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Verlag Langgaffe 21

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Sonntag, 9. Ianuar 19!6.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 13. 64. Jahrgang.

Wiederaufnahme der russischen polittfchen Offensive in Ostgalizien.

alle Angriffe wiederum abgewiesen,

Kn l000 Russen gefangen.

Der österrerchrsch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 8. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. Januar, mittags:

Russischer Rriegsschauplatz.

Die Schlacht in Ostgalizicn und an der Grenze der Bukowina ist gestern aufs neue entbrannt. An der Strypa hat. wie bereits gemeldet wurde, der Feind schon vor Tagesanbruch ferne Angriffe begonnen. Einige starke Abteilungen der Sturmgruppcn waren unter dem Schutze des Nebels bis zu unseren Bat­terien vorgedrungcn, als der G e g e n a n g r i f f der Honvedregimenter Nr. 16 und 24 und des mittel- alizischen Infanterieregimentes Nr. 57 einsctzte und ie Angreifer über unsere Steilungen zurückschlug. Unter den 720 hierbei gefangenen Russen befin­den sich ein Oberst und 10 andere Offiziere. Unsere Linien am D u j c st r standen tagsüber meist unter starkem Geschützfcuer. An der bessarabischcn Front leitete der Gegner seine Angriffe kurz vor Mit­tag durch Artillerie-Trommelfeuer ein. Seine An­strengungen waren abermals gegen unsere Stellungen bei Toporoutz und östlich von Rarancze gerich­tet. Die Kämpfe waren wieder außerordentlich erbittert. Teile seiner Angriffskolonncn vermoch­ten in unsere Gräben cinzudringen, wurden aber durch Reserven im Handgemenge wieder zurück gc- trieben. Wir nahmen hierbei 1 Offizier und 250 Mann gefangen. Bei B e r e st i a n i in Wolhynien wiesen unsere Truppen russische Erkundungs- abteilungen ab. Am S t y r vereitelte die Ar­tillerie durch konzentrisches Feuer einen Versuch der Ruffen. den Kirchhof nördlich von Czartorysk Zurück­zugewinnen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Italiener hielten den Nordtcil des Tol­mein er Brückenkopfes und unsere Stellungen nörd­lich davon, besonders den unlängst genommenen Graben, gegen den sich auch gestern wieder mehrere A n- griffsvcrsuche richteten, unter sehr lebhaftem Artilleriefcuer. Auch bei Oslabia und stel­lenweise im Abschnitt der Hochfläche von D o b c r d o fanden ziemlich heftige Geschützkämpfe statt.

Südöstlicher RrieISichauplatz.

Keine Änderung.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Oie 75. Uriegswoche.

Bon unserem militärischen Mitarbeiter.

England stand in der ersten Woche dieses Jahres unter dem Zeichen der D ien stp fl i ch tb i l l, nach­dem der Mißerfolg des Lord Terbyschen Werbefeld- Mgs nicht mehr zu verheimlichen >war. Zwar hat das Unterhaus mit einer Vierfünftel-Mchrheit den Wehr­pflicht-Entwurf in erster Lesung gegen 68 Iren, 36 Liberale und 12 Arbeiterparteiler angenommen, aber, nachdem schon vorher Sir John Simons, der Staats­sekretär des Innern, dieser Tage aus dorn Kabinett ausschiod, dem Ministerium Asquith ist trotzdenr der Ausbruch einer Krise nicht erspart geblieben. Denn die Arbeiterminister Henderson, Brace und Roberts sind zurückgetreten, weil ihnen der Ar­beiterkongreß nicht freie Hand ließ, sondern den Be­schluß faßte, gegen die Dienstpflicht Stellung zu nehmen. Da dieser Beschluß mit rund 1715 000 gegen rund 934 000 Stimmen gefaßt wurde, ist es klar, daß etwa eine Zweidrittel-Mehrheit der Arbeiter­schaft die Dienstpflicht verwirft. Der Ausführende Ausschuß der Arbeiterpartei zog hieraus sofort eine Folgerung von der größten politischen Tragweite, in- - dem er die Trennung der Arbeiterpartei von der Koalitionsregierung beschloß. Die Einfiihrung der Dienstpflicht ist also nicht bloß mit einer sozialen Zer­klüftung, sondern auch mit der B e s e i t i g u n g der parlamentarischen Einigkeit verbunden. Dazu gesellt sich ein nationaler Zwiespalt insofern, als Irland von der Dienstpflicht ausgenommen bleibt. Die Erbitterung der Ulster-Leute hierüber, die unter Carsons Führung aus ihren Herzen keine Mövdergriche macken, ist bereits hinlänglich an den Tag getreten, um die Tiefe der Kluft aufzudecken, die in den Boden des Vereinigten Königreiches gerissen ist. Das Ministerium Asquith hat also ungeachtet der letzten ^Errungenschaft" die Lost seiner Verantwortung in

