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Samstag, 8. Januar ISIS. WsrgeN-AUSgabL.
Nr. II. . S4. Jahrgang.
Unsere Bundesgenossen i« Kilometer vor Berane.
Bisher mindestens 50000 Mann neue russische Verluste in Oftgalizien.
Der russische „Durchbruch bis zu den Karpathen?'
Kriegsbeute unserer Bundesgenossen, lebhafte Geschützkämpfe an der itaUeuischen Zront. — Das erneute Vordringen in Gstmontenegro.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 7. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 7. Januar, mittags:
Nussischer Kriegsschauplatz.
Der gestrige Tag verlief im Nordosten verhältnismäßig ruhig. Nur am S t y r kam es vorübergehend zu Kämpfen.
Der Feind besetzte einen Kirchhof von Czar- torysk, wurde aber von österreichischer Landwehr bald vertrieben. Heute früh eröffnetr der Gegner wieder seine Angriffe in Ostgalizien. Tur- kcstanische Schätzen brachen vor Tagesanbruch gegen unsere Linien nordöstlich von B u c z a c z vor und drangen in einem schmalen Frvntstück in unsere Gräben ein. Die Honved - Infanterie - Regimenter Nr. 16 und 24 warfen aber den Feind in raschem Gegenangriff wieder hinaus. Es wurden zahlreiche Gefangene und 3 Maschinengewehre eingebracht.
Wie aus Gefangenenausfagen überein st im- mend hervorgeht, ist vor den letzten Angriffen gegen die Armee Pflanzer-Baltin der ruffischen Mannschaft überall mitgetellt worden, daß eine große Durchbruchsschlacht bevorstehe, die die ruffischen Heere wieder in die Karpathen führen werde. Znver- läffigen Schätzungcn zufolge betrugen die Verluste des Feindes in den Nensahrskämpsen an der beffarabi- schcn Grenze und an der Strypa mindestens 5 Ost 00 Mann.
Stalle irischer Kriegsschauplatz.
Die Gcschützkämpfc dauern au vielen Stellen der Front fort und wurden im Gebiet des Col di Lana bei Flitsch, am Görzer Brückenkopf und im Abschnitt der Hochfläche von Doberdo zeitweise ziemlich lebhaft.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Truppen des Generals v. Koeveß haben die Montenegriner bei Mojkovac am Taraknie, bei G o d u s a nördlich von Berane und aus den Stellungen westlich von Rozaj und halbwegs zwischen I p c k und P l a v nach heftigen Kämpfen geworfen. Unsere Spitzen sind 10 Kilometer von Berane entfernt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feld marschall eutnant.
Der „Sarralong"-Mord.
Grundsätzlich kein Pardon für deutsche Unterseebootsbesatzungen!
Der „Varralong"-Mord System!
Br. Berlin, 7. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Daß der „B»rralong"-Fall für Dcuffchland nicht erledigt ist und nicht erledigt sei» kann, wird wohl eine allseitig mit Interesse erwartete Kundgebung der deutschen Regierung demnächst beweisen. Heute veröffentlicht Gras Revcntlow in der „Deutschen Tageszeitung" folgende staunenswerte Mitteilungen: Die auierikanischc Zeiffchrist „American of Reviews" führt ans, daß man britischerseits seit dem „Lusttanirtz/Fall ständig den Grundsatz durchgeführt habe, deutschen Unterseebootsbesatzungen keinen Pardon zu geben. Man habe sic entweder erschossen oder aber, wenn deutsche Unterseeboote sich in Netzen usw. gefangen hätte, sie fünf Tage unter Wasser gelassen, damit die deutsche Besatzung eines qualvollen Todes stürbe. Die amerikanische Zeitschrift übertreibt natürlich