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Sreitag, 7. Januar 1916. Hl0tTCJ€1t s £lU$<|Clb£. * Nr. 9. ♦ 64, Jahrgang.

Einstweiliges Abflauen der rusfijchen Offensive.

Nirgends mehr Infanterieangriffe an der beffarabifchen Front. — Blutig abgewiesene

Angriffe an der Küsten ländischen Front.

Günstig fortschreitende Angriffe in wstmontenegro.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht,

W.T.-B. Wien, 6. Jan. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 6. Januar, mittags:

Russischer Nriegsschauplatz.

Tic Äampftätlgkcit in Ostgalizien und an der bessaraüischcn Grenze hat gestern wesentlich nachge­lassen. Der Feind hielt unsere Stellung zeitweise unter Gcschützfeuer, feine Infanterie trat nirgends in Aktion. Äuch an allen anderen Teilen der nordöst­lichen Front liegt kein Ereignis von Bedeutung vor.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der küstenländischcn Front nahm das feindliche Geschützfeuer stellenweise neuerdings zu. Nördlich Dolje wiesen unsere Truppen wieder mehrere An­griffe blutig ab und behaupteten so die er­oberte Stellung. Im Tiroler Grenzgebiet fanden in den Abschnitten von Buchenstein und Riva lebhaftere Artillcriekämpfe statt.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nördlich von Berane und westlich von Rozaj sind die Truppen der Armee des Generals v. Koeveß in günstig fortschreitendem Angriff gegen die Montenegriner. Im Gebiet der Bocche di Cattaro trat in den letzten Tagen zeitweise auf beiden Seiten die Artillerie in Tätigkeit. Sonst blieb die Lage unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Oie Ereignisse auf dem Balkan.

Feindliche Unterseeboote im Hafen von Saloniki?

Sr. Wie», 6. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Mailänder Blätter bringen die Mitteilung, daß im Hafen von Saloniki feindliche Unterseeboote aufgetaucht seien.

3ur Verhaftung der Nonsuln.

General Sarrails Erklärungen.

Genf, 6. Jan. (Zeus. Bin.) In einem Athener Bericht des „Corriere" wird davgestellt, daß die Nachricht über die i > Verhaftung der Viebbuttdskonsukn in Saloniki bei der > griechischen Regierung derart überraschend ge­wirkt habe, daß zunächst jede telegraphische Weitergabe des Berichtes untersagt wurde. Der englische Gesandte begab sich am gleichen Wend noch zum Ministerpräsidenten umd unterrichtete ihn über die Gründe, die Scwrail zur Ver­haftung geführt hätten. Daraus sei die sehr entschieden ge­haltene Einsprache der griechischen Regierung erfolgt, die dos Vorgehen Sarrails als unerhört und als Mißachtung der griechischen Hoheitsrechtc und Neutralität bezeichnet und die sofortige Freilassung der Konsuln verlangt habe. Gleichzeitig habe der Chef des Generalstaibes der drittem. griechischen Division Sarvail um Aufklärung ersucht, woraus dieser er­klärt habe, nmch der Beschießung von Saloniki durch feindliche Flugzeuge habe or die Konsuln als Angehörige krieg- führender feindlicher Mächte behandeln müffon. Der griechischen Regierung habe er die Lage erleichtern wollen, indem er sie bar die vollendete Tatsache stellte. Der Einspruch der griechischen Regierung sei in Paris und London durch den griechischem Vertreter überreicht worden, doch gehe die überwiegende Auffassung bei den betreffenden Regierungen dahin, daß es sich nur >mn einen formellen Ein- spouch handle, der nicht Genugtuung fordere.

Freilassung der festgenommensn Ronfuln?

