Verlag Langgaffe 21
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Montag, 10. Ianuar 1916.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 14. . 64. Jahrgang.
Der 5ieg unserer türkischen Zreunde!
Dar englische Linienschiff „Uing Edward VH." verloren!
Noch eine Hiobspost für die Engländer!
W. T.-B. London, 10. Jan. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Amtliche Meldung: Das Schlachtschiff
„Edward VII." ist auf eine Mine gestoben und mußte wegen des hohen Seeganges ausgcgeben werden. Es sank bald darauf. Die Besatzung konnte das Schiff rechtzeitig verlassen. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Nur zwei Mann sind verletzt.
Das Schiff hatte eine Wasserverdrängung von 17800 Tonnen, war im Jahre 1903 vom Stapel gelaufen und bestückt mit vier 30,5-Zentimeter-, vier ll3,4.Zentimeter-, zehn 15-Zentimetcr- und zwölf 4,7« Zentimeter-Geschützen. Die Besatzung betrug 780 Manu. Handelt es sich auch nicht um ein modernes Großkampfschiff, so ist der Verlust für die Engländer doch schmerzlich, da cs sich um ein noch militärisch sehr wertvolles Schiff derjenigen Klasse handelt, die dem ersten Dreadnought unmittelbar vovhergght.
Lin Lrsolg bei Mastiger!
423 Gefangene unv sonstige Nriegrdeute.
Der Tagesbericht vom 10. Januar.
IV. T.-B. Großes Hauptquartier, 10. Januar. (Amtlich.)
westlicher Nriessschauvlatz.
Nordwestlich von Massiges, in Gegend des Gehöfts Maiffon de Champagne, führten Angriffe unserer Truppen i\u Wegnahme der feindlichen Beobachtungsstellen und Gräben in einer Ausdehnung von mehreren hundert Metern. 423 Franzosen, unter ihnen 7 Offiziere, 5 Maschinengewehre, 1 großer und 7 kleine Minenwerfer, fielen in unsere Hand. Ein französischer Gegenangriff östlich des Gehöfts scheiterte.
Ern deutsches Flugzeuggeschwader griff die feindlichen Etappcneinrichtungen in F u r n e s an.
Vestlicher ttriegsschauplatz.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Bei B e r e S t i a n i wurde der Borstoß einer stärkeren russischen Abteilung abgeschlagen.
Salkantzriegsschauplatz.
Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.
Oer Sieg von Sallipoli.
Der amtliche türkische Bericht.
Im Zentrum nenn Geschütze und große Zeltlager genommen. — Die Gcsamtbrute noch nicht zu übersehen. — Ein Truppentransportdampfer versenkt.
Ein blutig abgeschlagener Dcrsuch dcS Entsatzes von Kut-etz Amara. — 3000 Mann englische Verluste.
IV. T.-B. Konstantinovel, 9. Jan. (Nichtamtlich.) Die Agentur Milli meldet: An der Dardanellenfront haben wir mit GotteS Hilfe den Feind nunmehr auch von Scdd-ül-Bahr vertrieben. Wir haben noch keine ins einzelne gehenden Berichte über die Schlacht erhalten, die seit drei Tagen vorbereitet war und gestern nachmittag durch unseren Angriff begonnen wurde. Wir wissen nur, daß alle vor dem Kriege bei Scdd-ül-Bahr und Tekke-Burun angelegten Schützengräben von uns besetzt wurden und daß unsere im Zentrum vorrückenden Truppen neun Geschütze genommen haben. Große Zeltlager der Feinde sielen mit den Zelten und dem Inhalt in unsere Hand. Unsere Artillerie versenkte ein mit Truppen beladenes feindliches Transportschiff. Die außerordentlich große Beute konnte noch nicht gezählt werden. Die feindlichen Berluste dürften sehr groß sein. Einer unserer Flieger griff einen feindlichen Doppeldecker vom System Farman an und brachte ihn zum Absturz: das Flugzeug fiel, in Flammen gehüllt, bei Sedd-ül-Bahr nieder. Der Feind, der an dieser Front seit fast einem Jahr alle Mittel anwandte, »m uns ins Herz zu treffen, hat als einziges Ergebnis große Verluste und Einbuße an Material erlitten und wurde zur F l u ch t g e z w u n g e n. Er hat alle Hoffnung aufgeben müssen dank der Tapferkeit unserer Armee, die im Dcrlrauen an? ihr Recht eine Tapferkeit und eine Ausdauer zeigte, die eS wert find, in der Geschickte verzeichnet zu werden. Wir preisen die, welch« in Erfüllung ihrer Pflicht den Tod er. littcn haben und danken unseren siegreichen Truppen.
An der Jrokfront griff der auf eine Division ge
schützte Feind, der sich in Alligari befand, in der Absicht, Kut- el-Amara zu Hilfe zu kommen, am 6. und 7. Januar unter dem Schutz von vier Kriegsschiffen unsere Stellungen bei Scheik Said, einen Tagesmarsch zwischen diesen beide» Orten, sehr heftig an. Der Angriff wurde durch einen Gegenangriff unserer Truppen» die einige Gefangene machten, vollständig abgeschlagen. Die feindlichen Verluste werden auf 3 00 0 Mann geschätzt. Besonders ein feindliches Kavallerie-Regiment erlitt sehr schwere Berluste.
Sonst ist nichts zu melden.
Oer Siegesjubel in Konstantin opel.
