Verlag Langgaffe 21
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Dienstag, II. Januar 1916. UtO VgCIt * HMSQQbC . Nr. 15. . 64. Jahrgang.
Die neue Gffensive gegen Montenegro.
vie Montenegriner von mehreren söffen verdrängt. — Bioca erreicht. — Der abflauende Uamps in Dstgalizien und an der bukowinischen Grenze.
ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 10. 3cm. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 10. Januar, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Auch gestern fanden in O st g a l i z i e n und an der Grenze der Bukowina keine größeren Kämpfe statt. Nur bei Toporoutz wurde abends ein feindlicher Angriff abgewiesen. — Sonst nichts Neues.
Italienischer Rriegsschauplatz.
Bon Geschützkänipfen im G ö r z i s ch e n, im Gebiet des Col di Lana und im Abschnitt von Vilgereut h abgesehen, fanden an der Siidwestfront kei»e Gefechte statt.
Südöstlicher Rriegsschauplatz.
Unsere gegen B e r a n e vordringende Kolonne hat die Montenegriner neuerlich von mehreren Höhen geworfen und Bioca erreicht. Nördlich dieses Ortes ist das östliche Limufer vom Feinde gesäubert. Die Truppen, die aus den Höhen über einen Meter Schnee zu überwinden haben, leisten Vorzügliches. An der Tara Artillerietätigkeit und Geplänkel.
Die Kämpfe an der Südwestgrenze Montenegros dauern an.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstäbs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.
Oesterreich-Ungarn sonst und jetzt»
Franzosen, Engländer und Russen mögen miteinander markten, feilschen und rechnen, wer von ihnen die grösste Leistung bisher vollbracht hat, sie mögen sich gegenseitig bezweifeln und bekritteln, und je hemmungsloser sie es tun, mit desto freundlicheren Mienen sehen wir diesem Schauspiel zu. Wir tun es, weil tvir uns sagen dürfen, daß solche peinlichen Untersuchungen des Dstchr oder Minder zwischen uns und unseren Verbündeten niemals statthaben können. Wir wissen, unsere Freunde an der Donau, in Bulgarien und am Goldenen Horn wissen es mit uns, daß jeder seine ganze Kraft ohne Rest singe- seht hat, daß die Einmütigkeit in der politischen wie ln der militärischen Leistung niemals hat durchbrochen werden können, daß jeder für jeden mit allen seinen Kräften steht. Es gibt bei uns und unseren Verbündeten deshalb kein Gegenbeispiel zu den Zänkereien im feindlichen Lager^zu den fortdauernden Vorwürfen, die drüben von London nach Petersburg, von Peters- nach London und Paris, von Paris wieder nach London, von dort zum Teil auch nach Paris, und damit die Komik auch ihr Recht habe, aus allen Dreiver- bandshauptstädten nach Rom fliegen. Wer eines wollen wir Deutschen doch noch besonders ins Auge fassen, nämlich dies, daß die Leistung des Donaureichs dem äußeren Umfange nach so außerordentlich über den Rahmen hinausgewachsen ist, wie vor dem Kriege durch die vorhandenen Formationen bedingt war. Wir möchten das betonen, nachdem wir ein Buch von einer Fülle und Tiefe der Tatsachen, der Anschauungen, der geistvollen Erfassung gelesen haben, es die gesamte Kriegsliteratur uns bisher noch ssswt gebracht hat, das Buch des W i e n er Publizisten Adolf Gelber: „Die Urheber des Weltkrieges".
