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„Tagblatt-Haus" Nr.«KL0-S3.
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Samstag, 8. Januar 1916.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 12. . 64. Iahrsang.
Oer Urieg.
Oer Tagesbericht vom 8. Ianuar.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 8. Jan. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Die Gefechtstätigkeit wurde auf dem größten Teile der Front durch die Wi t t e r u u g ungünstig beeinflußt.
Südlich des Hartmannsweiler Kopfes wurde den Franzosen durch einen überraschenden Vorstoß ein Grabenstück entrissen, über 60 Jäger fielen gefangen in unsere Hand.
lvesllicher und valkan-Nriegsschauplatz.
Keine Ereignisse von Bedeutung.
Oberste Heeresleitung.
Oie Ereignisse auf dem Salkan.
Ein neuer Gewallstreich gegen Griechenland.
Besetzung der Insel MylsS.
Br. Budapest, 8. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.)
Wie aus Athen gemeldet wird, erregt dort die Mitteilung der Entcnteleitung, wonach im Interesse der Operationen die Insel Mylos für die Kriegsdaucr als besetztes Gebt e t erklärt wird, ungeheures Aufsehen. Die Ententelcitung besetzte bisher die Inseln Embros, TcnedoS, Mhti- lenc, Chios, Lemnos und I k a r i a. Sie betonte dabei immer wieder, die Inseln gehörten noch nicht endgültig unter das griechische Zepter, da die Türkei noch nicht endgültig auf die Souveränität verzichtet hat. Die griechische Regierung war von Anfang an mit den Zielen der Entente im reinen, sie protestierte stets gegen die Besetzung der griechischen Inseln, war sich aber bewußt, daß die Erklärung der Entcnteleitung nur ein Vorwand sei, um das richtige Ziel zu verhüllen. Peinlich berührt ist man nun, daß bei Besetzung der Insel Mhlos die Entente es nicht mehr für nötig hielt, sich in irgend einer Weise zu rechtfertigen und als Begründung lediglich erklärte, die verbündete Flotte sei infolge der für die nächste Zeit erhaltenen Weisungen genötigt, sich durch die Besetzung der Insel Mhlos dort für ihre Operationen eine Flottenbasis zu schassen. Die griechische Presse stellt fest, daß in dieser Maßnahme eine Drohung gegen Griechenland enthalten sei. Mhlos liegt inmitten der Schiffahrts- linie zwischen Kreta und Athen.
Zranzöfische Scharfmacher gegen Griechenland.
W. T.-B. Paris, 8. Jan. (Nichtamtlich.) Der rührende Idealismus, der für das ganze griechische Unternehmen des Vierverbandes kennzeichneird ist, durchweht auch den „Radical", der in seiner Ausgabe vom 3. Januar schreibt: „Wieder einmal wird königliche Willkür ein Volk 'iis Verderben geführt haben! Griechenland braucht nur noch abzurüsten, wie es der Hof von Athen erträumt, und die feindlichen Horden können ungestört die Herde im Schafstall erwürgen, dessen Eingang törichter Verrat den Wölfen geöffnet hat. Nur eine Rottung gibt es noch für Griechenland! Die französisch-englische Armee unter Savrail, die fvanzösifch-engüsche Flotte, die den Golf von Saloniki und die Ehalcidice beherrscht — die Festung zu Wasser und zu Lande. Um Griechenland noch einmal zu netten, müssen Frankreich und England die Heldentat von Itavarino (Schlacht gegen die Türken 1827) wiederholen. Sie werden sich dem nicht entziehen — denn solches ist die ewige Aufgabe der Zivilisation."
Englische Besorgnisse über Sie Haltung Griechenlands.
Griechenland beabsichtigt, die Zugänge zum Ägäischen Meere zu sperren?
Br. Amsterdam, 8. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) über die Haltung Griechenlands sind die politischen Kreise Englands sehr nervös geworden. Die Stimmen werden immer dringender, die für eine Aufgabe der Salonikier Expedition cintretcn, bevor daraus eine Katastrophe wird. Besonders wird die Nachricht ans Paris lebhaft besprochen, Griechenland beabsichtige die Zugänge zum Ägäischen Meer durch Minen zu sperren, sobald die Zcntralmächte mit ihrem Angriff auf Saloniki beginnen. Die Trnp- pen der Alliierten würden dadurch von jeder Zufuhr irbgeschnitten und wären gänzlich verloren, wenn Griechenland plötzlich als Feind auftritt.
