P r i v a t m e i n u n g e n darf ellen. Endlich wird die Behauptung ausgestellt, daß kein englycher