W. T.-B. Sofia, 6. Jan. (Nichtamtlich. Drcchtbericht.) j „lltro" meldet: Einer hiesigen neutralen Gesellschaft ist die ! Mitteilung zugegangen, daß sich die englische Regierung bereit erkläre, die gefangenen Konsuln freizulassen, falls i einige Vertreter von England und Frankreich, welche in den j Hauptstädten der Verbündeten sind, freigelassen werben. 1 Die englisch-französischen Verhandlungen hierüber sind bei­nahe beendet. Ein gemeinschaftlicher Beschluß von England ! und Frankreich wird der griechischen Regierung bald mitgc- teilt werden.

Ein neuer englischer Eingriff in die griechischen Hoheitsrechte.

Die Besetzung der Halbinsel Chalcidicc.

Sr. Wien, 6. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) - Das „Nene Wiener Journal" meldet aus Sofia: Laut

Athener Berichten besetzten die Engländer die Halbinsel

Chalcidicc, ohne die griechische Negierung von diesem Schritt zu benachrichtigen.

Ein feindliches Kriegsschiff in der Bucht von Athos.

Sr. Rottcrdanl, 6. Jan. (Eig. Dücchtbericht. Jens. Bln.) Der griechische Minister des Innern wurde davon ver­ständigt, daß ein Kriegsschiff der Alliierten in der Bucht von Athos eingetroffen sei und daselbst drei russische Offiziere landete, welche sich in das Kloster Athos begaben.

ver Unwille in Griechenland über die famosen englischen Briefe.

W. T.-B. Athen, 6. Jan. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)

Tie Beröfsentlichungen aus den abgegangencn Briefe» eng­lischer Amtspersonen rufen hier größtes Auf­sehen hervor. Die Presse ist entrüstet. „EmbroS" schreibt: Es gebe nichts Schlimmeres als die zivilisierten Barbaren, welche die Stimme der von ihnen Erwürgten ersticken wollen.

Die bulgarische Presse in Erwartung eines neuen Balkanbundes.

Br - Sofia, 6. Jan. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die bulgarische Presse befaßt sich andauernd ausführlich mit der Verhaftung der Konsuln in Saloniki. Sie gibt der Hoff- muig Ausdruck, daß dieser Vorfall die Vereinigung der Bal- kanstaaten, die bisher mit normalen Mitteln nicht durchführ­bar war, beschleunigen werde. „Djevnik" schreibt: Das un­verschämte Vorgehen der Entente wird Griechenland zwingen, sich nunmehr offen gegen die Enlcnie zu wenden.

via Ungewißheit über die Italiener in valona.

Pariser Besorgnisse.

Sr. Rotterdam, 6. Jan. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Wie man auS Pavis vernimmt, erregt es in den dortig«» militärischen und politischen Kreisen Aussehen, daß man bis­her ohne bestimmte Nachrichten von dem in Balona gelan­deten italienischen Korps ist. Das einzige, was man von den Italienern in Vcklona vernommen hat, ist, daß sie ein Regiment nach D u r a z z o geschickt haben. Sie sollen aber nirgends dein Anmarsch der Bulgaren gegen die Küste cmshalten.

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Die „perfia" das Gpfer einer Treibmine?

Sr. Genf, 6. Jan. (Eig. Drahtbcricht. Jens. Bln.) Daß die „Persia", deren Untergang die amerikanischen Gemüter unnötigerweise erregt, von einem österreichischen Unterseeboot in den Grund gebohrt worden sei, ist noch nicht zweifels­frei bisher festgestellt worden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß irgend ein unglücklicher Zufall die Schuld trifft. Diese letz­tere Annahme gewinnt an Wahrscheinlichkeit, da die i» Paris lebenden Amerikaner einstinrniig erklären, die „Persia" sei gar nicht torpediert worden, sondern ans eine Treib­mine geraten.

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Treibminen im Roten Meer.

Sv. Zürich, 6. Jan. (Eig. Dralstbericht. Jens. Bln.) In italienischen Schiffahrtskreisen wird behauptet, im Riten Meer seien viele Treibminen ausgesetzt, die in hohem Mlche die Schiffe gefährden. Einige Dampfer seien bereits gesunken.