lächerlich die Größe der deutschen B-Bootsverlustc, worüber man der Zukunft die weitere Aufklärung überlassen darf. Hier kommt es lediglich auf die Feststellung an, daß eine große amerikanische Zeitschrift nach englischen Quellen behauptet, seit vielen Mona- t c n würden deutsche ^-Bootsbesatzungen, sei es durch Erstickcn, sei es durch direkte Ermordung von englischen Krregsschiffbesatzungcn getötet, während sie sich in wehrlosem Znstandc befänden. In gleichem Zusammenhang ist es sehr bemerkenswert, weil bestätigend, daß das englische Blatt „Globc" sich «ff dem gleichen Gegenstand beschäftigt und ver
langt, es dürfe deutschen B-Bootsbesatzungen kein Pardon gegeben werden. Hierdurch scheint uns der Schluß unausweichlich, daß die Ermordung der wehrlosen deutschen B-Bootsleute durch die Besatzung des „Barralong" keine Ausnahme darstellte, sondern ein Verfahren, welches die englische Regierung deutschen B-Bootsbesatznngen gegenüber offiziell veranlaßt hat. Eine andere Schlußfolgerung liegt gleichfalls nicht fern. Wie erinnerlich, wurden seinerzeit gefangene deutsche 17-Bootsbesatzungen in England als Verbrecher behandelt. Daraufhin wandte die deutsche Regierung Vergeltungsmaßnahmen einer entsprechenden Anzahl kriegsgcfangener Engländer gegenüber an. Die Folge war, daß die großbritannische Regierung die gefangenen deutschen B-B»otsbesatzun- geu wieder als Kriegsgefangene behandelt« und im Anschluß daran auch die Vergeltungsmaßnahmen aufgehoben wiuchen. Die grohbritannische Regierng sieht sich seitdem nun zwar gezwungen, die gefangenen I7-Bootsleute als Kriegsgefangene zu behandeln; um aber etwa neue gefangene deutsche B-Bootsleute nicht ebenfalls als ehrenhafte Kriegsgefangene behandeln zu müssen, hat die britische Regierung bezw. basten ihre Untrrorgane, die großbritanni- schen Kriegsschiffskommandanten, die allgemeine Weisung, keine B-Bootsbesatzungen mehr als Gefangene heimznbringcn. So erklärt sich lediglich und in Übereinstimmung mit allen bekannten Taffachcn, daß die britischen Kriegsschiffskommandanten im Falle, daß ein deutsches B-Boot in ihre Hände fällt, die Besatzung zur höheren Ehre Albious ermorden oder sie e r- sticken lasten, wenn das B-Boot sich in ein Netz gefangen hat oder sonst in hilfslosem Zustand unter Wasser befindet. Der „Barralong"-Mord ist also S y st c m; je nach Situation und nach der Charakter- Anlage des Kommandanten und seiner Besatzung wird es natürlich verschieden sein, ob die Gentleman-Mörder es vorzieheu, ein fröhliches Schieße» auf schwimmende B-Bootsleute z« veranstalten oder sie zu e r- ste di en oder sie unter Wasser ersticken zu lassen. Man kann sich vorstelleu, mit wie behaglicher Ruhe und Genugtuung die Besatzung des englischen Kriegsfahrzeuges ans der Wasseroberfläche liegt, und wie dann der Kommandant mit seiner Besatzung von Stnndc zu Stunde und von Tag zu Tag mit sadistischem Erröten fcststellt, wie weit die Erstick» ngs- qnalen der Deutschen unter Wasser bereits gediehe« sein müssen. Graf Rcventlow schließt (mit Recht!), man müffe gegen England urit allen Mitteln kämpfen und sich nicht von neutralen oder inneren Idealisten bcrinfluffen lasten, die selbst die Zeppelinangriffe aus London bedauerten.
Der Kampf um die vienstpflichtbill.
Die schwierige Stellung des Kabinetts?