Wie erne Flamme leuchtet und glüht dies Werk, es ist gleichsam Herz und Kops zugleich, es ist ein Buch voller Aufklärung, voll von Glanz, Gewalt und aufbauender Kraft, es ist durchströmt von Gefühl und Seelenhaftig- reit. Völker, Staaten. Männer, alle Träger der ungeheuren Verantwortung für diesen Weltkrieg, sie Ueten mit körperhafter Bestimmtheit vor nns hin, und '•w Bühne der Geschichte ist belebt von Gestalten, denen wir ms Innerste sehen können, weil eine beinahe dich- wnscho Fähigkeit des Ausspürens und der plastischen Formung mitwirkt. Gelbers Buch gehört zum Außerordentlichsten, was uns in diesem Kriege vor die Augen gekommen ist. Wir wollen das Werk nicht nach, erzählen, davon kann keine Rede sein, aber um das eingangs Gesagte zu wiederholen: Wir möchten hervor- ^eben,^ was der Verfasser uns über die österreichisch- Migarrschen Verhältnisse in einer bestimmten Richtung ^ltzuteilen hat, und dieser Auszug mag zugleich eine ^trlprobe sein. Folgendes schreibt Gelber: „Wir in ^Iterrelch-Ungarn — wem sagen wir damit etwas oceues — waren so naiv, daß man in unserer Gesell
schaft ja nicht einmal an die Notwendigkeit des Militärs überhaupt noch glauben wollte. Unsere Minister des Äußern .warnten in -den Parlamenten und Delegationen: Laßt von der halsstarrigen Torheit, wir sind von Todfeinden umgeben;'' und unsere Kriegs- i'.nd Marinem inister verwiesen immer wieder auf die Armee- und llstarinebudgets der anderen Staaten, die ins Ungeheure gingen. Dennoch bei uns Obstruktionen und wieder Obstruktionen: und wenn, statt zu lärnren, einmal gesprochen wurde, waren es endlose Verhöhnungen der schwarzen Voraussagen und Verweigerungen und Streichungen .dessen, was heute zum großen Teile unsere Schlachten entschieden trat, und ohne dessen Vorhandensein wir heute richtig die glücklichen Untertanen des Kaisers Nikolaus lvären, der stets so weise und wohlmeinend ist. Wo iväre heute Italien, hätte man mit etwas weniger Witz und etwas mehr Verstand das Nötige getan und mehr Schiffe ins Meer hinaus- geseüdet! Wo hätte es am Beginne dieses Krieges der Rückzüge bedurft, wenn wir uns endlich von den kindischen Vorstellungen abgewendet hätten, daß unsere Kriegsininister nur sich selbst zum Vergnügen und zum Spaß ihre Forderungen stellen, und wenn wir unsere Mörser und Haubitzen und Bedienungsmannschaften (bereits in der nötigen Höhe zur Verfügung, gehabt hätten . . . Wir wären Militaristen gewesen? Das nur auszusprechen, ist ja eine solche Lächerlichkeit, daß nur noch der Optimismus lächerlicher war, mit dem wir die Politik des Schwertes für ewige Zeiten für erledigt hielten und gleich für immer garantiertes ruhiges Zusammenleben von Wölfen und Schafen glaubten. Heute aber, haute sind wir wirk- I i ch Militaristen und sind darüber belehrt, was für Narren wir gewesen wären, wenn wir im Jahre 1900, als der Zar so schöne blaue Augen machte und das russische Evangelium von Weltfrieden, Schiedsgerichten und Wrüstung verkündigen ließ, auf den Leim gegangen wären. Denn wirklich, gut hätten wir mit dieser Abrüstung ausgesehen. Und freilich wäre es ihnen sehr recht gewesen, hätte Deutschland „Guter Mond" gesungen und bei uns der Kinderglaube gesiegt! Erst kain die Mandschiirei, dann der Ruf nach Konstantinopel, dann nach all denProbemobilisierungen, Drohungen, serbischen Affären, Gerowska-Prozessen, Bendarsiuk-Proz>essen und Bobrinskyschen Ausflügen nach Ungarn und Galizien der offene Krieg gegen uns . . . Das also ist die eine Folge dieses Krieges; wir blicken in die Vergangenheit zurück und sehen: wir wären verloren gewesen, wenn es nach unseren Träumen gegangen lväre. Und die andere Folge ist: jetzt wenden wir zu sorgen wissen, daß es bei uns auch in Zukunft an der nötigen militärischen Bereitschaft nicht fehle; und ver- antwortlich dafür sind nicht wir, sondern die Feinde, die uns dazu gebracht haben."
