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1 Der Roman, i

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m Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagbiatts. «» , m

Nr. 7.

Sonntag, 9. Januar.

1916.

*11. Fortsetzung.)

Serenissimus.

Ein« Geschichte aus dem Rokoko von Felix v. Stenglin.

(Nachdruck verboten.)

. Jetzt öffnete sich die Tür abermals, und -er Hof- Prediger Carniinus trat ein, in Amtstracht, ernst und feierlich. Tobias wurde immer übler zumute. Zwei Lakaien kamen die Treppe herab. Dann traten sie zur «Seite, und der Herzog mit dem Kaminerherrn von Dunkelstem wurde sichtbar. In der Halle angekom­men, blieb er einen Augenblick stehen, erwiderte die chrfurchtsvolle Begrüßung der Erschienenen durch leich­tes Kopfnicken und kam dann.gerade auf Tobias Eller zu.

Ist es richtig, daß Er der Barbara Psisterin ein Eheversprechen gegeben hat?" fragte er streng.

Dobias schwieg. Er schien zu überlegen. Da fuhr der Herzog schärfer fort:

Nun, wenn nicht in Worten, so durch Müssen rmd Karefsieren. Hat Er das getan? Ist Er ihrer Ehre zu nahe getreten?"

Da wagte Tobias nicht zu leugnen, er stotterte einige zustiimnende Worte vor sich hin. Barbara nahm die Hände vors Gesicht. Unwillig sah ihr Dater bald auf sie, 'bald auf Tobias.

Weiß Er, daß Er damit die Verpflichtung über­nommen hat, das Mädchen zu ehelichen?" .

Tobias sah trotzig zu Boden, ohne zu antworten.

Es ist gut. Der Herr Hosprediger wind Seine Trauung auf der Stelle vollziehen. Erfass' Er die Hand Seiner Braut und begeh Er sich in die Kapelle."

Der Gärtnerbursch war wie erstarrt vor Schreck.

Geb' Er ihr die Hand!" befahl der Herzog noch­mals.

Da schüttelte Tobias trotz aller Ehrfurcht vor seinem Landesherrn heftig den Kopf.

Serenissimus stampfte mit dem Stocke auf.Im­pertinent!" sagte er scharf. Dann wandte er sich zu den Lakaien.Heda! Ihr! Ergreift den Burschen und führt ihn vor den Altar!"

Vier Lakaien griffen zu und zerrten das Opfer durch die Tür der Hofkapelle bis vor den Altar. Dort stand Tobias schnaufend und bebend. An ein Ent­kommen war nicht zu denken. Der Prediger stellte sich ihin gegenüber; hinter ihin standen Barbaras Vater und der Kastellan als Zeugen, weiter zurück der Herzog.

Geh' Sie an die Seite Ihres Bräutigams!" befahl er Barbara, die schüchtern zurückgeblieben war. Mit leisen kleinen Schritten huschte sie an des Geliebten Seite, den Kopf gesenkt.

Der Prediger tat die üblichen Fragen.

Ich will sie nicht!" ries Tobias wie verzweifelt. Der Prediger aber sprach:

Ex manflato Serenissimi sage ich ja!"

Wie ein Hauch kanr das Ja aus Barbaras Munde.

Nun forderte der Geistliche die beiden auf, sich die Hände zu reichen. Barbara Pfisterin hielt dom jungen Burschen ihre kleine, rundliche Hand entgegen, ihr ganzer Körper zitterte; er aber verharrte in. Abwehr. Da ertönte die Stimme des Herzogs.

Legt ihre Hände ineinander, ihr da!" befrchl er den Lakaien.

Ich will nicht!" schrie Tobias Eller wie in letzter Airs,Wallung, so daß es laut von den Wänden 'der Kapelle widcrhallte.

Hat denn der Mensch keinen Begriff von der Heilig­keit der Ehe?" sagte der Herzog empört.

Mit Gewalt wurde die Hand des Gärtncvburschett in die der Zofe gelegt, und der Prediger sprach den Sogen. Der junge Gatte schwankte zur Tür hinaus.

3.

Im Schloßgarten war Ballettprobe für den Ge­burtstag Serenissimi.

Das hohe schmiedeeiserne Tor war geöffnet, davor stand ein Posten mit Gewahr im Arm. Von der Stadt her kamen die Mufici und der Ballettmeister. Bald darauf nahte sich eine Portechaise, der die Frau Ministerin mit ihrer Tochter entstieg. Im Tor sah sie durch ihre Lorgnette noch einmal zurück. Ein spöttisches Lächeln umspielte ihre Lippen.

Incroyable, Dorctte! Die Frau Forstmeisterin mit einoin Pagen! Natürlich ein aufgeputztes Kind aus der Armenschnle. Man merkt ihr doch immer an» daß ihr Vater erst vor zehn Jahren geadelt würbe."

Die Frau Ministerin rauschte durchs Tor, denn sonst wäre ihr am Ende noch die Frau Forstmoisterin zuvorgokoimnen.

Bald war idas Rund zwischen den Hecken von jun­gen Damen mit ihren Müttern imb von jungen elegan­ten Herren belobt.

Ans dom Schlosse schritt der Kanrmerjunker Peter von Himmelpfort an der Seite der Hofdame Veronika von der Winse einher. Er bewegte sich zierlich, die Füße auswärts, den Arm mit dem Hut in leicht stumpfem Winkel erhoben, nnd sah das junge Mädchen hiir und . wieder schmachtend an. Sie aber, eine schön gewachsene Brünette, blickte ernst zu Boden.

Wenn Ihr, mein hochachtbares lind wertgeschätztes Fräulein, nur ein wenig von der Süßigkeit der Freundschaft fühlen wolltet, die zwei gleichgestimmte Seelen zu verbinden vermag", so begann Peter von Himmelpfort zart und treuherzig, wenn auch etwas umschweifig.

Veronika von der Winse seufzte und warf dem jungen Mann einen klagenden Blick aus feuchten Augen zu.

Ihr verschmäht mich!" fuhr der junge Edelmann traurig fort.Freilich Leutnant von Rabenhorst pflegt mich zu necken, weil ich keine Erfahrung in der 'Liebe habe .... Vielleicht ist es das, was Euch miß­fällt. Vielleicht zieht Ihr einen Freund vor, der die Festung des weiblichen Herzens im Sturm zu nehmen gewohnt ist."

Veronika schüttelte lebhaft beit Kopf.

Ein Verhängnis" flüsterte sie.Ihr liebt mich, wie Ihr sagt, und ich < oh "

Liebt mich! Wie hold diese Worte aus Eurem