Br. Amsterdam, 7. Jan. (Mg. Dnchwericht. Zeus. Bln., Nach dem Rücktritt des Arbeitsmimstars Simon und noch der Absage der Iren ist die Stellung der Regierung um so schwieriger, West amch das Berbbeiben McKennas und Runcimans höchst zwoifechast ist. ES ist em offenes Geheimnis, an welchen Bedingungen der Schcchkcrnzler und der HandelSMinister die Beibehaltung ihrer Ämter knüpfen. Die Leiter der beiden wirtschaftlichen Refforts fordern nn Jnter- efle der St-mtSfinauzen und der Volkswirtschaft eine Einschränkung der Heeresstärke, bei der die Einführung des Dienstzwanges ein bloßer Humbug sein würde. Rach den AnschÄumgen bex „Times" wurde aber eine solche Beschränkung den Verpflichtungen gegenüber den Verbündeten Widersprechen, welche die englische Regierung und Heeves- leitimig emyegangen sind. Durch die Beschlüsse des gemeinsamen Mintstermates und des Vepbandskriegsmttes ift England gebunden. Asanith befindet sich demnach in sehr schwieriger Lage. Der Verfall des Kabinetts, wenn müh McKonna nmd Runoeman es verlassen, würde N emo ahlen bedingen, die der größere Teil der Konservativen, aber auch Ltoyd George gu wünschen scheinen. Das Koaliticmsminiftc- riMm aber würde Neuwahlen, depefti AnsschreÄmng das Ende des BuivgfNilsdens bedeuten würden, sicherlich nicht überleben.
Neuwahlen als beste Lösung der Schwierigkeiten.
W. T.-B. London, 7. Jan. (Nichtamtlich. Dwchtbericht.) Reuter teilt mit, der politische Himmel sei infolge des Ausganges der Arbeiterkonferenz und der ansehnlichen Minderheit, die int Unterhaus gegen die MMtärdienftpflichtbill gestimmt hätte, neuerdings bewölkt. „Daily Graphic" glaubt, daß es möglicherweise bald zur Auflösung des Parlaments kommen werde. Dem „Daily Telegraph" zufolge urteilen einige der vorüchmlichsten Mitglieder des Kabinetts, daß die Minderheit gegen die Bill einen Grund zu Neuwahlen gebe und daß die Wähler würden .entscheiden müssen, ob die Vorlage angenommen werden müsse oder nicht. „Daily Mail" schreibt. Man glaube in parlamentarischen Kreisen, daß im Laude eine große Mehrheit für den Dienstzwang vorhanden sei. Einige Mitglieder der Regierung seien bereits zu der Überzeugung gelangt, daß die Neuwahlen nicht nur nnveriueidlich, sondern auch die beste Lösung der bestehenden SchwieriBketckM sein würden.
John Simons Kritik.
W. T.-J?. London, 7. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbcricht. Unterhaus. Ausführliche Meldung vom 5. Jan.) Nachdem Asqutth die Mll über die Dienstpflicht eingebracht, führte John Simon ans, bi« Bill müffe bekämpft werden. Er wäre schon früher zurückgetreten, wenn nicht Asqurth eine Aufschiebung der Entscheidung gefordert hätte, bis die Ergebnisse des Werbefeldzuges von Derby vorlägen. Gr bekämpfe die Bill grundsätzlich, weil sie die Grundlagen des politischen Lebens ändern würde. Die Voraussetzung. für die bisherige Politik des Kabinetts sei gewesen, daß erst die Tatsache festgestellt werde, da auf ihr die Gesetzgebung begründet werden sollte; ferner, daß das Gesetz allgemeine Arstimmung finde. Simon bestreitet, daß di« Ziffern des Berichtes von Derby zuverlässig seien. Die Ziffern der unangemeldeten wehrfähigen Unverheirateten, die au<f 680 000 angegeben wurden, seien einfach durch eine Subtraktion der Derby-Ziffern von den Ziffern des nationalen Registers gewonnen worden. Beide Zahlenreihen seien durch verschiedene Methoden gewonnen worden und nicht vergleichbar. Die Ziffer 680 000 sei unzuverlässig, da Geistliche, Matrosen und Unfähige sowie diejenigen, die seit Aufstellung des nationalen Registers in die Armee eintraten, in die Zahl derer eingenechnet sei, die sich angeblich geweigert haben, Militärdienst zu leisten. Asgnith sagte der Nation niemals, wie diel Soldaten aufgebracht werden