einem Umfange wachsen sehen, der ihm eines Tages auch bei geringfügigem Anlaß gefährlich werden kann. Ein Chaos ohnegleichen, so sieht das innere politische Leben Englands aus! In ruhiger Gelassenheit dürfen w i r den weiteren Verlauf dieser Krisis in England verfolgen.

Immer offensichtlicher suchen England und Frankreich die Neutralität Griechenlands zu brechen, seine Hoheitsrechte mit Füßen zu treten. Die Verhaftung des deutschen, österreichischen, türkischen und bulgarischen Konsuls tarn ein schändlicher Eingriff in die Selbständigkeit dieses kleinen Staates. England und Frankreich, 'welche sich als die Beschützer der kleinen Staaten brüsteten und wegen unseres ver­meintlichen Neutralitätsbruches in Belgien nicht ge­nug Schimpfworte seinerzeit finden konnten sie zeigen sich jetzt als die denkbar rücksichtslosesten Brecher des bestehenden Völkerrechts. Mit einer Verächtlichkeit ohnegleichen sprechen englische Beamte und Offiziere in ihren Briefen privater und offizieller Art über ihre Gesinnung gegenüber Griechenland. Wir können nur Hoffen daß diese schweren Kränkungen und Beleidigun­gen, die Griechenland von unserer Feinde Seite er­fährt, auch den letzten Funken von Zuneigung zur Entente erlöschen wird. Voller Spannung erwarten wir und die ganze Welt aus die nächsten Ereignisse um Saloniki. Mit geben: Tage ist die Entente daraus ge­faßt, von einem überlegenen Gegner angegriffen zu werden. Die nächste Frage ist denn diejenige, ob Griechenland nun auch seinerseits für die schweren Beleidigungen Vergeltung üben wird, oder ob es den Fausffchlag ins Gesicht, die seine nationale Ehre an- gehende Vergewaltigung der Konsuln, die auch mit der angeblich irgendwo anders, jedenfalls nicht in Saloniki erfolgten Freilassung nicht aus der Welt geschafft wird, ob cs ferner auch die neue Einverleibung griechi­schen Bodens, wie sie die Landung auch in Kvwalla und die Besetzung der Insel Castelloriza an der kleinasiati­schen Küste davstellt, ruhig einstecken wird.

Die erbitterten Kämpfe an der Ostfront zwi­schen Dribow und Tschernowitz sind mit geringer Ab­schwächung am Wochenende immer noch im Gange. Auch diesmal wurde die gefährliche Anfangskrisis gut ü b e r st a n d e n. Selbst die dichtesten Sturm­kolonnen der Russen brachen vor ben wichtigen Brücken­köpfen im deutschen und österreichischen Feuer zusam­men. Rußland bleibt nach wie vor von dem Ein­fluß ans dem Balkan ausgeschaltet. Das ist der unbestreitbare Erfolg der Mittelmächte wäh­rend dieser jüngsten russischen Offensive. In Montenegro macht die österreichische Offensive wieder erfreuliche Fortschritte. Die Gelände und Wege- Verhältnisse sind hier noch schwieriger als diejenigen Serbiens. In Albanien besetzten die Bulgaren die Stadt Elbasan und streben von hier aus in drei Kolonnen der Adria zu. Die italienischen Trup­pen bewegen sich nur langsam vorwärts und begegnen ernsten Schwierigkeiten bei der Überwiirdung der alba­nischen Flüsse und Sümpfe. Die Adria ist in öster­reichischer Hand. Die italienische Flotte ist nicht im­stande den Verkehr mit der Heimat genügend zu sichern. Auch über diesem albanischen Abenteuer Italiens schwebt ein Unstern. An der Nordgrenze ihres Heimatlandes aber verbietet der Winter den Italienern größere Unternehmungen.