Z«r Kreilassung der Konsuln.
Br. Lugano, 8. Jon. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) „Giornale d'Jtalia" berichtet zu der bereits von demselben Watte gemeldeten Freilassung der Konsuln aus Athen: Die Freilassung der verhafteten Konsuln entspricht völlig den Absichten Sarrarls, der nur in den Konsulaten die Beweise für die dortige Spionage ausdecken wollte. Sarrail wollte damit in Griechenland Mißtrauen gegen den Verbund schaffen. Die Presse gibt auch eine englische (nattirlich englischen Wünschen entsprechende) Privatmeldung wieder, wonach sich in Athen ein Umschwung zugunsten de? Vierverbandes vorbereitet. Namentlich verstimmte die Nachricht über türkische Truppenansammlungen in der Richtung Doiran- GLwgeli,
Bulgariens Vergeltungsmaßnahmen.
Ein Vermittlungsversuch des Bukarcstcr holländischen Gesandten in Sofia.
Br. Sofia, 8. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Mn.) Der holländische Gesandte in Bukarest ist gestern in Sofia eingetroffen und hat dem Ministerpräsidenten Rados- lawow einen Besuch abgestattet, um die-'Freilassung der von Bulgarien zurückgehaltenen Gesandtschaftsbeamten des Vierverbandes zu vermitteln. Radoslawow erklärte, die entsprechenden Anordniungen treffen zu wollen, wenn der verhaftete bulgarische Konsul sin Saloniki mit dem gesamten Konfulatspersonwl unverzüglich in Freiheit gesetzt würde.
Ein bulgarisches Durchgangsvcrbot für die russische Post aus Griechenland.
Kopenhagen, 8. Jan. Der „Nowoje Wremsa" zufolge verbot die bulgarische Regierung für die Post, die von Griechenland nach Rußland bestimmt ist, den Durchgang durch Bulgarien.
Va§ erfreuliche Ergebnis der ersten Sobranje-
XTcigimg.
Die bewilligten Kricgskreditc und ihre Verwendung.
Bi-. Sofia, 8. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zcns. Bin.) Mit dem Ergebnis der ersten Kriegstagung der So- branje kann das Ministerium Radoslawow autzer- o r >d e n t I i ch zufrieden sein. Die reservatio mentalis, mit der bis einstige ruffophile Opposition ihre Erklärung zur heutigen Lage abgegeben, wird Herrn Radoslawow nicht beunruhigen, die Hauptsache bleibt, baß alle Parteien, ausgenommen bie d orthodoxen Sozialdemokraten, die geforderten K r i e g s k r e -d i t e von 680 Millionen bewilligten und baß selbst bicse sozialistische Gruppe ans bie Anfrage, ob sie ihre oppositionelle Haltung auch bann aufrecht erhalten hätte, wenn sie bie Verwirklichung bes nationalen Jbeals verhindert hätte, mit einem kräftigen Nein antwortete. Der außerordentliche Kriegskredit von 530 Millionen verteilt sich folgendermaßen: Dem Kriegsministerinm zur Verfügung des Oberkommandos für die laufenden Kriögsausgaben 450 Millionen, für Sraßenbauten 35 Millionen, für Elsenbahnbauten 15 Millionen, für Unterstützung be- bürftiaer Kricigerfamiilien 53 Millionen. Im Laufe ber Debatte über -diese. Kredite machte Finanzminister Tonisch eff auch einige Mitteilungen über die Anleihe in Berlin. Bekanntlich stellten bie Zentralmächte monatlich 50 Millionen zur Verfügung, die von der bulgarischen Regierung durch Jnterimsschatzbonds zum Pari-Kurse und zu 5y 2 Prozent vorläufig gedeckt werben. Nach dem Kriege sollen diese Scheine ebenso wie bie Anleihe von 1914 in eine große Anleihe konvertiert werden, deren Zinsfuß 6 Prozent nicht ichersteigen soll, so baß auch der Zinsfuß ber 1914 aufgenommenen Anleihe von 8 lauf 6 Prozent herab- gesetzt wird. Die 42 Millionen Lewa für die Verwal- tung der neubesetzten Gebiete wie der von der Türkei abgetretenen Gebiete wünschte die Opposition aus dein außerordentlichen Budget gedeckt zu sehen. Die Regierung wies auch den Povwurf zurück, daß sie bei Einsetzung der Ziv i lv erw altung in den besetzten Gebieten parteipolitische Ziele verfolge. Bei -derDobatte über die neuen militärischenStrafgosetze wurde eine Reihe von Strafbestimmungen erheblich g e- mildert. Mit der Genehmigung des türkisch-bulgarischen Abkommens hat dann die Sobranje ihr siebentägiges Werk gekrönt.