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Ein hochherziger Verzicht der Königin-Witwe Elisabeth von Rumänien.

Bukarest, 6. Jan. (Zeus. Bln.) Laut „Jndependancc Roumai.ne" verzichtete die Königin Elisabeth für die ganze Dauer ihres Se&cttä auf die Einkünfte aus der Z i v i l - liste. Sie beschloß, die ihr aus dieser Quelle zustehende Summe von jährlich 300 000 Lei für öffentliche Zwecke zu ver­wenden. Ihren Entschluß verfügte sie mit rückwirkender Kraft aus das Jahr 1915. Der Betrag für das vergangene Jahr scll für die Kanalisierung des Ortes Curteadarghes zur Ver­fügung gestellt werden. Die Summe aus dem Jahre 1916 ist für die Errichtung eines Offizier-Erholungsheims in demsel­ben Ort bestimmt.

Oa§ tschechische Problem.

o Berlin, 5. Januar.

Die deutschen Ho ch s ch u l b l ü t t e r in Österreich haben sich vor kurzem in einer gemeinsamen Erklärung für ein engeres politisches und wirtschaftliches Verhält­nis mit uns ausgesprochen, und sie haben ihre Eingabe auch mündlich mehreren Ministern ihres Staates vorgelegt und erläutert. Das kann uns Wohl ge­fallen, aber wer nun glaubt, daß „Mitteleuropa" auf bem Marsche ist, der vergißt, daß die Deutschen im Donaureiche nur eine Minderheit sind. Es kämmt nicht auf sie allein an, es kommt auch auf die U ngarn und auf die slawischen Völker, vor allem auf die Tschechen an. Gewiß haben die Ungarn begriffen, daß cs für ihr Volk rein Heil und nicht einmal die nackte Daseinsmöglichkeit gibt, wenn sie das Bündnis mit .uns nicht in Kopf und Herz gleicherweise hegen und pflegen. Wie aber steht es mit den Slawen im Donan- reiche? Zwar was die Polen anlangt, so bieten sich Wege dar, auf denen wohl ein nützliches Ziel unschwer