Der westliche Kriegsschauplatz war an einzelnen Tagen der Woche ganz still. Artillerie-, Minen- und Luftkämpfe waren die hauptsächlichste Kampftätigkeit. Unsere Flieger zeigten im Kampfe gegen ein feind­liches Luftgeschwader, welches Douai vergeblich angriff, von neuem ihre Überlegenheit. In diesen Tagen erfuhr das französische Flugzeugwesen bekannt­lich eine herbe Kritik im Parlament. Die bisherige Flugzongkonstruktion, als Ursache der häufigen Flieger­unglücke, wurde als fehlerhaft angesehen. Die Ver­wirrung wächst noch dadurch, daß der Unterstaatssekre- tär des französischen Flugzeügwesens und der Kriegs- minister hierüber in Meinungs- und Zuständigkeits» streftigkeiten geraten sind.

Im Orient wurde die Verlängerung der H ed- s ch a s - B a h n nach D i I v a, nahe der natürlichen Grenze Ägyptens vorgeschoben, nachdem in monate- langcr Arbeit neue Straßenzüge angelegt worden waren. Die türkische Gefahr nähert sich dem Sues- Kanal. Die englische Schlappe an der Westgrenze Ägyptens wird zwar abgeleugnet, jedoch wird zuge­geben, -daß es sich nicht nur um kleine Plänkeleien han- dell. Vor G a l l i p o l i standen tagelang die feind­lichen Landungsstellen unter dem Feuer der schweren türkischen Artillerie. In P e r s i e n erlitten die Russen eine Niederlage im Kampf mit bewaffneten Freiwilli­gen. In der russischen Heimat hat eine schwere Lebens­mittel-, Kohlen- und Beleuchtungsnot eingesetzt.

Die 75. Kriegswoche brachte noch nicht den Schluß­akt auf dem Balkan. Hoffen wir es von der kom­menden. kck.

' Oie Ereignisse auf dem VaLkan.

pie Befestigung Salonikis durch den vierverband.

Br. Wien, 8. Fan. (Eiy. Drcchtbericht. Jens. Dln.) Der PMtiscken Korrespondenz wird aus Saloniki berichtet: Die Verbündeten arbeiten ununterbrochen an den beiden Befestigunigslinien vor Saloniki. Die Meinung der griechi­schen MMäoleitnug geht indessen dahin, daß die angeleg'en BssestigungM für den Angriff der Zentralmächtr kein schweres Hindernis bieten dürften. Betreffs Saloniki ist die Ansicht der Fachleute die, daß es unter den kommenden Ereignissen nur teilweise zu leiden haben dürste. In Anbetwacht der Teroain^staltung. glaubt inan nicht, daß die im Hasen liegenden Kriegsschiffe ein lesonders wirksames Feuer gegen die vorrückenden öster­reichisch-ungarischen und deutschen Strertkräste unterhalten können.

Immer neue Gewaltakte gegen die Bevölkerung in Saloniki.

Br. Konstantinopel, 8. Jan. (Erg. Drähtbericht. Jens. Mn.) Aus Saloniki geflüchtete hier eintneffende Mohamme­daner berichten, daß sich die Gewaltakte der Emtentesoldatcn gegen die Bevölkerung häufen und daß die griechischen Be­hörden vollkommen machtlos sind, um den von Sol­daten beleidigten und geschädigten Personen Genugtuung zu verschaffen.

Eine Unterredung mit dem bulgarischen Finanzminister.