Oie Trümmer des serbischen Heeres.
Ausbleibcnde italienische Hilfe.
über d-i-e Stärke der serbischen Heeresreste bestehen auch in der sei-ndkicheu Presse Widersprüche, die jetzt ganz trn Sinne der bisherigen deutschen amtlichein Angaben langsam ihrer Lösung entgegengehen. Am Schluß des gegen Serbven geachteten Feldzuges war von unserer Seite mitgeterlt worden, daß „mehr als 100 000 Mann, fast die Hälfte der serbischen Armee, gefangen sind und die mageren Reste dieses Heeres sich auf der Flucht in den albanischen Bergen befinden". Das offiziöse „Giornale d'Jtalia" Beeilte sich in den ersten Dezembert-agen immer und immer wieder zu versichern, daß weit über 150 000 serbische Soldaten den feindlichen Verfolgungen entgangen sind und in unversehrtem Zustand im Westen Montenegros und an der albanischen Küste angekommen wären, daß also mindestens 150 000 kampffähige Serben den Italienern bei ihren bevorstehenden Operationen auf albanischem Boden zu Gebote ständen. In Italien hielt man an dieser Ziffer um so hartnäckiger fest, weil sonst die Stimmung des Volkes für den albanischen Feldzug Italiens noch mehr abgeflaut wäre. Der „Matin" vom 1. Januar meldet nun unter der Überschrift „DaS serbische Heer mutz gerettet werden", daß der ferbifche Kriegsminister bei feinem Aufenthalt in Athen erklärt habe, daß wenigstens noch 100 000 serbische Soldaten gerottet, wiederhergestellt und verwendungsfähig gemacht werden könnten. Während also die Italiener mit ihren 160 000 Serben schon vor drei Wochen losmarfch irren wollten, spricht der genaueste Kenner der Zustände im serbischen Heer, der Kriegsminister, von der Möglichkeit einer Rettung der Reste von 100 000
Mann. In der gleichen Ausgabe des „Matin" läßt sich der milttärische Mitarbeiter des Blattes werter wie folgt vernehmen: „Nachdem die Bulgaren den Hauptrücken der albanr- schon Berge überschritten hüben, suchen sie die albanischen Häfen zti erreichen, von denen sie nur noch durch einige kurze Etappen getrennt sind. Einer ihrer Heeresflugel marschiert, nachdem er Elbasan besetzt hat, auf Durazzo zu, auf einer fahrbaren Straße, während gleichzeitig aus einem Maultierwege auf Tirana losmarschiert wird. Ein zweiter Hoevesflügel, der von Dibva aus vorgerückt ist, hat den Matifluh erreicht und strebt nun auf einem leichten Saumwcg, der ins Tal hinabsteigt, auf A l e s s i o zu, von wo ihm ein ganz vorzüglicher Weg über San Giovanni di Medua die Crstrebung des Zieles, S k u t a r i, gestatten wird. Auf diese Weise werden, da ganz Mittel-Albanien sich in den Händen der Feinde befindet, die Serben und Montenegriner, die im Norden kämpfen, von den ln Valona gelandeten italienischen Stveitkrästen vollkommen getrennt werden.
Das serbische Archiv des Äußern in Wien'.
W. T.-B. Wien, 8. Jan. (Nichtamtlich. Dcaht- bericht.) Der „Neuen Freien Presse" zufolge wurde das Archiv des serbischen Ministeriums -des Äußern nach Wien gebracht. Das Archiv wurde von österreichischungarischen Truppen in einem Kloster gesunden, wo es von -der serbischen Regierung versteckt -gehalten worden war. Es iwnr-de in 63 Kisten verpackt nach Wien geschafft.