sollten. Simon schloß: Wenn einmal die Dienstpflicht im Prinzip eingeführt fei, werde man dabei nicht stehen bleiben. Dian solle dem preußischen Militarismus Nicht die Ehre erweisen, seine hassenswerteste Einrichtung nachzuahmen. — Hob ge (Arbeiterpartei) sagte, die Haltung der Mitglieder seiner Partei würde von den Beschlüssen der nationalen ArbeÄerkonferenz abhängen. Wenn Asgulith an seiner frühcrien Erklärung festhalte, daß die Bill nur mit allgemeiner Zuftrmntung angenommen werden solle, müsse sie zurückgezogen wenden. — Thomas (Arbeiterpartei) führte aus: Die Arbeiter hegten den starken Verdacht, daß die Regierung Nicht aus mrlitävifchein Gründen, sondern wie bekannt, durch eine Pveffeagftation handle. Wenn die Dienstpflicht für Unverheiratete jetzt eingeführt werde, würde als nächster Schritt die indiustr ielle Dienstpflicht eingeführt werden. Die Vertreter des Eisenbahner Verbandes hätten soeben beschlossen, alles aufzubieten, um zu verhindern, daß die Dienstpflicht Gesetz werde. — Bonar Law sagte: Asguich mutzte sein Versprechen einlösen. Wenn das Haus die Ansicht ausspricht, daß keine nationale Nottoenbigkeit siir die Mll bestände und daß bas Versprechen nicht hätte gegeben werden sollen, dann müsse sich bas Haus klar sein, daß der Krieg ohne Mithilfe Asquiths weitergeführt werden müsse. Es handle sich bei der Bill nicht nur um 250 000 Dienstverweiser oder wie viele es nach allen Abzügen sein mögen, sondern um die Gesamtheit der Verheirateten, die sich freiwillig gemeldet haben und zur Dierrstnehmiung nur verpflichteten, wenn Asgutth sein Versprechen erfüllte. Bonar Law gab zu, daß die Ziffern Derbys hauptsächlich auf vorläufiger BerÄ,- nuug beruhen. — Dillon (natl.) bekämpfte die Mll und fragte, ob es wahr fei, daß Lloyd George nach seiner Rückkehr aus Glasgow in der Downingstveet Vorgesprächen und ein Ultimatum gestellt, und am Tage, bevor das Kabinett die Frage erörtert habe, mit .dem Rücktritt gedroht habe.
Griechenlands militärische Machtverhaltnisse.
Griechenland ist in neuester Zeit dadurch in eine schwierige Lage geraten, daß sich die Truppen der sogenannten Ententemächte daselbst festgesetzt und aus- gebreitet .haben, so .daß die Gefahr einer Okkupation ides Landes drohend geworden ist. Es ist auf diese Weise der Anschein erweckt worden, als ob sowdhl die politischen wie die militärischen Verhältnisse daselbst eine Komplikation erfahren haben, welche nicht ohne einige Schwierigkeiten zu lösen sein wird. Angesichts dieser Sachlage liegt es nahe, einen Blick auf die militärischen Machtverhältnisse Griechenlands zu werfen und zu sehen, welche Machtmittel dem König Konstantin behufs einer Abwehr der Gefahr zu Gebote stehen.
Der im glückliche Feldzug Griechenlands gegen die Türkei im Jahre 1897 hatte zur Folge gehabt, daß der Wert der griechischen Hecresmacht nicht besonders hoch eingeschätzt wurde. Diese Ansicht erfuhr in: Lause des Balkankrieges. 1912/13 eine so gründlich Änderung, daß die griechische Armee heute mit Recht zu >den wichtigsten der BalkanhaDinsel gerechnet werden kann. AE Zeichen der hohen moralischen Qualität der hellenischen Armee mag der Umstand angeführt werden, daß von den 1912 rund 225 000 zu den Fahnen berufenen Wehrpflichtigen mehr als 100 000 aus den: Ausland zurückkehrten, um ihre patriotische Pflicht zu erfüllen. Die Kämpfe um Janina, insbesondere aber jene gegen die Bulgaren lieferten Beweise dafür, daß das Heer gut geführt wurde und sich tapfer schlug. Der bÄieutende territoriale Zuwachs, den Griechenland durch die Ergebnisse des Balkankrieges erfahren hat, schloß nicht nur eine bedeutende Vermehrung, sondern auch eine, allerdings erst im Lause der Zeit durchführbare Reorganisation der griechischen Wehrmacht in sich dir