Berlin, 10. Jam. (Zens. Bln.) über die Siegesfeiern in Koustantirwpel wird dem „33. T." von gestern auZ Pora gemeldet: Die Nachricht von dem völligen Aufgeber! der Dar-
danellcnfrionl durch den Feind verbreitete sich heute früh mit großer Schnelligkeit und erregte unbeschreibliche Freude. Ganz Konstantinopel prangt in buntem Flaggen- schmuck. In allen Teilen der Hauptstadt wurden große Siegesfeiern veranstaltet. In den Schulen wurde gegen Mittag der Unterricht aufgehoben. Die Schüler durchzogen unter, Führung der Lehrer singend mit Fahnen dir Straßen ihres Viertels.
IV. T.-B. Konstantinopcl, 10. Jan. (Nichtamtlich.) Die Agentur Milli meldet: Infolge des letzten Steges unserer Truppen ist die gange Stadt beflaggt, überall sinder» Freuhenknndgebungen statt, in den Moscheen werden Gebete verrichtet umd Dankgottesdienste in allen Kirchen und Tempeln abgehcrltein. Abends wurde die Stcü>t illuminiert. Das historische Ereignis der Räumung des letzten Winkels der Halbinsel Gallipoli durch die Engländer wurde durch eine Sonderausgabe des Amtsblattes bc- kanntge macht.
Die Zreudenkundgebungen.
Br. Berlin, 10. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zens. Dln.) Zu den Wolfs-Meldungen aus Konstantinopel wird dem ,.B. T." noch gemeldet: Besonders imposant war der Umzug der Kinder in Stambul, die große Freudenkundgcbungen vor dem Kriegsministcrium und dem Unterrichtsministerium veranstalteten. Auch die Straßen P e r a s wurden den ganzen Nachmittag über von singenden Manifestanten mit Fahnen und orientalischen Pauken durchzogen. Gegen Abend crstrahl- ren die Minarets aller Moscheen im Glanz eines dreifachen Lampenkranzes. Die öffentlichen Gebäude der Hauptstadt und viele Privathäuser sind illuminiert. Weiter meldet die „Boss. Ztg." auö Konstantinopcl: Noch vor dem von offizieller Seite ausgegebenen Bericht lief die Kunde vom endgültigen Abzug der Ententctruppe» in den heutigen Morgenstunden durch alle Straßen und Gassen Stambuls und P«ras. Man holte die Fahnen ans den Fenstern und pflanzte sie auf die Dächer. Die Straßen waren voll von Menschen, die sich beglückwünschten. Auf großen Pauken trommeln die Ausrufer um die zehnte Stunde an allen Ecken die Nachricht, die schon jedem bekannt war. Alle Schiffe sind von Wimpeln voll. Zwei Tage und zwei Nächte hatten die Flotten der Feinde die türkischen Stellungen von Scdd-ül-Bahr überschüttet. Trotzdem: Die
feindlichen. Stellungen waren unhaltbar, die Landungsstege verbrachen, unter den Treffer» der Türken, die Transportschiffe und Kriegsschiffe waren dauernd in höchster Gefahr. In den gestrigen Nachmittagsstunden verließen dann die Feinde das letzte Stück der Halbinsel, die ihnen so ungeheure Opfer umsonst einbrachte. Aber schwerer als die 100 000 Toten und Ersetzbaren, als die abermals zurückgelafsenen unübersehbaren Masten von Material, ist das Prestige, da? die Entente für alle Zeiten hier verlor. Sichter wird leugnen, daß sie auf dem kläglichen Rückzug zu retten haben, was zu retten war. Der klägliche Zusammenbruch dieses Abenteuers nach so großartig verkündeten Versprechungen bedeutet im Orient eine moralische Niederlage von einer Tragweite, welche erst die kommenden Dinge deutlich machen werden.
Die schweren Verluste der letzten Tage für die Engländer.
Berlin, 10. Jan. (Zeros. Bln.) Wie der „Voss. Ztg." aus Konstantinopel gemeldet wird, ist es imchgewiesen, daß d« Engländer während der letzten Tage uu v er hää l tn i s - mäßig hohe Verluste hatten. Die in mühseliger Arbei! geschaffenen Stellungen, die ein neues Gibraltar ge-: nannt wurden, hielten nicht mehr stand.
Der Gipfel der englischen verdrehungHÜunst.
Der englische amtliche Bericht.
Br. Amsterdam, 10. Jan. (Eig. Twahtücricht. Zens. Bln.) Über die Nieidovloige der En-tentetrnppen auf Gallipol: wird aus London amtlich gemeldet: Gallipoli ist gänzlich geräumt ivvrden. — Ein weiteres Telegramm besagt: General Monroe berichtÄ, daß die Räumung von Gallipoli nunmehr vollständig und „mit gutem Erfolg" auSg£= führt wurde. Me Geschütze und Haubitzen sind mitgenommen worden, mit Ausnahme von 17 abgenutzten Kanonen, die vor dem Abglug vernichtet wurden. Die Berluste der englischen Truppen beschränken sich auf „1 Mann".
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Seit Ende April v. I. ist die Halbinsel Gallipoli der Schauplatz langwieriger und erbitterter Kämpfe gewesen, viel edles Blut ist ‘frort geflossen und manches Heldengrab zeugt dort von dem Geist der Tapferkeit, der die gesamte türkische Armee in den, unerschütterlichen Entschluß beseelte, den Jeind vom heimischen Boden wieder zu vertreiben. Die Öffnung der Meerenge und der Besitz Konstantinopcls, frie Aufrichtung des Kreuzes auf der Haggia Sophia waren das Ziel, das sich der ehemalige Dreiverband bei Beginn des Dardanellen-Unternehmens gesteckt hat. Rußlands jahrhundertelanger Traum von der Herrschaft in der Stadt Konstantins sollte durch diesen Kriegszug vcr- wirklicht werden. Mit welchen Vorbereitungen wurde dieser Eroberungsplan ins Werk gefetzt, wie wurden