zu erreichen wäre. Wie auch immer das große Problem des P^Ientmns gelöst werden mag, so fällt dab« wesentlich ins Gewicht, daß Galizien eine RandproviW des Staates ist, daß es andere Teile aus deni freige­wordenen polnischen Erbe an sich ziehen oder sonstwie mit ihnen in eine Beziehung treten kann, durch die es zwar mit späteren mitteleuropäischen Gestaltungs­formen eng verknüpft bleibt, doch aber zugleich vor stärkeren inneren Reibungen mit diesem Organismus b e w a h r t. wird. Die Tschechen dagegen sind geo­graphisch ein förmlich ein gekapseltes Volk, sie sind unweigerlich an die Interessen ihres Gesamt­staates gebunden, aber sie haben gerade darum auch die Macht, von innen heraus sie zu stören und zu hemmen, wenn eigener Unverstand oder sremde Miß­griffe ihnen eine solche Stellungnahme nahclegcn soll­ten. Wir können uns kern engeres Verhältnis mit dem Donaureiche ohne die Bejahung durch die Tschechen vorstellen. Das muß einmal gesagt wer­den, und es mutz vor allem der Auffassung begegnet werden, als ob der Gegensatz zwischen Deutschen und Tschechen in Böhmen ein ewiges Natur» g e s e tz sei. Er hat Jahrzehnte hindurch nicht be­standen, er braucht auch in Zukunft nicht zu bestehen, und wenn die Aufgabe seiner Überwindung selbstver- ständljch den Österreichern zufällt, so haben wir Reichsdeutsche hier doch auch Verpflichtungen, vor allem die, daß wir uns von vor-ggfaßten Meinungen befreien und die tschechische Frage nicht immer und einseitig vom Standpunkte eines gewissermaßen gottgewollten Kampfes betrachten. Naiimanns vielberufenes Buch behandelt die tschechische Frage überaus vorsichtig, allzu vorsichtig. vielleicht. Naumann weiß, daß die größte Schwierigkeit für die Schaffung eines Mittel­europa gerade in B ö h men liegt, aber er sagt es nicht so deutlich, wie das notwendig ist. Er hält viel Freund­lichkeiten für die Tschechen bereit, er denkt sich z. B. den .H-auptsitz der künftigen gemeinsamen Organisation in Prag, was den Tschechen denn freilich Mt behagen mag. Mer an den Kern der Frage kommt man aus diese -Weise doch nicht heran. Wir maßen' uns nicht -an, eine Formel für die Lösung des Rätsels gofunbö» zu haben, wir wissen, wie hart diese Nuß ist, wir wissen aber -auch, daß alles daran gesetzt werden mutz, um dieses Haupthindernisses einer wirklichen und nicht bloß mechanischen Annäherung Herr zu werden. Vor -allem dünkt uns jedoch erforderlich, daß wir Deut­schen die Tschechen zu verstehen suchen. Manches Schlimme ist über sie in diesem Kriege gesagt worden, aber geschah dies auch mit Fug iiud Recht? Hermann Bah r hat siingst« an einen österreichischen Staats­mann einer^lericht -erstattet, den er -im Januarheft der „Neuen Rundschau" veröffentlichte und der uns wegen seines Freimuts beachtenswert dünkt. Wenn man sich vorstellt, daß -diese Denkschrift unter Umständen rich­tunggebend für Wiener Entschließungen werden könnte, so darf man sagen: hier blühen neue Hoffnungen. Der Verfasser bestreitet mit aller Bestimmtheit, Zeichen einer russischen G e s i n n u n g gefunden zu haben. Einer.der tschechischen Führer, -den er fragte, für wen sich das tschechische Volk entscheiden würde, wenn für Böhmen keine andere Wahl bliebe, als entweder r ei ch s d e u t s ch öder russisch zu werden, antwor­tete, ahne zu zögern: „Dann natürlich immer noch

lieber für Deutschland." Bahr erklärt es als das Er­gebnis feiner. Nachforschungen, daß die Tschechen gegen die Gefahr einer politischeil Hinneigung zum heutigen Rußland „immun" sind. Er könnte sich, so paradox das klingen mag, eher vorstellen, wenn sie sich von. Wien in ihrem Volkstum bedroht sähen, daß sie vielleicht ein» mal der Gefahr einer politischen Neigung zu Deutsch­land erliegen, wobei es -an allerhand geschichtlichen Be­rufungen, etwa -auf die Zeit Karls IV., nicht fohlen würde. Bahr fährt fort: „Für die Autonomie

Böhmens ist dem Tschechen kein Preis zu hoch. Wenn Wien -sie bedroht und Berlin sie verbürgt, so wird er nicht zögern. Das klingt wie ein schlechter Witz, aber mir fiel auf, wie sehr gerade tschechische Nationalisten das Deutsche Reich, die Ordnung, die Verwaltung, die Arbeitsmethoden, die Steuerkraft, das Bankwesen und den weltwirtschaftlichen Sinn -der Deutschen bewun­dern. Die russischen Schwärmereien tschechischer Phantasten sind unaofährliche Romnitik, das Interesse des tschechischen Geldes, der tschechischen Arbeit für die Weltwirtschaft des Deutschen Reichs könnte bei Ge­legenheit gefährlich praktisch werden." Wir bekennen, es ist für uns eine willkommene Vorstellung, -daß ein österreichischer Staatsmann diese Denkschrift liest und sie hoffentlich auch beherzigt. Wir können es aber nicht oft und nicht laut genug sagen: es gibt kein Mittel­europa, ohne daß nicht wenigstens der Versuch ge­macht wird, eine Brücke -Mischen Deutschen und Tschechen zu schlagen. Das Wie ist die Sache der dazu Berufenem, das Was ist unsere Forderung, un­sere Not und das unentrinnbare Bedürfnis ihrer M- stellnng. ' • v.