So Gelber. Was heißt das nun? Es heißt: Österreich-Ungarn ivar lange nicht genügend gerüstet, es hat erst ini Kriege aus seiner Kraft herausgcholt, was nur irgend hevauszuholen ivar, und es ist jetzt reichlich doppelt so stark wie zu der Zeit, wo Rußland glauben mochte, dies Staatswesen überrennen zu können. So stark aber wird Österreich- Ungarn bleiben, noch stärker vielmehr wird es werden, und das ist denn auch eine der Errungenschaften des Weltkrieges und wahrlich nicht die gering st e.
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Vie türkisch-öfterreichisch-ungarische Verbrüderung.
W. T.-B. Wien, 8. Jan. (Nichtamtlich.) In Besprechung der von dem österreichischen Ministerpräsidenten Grafen Stürgkh während der Veranstaltung zugunsten des Roten Halbmondes gehaltenen Rede heben alle türkischen Blätter in ihren Leitartikeln hervor, wie sehr die courtoisievollen Aufmerksamkeiten und brüderlichen Sympathien der Wiener Gesellschaft in den Herzen der Osmanen bereits Gefühle innigster Dankbarkeit hervorgerufen und die beiden Nationen einander noch näher gebracht haben, die nunmehr ebenso auf dem Schlachtfeld wie auf dem Gebiet der nach dem Krieg ihrer harrenden Tätigkeit eng verbunden sind. „Jkdam" erachtet es für seine Pflicht, dem Grafen Stürgkh im Namen aller Osmanen den Dank für seine Rede zum Ausdruck zu bringen. Das Blatt hebt den beispiellosen Heldenmut der österreichisch- ungarischen Arnieen sowie die Niederlagen, die sie den Russen, dem gemeinsamen Feind, beibringen, hervor. Die osmani- sche Regierung, sagt das Blatt, teilt mit voller Aufrichtigkeit den Wunsch des Grafeli Stürgkh nach Fortbildung der Beziehungen zwischen der Türkei und Österreich-Ungarn. Der Weg zum Herzen der Osmanen ist bereits freigelegt.
Der Rrieg gegen Rußland.
Der Rampf cm -er Strypcr.
Budapest, 10. Jan. (Jens. Bln.) „Az Est" meldet von
bw Strypafront: Aus den knappen amtlichen Meldungen
kann kaum hevausgötesen werden, was für bedeutende Ereignisse sich hier äbspiolten. Gefangene russische Qsfizieve bestätigten, daß der Zar eigens zu dem Zweck in Trembowla eintraf, die dortigen Truppen zum Angriff gegen unsere Front, die von dort nur wenige Kilometer entfernt liegt, anzufenern. Die russischen Offiziere erhielten in einem Tagesbefehl Weisung, nm jeden Preis durchz-ulwechen. In demselben Befehl wurde versichert, daß zur Erreichung dieses Zieles genügend Kräfte zur Verfügung ständen. In der Tat meldsten unsere Beobachtungsslieger, daß vor unserm verhältnismäßig kurzen Frontabschnitt zwölf neue Regimenter bereinigt wurden, die wahrscheinlich aus Odessa kamen. Mit diesen zwölf Regimentern verstärkten die Russen ihre Angriffsamnee. Vor unseren Stellungen liegen viele tausend tote Feiftde. Die Russen bereiteten ihre Angriffe durch stundenlanges Trommelfeuer vor. Trotzdem kam kein Feind über unsere Drahthindernisse hinaus. Bei jedem Slmgriss wurden ganze Regimenter vernichdst. Jetzt herrscht wieder Ruhe, denn es gibt keine sturmfähigen russischen Regimenter mehr. Unsere Verluste sind gering. In den letzten zwei Tagen, als die Russen am stärlksten stürmten und Tausende von Menschen verloren, hatten wir aus der ganzen Linie an Toten, Verwundeten und Kranken nicht mehr als 70 Mann, da das mit unglaublicher Munitionsverschiven- Aung in Szene gesetzte Trommelfeuer ganz wirkungslos blieb, vie Einziehung des deutschen Grundbesitzes in den baltischen Provinzen.