Bulgariens innerpolitische Lage. Auch die Opposition unterstützt die Regierung.Das genehmigte Finanzabkommen. Die Frage der wirtschaftlichen Annäherung au die Mittelmächte.

W. T.-B. Sofia, 8. Fan. (Nichtamtlich.) Der Vertreter des W. T.-B. befragte den Minister Tontschew über die innerpolitische Lage Bulgariens, wie sie sich nach der ersten Kriegstagung der Sobranje darsiellt. Der Minister erklärte u. a.: Das innerpolitischc Leben ruht gegenwärtig. Alle Parteien sind darin einig, daß der einmal einge- schlageuc Weg weiter begangen werden muß bis zur Er­reichung des Ziels der Sicherung der nationalen Einheit. Auch die Führer der Opposition hoben sich bereit er­klärt, die Regierung zur Erreichung dieses Ziels zu nute r- stützen. Die russenfreundliche Politik ist jetzt abgetan. Selbst diejenigen Politiker, die einst eifrige Anhänger dieser Richtung waren, erkennen, daß es kein Zurück gibt. Nur die Sozialdemokraten haben ihren grundsätzlichen pazifistischen Grundsatz gewahrt, doch hat dies keine praktische Bedeutung. Wenn in Ernzelfragen Kritik laut geworden ist, so bezieht sich dies nicht auf die allgemeine Richtung der Politik. Die Opposition will nur die Punkte feftlcgen, an denen später die parteipolitische Agitation mit ihrer Kritik ein- setzen kann. Das F i n a n z a b l o m m e n mit den Mittelmächten, das ich im Finanzausschuß vornelesen habe, fand allgemeine Zustimmung. Über eine wirtschaft­liche Annäherung an die Mittelmächte hat noch keine Anssprache stattgefuitden. Die Lösung dieser Frage ist außer­ordentlich schwierig wegen der verschiedenen Interessen, welche dabei berücksichtigt werden müssen, so das; es hierzu längerer Vorbereitung bedarf. Im allgemeinen kann man sagen, daß Bulgarien als Agrarstaat und die Mittelmächte als stark in­dustrielle Staaten einander ergänzen; deshalb ist eine An­näherung möglich und erwünscht. Doch das sind spätere Sorgen. Gegenwärtig muß man trachten, den Truppen der Verbandsmächte in Saloniki den vernichtenden Schlag zu ver­setzen.

Italiens Intereffe an Albanien.

W. T.-B. Mailand, 8. Fan. (Nichtamtlich. Drähtbericht.) DerSecolo" betont in einem' Leitartikel das Interesse Italiens an Albanien. Es müsse entweder ein unab­hängiges oder ein unter italienischem Pro­tektorat stehendes Mbanien geschaffen werden. Eine andere Lösung könnte Italien nicht zugemutet werden. Wer Albanien berühre, rühre an der Spitze des italieni­schen Schwertes. Die italienische Front gehe nicht vom Stilffer Joch zum Karst, sondern von Skutari bis an die nordische Grenze.

Bewaffnete italienische Dampfer.

W. T.-B. New Dork, 8. Jan. (Nichtamtlich. Reuter.) Der italienische DampferGiuseppe Verdi", mit zwei viorzölligen Schiffskanonen an Bord, ist hier einge- troffen. Einer Meldung der Associated Preß aus Washington zufolge wird das Staatsdepartement inoffiziell sich an die italienische Regierung wenden und sie bitten, die Kanonen entfernen zu lassen, ehe das Schiff die amerikanischen Gewässer verläßt.

Wenn wir also künftighin wieder einmal hören sollten, daß dieser oder jener italienische Dampfer in den Grund ge­bohrt wurde, daß dabei vielleicht auch Menschenleben, selbst Amerikaner, berldren gingen, oder möglicherweHe gar der Guiseppc Bebdi" aus den Meeresboden sank, so tvevden wir wissen, daß Kanonen an Bord tvaren. Denn was in dem einen Falle geschah, ivird auch bei anderen der Fall sein. Zu begrüßen ist die Aiufforderung der Washingtoner Regie­rung, die damit wohl aus Grund der letzthin im Senat ge­stellten Anträge handelt. /