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Nr. 5.

Zreitag» 7. Januar.

WlS.

lSchlutz.)

Diß $t(JU auf BOt0» (Nachdruck verboten.)'

Humoreske von Ott» Höcker.

Snyder verwünschte innerlich gerade die Zähigkeit der ihin Vorgesetzten Hammelkeule. Nun schaute er verwundert auf. „Die Herrschaften scherzen wohl? Herr Waltham ist noch nicht verheiratet."

„Nicht verheiratet?" Die acht oder zehn Tochter schrien wie Hühner, zwischen welche ein Marder ge­fahren ist. „ c , , „ .

„Nicht ver—hei—ratet?" fragte auch dre fassungs­lose Frau Smith mit wuchtiger Betonung jeder Silbe. Ihr Glitte beugte sich mit starrem Entsetzen über den Lisch, wahrend Ingers,ll mit ausgesperrtcm Munde saß und ganz vergoß, die Gabel mit einem anfgespieß- ten Bissen vollends zum Bestimmungsort zu führen.

Snyder aß seelenriihig weiter. „Wie ich Ihnen sage, Herr Walthanr ist 'o wenig verheiratet wie zum Beispiel ich. Er ist der zäheste Junggeselle von ganz New Dork." Nun. als neue Entsetzensrufe zu seinen Ohren drangen, wurde er ober. endlich aufmerksam. „Wie meinen die Herrschaften eigentlich?" fragte er betreten.

Smith wollte sprechen, doch seine Gattin hielt ihm den Mund zu. „Vorsichtig, John!" mahnte sie.

Snyder wurde es ganz schwül, als er nun das Dutzend Fischaugenpaare ailf sich gerichtet fühlte. Der Appetit verging ihm, und er schob seinen Teller zurück. „Nein, Herr Maltham ist nicht verheiratet", bekräftigte er nochmals. „So wenig wie — wie Ihre Töchter hier!

Die Mutter schluckte. „Es bedarf wohl keiner Frage, daß meine Töchter jederzeit die ehrenwertesten Gatten finden könnten — Ihr braucht darum nicht zu erröten, meine Lieblinge", setzte sie sanft hinzu. „Ich fetze nur den Fall." Mit eisiger Hoheit wendete sie sich dom immer ungemütlicher sich fühlendenSnyder wieder zu. „Sie werden zugeben, daß sich in Begleitung von Herrn Waltchanr ein — ein Fräulein befindet, die —"

,/Ach, Sie nreinen die Stenographin?" Er lachte glücklich, wie in der Hoffnung, das seltsame Mißvm- ständnis rasch anftloren zu können. „Ist die auch hier? Die kennt Herrn Waltham ja kaum."

„Kennt sie kaum?" stöhnte Frau Smith, während ihr Nachwuchs sich .in lautem Gekicher erging.

„Ich mutz aber «doch lehr bitten!" brauste Smith auf. „Das sind unzeitige Scherze!"

,Schr unziemliche Scherze!" meckerte sein getreues Echo, indem er in der Gewißheit, daß es mit dem Frühstück nun doch zu Ende sei, schleunigst noch einen gewaltigen Bissen hinter den breiten Kinnladen ver­schwinden ließ.

Snyder wurde empfindlich; er glaubte nicht anders, als man wolle ihn zum Narren haben. „Ich weiß nicht, was das alles zu bedeuten hat", meinte er auf­geregt. „Durch eine Telegrammverstümmelung ver­anlaßt, schickte ich mit Herrn Walthams Salonwagen ‘ sich gerade bei mir um Stellung bewerbende —.wyraphin, ein junges Mädchen, von dessen Existenz err Waltham bislang keine Ahnung hatte."

„Ec scheint inzwischen von ihr außerordentlich viel Ahnung bekommen zu haben!" krähte Smith mit über« schlagender Stimme.

.Aber erlauben Sie einmal!" Zornig sprang Snyder aus.

Er fühlte sich von dem ebenfalls aufgestandenen Hausherrn beim Arm gepackt. „Wissen Sie, daß Ihr Herr .Waltham uns diese — diese Person als seine Frau ins Haus gebracht hat?"'

Ec kam nicht weiter, denn in diesem Augenblick kam John B. Waltham Arm in Arm mit Lucy durch den Garten heran. Er war wie verwandelt, lachte und scherzte und war so völlig in sein Glück vertieft, daß er ganz erstaunt aufschante, als bei ihrer Annäherung die Smith schon Töchter mit entsehensvollcn Schreien, als hätten ihre Augen den leibhaftigen Bösen geschaut, über die Terrasse hüpften gleich einem Schwarm auf- goscheuchter Hühner, um in der Haustür zu verschwin­den. Auch Frau Smith, die überraschend schnell zu sich gekoinmen war, machte Miene, wie vor Entsetzlichem zu fliehen, doch sie harrte aus, mit versteinernden: Ge­sicht.

,Mas gcht hier eigentlich vor?" fragte Waltham. Er nahm den hastig auf ihn -»tretenden Snyder wahr und stutzte. „Hallo, welcher Wind treibt denn Sie her?"'

„Haben Sie meine Depesche nicht erhalten?" fragte der vor Bestürzung nahezu Betäubte.

„Ihre Depesche? — Jetzt erinnere ich mich, ein Er- preßjunge gab mir so was in Madison, doch ich hab's vergessen. Das Ding muß noch in meiner Rocktasche stecken."

Doch er kam nicht dazu, die Depesche zu lesen, denn mit unheilverkündender Miene trat das Smithsche Ehepaar auf ihn zu. Sie wollten beide zugleich sprechen und brachten es darum aaur 5» einem unver­ständlichen Gemurmel. Ihrer nahm sich Jngersoll an, der hinter seinem Herrn und Meister schritt. „Sie sind wohl immer noch verheiratet, he?" fragte er.

Da fand Smith sei,re Sprache wieder. Er stellte sich.in Positur und räusperte sich. „Herr Waltham", sagte er mit Grabesstimme, „ich frage Sie auf Ehre und Gewissen, sind Sie mit dieser" — er schluckte — „mit diesem Fräulein hier", setzte er kleinlauter hinzu, als er einem flammenden Zornesblicke begegnete, „mit diesem jungen Fräulein verheiratet?"

./Selbstverständlich!" lautete die prompte Antwort. „Auf Ehre und Gewissen, wenn Sie so feierlich fragen, ich bin mit diesem Fräulein hier so gut verheiratet wie Sie mit Ihrer Frau."

„Ah — -das ist stark!" hauchte Frau Smith.

„Aber Herr Waltham —" stotterte auch Snyder ver­blüfft. Er schallte sich fast die Augen aus dem Kopse und ließ den Blick zwischen seinem glücklich lächelnden Gh«f und der an dessen Arme hängenden, zwar ängst­lich, doch auch selig dareinschauenden Lucy hin und her­fahren. ,Jch erklärte oben den Herrschaften, Sie seien nicht verheiratet und —