Kopenhagen, 10. Jan. lZens. Mm) Chwostvw ist damit beschäftigt, eine besondere Gefetzesvorlage über die Liquidierung des großen deutschen Grm-ndb esitzes in den baltischen Provinzen anszuarbeiten.
vie Stimmung in Finnland.
Stockholm» 10. Jan. (Zeus. Bln.) Ein Schwede, der Finnland gut kennt, schreibt im „Svenska Dagbladet", daß die dortigen politischen Verhältnisse sich gar nicht verbessert haben. Man ist allgemein skeptisch; niemand glaubt cm eine klügere und mildere Politik Finnland gegenüber von russischer Sette, weder während des Krieges noch nach ihm. Einmal sah es aus, als ob sich der Krieg der Südseite Finnlands näherte, aber er zog sich allmählich in südöstliche Richtung. Polens Schicksal wird überall in Europa besprochen, aber man scheint Finnland vergessen zu halben. Es bleibt übrig, zu sehen,. was der Frühling mit sich bringen wird, heißt cs jetzt unter dem frnnländischen Volke.
Oie Ereignisse auf dem Balkan.
Das Vordringen der österreichisch-ungarischen Truppen ins Innere Montenegros,
Lr. Berlin, 10. Jan. (Eig. Draytbericht. Zenf. Bin.) Der Kriegsberichterstatter -des „L.-A." meldet aus dem österreichisch-ungarischen Kviegspvesstquartier: Die Montenegriner sind aus dem Sandschckk geworfen, aus Südibosuien Vertrieben und vom Meere abgeschnitten. 9hm wird die Offensive im Innern Montenegros fortgesetzt. Starke artilleristische Kräfte sind bereitg-estellt worden und seit Tagen in Tätigkeit. Die Infanterie bedroht schon nicht mehr bloß die Nord- und Nordostgrenze Montenegros, die einstige Verbindung mit Neuserbien und Noudalbcmien. sie erkämpft sich bereits Schritt für Schritt den Auf st i e g auf den Lowtschen, das unmittelbare Ziel der von Eattaro landeinwärts geführten Unternehmung. Diese Unternehmung, die zu anderer Jahreszeit wegen -der entsetzlichen Schwierigkeiten der Wasserversorgung im Karstgebiet zu den größten Wagnissen zählen müßte, findet in den reichlichen Niederschlagen dieses Winters wertvolle Unterstützung. Sind auch die Überzahl, wie die bessere Organisation auf unserer Seite, so darf doch nicht verkannt werden, daß die natürlichen Schwierigkeiten des äußerst wegearmen und unmittelbar vom Meere aufragenden Gebirgsstockes groß sind. Wan- mäßiges bedächtiges Vorträgen des Angriffs kennzeichnen unser; gegenwärtigen Kämpfe nahe der ©üb- grenze des Reiches.
Italiens Not in Klbanien.
Andauernde Kämpfe der aufständischen Albanesen mit Serben und Italienern.
Lr. Budapest, 10. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Athener Blätter melden aus Korfu: In Albanien dauern die Kämpfe zwischen den aufständischen Stämmen und den regrrlären serbischen und italienis che n Truppen mit großen Verlusten für die Serben und Italiener an. Die Albanesen haben besondere Geb irg sgeschütze. In der letzten Woche wurden 1500 Verwundete nach Italien transportiert.
Wiederaufnahme der Offensive bei Ekbassan.
Bern, 10. Jan. (Zeus. Mn.) Ein Bericht des Lyoner „Progres" aus Athen meldet, daß Nachrichten aus Duoazzo zufolge die Bulgaren, die große BeistärkiMgen erhielten, die Offensive im Gebiet von Ekbassan wieder cmfnahmen.
Kn der griechisch-serbischen Grenze.
Ln. Sofia, 10. Fan. (Eig. D«chtbericht. Zens. Bln.) An der ehemaligen gr i echt sch-s e-r'b iffch en Grenze hat, wie der Beriichikevstatter des ^L. T." bwt maßgebend^'