Die Lebensmiltelzufuhr nach Montenegro so gut rvie abgeschnitten.
In acht Tagen sechs Schiffe versenkt.
Stockholm, 8. Jan. (Zeus. Bln.) Die Petersburger Presse meldet aus Athen, daß die Tätigkeit feindlicher (österreichischer) Unterseeboote in der südlichen Lldria und au der montenegrinischen Küste die denkbarste Schädigung für Montenegro bedeute. Die LebenSmittelzufuhr nach San Giovanni di Medua mußte in den letzten Tagen fast vollständig eingestellt werden, da die Unterseeboote eine wirksame Blockade dieses Hafens ausübten. In den letzten acht Tagen wurden an der mon-tenegrinischen Grenze insgesamt sechs Fahrzeuge, Dampfer und Segler, mit einem Gesamttonnengehalt von über 9000 Tonnen, die sämtlich mit für Montenegro bestimmte Lebensmitteln befrachtet waren, von Unterseebooten versenkt. Zwischen Cettinje, Rom und London soll ein neuer Meinungsaustausch über diese Ange- lsgenheit im Gange sein, indem die montenegrinische Rqsie- vung dafür einttitt, baß sämtliche nach Montenegro gehenden Dampfer und Fahrzeuge mit Geschützen bewaffnet !ver- dcn, um Widerstand bei einem Untevseebootsangriff leisten zu können.
Rutzland wirbt erneut um Rumänien.
Stockholm, 8. Jan. (Zens. Mn.) Dem „Rußkoje Slowo" wird aus Bukarest gemeldet, daß bereits neue wichtige B e r h a n d l u n g e n mit der rumänischen Regierung eingesetzt haben. Die diplomatischen VerhaudlunFen, die in der Hauptsache durch S ch e b e k o und den Großfürsten Boris geführt werden, sind von weittragendster Bedeutung. Durch die mit starken Kräften auSgefichrte Offensive in Beffarabicn werben die Wikarester Umteirhandlungen wirksam unterstützt. (Die russische Offensive war bisher bekanntlich ganz erfolg- l o s und brachte Rußland nur mindestens 50 000 Manu neue Verluste. Schriftl.) Die künftige Haltung Rumäniens lasse sich eiulvanidfrei noch nicht bestimmen, doch deuten alle Anzeichen darauf hin, daß Rumänien für den Ernstfall vollständig bereit sein will. Die Rüstungen werden mit unvermindertem Eifer fortgesetzt.
vie rumäuischen konservativen forbern die offene Erklärung für die Mittelmächte!
Br. Bukarest, 8. Jan. (Erg. Drahtbericht. Zens. Bln.) Mexander Mrrghiloman berief das Exekutivkomitee der kon- sarvattven PEtei zu einer Sitzung zusammen, in der die zukünftige Haltung Rumäniens besprochen wurde. Marghilo- man wurde beauftragt, dem König den Standpunkt der konservativen Partei persönlich zu unterbreiten. Bezüglich der äußeren Politik tvar man einstimmig der Ansicht, daß ftir Rumänien ein Zusammengehen mit den Zentral- m ä ch t en notwendig sei. In der Audienz beim König wird Marghiloman empfehlen, ein Kabinett zu bilden, das sich offen an die Seite der Zcntralmächte stellt.
Line neue „Gefahr" für den Vierbund ln KIbanlen.
Die Garibaldiancr!
Br. Lugano, 8. Jan. (Eig. Drcchtbericht. Zens. Bln.) Die Reise Ricciori Garibaldis nach Athen und Pepino Garibaldis nach Frankreich soll, nach römischen Meldungen, Verhandlungen über den bisher vom Vier- vevband wbgelehnten Versuch eines Garrbaldier- Zu-ges nach Albanien gelten.
Br. Budapest, 8. Jan. (Eig. Draht bericht. Zem. Bln.) „Az Est" erfährt über Bukarest aus Saloniki: Die Verbündeten konnten noch immer Mite Entscheidung in der Frage treffen, was mit der in Albanien befindlichen 100 000 Mann (!?) starken serbischen Armee geschehen soll. Die Italiener fordern, sie soll in ILban-ien verbleiben, mn öi« italienische Aktion zu unterstützen, der englisch-sranzösischs
